Die Große Kreisstadt Kehl () liegt im Nordwesten des Ortenaukreises am Rhein und grenzt mit diesem an die französische Stadt Straßburg. Kehl ist etwa gleich weit von Karlsruhe (75 km) im Norden und Freiburg im Breisgau (80 km) im Süden entfernt. Die Stadt ist nach der Kreisstadt Offenburg und hinter Lahr/Schwarzwald die drittgrößte Stadt des Ortenaukreises und bildet ein Mittelzentrum im Bereich des Oberzentrums Offenburg. Seit 1. Januar 1972 ist Kehl Große Kreisstadt.GABl. 1972 S. 81 vom 20.12.1971 Als ehemaliger Brückenkopf zu den rechtsrheinischen Gebieten Frankreichs war Kehl oft Schauplatz kriegerischer Handlungen und wurde mehrfach zerstört. Die heutige Struktur der Stadt und etliche Gebäude sind vom Schaffen Friedrich Weinbrenners geprägt.
Geographie Geographische Lage Die Kernstadt Kehl liegt in der Oberrheinischen Tiefebene, rund drei Kilometer südlich der Mündung der Kinzig in den Rhein. Die Stadt hatte schon seit jeher Bedeutung als Hafenstadt. Sie liegt im früheren Überschwemmungsgebiet von Rhein, Kinzig und Schutter.
Nachbargemeinden Die folgenden Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Kehl (im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden):
Rheinau, Appenweier, Willstätt, Offenburg, Schutterwald und Neuried (alle Ortenaukreis). Im Westen bildet der Rhein die Grenze zu Frankreich mit der Hauptstadt der Region Grand Est, Straßburg.
Stadtgliederung Kernstadt Im Jahr 1910 wurden die alte Stadt Kehl und das Dorf Kehl, das mit Sundheim eine Doppelgemeinde bildete, zur neuen Stadt Kehl vereinigt. Heute befindet sich auf dem Gebiet der alten Stadt die Innenstadt Kehls. Die Bezeichnung Innenstadt ist durch die Lage am nördlichen Stadtrand nicht geographisch, sondern funktional zu verstehen. So zeichnet sich die Innenstadt durch eine verdichtete, städtische Bauweise und das Zusammentreffen der Verkehrsinfrastruktur (Bahnhof, Straßenbahn) aus. Ebenso befindet sich die Fußgängerzone in der Innenstadt. In südwestlicher Richtung erstreckt sich das ehemalige Gebiet des Dorfes Kehl. Dieses zeichnet sich durch eine weniger dichte Bebauung aus, teilweise noch mit erhaltenem Dorfcharakter.
Zwischen Rhein und einem Altrheinarm, der sich in das Gebiet der Kernstadt erstreckt, liegt die Kommissionsinsel, eine als hochwertig eingestufte Wohngegend, in der sich unter anderem auch Gerichte, Behörden oder beispielsweise das Kehler Krankenhaus befinden. Seit der Landesgartenschau 2004 befindet sich am Rheinufer der Kommissionsinsel die Passerelle des Deux Rives.
Das 1910 entstandene Stadtgebiet wuchs seitdem um mehrere Wohnsiedlungen, zuerst in südwestlicher Richtung die Siedlung Kronenhof sowie in südlicher Richtung das Wohnquartier Kreuzmatt, das sich durch Geschosswohnungsbau auszeichnet. Die Kreuzmatt war während der französischen Besatzungszeit nach dem Zweiten Weltkrieg erbaut worden, um unter anderem Offizierswohnungen zu errichten. Heute ist die Kreuzmatt ein eher sozialer Brennpunkt Kehls, in dem sich auch ein Großteil des sozialen Wohnungsbaus der Stadt wiederfindet.
In der weiteren Stadtentwicklung entstand im Osten der Kernstadt die Siedlung Sölling, im Süden die Wohnquartiere Niedereich, Wolfsgrube und Kronenhof. Seit dem Jahr 2015 wird das Wohnquartier Schneeflären am südlichen Stadtrand erschlossen.
Sundheim Sundheim ist seit dem Zusammenschluss von Kehl Stadt und Kehl Dorf keine eigenständige Gemeinde mehr. Sundheim grenzt in südwestlicher Richtung direkt an die restliche Stadt Kehl und besitzt heute den Charakter einer Wohnsiedlung, wie beispielsweise die angrenzende Siedlung Niedereich. Sundheim besitzt keinen eigenen Ortschaftsrat und keinen Ortsvorsteher. Über die regionalen Grenzen hinaus bekannt ist Sundheim durch das Sundheimer Huhn geworden.
Ortsteile Im Rahmen der Gebietsreform der 1970er Jahre eingegliedert wurden die Gemeinden Auenheim, Bodersweier, Goldscheuer (mit Marlen und Kittersburg), Hohnhurst, Kork, Leutesheim, Neumühl, Odelshofen, Querbach und Zierolshofen. Alle diese Ortschaften haben eine eigene Ortsverwaltung.
Zu einigen Ortsteilen gehören teilweise weitere, oft auch räumlich getrennte Wohngebiete oder Wohnplätze mit eigenem Namen, die oft nur sehr wenige Einwohner haben und deren Grenzen teilweise auch nicht genau festgelegt sind. Hierzu gehören Kittersburger Mühle, Rheinwärterhaus und Wohnhaus Uhl in Goldscheuer, Auenheimer Mühle, Korker Mühle und Ziegelei in Kork sowie Honau und Leutesheimer Mühle in Leutesheim.
Rahmenplan Stadtkern Kehl Im Januar 1977 veröffentlichte die Stadt Kehl in Zusammenarbeit mit der zuständigen Landesdenkmalpflege damals in Karlsruhe ihren „Rahmenplan Stadtkern Kehl“ zum Erhalt ihres Stadtbildes,Der Rahmenplan als Selbstbindungsplan zur Erneuerung des Stadtbildes im Handwörterbuch der Stadt- und Raumentwicklung, 2018. niedergelegt im Maßnahmenplan im Maßstab 1:1000. Dieser Maßnahmenplan ist Grundlage der 2004 verabschiedeten und heute in der Fassung von 2020 für den Stadtkern gültigen Gestaltungssatzung der rechtsverbindlichen Bebauungspläne der Stadt Kehl.Carl Helmut Steckner – Cornelius Steckner: „Rathausplatz und Stadtbild Kehl“ 2021 (Kehl II) ISBN 978-3-949400-00-1Rechtsverbindliche Bebauungspläne, auf kehl.de
Raumplanung Kehl bildet ein Mittelzentrum im Bereich des Oberzentrums Offenburg des Verbands Region Südlicher Oberrhein. Zum Mittelbereich Kehl gehören neben der Stadt Kehl auch die Stadt Rheinau und die Gemeinde Willstätt. Verflechtungen gibt es auch mit dem Raum Straßburg in Frankreich.
Schutzgebiete Im Stadtgebiet befinden sich drei Naturschutzgebiete (Altwasser Goldscheuer (3.197), Roßwört (3.170) und Sundheimer Grund (3.228)), drei Landschaftsschutzgebiete (Altwasser Goldscheuer (3.17.023), Roßwört (3.17.019) und Sundheimer Grund (3.17.024)), vier FFH-Gebiete (Östliches Hanauer Land (7413341), Rheinniederung von Wittenweier bis Kehl (7513341), Untere Schutter und Unditz (7513341) und Westliches Hanauer Land (7313341)) sowie sechs Vogelschutzgebiete (Gottswald (7513442), Kammbach-Niederung ((7413441)), Kinzig-Schutter-Niederung (7513441), Korker Wald (7313442), Rheinniederung Kehl - Helmlingen (7313401) und Rheinniederung Nonnenweier – Kehl (7512401)) ausgewiesen. Stand: Oktober 2018
Geschichte der Stadt Kehl mini|hochkant|Der Kehler Wasserturm
Gründung bis 1800 mini|Französische Karte von 1720 der Stadt und Festung Straßburg (mit Kehl auf der anderen Rheinseite). Eindrucksvoll sichtbar sind auch die zahlreichen Altrheinarme des noch nicht kanalisierten Oberrheins. mini|Straßburg und Kehl, 1734, Homaennische Erben mini|Festung Kehl, ca. 1800 Die älteste erhaltene Erwähnung von Kehl stammt von 1038. 1333 wurde mit dem Bau einer ersten Rheinbrücke, der Langen Bruck, zwischen Kehl und Straßburg begonnen und ab 1388 bestand eine permanente Straßenverbindung zwischen beiden Orten. Von jeher war Kehl ein Bestandteil der Verteidigung Straßburgs. Im 15. Jahrhundert gab es drei Siedlungen, das eigentliche Kehl (Brückenkopf), das Dorf Sundheim und das sogenannte „Mitteldörfel“. Hier lebten Nachkommen von Einwohnern der wegen Überschwemmungen aufgegebenen Orte Iringheim (südwestlich der heutigen Kernstadt) und Hundsfeld (südlich der heutigen Kernstadt). Die Siedlungen waren ein Kondominat der Herren von Geroldseck, von Böcklin, von Nassau, Grohstein und Bock. 1497 gelangte die Hälfte des Besitzes an die Markgrafen von Baden.
Nachdem Kehl 1678 unter Ludwig XIV. von Frankreich eingenommen war, begann 1683 der Bau der neuen Festung Kehl durch den Militär-Architekten Sébastien Le Prestre de Vauban. Diese Festung wurde 1698 der Markgrafschaft Baden-Baden zugesprochen. Im Osten der Festung Kehl hatten die Bewohner des alten Dorfes Kehl ein neues Dorf Kehl gegründet, das bis 1910 als Gemeinde eigenständig war. 1774 wurden der innerhalb der Festung gelegenen Gemeinde Kehl durch Markgraf Karl Friedrich von Baden die Stadtrechte verliehen.
1800 bis 1953 Nach mehreren Wechseln zwischen Frankreich, Baden und Österreich wurden die Festungsanlagen 1815 bei der Rückgabe an Baden (Pariser Friede) zurückgebaut. Stadt und Dorf Kehl (mit Sundheim) gehörten danach zum Bezirksamt Kork. Zwischen 1842 und 1847 wurde die erste Hafenanlage durch die Badische Staatseisenbahnverwaltung angelegt. Durch den Bau der Eisenbahnbrücke über den Rhein 1861 war es zum ersten Mal möglich, direkt mit der Eisenbahn von Paris nach Wien zu reisen. Der hierfür notwendige Lokwechsel wurde in Kehl durchgeführt.
Während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 wurde die Stadt erneut Ziel französischer Angriffe und zerstört.
1881 wurde der Sitz des Bezirksamtes Kork von Kork nach Kehl verlegt und aus dem Bezirksamt Kork wurde das Bezirksamt Kehl. Im späten 19. Jahrhundert wurde zur Verteidigung Straßburgs gegen Frankreich ein Festungsgürtel bestehend aus 14 Forts angelegt. Drei der Forts befanden sich rechts des Rheins: Das Fort „Blumenthal“ bei Kehl-Auenheim wurde im Ersten Weltkrieg zerstört. Die beiden anderen „Kehler Forts“, Fort „Bose“ und Fort „Kirchbach“, wurden nach dem Zweiten Weltkrieg gesprengt.
1910 wurden Stadt Kehl und Dorf Kehl vereinigt und die Gemeinde wuchs zu Beginn des 20. Jahrhunderts stark an. Im Rahmen der Alliierte Rheinlandbesetzung nach dem Ersten Weltkrieg war Kehl zwischen 1919 und 1930 von französischen Truppen besetzt und das Zentrum des Brückenkopfs Kehl.
Zum Bezirksamt Kehl kamen 1936 nach Aufhebung des Bezirksamtes Oberkirch noch einige Gemeinden hinzu. Aus dem Bezirksamt Kehl wurde 1939 der Landkreis Kehl. Kehl lag in der sogenannten „Roten Zone“ am Westwall, die bei Kriegsausbruch geräumt wurde: In der Nacht vom 3. auf den 4. September 1939 wurde die Bevölkerung mit Sonderzügen in den Schwarzwald evakuiert und durfte erst neun Monate später, nach der Besetzung Frankreichs durch deutsche Truppen zurückkehren. Kehl wurde dann ein Vorort von Straßburg. Dieser Status blieb auch in der Zeit des Nationalsozialismus und nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erhalten. Die erneute, diesmal fluchtartige Evakuierung Kehls erfolgte am 23. November 1944 und dauerte mehrere Jahre. Es folgte die Besetzung durch französisches Militär und die geplante Annexion an Frankreich. Die Rückkehr der evakuierten Bevölkerung und die Freigabe Kehls erfolgte gemäß dem Washingtoner Abkommen vom 8. April 1949 über die Räumung der Stadt Kehl durch Frankreich in 42 Teilfreigaben vom 29. Juli 1949 bis zum 8. April 1953.Franzosen geben Kehl frei. Archivradio, abgerufen am 2. August 2023.baden online: Der Weg zur freien Stadt 8. April 2009, Quelle u. a.: Stadtarchiv Kehl, Das besondere Schicksal der Stadt Kehl 1945 bis 1953 war Sundheim eine eigenständige Gemeinde, die dann wieder mit der Stadt Kehl vereinigt wurde. Die Stadt und der gesamte Landkreis Kehl gehörten danach zum Regierungsbezirk Südbaden innerhalb Baden-Württembergs.
1960 bis 2000 1960 wurde die Europabrücke über den Rhein nach Straßburg eröffnet. Die Einwohnerzahl der Stadt Kehl überschritt 1971 im Rahmen der Gebietsreform die Schwelle von 20.000 Personen. Daraufhin stellte die Stadtverwaltung den Antrag auf Erhebung zur Großen Kreisstadt, dem die Landesregierung von Baden-Württemberg mit Wirkung zum 1. Januar 1972 zustimmte. Bei der Kreisreform am 1. Januar 1973 wurde der Landkreis Kehl jedoch aufgelöst, sein Gebiet ging überwiegend auf den neu gebildeten Ortenaukreis über (der seit 2014 das alte Kehler Kraftfahrzeugkennzeichen KEL wieder verwendet).