Bad Harzburg [] (bis 1892 Neustadt-Harzburg) ist eine Kleinstadt am Harz und mit Einwohnern (Stand: ) die zweitgrößte Stadt im niedersächsischen Landkreis Goslar.Niedersächsischer Landtag, 16. Wahlperiode, Drucksache 16/3359: Kleine Anfrage . Abgerufen am 23. März 2011.

Überregional bekannt ist die Stadt für ihren traditionsreichen Kurbetrieb als Soleheilbad. Im 19. Jahrhundert erlangte die Stadt den Status eines Weltbades und erhielt 1894 Stadtrecht. Der Stadtname geht auf die hochmittelalterliche Harzburg zurück.

Geografie Geographische Lage mini|Luftbild vom Kleinen Burgberg, 2008

Die Stadt liegt im Bereich der nördlichen Ausläufer des Harzes auf einer Höhe zwischen (Feldmark bei Bettingerode) und an der Landesgrenze von Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Sie erstreckt sich nach Süden in das Tal der Radau und grenzt an den Nationalpark Harz. Die Radau fließt in Süd-Nord-Richtung durch die Stadt. Die höchste Erhebung des Harzes, der Brocken, ist rund 13 km südlich gelegen. auf: bad-harzburg.de, abgerufen am 25. Februar 2013.

In West-Ost-Richtung quert die Nordharzrandverwerfung die Stadt, die durch ihre geologische und archäologische Vielfalt eine Besonderheit darstellt. Der Langenberg und der Butterberg ziehen sich länglich durch das Stadtgebiet und bilden eine natürliche geographische Barriere. Weiter angrenzend im Norden befindet sich das Harzburger Harzvorland, das intensiv landwirtschaftlich genutzt wird und den Übergang in die Norddeutsche Tiefebene darstellt.

Das Stadtgebiet umfasst eine Fläche von 6.541,66 Hektar.

Nachbargemeinden mini|Stadtgebiet Bad Harzburg grenzt im Westen und Norden an die Stadt Goslar und an die Gemeinden Nordharz, Ilsenburg (Harz) und Osterwieck (Landkreis Harz, Sachsen-Anhalt). Im Süden befindet sich das gemeindefreie Gebiet Harz.

*Entfernungsangaben beziehen sich jeweils auf die Entfernung zum Ortskern per Luftlinie.

Stadtgliederung

Die Innenstadt entwickelte sich historisch unter anderem aus Juliushall und Schulenrode. Bis ins 19. Jahrhundert zählte Schulenrode als ein eigener Ortsteil. Göttingerode existiert erst seit dem 1. Juli 1972 als ein eigener Ortsteil und war zuvor Teil der Gemeinde Harlingerode. Zu Bettingerode zählt weiterhin der Wohnplatz das Gut Radau und zu Schlewecke der Radauanger.

Klima mini|Klimadiagramm für Bad Harzburg

Bad Harzburg hat eine klimatische Übergangslage zum reinen Mittelgebirgsklima mit betontem Lokalklima. Vorherrschend Schonklima, waldreiche Umgebung. Aufgrund der Luv-Lage Bad Harzburgs am Harz gibt es hier relativ hohe Niederschlagsraten, während die Temperaturen knapp unter dem Durchschnitt Deutschlands liegen.

Umweltschutz und Altlasten Trotz seiner Stellung als Kurort sind in Bad Harzburger Stadtgebiet Altlasten aufgrund jahrhundertelanger Bergbautätigkeit, insbesondere im Zusammenhang mit dem Bergwerk Rammelsberg in Goslar, und eine bis heute anhaltende Tätigkeit der industriellen Nachfolgeunternehmen vorhanden. Besonders die nordwestliche Feldmark ist sehr stark durch Schwermetalle belastet und befindet sich seit Mitte des 20. Jahrhunderts in anhaltender Beobachtung. Durch die Stadtlage im Luv des atlantischen Westwinds am Harz werden Partikel in Richtung Stadtgebiet abgetragen. Besonders in den 1960er-Jahren wurden die Ortsteile Göttingerode, Harlingerode und Schlewecke nahe dem Hüttenwerk Harz bei Oker stark belastet. Zudem beeinträchtigten und beeinträchtigen Bergbau (Grube Hansa im Weitungsbau) und Tagebau (Diabaswerk Huneberg, Gabbrosteinbruch Bad Harzburg, Kalksteinbruch Langenberg) nachhaltig die natürliche Ordnung im Stadtgebiet. Seit den 1960er-Jahren wurden deshalb verschiedene Umweltprogramme aufgelegt; eines sah unter anderem die Aufforstung des Langenbergs vor.

Geschichte

Zugehörigkeit Bad Harzburgs

Die Stadtteile im heutigen Stadtgebiet sind seit dem 11. Jahrhundert in Gestalt des historischen Amtes Harzburg verbunden, auch wenn sie bis 1972 eigenständige Gemeinden blieben.

Etymologie Frühere Namen der Harzburg waren:

um 1280: Hartesborg 1311: Hartesborch 1314: Hartesborch 1338: Hartesburg 1357: Hartsborg 1388: Hartesborch 1436: Hartzburg 1455: Harteesborch

Harzburg bedeutet „des Harzes Burg“. Nach der Burg wurde das „Braunschweigisch-Wolfenbüttelische Amt Harzburg“ bezeichnet, das sich zunächst auf dem Burgberge befandJohann Heinrich Zedler: Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste. Halle und Leipzig 1735, S. 659. und dessen Hauptort „Neustadt unter der Harzburg“ (bzw. Vorformen dieser Bezeichnung) genannt wurde.

Frühzeit mini|Überreste der Harzburg mini|Herzog Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel war durch sein wirtschaftliches Engagement im Amt Harzburg eine entscheidende Schlüsselfigur. mini|Ansicht auf das Amt Harzburg im 17. Jahrhundert mini|Krodo, das von dem Heilbad beworbene Maskottchen

In alten Veröffentlichungen wird berichtet, dass sich auf dem Gelände der späteren Harzburg bereits 300 v. Chr. eine Burg mit Namen Saterburg oder Saturburg sowie ein Idol des Abgottes Krodo befunden habe. Beides soll Karl der Große im Jahr 780 zerstört haben und an dem Ort eine Kapelle errichten lassen haben.Andreas Jacob Krieg: Harztburgischer Mahl-Stein / Welchen um Denckmahlder Güte Gottes / in Zerstörung des daselbst verehrten Ab=Gotts Crodons, Einführung der wahren Christl. Lehre, und Schenckung einer Geseegneten Saltz=Qvelle, Durch einen Historischen Entwurff der Hartzburgischen Merckwürdigkeiten / Auch Vier Saltz= u. Danck=Predigten aufgerichtet. Goslar 1709, S. 3f.Johann Heinrich Zedler: Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste. Halle und Leipzig 1735, Sp. 659–661. Dies lässt sich historisch nicht nachweisen.Siehe hierzu Christian Heinrich Delius’ Untersuchungen über die Geschichte der Harzburg und den vermeinten Götzen Krodo, Halberstadt 1826. Gesichert ist jedoch die Gründung eines Stifts im Jahr 916. Zwischen 1066 und 1068 ließ Heinrich IV. die Harzburg erbauen.

Die heutigen Ortsteile Bettingerode (1013) und Harlingerode (1053) wurden erstmals im 11. Jahrhundert überliefert, Göttingerode (1163), Westerode (1174) und Schlewecke (1180) erstmals im 12. Jahrhundert und Bündheim (1251) im 13. Jahrhundert. Zu dieser Zeit versuchten auch die Grafen von Wernigerode, ihren Einfluss im Harzgau nach Westen auszuweiten: Bereits 1249 erwarben sie Bovingerode, das 1254 um einen Wirtschaftshof erweitert wurde und letztendlich den Beginn eines stärkeren Eingriffs in das Amt Harzburg darstellt. Am 1. Mai 1269 wurde der Harzburger Raum an die Grafschaft Wernigerode verpfändet.

Das Spätmittelalter war im Bad Harzburger Raum geprägt von einer starken Wüstungswelle. Im 13. bis 15. Jahrhundert wurden unter anderem die Ortschaften Bovingerode, Döringerode, Göttingerode, Wanlefsrode und Wenderode auf dem Gebiet der heutigen Stadt aufgegeben. Die Einwohner und die den Orten zugehörigen Felder fielen an die Nachbarorte, wovon vor allem die Ortsteile Bettingerode und Harlingerode profitierten.

1569 wurde in der Regierungszeit von Herzog Julius eine Solequelle gefunden und für die Saline Juliushall erschlossen. Dieses Schlüsselereignis legte den Grundstein für den späteren Kurbetrieb.

Im Dreißigjährigen Krieg gelangten 1625 erste Truppen des katholischen Heerführers Wallenstein in das Amt Harzburg. Die Harzburg wurde nicht erobert, aber die umliegenden Dörfer wurden in der Folgezeit schwer verwüstet. Die Bevölkerung versuchte, sich in den angrenzenden Bergen in Sicherheit zu bringen. Nach Kriegsende ordnete Herzog August der Jüngere von Braunschweig an, dass diejenigen, die sich im Amte Harzburg niederließen, auf drei Jahre von allen Belastungen frei sein sollten. Diese Maßnahme hatte besten Erfolg, so gab es 1699 im ganzen Amte keine unbewohnte Hofstelle mehr.

19. Jahrhundert 1819 wurde Neustadt an die Postroute Wolfenbüttel–Harzburg angeschlossen. Die Post-Expedition wurde 1848 in eine Postverwaltung umgewandelt und 1855 zum Bahn- und Postamt umfirmiert, das über weitere Bezeichnungsänderungen bis 1904 zum Postamt I. Klasse wurde. Neben dieser Postanstalt gab es seit 1843 eine Station für die Pferdepost mit Postillionen.

Ab 1831 war Neustadt als Kur- und Badeort bekannt. 1851 wurde die Saline geschlossen, und es entstand der eigentliche Badebetrieb. Nach dem Vorbild der großen europäischen Bäder entstand eine Kolonie von zunächst auswärtigen wohlhabenden Bürgern, die es verstanden, die mondänen Anforderungen der damaligen Zeit am Fuße des Harzes zu vereinen: elegante Hotels, ein Spielcasino, eine Pferderennbahn und zahlreiche Kuranlagen.

Außergewöhnlich früh erhielt die Stadt einen Anschluss an das Eisenbahnnetz, als am 31. Oktober 1841 die staatliche Bahnstrecke Braunschweig–Bad Harzburg in Betrieb genommen wurde. Bis 1843 lief diese Strecke auf dem Abschnitt bis Vienenburg als Pferdebahn.

Die Industrialisierung erreichte Bad Harzburg, als zwischen 1859 und 1861 Wilhelm Castendyck bei Neustadt-Harzburg abbauwürdige Eisenerzvorkommen entdeckte. Zusammen mit dem Bremer Konsul Hermann Henrich Meier begründete er zwischen 1860 und 1861 die zwischen Schlewecke und Westerode gelegene Mathildenhütte sowie die Eisenerzgruben Friederike und Hansa. Damit begann die Harzburger Bergbaugeschichte, die bis zur Stilllegung des Kalksteinbruchs Langenberg 1985 anhielt.

Bis 1892 erwuchs aus Neustadt-Harzburg eine selbstbewusste Badegemeinde, die sich nunmehr nicht mehr beliebig Neustadt nannte, sondern den Namen des braunschweigischen Amtes Harzburg verwendete. Harzburg erlangte um 1900 den Titel eines „Weltbades“, da es im Gegensatz zu anderen Kur- und Badeorten eine von dem damals verbreiteten Bäder-Antisemitismus weitestgehend geschonte Badegemeinde war; Historiker schätzen den Anteil jüdischer Gäste zu dieser Zeit auf 10 Prozent. Gegenüber anderen Badeorten wie beispielsweise Borkum, die sich als „judenrein“ bezeichneten, grenzte sich Bad Harzburg dadurch ab, dass es bewusst mit seiner Offenheit warb. Eine Synagoge wurde in den 1890er-Jahren für die jüdischen Touristen errichtet, Schächtungen wurden 1899 vom Harzburger Magistrat ausdrücklich erlaubt und das 1931 seitens der NSDAP initiierte Verbot zunächst bekämpft. Bad Harzburg verfügte über keine eigene jüdische Gemeinde. Zum 27. Mai 1892 erhielt Neustadt-Harzburg das Recht, sich Bad Harzburg zu nennen. Den Status einer Stadt erhielt Bad Harzburg am 1. April 1894.Harald Meier, Kurt Neumann: Bad Harzburg. Chronik einer Stadt. S. 356.

20. Jahrhundert mini|Harzburger Front, 1931 Schon 1899 fiel der Vorschlag zum Bau einer Kanalisation. Am 21. Oktober 1909 wurde am Radauanger die zu jener Zeit modernste Kläranlage Deutschlands vollendet, die auf der Dresdner Hygieneausstellung mit einer Goldmedaille ausgezeichnet wurde.

Insbesondere das Logenhaus diente im Ersten Weltkrieg als Lazarett.Geschichts- und Erinnerungstafel Bad Harzburg – Erster Weltkrieg. Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Juni 2024.

In den 1920er-Jahren wandte sich das wirtschaftliche Bild der Stadt dem Massentourismus zu. Damit einher ging neben einer vielschichtigeren Herkunft der Badegäste auch eine zunehmend antisemitisch beeinflusste Mentalität innerhalb der Stadt. So begannen Hotels, bewusst auf eine nichtjüdische Kundschaft zu setzen, und 1928 verließ das einzige jüdische Mitglied des Schützenvereins auch aufgrund judenfeindlicher Bemerkungen den Verein. Zwischenzeitlich wurde Bad Harzburg aufgrund der immer noch relativ hohen Toleranz als „Judenbad“ diffamiert.