mini|W. A. Mozart, Detail aus dem Johann Nepomuk della Croce zugeschriebenen Familienbild (ca. 1781) rahmenlos|zentriert|klasse=notpageimage skin-invert-image|hochkant=0.8

Wolfgang Amadeus Mozart (* 27. Jänner 1756 in Salzburg, Erzstift Salzburg;AES, Salzburg-Dompfarre, Taufbuch TFBIX/2 1756–1814, S. 3., abgerufen am 20. Mai 2021. † 5. Dezember 1791 in Wien,Pfarre St. Stephan, Sterbebuch 03–36, 1789–1796, S. 173., abgerufen am 20. Mai 2021. Erzherzogtum Österreich), der selbst zumeist den Namen Wolfgang Amadé Mozart führte, war ein Komponist der Wiener Klassik. Er schuf eine Vielzahl von Meisterwerken in so gut wie allen musikalischen Gattungen seiner Zeit und gilt als einer der berühmtesten Komponisten der Musikgeschichte.

Mozart erhielt schon als Kind zusammen mit seiner Schwester Maria Anna Musikunterricht von seinem Vater Leopold Mozart. Ab 1762 unternahm der Vater mit seiner Familie ausgedehnte Reisen durch Westeuropa und Italien, um die „Wunderkinder“ an Höfen von Regenten und in Adelshäusern bekannt zu machen und ihre Karriere zu befördern. Drei Reisen Mozarts mit seinem Vater auf der Suche nach einer einträglichen Stellung in Italien von 1772 bis 1777 blieben ohne Erfolg. Eine Reise, zu der Mozart mit seiner Mutter Anna Maria Mozart im Herbst 1777 aufbrach, führte von München über Augsburg nach Mannheim, wo er die Mannheimer Schule und deren Vertreter kennenlernte, und anschließend nach Paris. Dort starb Mozarts Mutter im Sommer 1778. Ohne berufliche Aussichten musste Mozart zu seinem Vater in das ungeliebte Salzburg zurückkehren, wo er von 1779 bis zum Sommer 1781 am Hof des Erzbischofs Hieronymus von Colloredo das Amt eines Hoforganisten bekleidete. Im Jänner 1781 hatte er in München mit der Premiere seiner Oper Idomeneo einen ersten großen Erfolg.

Im Sommer 1781 kam es während eines Aufenthalts in Wien zum Bruch mit dem Erzbischof. Mozart lebte fortan als freischaffender Musiker und Komponist in Wien. Er war überaus erfolgreich, auch finanziell, hatte jedoch bis zu einer Anstellung als k. k. Hof-Musik-Compositeur im Dezember 1787 keinerlei materielle Absicherung. Nachdem er bis zum Frühjahr 1786 besonders mit der Aufführung eigener Klavierkonzerte Triumphe gefeiert hatte, wandte er sich anschließend verstärkt der Komposition von Opern zu. Der Bruch mit Colloredo beeinträchtigte auch die Beziehung zwischen Mozart und seinem Vater. Gegen dessen Willen heiratete Mozart im August 1782 Constanze Weber, mit der ihn bis zu seinem Tod eine innige Beziehung verband. Sie bekamen sechs Kinder, von denen nur die Söhne Carl Thomas und Franz Xaver Wolfgang überlebten. 1788 geriet Mozart in eine finanzielle Krise. Um seinen Lebensstandard und den seiner Familie aufrechtzuerhalten, verschuldete er sich unter anderem bei seinem Freund und Logenbruder Johann Michael Puchberg. 1791 verbesserte sich seine Situation infolge gewachsener Popularität wieder. Mozart starb am 5. Dezember 1791 im Alter von 35 Jahren. Sein letztes Werk, das Requiem, konnte er nicht mehr vollenden.

Mozart schuf Werke in allen gängigen Gattungen seiner Zeit und verarbeitete in seiner Musik diverse Anregungen, wobei er Gegensätzliches wie Theater- und Instrumentalmusik oder das aktuelle motivische und das barocke kontrapunktische Vorgehen zur Synthese führte, was als „Universalität“ bezeichnet wurde. Trotz der Integration des „gelehrten“ Stils wirkt das Resultat mühelos. Seinen Werken wird eine vollendete Gestaltung auf allen Ebenen zugesprochen. Hervorgehoben wurde eine sprechende Qualität und Dramatik der Formprozesse auch in der Instrumentalmusik. Im Orchester wertete er die Rolle der Bläser auf und erreichte eine für seine Zeit ungewöhnliche klangliche Vielfalt. Besondere Bedeutung hat Mozart für die Entwicklung des Klavierkonzerts und der Oper, wo das Orchester eine größere Rolle spielt als zu seiner Zeit üblich, die Charaktere der Personen musikalisch individualisiert werden, dramatische Ensembleszenen Höhepunkte bilden und die Opera buffa zur anspruchsvollen Gattung wird.

Mit Mozarts Opern begann im 19. Jahrhundert die Etablierung eines Repertoires und Kanons. Die Eigenschaften seiner Musik dienten der Definition einer klassischen Epoche der Musik. Erstmals wurde mit Mozart ein bereits verstorbener Komponist zum meistaufgeführten, allerdings wurde er im Konzertbetrieb bald von Ludwig van Beethoven aus dieser Position verdrängt. Im 20. Jahrhundert spielte die Rückbesinnung auf seine Musik eine große Rolle bei der Abwendung von der inzwischen dominierenden Nachfolge Richard Wagners. Die Bekanntheit Mozarts und das Klischee des heiteren Wunderkindes wurden verschiedentlich kommerziell genutzt, aber auch hinterfragt. Runde Mozart-Jubiläen führen weltweit zu diversen Aktivitäten.

Leben

Wunderkind (1756–1766) Mozarts Eltern waren der Komponist Leopold Mozart und seine Ehefrau Anna Maria. Leopold Mozart stammte aus Augsburg. Er war zum StudiumLeopold Mozart inskribierte am 7. Dezember 1737 Logik an der Universität Salzburg. In: Universitätsarchiv Salzburg . an der BenediktineruniversitätDie Universität wurde von 33 konföderierten süddeutschen Benediktinerklöstern gegründet und betrieben. In: Peter Putzer: Die Alma Mater Benedictina als Barockphänomen. Zur Geschichte der Salzburger Benediktineruniversität. In: Barocker Geist und Raum. Die Salzburger Benediktineruniversität, hrsg. von Christian Rohr, Salzburg 2003, S. 34. nach Salzburg gezogen und wurde fürstbischöflicher Kammermusikus; ab 1757 war er Hofkomponist und ab 1763 Vizekapellmeister. Die Mutter Anna Maria Mozart geb. Pertl war in St. Gilgen aufgewachsen.

Wolfgang Amadeus Mozart kam am 27. Jänner 1756 um acht Uhr abends in Salzburg in der Getreidegasse 9 in einer Dreizimmerwohnung eines Mehrfamilienhauses (Hagenauerhaus) zur Welt und wurde am nächsten Vormittag um zehn Uhr im Salzburger Dom von Stadtkaplan Leopold Lamprecht auf den Namen Joannes Chrysostomus Wolfgangus Theophilus getauft und so im Taufbuch eingetragen (sein Vater Leopold verwendete die Namensform Joannes Chrisostomus Wolfgang Gottlieb).Brief Leopold Mozarts vom 9. Februar 1756 an Johann Jakob Lotter, wobei die Namensteile in folgender Weise unterstrichen und durch Kommata getrennt wurden: Joan̄es Chrisostomus, Wolfgang, Gottlieb (Stadtarchiv Augsburg; ein Faksimile davon in Mozarts Geburtshaus). Er wurde in der Familie Wolfgang, als Kind auch Woferl, Wolfgangl, WolferlVergleiche z. B. Leopold Mozarts Brief an Lorenz Hagenauer, 11./16. Oktober 1762 (Bauer/Deutsch Nr. 34), Zeile 7, 12 und 73. oder WolfgangerlVergleiche z. B. Leopold Mozarts Brief an Lorenz Hagenauer, 6. November 1762 (Bauer/Deutsch Nr. 40), Zeile 18. genannt. Wolfgang war das siebte und jüngste Kind seiner Eltern, jedoch waren fünf seiner Geschwister bereits vor Wolfgangs Geburt im Säuglingsalter verstorben. Das Erwachsenenalter erreichten nur Wolfgang und seine Schwester Maria Anna Walburga Ignatia, in der Familie und im Freundeskreis (die) Nannerl genanntNach süddeutschem Sprachgebrauch waren bei indirekter Rede Artikel vor den Kosenamen gebräuchlich (vergleiche Universität Salzburg / Liège université: Atlas zur deutschen Alltagssprache. Artikel + Vorname, abgerufen am 12. Oktober 2025), und zwar bei den Mozarts ausnahmslos in der männlichen bzw. weiblichen Form, also der Wolfgangerl (z. B. Leopold Mozart am 22. Dezember 1769, Bauer/Deutsch Nr. 150, Zeile 19) und die Nannerl (so noch in Leopold Mozarts Brief vom 28. Dezember 1778; Bauer/Deutsch Nr. 512, Zeile 108)..

mini|hochkant|W. A. Mozart in Hofkleidung auf einem Ölgemälde von Pietro Antonio Lorenzoni von 1763. Vater Mozart in einem Brief am 19. Oktober 1762: „Wollen Sie wissen wie des Woferl Kleid aussieht? – Es ist solches vom feinsten Tuch liloa=Farb … Es war für den Prinz Maximilian gemacht …“ Aus: Mozart. Bilder und Klänge. Katalog der Salzburger Landesausstellung im Schloß Kleßheim in Salzburg vom 23. März bis 3. November 1991.

Mozart und seine Schwester haben nie eine öffentliche Schule besucht, einziger Lehrer war ihr sehr gebildeter und pädagogisch ambitionierter Vater.Volkmar Braunbehrens, Karl-Heinz Jürgens: Mozart: Lebensbilder. Lübbe, Gütersloh 1990, ISBN 3-7857-0580-8, S. 18. Er vermittelte seinen Kindern eine umfassende Allgemeinbildung und gab ihnen früh Musikunterricht. Bereits im Alter von vier Jahren begann Mozart, angeregt durch den Unterricht seiner Schwester, „Clavier“ (siehe unten: Mozarts Tasteninstrumente) zu spielen. „Als er mit sieben Jahren seine erste Geige (→ Mozarts Kindergeige)Seine erste Geige wurde von dem Geigenbauer Andreas Ferdinand Mayr geschaffen, der im sogenannten Geigenmacherhaus, Steingasse Nr. 25, seine Werkstätte hatte. Vergleiche: Friedrich Breitinger, Kurt Weinkammer, Gerda Dohle: Handwerker, Brauer, Wirte und Händler. Salzburgs gewerbliche Wirtschaft zur Mozartzeit. Salzburg 2009, S. 242. Es gibt auch eine zweite Geige, die von Mozart gespielt wurde, allerdings erst im Erwachsenenalter, die sogenannte Costa-Geige, die 2013 ebenfalls der Stiftung Mozarteum übergeben wurde, siehe: Musik-Liebhaberin schenkt Mozarteum Mozarts Geige. In: Die Presse. (Wien) 14. November 2013. geschenkt bekam, konnte er […] beim häuslichen Musizieren sogleich […] mitspielen.“Volkmar Braunbehrens, Karl-Heinz Jürgens: Mozart: Lebensbilder. Lübbe, Gütersloh 1990, ISBN 3-7857-0580-8, S. 17–18. Erste, vom Vater begleitete Kompositionsversuche trug dieser in das 1759 für seine Tochter angelegte „Nannerl-Notenbuch“, das bald auch von ihrem Bruder mitbenutzt wurde, ein:Vergleiche Melanie Unseld: Mozarts Frauen. Originalausgabe, 2. Aufl. Rowohlt Taschenbuchverlag, Reinbek bei Hamburg, 2006, ISBN 3-499-62105-3, S. 31. ein Andante in C-Dur (KV 1/1a) und ein Allegro in G-Dur (KV 1/1b) als „Des Wolfgangerl Compositiones in den ersten 3 Monaten nach seinem 5ten Jahre“; es folgten ein Allegro in F-Dur (KV 1/1c) und ein Menuetto in F-Dur (KV 1/1d), datiert auf den 11. bzw. 16. Dezember 1761.Wilhelm A. Bauer, Otto Erich Deutsch (Hrsg.): Mozart. Briefe und Aufzeichnungen. Bd. I. dtv, München 2005, S. 48 (Bauer/Deutsch Nr. 31), Zeile 15–17, nebst Kommentar, Bd. V, S. 31. Das fälschlicherweise immer wieder als früheste Komposition genannte Menuett G-Dur mit einem Trio in C-Dur (KV 1/1e und 1f) entstand vermutlich erst 1764.

„Leopold Mozart zog […] im Laufe des Jahres 1761 den Schluß, die Musikalität seiner Kinder, vor allem seines Sohnes, sei ein Ereignis, das der Welt präsentiert werden müsse.“Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 31. 1762 begann er, mit seiner Familie auf Reisen zu gehen, um seine „Wunderkinder“Zur „theologischen“ Kategorie des Wunders siehe Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 33–35. an europäischen Höfen vorzustellen und ihnen zugleich kulturelle Kenntnisse über die besuchten Länder zu vermitteln.Vergleiche Geneviève Geffray: Maria Annas Persönlichkeit im Spiegel des Familien-Schrifttums. In: Eva Neumayr (Hrsg.): Maria Anna Mozart. Facetten einer Künstlerin. Hollitzer, Wien 2019, ISBN 978-3-99012-561-8, S. 72.