mini|Lok 3 der NIAG in Entenfang mini|Lok 8 der NIAG in Moers mini|Lok 31 in Düsseldorf-Rath mini|Mercedes-Benz Citaro am Bahnhof Kleve mini|VDL Citea LLE-120

Die Niederrheinische Verkehrsbetriebe AG, kurz NIAG, ist ein Verkehrs- und Logistikunternehmen von Rhenus und des Kreises Wesel mit Sitz in Moers. Im öffentlichen Busverkehr erstreckt sich sein Verkehrsgebiet auf die Kreise Kleve und Wesel sowie Teile des Duisburger Stadtgebietes. Einige Linien führen bis in die Niederlande nach ’s-Heerenberg, Venlo und Nijmegen. Den Eisenbahngüterverkehr betreibt die NIAG in und zum Rheinhafen Orsoy, der von der NIAG betrieben wird, sowie in der Region Niederrhein und darüber hinaus.

Die NIAG ist Mitglied im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) sowie im Tarifverband der Bundeseigenen und Nichtbundeseigenen Eisenbahnen in Deutschland (TBNE). Die NIAG war das geschäftsführende Unternehmen in der Ende 2011 aufgelösten Verkehrsgemeinschaft Niederrhein (VGN).

Das Verkehrsunternehmen entstand 1968 aus dem Zusammenschluss der Straßenbahn Moers-Homberg GmbH, den Kreis Moerser Verkehrs- und Versorgungsbetrieben (KMV) und der Niederrheinischen Automobilgesellschaft mbH (NIAG). Seit dem 1. Januar 2006 wird die NIAG in öffentlich-privater Partnerschaft unter der Leitung der Rethmann-Gruppe geführt. Deren Beteiligung von 51 % der Aktien wird seit dem 1. Januar 2019 von der Rhenus SE & Co. KG gehalten. Zwischen 2006 und 2019 hielt die Rhenus Veniro SE & Co. KG (ehemals Rhenus Keolis) diese Anteile.

Geschichte Straßenbahn Moers–Homberg Die Straßenbahn Moers–Homberg GmbH wurde auf einen Beschluss der beiden Städte vom 7. August 1906 am 16. Mai 1908 gegründet. Eingetragen wurde das Unternehmen am 29. Juni 1908 und erhielt am 6. September 1908 die Konzession für den Bau und Betrieb einer meterspurigen Straßenbahn. Die Gesellschaft besaß ein Kapital von 1,5 Millionen Goldmark, die zu 50 Prozent vom Kreis und zu je 25 Prozent von den beiden Städten aufgebracht wurde. Der Bau der Bahn begann bereits 1907, also noch vor Erteilung der Konzession, und wurde 1908 abgeschlossen. Am 1. Oktober nahm zunächst eine Dampflok den Betrieb auf der 6,025 Kilometer langen Strecke zwischen Moers und Homberg auf, da die Oberleitungen noch nicht vollständig montiert waren und an etlichen Stellen noch das zweite Gleis fehlte. Dieses musste geschehen, da am 30. September die Preußische Staatseisenbahn den Betrieb auf der parallel verlaufenden Bahnstrecke Homberg–Moers eingestellt hatte. Der Straßenbahnbetrieb konnte dann am 11. Dezember mit zehn Triebwagen und sechs Beiwagen aufgenommen werden. Die Strecke verlief vom Bahnhof in Homberg über die Rheinanlagen, die Ruhrorter Straße, die Augustastraße, die Moerser Straße und die Homberger Straße bis zum Steintor in Moers.

1907 wurde die Brücke von Ruhrort über den Rhein fertiggestellt und am 1. Oktober 1908 ein Anschluss an die Gleise der Kreis Ruhrorter Straßenbahn hergestellt, die die Brücke für ihre Straßenbahn nutzte und ihre Gleise bis zum Goetheplatz verlegt hatte. Am 11. Februar 1909 wurde die Strecke bis auf 6,82 Kilometer verlängert, da ab diesem Tag die Querung der Gleise der Preußische Staatseisenbahn von dieser erlaubt wurde. Diese niveaugleiche Querung hatte bis in die 1920er Jahre Bestand. Am 1. Januar 1913 eröffnet die Straßenbahn Moers–Homberg GmbH ihrerseits eine Linie über die Rheinbrücke bis Ruhrort, zuvor hatte man am 21. Dezember 1912 einen Probebetrieb bis zur Brückenrampe in Betrieb genommen. 1914 verlängerte man die Strecke in Moers vom Steintor über die Steinstraße, den Altmarkt und die Neustraße bis zum Neutor. Diese Strecke wurde ab dem 12. März 1915 von den Wagen der Straßenbahn Moers–Kamp–Rheinberg mitbenutzt.

Ab dem 8. Februar 1918 befuhren Güterzüge von der Zeche Rheinpreußen die Strecken der Straßenbahn Moers–Homberg. Sie nutzen dabei eine speziell für diese Fahrten angelegte Gleisverbindung nach Krefeld, die am 15. November 1920 elektrifiziert wurde. An diesem Tag nahm auch eine neue Linie von Homberg über Moers und Kapellen nach Krefeld ihren Betrieb auf.

Am 1. Januar 1925 übernahm die Straßenbahn Moers–Homberg die Betriebsführung der Straßenbahn Homberg. 1926 folgte die Straßenbahn Moers–Kamp–Rheinberg. Somit war die Betriebsführung dieser drei Gesellschaften unter einem Dach zusammengefasst und es wurde eine einheitliche Nummerierung eingeführt:

Linie Linienweg Fahrzeit(min) Takt(min) 1 Hülsdonk – Moers – Homberg 30 15 2 Ruhrort – Homberg – Rheinhausen – Friemersheim 44 30 3 Homberg – Baerl 20 60 4 Moers – Lintfort – Kamp 43 20 5 Lintfort – Rheinberg 20 60 12 Krefeld – Moers – Homberg – Duisburg-Ruhrort 72 60

Im Zweiten Weltkrieg wurde am 29. September 1943 die Linie 3 eingestellt. Am 4. März 1945 wurde schließlich das Netz so stark beschädigt, dass alle Fahrten eingestellt werden mussten. Nach Kriegsende konnte bis zum 14. Januar 1946 abschnittsweise der Straßenbahnbetrieb wiederaufgenommen werden. Der Linienverkehr wurde allerdings nicht lange aufrechterhalten. Am 16. Mai 1953 wurde er auf O-Bus- und Omnibusbetrieb umgestellt. Nur die Strecke der ehemaligen Straßenbahn Homberg GmbH wurde zunächst weiterbetrieben, bis sie ebenfalls Stück für Stück bis zum 25. September 1954 eingestellt wurde. Die Gesellschaft selbst ging am 26. Mai 1968 in der NIAG Niederrheinische Verkehrsbetriebe AG auf.

+ Statistik   1911 1928 1937 1951 Triebwagen 10 12 27 18 Beiwagen 6 12 20 20 Streckenlänge 6,03 8,63 21,71 17,19 Betriebsleistung in Wagenkilometer 383.000 500.000 881.000 1.197.000 Beförderte Personen 1.522.000 2.383.000 2.957.000 5.195.000

Straßenbahn Homberg Die Straßenbahn Homberg GmbH wurde am 29. Juni 1908 zur Errichtung der meterspurigen Straßenbahn Friemersheim – Homberg – Baerl gegründet und im Handelsregister eingetragen. Die Gemeinde Homberg war mit 540.000 Goldmark, die Gemeinde Hochemmerich mit 180.000 Goldmark, die Gemeinde Baerl mit 90.000 Goldmark und die beiden Gemeinde Friemersheim und Bliersheim mit je 45.000 Goldmark an der Gesellschaft beteiligt. Der Bau begann schon vor der endgültigen Unterzeichnung des Vertrages und wurde am 30. März 1909 polizeilich abgenommen. Aufgrund eines Einspruchs eines Anliegers konnte der Abschnitt bis Baerl nur mit Verzögerungen am 6. Mai 1910 in Betrieb gehen. Am 12. Juli 1913 und 1914 wurden weitere Abschnitte eröffnet, so dass die Bahn eine Gesamtlänge von 16,4 Kilometern erreichte. Bis zum 1. Januar 1925 existierte die Bahn als selbstständiges Unternehmen, danach übernahm die Straßenbahn Moers–Homberg GmbH die Betriebsführung. Die Strecke wurde in Linie 2 umbenannt (im Volksmund hieß sie weiterhin Krumme Linie). Die Gesellschaft begann 1930 mit einer Verlängerung der Strecke in FriemersheimFoto des Bahnhofs Rheinhausen (Friemersheim) mit Straßenbahn bis an die Gleise der Krefelder Straßenbahn via Bahnhof Hohenbudberg und Eisenbahnsiedlung, vollendete diese Baumaßnahme allerdings nie. Am 1. Oktober 1933 fusionierten beide Betriebe unter dem Namen Straßenbahn Moers–Homberg GmbH. Die Strecke wurde 1954 außer Betrieb genommen und zunächst (bis 1968) durch den Oberleitungsbus Moers ersetzt.

+ Statistik   1911 1921 1928 Triebwagen 8 16 15 Beiwagen 2 10 8 Betriebsleistung in Wagenkilometer 439.000 k. A. k. A. Beförderte Personen 916.000 1.512.000 1.212.000

Straßenbahn Moers–Kamp–Rheinberg Die Straßenbahn Moers–Kamp–Rheinberg GmbH wurde im November 1912 als Zweckverband der Gemeinden Kamp-Lintfort, Moers, Repelen-Baerl und Rheinberg zur Errichtung einer regelspurigen Straßenbahn gegründet. Die Gesellschaft hatte ein Stammkapital von 110.000 Goldmark. Dieses wurde zu 49,5 % von der RWE aufgebracht, die übrigen Anteile wurden zu 37,5 % von der Gemeinde Moers, zu je 25 % von den Gemeinden Kamp-Lintfort und Rheinberg und zu 12,5 % von der Gemeinde Repelen gestellt.

Der Bau der Strecke war 1914 abgeschlossen. Da aufgrund des Ersten Weltkrieges nicht genügend Kupfer für den Fahrdraht beschafft werden konnte, musste man nach Verhandlungen mit der Kriegsmetall AG auf Draht zurückgreifen, den die Klever Straßenbahn zur Verfügung stellte. Dieser einfache Draht ließ allerdings nur eine Stromstärke für einen 40-Minuten-Takt zu.

1926 wurde die Betriebsführung an die Straßenbahn Moers–Homberg GmbH abgegeben. Mit der Strecke der Linie M der Rheinbahn nach Düsseldorf hatte man eine gemeinsame Endhaltestelle.

Zeitweise waren beide Bahnen miteinander verbunden und wurden in beiden Weltkriegen als Güterstraßenbahn für den Kohlentransport genutzt.

Moerser Kreisbahn

Die Moerser Kreisbahn betrieb die 1909/1910 eröffnete Bahnstrecke Rheinberg–Moers–Hoerstgen–Sevelen.

Kreis Moerser Verkehrs- und Versorgungsbetriebe 1938 gliederte der Landkreis Moers die Straßenbahn Moers–Kamp–Rheinberg, nachdem die RWE AG als Gesellschafter ausgeschieden war, zusammen mit der Moerser Kreisbahn, dem Hafen Orsoy und den Wasserwerken in die neu gegründeten Kreis Moerser Verkehrs- und Versorgungsbetriebe (KMV) ein.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es nicht mehr zu den erforderlichen Sanierungsmaßnahmen auf der Straßenbahnstrecke und die Bahn wurde am 10. August 1952 durch den Oberleitungsbus Moers ersetzt. Dessen Fahrplan wurde unter der Tabellennummer 243e, wie zuvor die Straßenbahn, im Kursbuch der Deutschen Bundesbahn aufgeführt. Das Unternehmen ging schließlich am 26. Mai 1968 zusammen mit der Straßenbahn Moers–Homberg–Rheinhausen in den Niederrheinischen Verkehrsbetrieben auf.

+ Statistik   1920 1928 1936 1951 Triebwagen 12 12 12 12 Beiwagen 6 12 12 12 Streckenlänge 18,46 18,46 18,24 12,16 Betriebsleistung in Wagenkilometer 769.000 500.000 404.000 703.000 Beförderte Personen 2.730.000 1.295.000 811.000 2.003.000

Niederrheinische Automobilgesellschaft mbH (NIAG) Im Jahre 1924 gründeten die Stadt Duisburg, die Kreise Geldern, Kleve, Rees, Moers sowie einige kreisangehörige Städte der genannten Kreise die Niederrheinische Automobilgesellschaft mbH (NIAG). Sitz der Gesellschaft wurde Moers. Die NIAG sah ihre Aufgabe darin, die Landkreise am linken Niederrhein mit einem weitmaschigen Linienbusverkehr zu versorgen. So entstand auch die erste deutsche grenzüberschreitende Buslinie von Duisburg zum niederländischen Venlo.

Nach und nach entstanden folgende Linien:

Linienweg Eröffnung Sonsbeck – Geldern 8. April 1925 Duisburg – Kevelaer 28. Mai 1925 Moers – Rheinberg – Wesel 10. Juni 1925 Wesel – Kevelaer 15. August 1925 Duisburg – Venlo 13. September 1925 Moers – Rheinhausen – Uerdingen 13. September 1925 Geldern – Kaldenkirchen 7. Februar 1926 Kamp – Geldern 15. Mai 1926 Moers – Sonsbeck 15. Mai 1926 Walbeck – Geldern 1. April 1927 Sonsbeck – Kleve 1. Februar 1928 Kalkar – Goch 1. Februar 1928 Moers – Meerbeck – Ruhrort – Duisburg 1. Februar 1928 Kalkar – Resserschanz 14. April 1928 Sevelen – Geldern 1. April 1926 1) Geldern – Wachtendonk 6. Oktober 1929 Reeserschanz – Xanten 6. Oktober 1929 Kalkar – Kleve 1. Dezember 1930 2) Zyfflich – Kleve 4. April 1936 ad 1) übernommen von der Moerser Kreisbahnad 2) übernommen von der Klever Straßenbahn

Schienenverkehr Auf der Strecke Rheinberg – Moers – Neukirchen-Vluyn – Schaephuysen [-Hoerstgen–Sevelen aufgegeben] betreibt die NIAG inzwischen nur noch gelegentlichen Schienenverkehr. Seit 1968 findet nur noch Güterverkehr statt.

Die Strecke St. Tönis (– Krefeld Süd) – Krefeld Nord – Hülser Berg, die bis Anfang der 1950er Jahre über Niep mit Moers verbunden war, wird als Museumsbahn „Schluff“ seit 2010 wieder von den Stadtwerken Krefeld (SWK Mobil) gelegentlich als Ausflugsverkehr betrieben.Quelle: Extra-Tipp am Sonntag vom 31. Januar 2010, S. 16, KR/KE, ERK2-4-5 (Verlagssonderseite), Verlag City-Anzeigenblatt Krefeld GmbH, extra-tipp-krefeld.de