mini|hochkant=0.5|Wappen der früheren Gemeinde Freiland bei Deutschlandsberg Freiland bei Deutschlandsberg ist ein Ort im Bezirk Deutschlandsberg in der Weststeiermark, ca. 45 km von Graz entfernt. Er war bis Ende 2014 eine Gemeinde mit 153 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2015).
Freiland war, an der Einwohnerzahl gemessen, bis 2014 eine der kleinsten selbständigen Gemeinden der Steiermark. Ihr Gebiet liegt an den östlichen Ausläufern der Koralpe, es wird im Norden vom Wildbach und im Süden von der Laßnitz begrenzt.
Nachbarorte
Kleinregion Freiland war eines der sechs Mitglieder der Kleinregion „Kernraum Bad Gams – Deutschlandsberg – Frauental“ (mit Kloster und Osterwitz). In diesem Gemeindeverband sollten die Aufgaben von Straßenerhaltung, Einkauf und die Kinder- und Jugendbetreuung gemeinsam erledigt werden. Der Verband konstituierte sich am 9. Dezember 2010. Er hat Rechtspersönlichkeit und beruht auf freiwilliger Vereinbarung, sein Sitz ist in Frauental,Wochenzeitung Weststeirische Rundschau. Nr. 50 vom 17. Dezember 2010. 83. Jahrgang 2010, S. 1. seine rechtliche Basis § 38a der Gemeindeordnung.Steiermärkische Gemeindeordnung in der Fassung der Änderung im Landesgesetzblatt Nr. 92, ausgegeben am 4. September 2008, 27. Stück, S. 304 in Verbindung mit § 2 Abs. 1 des stmk. Gemeindeverbandsorganisationsgesetzes (GVOG) 1997.
Ortsbild mini|Dorfzentrum Freiland Freiland ist ein typisch ländlicher Ort in der Weststeiermark. Das Dorfzentrum besteht aus der Kirche St. Jakob in Freiland mit umliegendem Friedhof, dem ehemaligen Gemeindeamt und der Volksschule Freiland mit angeschlossener Mehrzweckhalle und Wirtschaftshof, einem katholischen Jugendhaus – Jakobihaus (ehemaliger Pfarrhof), einem Gasthaus und dem Bauernhausmuseum Herk.
Die Kirche, der Friedhof, das Bauernhausmuseum Herk und das katholische Jugendhaus stehen unter Denkmalschutz.
Die Jakobistatue, der Dorfbrunnen mit der symbolischen Darstellung der beiden Flüsse Wildbach und Laßnitz und der Josef Krainer-Gedenkstein sowie ein Kriegerdenkmal für die Gefallenen und Vermissten der beiden Weltkriege runden den kleinen Dorfkern ab.
Die Landwirtschaft in Freiland ist bergbäuerlich geprägt. Die Bauernhöfe sind Einzelgehöfte und über das gesamte Gemeindegebiet verstreut.
Geschichte Am Lauf des Wildbaches (Wildbachgraben) wurden zwei „Feuersteinknollen“ aus Jaspis und andere Silexgeräte gefunden, die auf eine Siedlung aus prähistorischer Zeit in diesem Gebiet deuten. Vorkommen von Silex sind in einem Steinbruch am Wildbachgraben belegt.Michael Brandl: Silexlagerstätten in der Steiermark. Österreichische Akademie der Wissenschaften ÖAW, Philosophisch-historische Klasse, Mitteilungen der Prähistorischen Kommission Band 69. Vorgelegt in der Sitzung am 20. Juni 2008. Verlag der ÖAW, Wien 2009, ISBN 978-3-7001-6489-0, , S. 59–61, Bild auf S. 72.
Für das Gebiet von Freiland ist auch der archäologische Fund eines Griffzungenschwertes aus der späten Bronzezeit (um 1000 v. Chr.) belegt.Diether Kramer: Vom Neolithikum bis zur römischen Kaiserzeit. Untersuchungen zur ältesten Besiedlungsgeschichte der Steiermark, mit besonderer Berücksichtigung der mittelsteirischen Höhensiedlungen. Teil I, Dissertation an der Universität Salzburg, 1981, S. 32 (hlk.steiermark.at, abgerufen am 31. März 2025).
Freiland wurde am 30. März 1188 erstmals urkundlich erwähnt. Dabei handelt es sich um eine Urkunde, welche Adalbert III. von Böhmen, Erzbischof von Salzburg in Pettau ausstellte und die sich heute im Diözesanarchiv in Klagenfurt befindet.
Die Initiative zur Rodung und Urbarmachung des Waldgebietes ging von einem aus dem Ostfränkischen stammenden Pater Frodo aus. Seine Arbeit und die besitzrechtlichen Regelungen sind in einer weiteren Urkunde, welche nicht datiert ist und sich im Stiftsarchiv von Admont befindet, beschrieben. Die Urkunde spricht von der Errichtung von 40 Huben auf einem Gebiet, das heute die Gebiete von Freiland, Kloster und Rettenbach abdecken.
Am 6. Jänner 1203 übergab der Erzbischof von Salzburg auf Bitten von Pater Frodo die Huben an das Benediktinerstift Admont. Das Stift verfügt zu diesem Zeitpunkt bereits über größeren Grundbesitz in den Gegenden um Gams. Es übernimmt nicht nur die Huben, sondern sorgt auch für die Ausstattung der Pfarre. 1207 bestätigt der Erzbischof die Schenkung neuerlich.
Zunächst, jedenfalls bis in das 16. Jahrhundert, betreuten Ordensangehörige die Kirche in Freiland. Sie wurden dann durch weltliche Priester abgelöst, da die Entfernung zum Kloster Admont die Ordensmitglieder einen regelmäßigen Kontakt zum Orden nur schwer aufrechterhalten ließ. Da das Kloster in der Obersteiermark für die alltäglichen Entscheidungen zu weit entfernt war, wurde die Propstei St. Martin in Straßgang bei Graz mit der Verwaltung der Gebiete beauftragt. mini|Bildstock des hl. Jakobus Im 15. und 16. Jahrhundert lag Freiland nach der Vierteleinteilung der Steiermark 1462 im „Viertel zwischen Mur und Traa“ (Drau), dem Vorgänger des Marburger Kreises. Die Pfarre lag etwa 150 Kilometer vom Stammkloster entfernt. Der kürzeste (Reit-)Weg ging über drei Pässe über Voitsberg, Köflach, das Gaberl, Judenburg, Hohentauern, den Triebener Tauernpass, Trieben und über den Kaiserauer Sattel südlich von Admont zum Stift. Eilige Briefe benötigten im 16. Jahrhundert für diese Strecke zwei Tage, wie die Korrespondenz beim Tod des Abtes Leonhard (11. Juli 1501) zeigt. Der darauf folgende Admonter Abtwahlstreit berührte die Pfarre nicht. Der damalige Pfarrer Vinzenz Reichenhauser blieb in Freiland bis 1513.Roland Schäffer: Der Admonter Abtwahlstreit 1501–1519. Ein Beitrag zur landesfürstlichen Kirchenpolitik in der Steiermark vor der Reformation. In: Berthold Sutter (Hrsg.): Die Steiermark im 16. Jahrhundert. Beiträge zur landeskundlichen Forschung. Forschungen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark XXVII. Band. Herausgegeben von der Historischen Landeskommission für Steiermark – HLK. Selbstverlag der HLK, Graz 1979, S. 20, Fußnote 12 und S. 55.
Die landesfürstliche Visitation 1529, die für die Pfarre am 19. und 20. Juni 1529 in Stainz stattfand, nennt als Pfarrer Herrn Thaman Furdmulnär und belegt Streitigkeiten aus den Sammlungen für die Pfarre: „Pharrer klagt uber dy pharrleut, das sy im dy samung vorhallten.“ Die Zahl der Kommunionbesucher wird mit 100 angegeben.Anton Albrecher: Die landesfürstliche Visitation und Inquisition von 1528 in der Steiermark. Edition der Texte und Darstellung der Aussagen über die kirchlichen Zustände. In: Quellen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark, herausgegeben von der Historischen Landeskommission für Steiermark – HLK, XIII. Band. Selbstverlag der HLK, Graz 1997, ISBN 3-901251-10-3, S. 231 und 414. Die Visitation 1544/45 behandelte die Pfarre unter „Pharr Sant Jacob im Freyen Lanndt“, erwähnt die Inkorporierung zum Stift Admont und dass ein jeder Abt dieses Klosters auch Vogt, Lehnsherr und Confirmator ist. Als „Comunicanten“ werden ungefähr 230 Personen angegeben. „Sant Oßwaldt im Freyen Lanndt“ wird als Filiale genannt.Rudolf Karl Höfer: Die landesfürstliche Visitation der Pfarren und Klöster in der Steiermark in den Jahren 1544/1545. Edition der Texte und Darstellungen zu Nachrichten über das kirchliche Leben. Quellen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark, herausgegeben von der Historischen Landeskommission für Steiermark – HLK. XIV. Band. Selbstverlag der HLK, Graz 1992, ISBN 3-901251-02-2, S. 166 und 193.
Im Zuge der Türkenkriege wurde auch Freiland in Mitleidenschaft gezogen. Im Jahre 1532 wurde die Kirche durch Türken niedergebrannt. In den beiden darauffolgenden Jahren erfolgte der Wiederaufbau der Kirche. Die Weihe erfolgte im Jahr 1534.
Die bereits bei der Visitation 1529 erwähnten Streitigkeiten eskalierten: Ein im Bezirk einmaliger Vorfall ereignete sich im Jahre 1539, als ein Tagelöhner den damaligen Pfarrer Thomas Furtmüller mit einem Holzscheit erschlug. Das führte zu einem einmonatigen kirchlichen Interdikt, welches jedem Priester verbot, Messen auf dem Gebiet der Gemeinde zu lesen. Thomas (Thomam) Fuertmulner (Furtmillner, Furtmüllner, Furtmulner) stammte aus Straden, er war vom Lavanter Bischof Peurl am 3. März 1515 zum Subdiakon, am 24. März 1515 zum Diakon, am 7. April 1515 zum Priester geweiht worden. Im selben Jahr scheint er in den Matriken der Universität Wien auf.Ferdinand Hutz: Das Weiheregister des Lavanter Bischofs Leonhard Peurl 1509–1536. In: Quellen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark, herausgegeben von der Historischen Landeskommission für Steiermark – HLK, X. Band. Selbstverlag der HLK, Graz 1994, ISBN 3-901251-06-5, S. 106, 110, 112, 226, 267 und 306.
Im Jahre 1733 kam es zu einem verheerenden Feuer, ausgelöst durch das Flachstrocknen in der „Brechlhütte“ westlich des Dorfes beim Gehöft vlg. Herk (in älteren Schriften noch „Mörthen Hube“ genannt). Neben Pfarrhof, Schule und dem Gehöft Herk fiel auch noch das Kirchenschiff dem Feuer zum Opfer. Die Beschädigungen im Kirchturm waren massiv. mini|Beschreibung des Burgfrieds von Freiland Ende des 17. Jahrhunderts Das Gemeindegebiet gehörte im 16. und 17. Jahrhundert für die niedere Gerichtsbarkeit zum „Admontischen Burgfried Freiland“, für die höhere (Blut-)Gerichtsbarkeit zum Landgericht Wildon.Anton Mell: Hohe und niedere Strafgerichtsbarkeiten. Landgerichte und Burgfrieden in Steiermark. In: Anton Mell, Hans Pirchegger: Steirische Gerichtsbeschreibungen. Als Quellen zum Historischen Atlas der österreichischen Alpenländer. I. Abteilung. Landgerichtskarte: Steiermark. In der Reihe: Quellen zur Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte der Steiermark. I. Band. Herausgegeben von der Historischen Landeskommission für Steiermark, Graz 1914. Allgemein: S. XX–XLIV. Zum Admonter Burgfried: S. 239. Dies galt allerdings nur außerhalb des Dachtraufes: Innerhalb dessen lag die volle niedere Gerichtsbarkeit im 16. Jahrhundert beim jeweiligen Grundherren.Mell: Strafgerichtsbarkeiten, S. XXVI.
Ab 1770, in der ersten Personen- und Häusererfassung in Österreich, sind Menschen, Zugvieh und Häuser aus Freiland (unter dem Namen „Mitterspiel“) selbständig erfasst. Diese Erfassung fand im Rahmen der Heeresreformen unter Maria Theresia und Joseph II. statt. Sie führte zur Einführung der „Numerierungsabschnitte“ (auch Konskriptionsgemeinden genannt). Mitterspiel war ein solcher Abschnitt. Gemeinsam mit anderen Numerierungsabschnitten wie Osterwitz, Rettenbach, Klosterwinkel, Trahütten, Warnblick, Burgegg oder Feilhofen gehörte das Gebiet zum Werbbezirk Landsberg.Manfred Straka: Verwaltungsgrenzen und Bevölkerungsentwicklung in der Steiermark 1770–1850. Erläuterungen zur ersten Lieferung des Historischen Atlasses der Steiermark. Forschungen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark, XXXI. Band. Herausgegeben von der Historischen Landeskommission für Steiermark – HLK. Selbstverlag der HLK, Graz 1978, S. 42–57 (Methodik der Zählungen) und 213 (Einwohnertabelle des Werbbezirkes mit den Zählungsergebnissen).Manfred Straka: Numerierungsabschnitte und Werbbezirke der Steiermark 1779/81. Karten im Maßstab 1:300.000. In: Historischer Atlas der Steiermark. Herausgegeben von der Historischen Landeskommission für Steiermark – HLK. Akademische Druck- und Verlagsanstalt, Graz 1977, 1. Lieferung: Verwaltungsgrenzen und Bevölkerungsentwicklung in der Steiermark 1770–1850. Blatt 2 (Blatt Nord). Aus dem Numerierungsabschnitt wurde in den Jahren danach die gleichnamige SteuergemeindeManfred Straka: Steuergemeinden und Werbbezirke der Steiermark 1798–1810. Karten im Maßstab 1:300.000. In: Historischer Atlas der Steiermark. Herausgegeben von der Historischen Landeskommission für Steiermark – HLK. Akademische Druck- und Verlagsanstalt, Graz 1977. 1. Lieferung: Verwaltungsgrenzen und Bevölkerungsentwicklung in der Steiermark 1770–1850. Blatt 4 (Blatt Nord)