Als Weizen wird eine Reihe von Pflanzenarten der Süßgräser (Poaceae) der Gattung Triticum bezeichnet, die als Getreide angebaut werden. Etymologisch leitet sich das Wort Weizen vom „weißen“ (hellen) MehlGrimm: Deutsches Wörterbuch (online) und der hellen Farbe der WeizenfruchtJörg Mildenberger: Anton Trutmanns 'Arzneibuch. Teil II: Wörterbuch (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Band 56). Band V, Würzburg 1997, S. 2266. ab, der Gattungsname Triticum (Mahlfrucht, Dreschgetreide) vom lateinischen Partizip tritum (gerieben, gedroschen).Alois Walde: Lateinisches etymologisches Wörterbuch. 3. Aufl. besorgt von Johann Baptist Hofmann, I–III, Heidelberg 1938–1965, Band II, S. 707.

Weichweizen (Brotweizen) macht über 90 % der weltweiten Erntemenge aus. Weichweizen ist meist ein Kolbenweizen. Der Begriff bezieht sich auf das Erscheinungsbild der Ähre, die sich von Gerste und Roggen daran unterschieden lässt, dass die kräftigen Körner keine Grannen besitzen. Die Ähren des eher in trockenem Klima angebauten Hartweizen tragen hingegen häufig Grannen (Grannenweizen, Bartweizen). Hartweizen macht weltweit bis zu 10 % der Erntemenge aus. Die eher gelblichen Körner haben einen hohen Proteingehalt (Gluten/Kleber) und werden etwa zur Herstellung von Pasta genutzt.

Weizen nimmt weltweit die größte Anbaufläche ein und der Welthandel mit Weizen übertrifft die Handelsmenge aller anderen Feldfrüchte zusammengenommen. Nach dem Mais und vor dem Reis erreicht Weizen die größte Erntemenge und ist in unterschiedlicher Ausprägung in allen Kulturkreisen bekannt. Weizen gehört wie die meisten Getreidearten zu den C3-Pflanzen.

Genetisch werden Weizenarten in diploide (Einkorn), tetraploide (Rauweizen) und hexaploide (Weichweizen) Formengruppen eingeteilt. Ursprünglich gab es eine große Farben- und Formenvielfalt. Sogenannter Wunderweizen hat verzweigte Ähren, die vermutlich auf eine genetische Mutation zurückzuführen sind.

Beschreibung Vegetative Merkmale Die Weizen-Arten sind einjährige Gräser, die Wuchshöhen von etwa 40 bis 160 Zentimeter erreichen und die Büschel bilden. Der Halm ist rundlich und aufrecht. Die Blattscheiden sind bis zum Grund hin offen. Das Blatthäutchen ist ein kurzer häutiger Saum. Die Blattspreiten sind 4 bis 20 Zentimeter lang und flach ausgebreitet. Sie tragen am Grund zwei sichelförmige Öhrchen.

Generative Merkmale Der endständige Blütenstand ist eine Ähre, die (ohne die Grannen) 6 bis 18 Zentimeter lang wird. Die Ährchen sitzen meist zweizeilig oder einzeln und wechselständig und ungestielt an den Knoten der Ährenspindel. Die Ährchen sind 2- bis 5- (bis 9-) blütig und sind seitlich zusammengedrückt. Die Hüllspelzen sind untereinander fast gleich, drei- bis elf-nervig, bauchig; ihr Kiel läuft in einen kräftigen Zahn oder in eine Granne aus. Die Deckspelzen sind 7- bis 11-nervig, kahnförmig und sind unbegrannt oder laufen in eine Granne aus. Die zweinervigen Vorspelzen sind meist nur wenig kürzer als die Deckspelzen. Die Staubbeutel der 3 Staubblätter sind 2 bis 5 Millimeter lang. Die Früchte werden botanisch als „einsamige Schließfrüchte“ (Karyopsen) bezeichnet, die Tausendkornmasse beträgt 40–65 Gramm.

Systematik Die Gattung Triticum gliedert sich in folgende Sektionen: Triticum sect. Monococcon , mit den Arten: Triticum monococcum (Typus-Art) Triticum urartu Triticum sect. Pyrachne , mit den Arten: Triticum polonicum (Typus-Art) Triticum turgidum Triticum timopheevii Triticum sect. Triticum (Synonym: Triticum sect. Frumentum , Triticum sect. Spelta ) Triticum aestivum (Typus-Art) Triticum × zhukovskyi

Die Gattung Triticum umfasst nach R. Govaerts fünf Arten, von denen fast jede mehrere Unterarten umfasst:

Arten mini|A Rauweizen (Triticum turgidum) B Hartweizen (Triticum turgidum subsp. durum) C Polnischer Weizen/Gommer (Triticum turgidum subsp. polonicum) D Dinkel (Triticum aestivum subsp. spelta) mini|Weizenähre mini|Weizenkörner mini|Einkorn (Triticum monococcum) mini|Früchte von Triticum x zhukovskyi

Weichweizen (Triticum aestivum ); wird weltweit kultiviert. Mit fünf bis sieben Unterarten: Triticum aestivum subsp. aestivum (Syn.: Triticum vavilovii ) Zwergweizen, Igelweizen oder Binkel (Triticum aestivum subsp. compactum , Syn.: Triticum compactum ): Er kommt ursprünglich von Transkaukasien bis Israel vor.Rafael Govaerts (Hrsg.): World Checklist of Selected Plant Families. Triticum Royal Botanic Gardens Kew, Zugriff am 3. September 2018. Triticum aestivum subsp. macha (Syn.: Triticum macha ): Sie kommt wild im westlichen Transkaukasien vor. Dinkel (Triticum aestivum subsp. spelta , Syn.: Triticum spelta ): Ursprünglich in Transkaukasien. Kugelweizen (Triticum aestivum subsp. sphaerococcum , Syn.: Triticum sphaerococcum ): Kommt wild vom südlichen Pakistan bis zum nordwestlichen Indien vor.

Einkorn (Triticum monococcum ): Die Heimat ist Ost- und Südosteuropa sowie Westasien und der Kaukasusraum. Mit zwei Unterarten: Triticum monococcum subsp. aegilopoides (Syn.: Triticum baeoticum ): Kommt ursprünglich von Südosteuropa bis Afghanistan vor. Freidreschendes Einkorn (Triticum monococcum subsp. monococcum, Syn.: Triticum sinskajae ): Kommt ursprünglich in der südöstlichen Türkei vor.

Triticum timopheevii , kommt von der südöstlichen Türkei bis zum nordwestlichen Iran vor. Mit den Unterarten: Triticum timopheevii subsp. armeniacum (Syn.: Triticum araraticum ): Sie kommt im südlichen Transkaukasien vor. Triticum timopheevii subsp. timopheevii (Syn.: Triticum militinae , Triticum timonovum ): Sie kommt von der südöstlichen Türkei bis zum nordwestlichen Iran vor.

Rauweizen, Nacktweizen oder Englischer Weizen (Triticum turgidum ): Die Heimat ist Westasien. Mit mehreren Unterarten: Triticum turgidum subsp. asiaticum : Sie kommt in der früheren Tschechoslowakei, in Bulgarien, in der Türkei, auf der Krim und im Kaukasusraum vor. Persischer Weizen (Triticum turgidum subsp. carthlicum , Syn.: Triticum carthlicum ): Sie kommt vom Kaukasusraum bis zum Iran vor. Triticum turgidum subsp. dicoccoides (Syn.: Triticum dicoccoides ): Sie kommt vom östlichen Mittelmeergebiet bis zum Kaukasusraum und zum Iran vor. Emmer (Triticum turgidum subsp. dicoccum , Syn.: Triticum dicoccon , Triticum ispahanicum , : Wild in der südöstlichen Türkei. Hartweizen, Durumzweizen, Gerstenweizen oder Glasweizenhttps://brockhaus.de/ecs/enzy/article/hartweizen (Triticum turgidum subsp. durum , Syn.: Triticum durum ): Wild in Ägypten. Triticum turgidum subsp. georgicum (Syn.: Triticum karamyschevii , Triticum turgidum subsp. palaeocolchicum ): Kommt im westlichen Transkaukasien vor. Triticum turgidum subsp. maroccanum Galizischer Weizen, Polnischer Weizen oder Gommer (Triticum turgidum subsp. polonicum , Syn.: Triticum polonicum , Triticum petropavlovskyi ): Wild im Mittelmeerraum, Äthiopien, Russland und einigen anderen Regionen Asiens. Triticum turgidum subsp. pyramidale : Sie wird in Ägypten kultiviert. Triticum turgidum subsp. subspontaneum : Sie kommt in der Türkei und in Georgien vor. Khorasan-Weizen, Kamut (Triticum turgidum subsp. turanicum , Syn.: Triticum turanicum ): Sie kommt vom nördlichen Irak zum nördlichen Iran und dem nordwestlichen China vor. Möglicherweise ein natürlicher Hybrid aus Hartweizen (Triticum durum) und einer Weizen-Wildform (Triticum polonicum). Triticum turgidum subsp. turgidum, Syn.: Triticum jakubzineri , Triticum compositum ): Sie kommt wild im Gebiet von Syrien und Libanon vor. Triticum turgidum subsp. volgense : Sie kommt in Russland vor.

Triticum urartu : Die Heimat ist Armenien, Iran, Irak, Palästina, das Gebiet von Syrien und Libanon, der Kaukasusraum und die östliche Türkei.

Triticum ×zhukovskyi = Triticum monococcum × Triticum timopheevii; wird in Georgien kultiviert. Sie kommt nach POWO wild in Transkaukasien vor.

In die Gattung Triticum werden manchmal auch die nahe verwandten Walche (Aegilops) eingeschlossen, von denen einige Arten in die kultivierten Weizenarten eingekreuzt wurden.

Ackerbaulich wichtige Weizenarten Arten Weichweizen (Triticum aestivum ) ist eine hexaploide Weizenart und wird mit der weitesten Verbreitung angebaut. Es gibt eine Vielzahl von Sorten, die an unterschiedliche Klimate angepasst sind. Dinkel oder Spelz (Triticum aestivum subsp. spelta ), ebenfalls hexaploid, wird als spezielles Brotgetreide begrenzt angebaut. Das in der Milchreife geerntete und geröstete Korn, Grünkern genannt, ist mineralstoffreich und stark aromatisch. Emmer (Triticum turgidum subsp. dicoccum ) ist eine tetraploide Weizenart, die historisch angebaut wurde, heute aber keine wirtschaftliche Bedeutung mehr hat. Hartweizen (Triticum turgidum subsp. durum ) ist die einzige tetraploide Weizenart, die heute noch verbreitet angebaut wird. Einkorn (Triticum monococcum ) ist die älteste Kulturweizenart. Es handelt sich um eine diploide Weizenart. Sie wird heute noch aus wissenschaftlichen Gründen oder zu Illustrationszwecken angebaut, ist aber auch im Naturkosthandel wieder erhältlich und dient zur Produktion von Backwaren und Bier.

Sorten Das Bundessortenamt teilt mit seiner Zulassung die Weichweizensorten in vier sogenannte Backqualitätsgruppen ein. (Hauptmerkmal der Einteilung ist die Volumenausbeute im Rapid-Mix-Test, einem Backversuch): E-Gruppe: Eliteweizen – mit hervorragenden Eigenschaften und höchster Volumenausbeute der Backqualitätsgruppen. Eliteweizen wird meistens zum Aufmischen schwächerer Weizensorten verwendet oder exportiert. A-Gruppe: Qualitätsweizen mit hoher Eiweißqualität, aber geringeren Anforderungen an die Volumenausbeute als bei Eliteweizen. Kann Defizite anderer Sorten ausgleichen. B-Gruppe: Brotweizen – alle Sorten, die für die Gebäckherstellung gut geeignet sind, die Volumenausbeute darf diejenige der Qualitätsweizen noch unterschreiten. C-Gruppe: Sonstiger Weizen, welcher hauptsächlich als Futter verwendet wird.Klaus-Ulrich Heyland (Hrsg.): Spezieller Pflanzenbau (= Landwirtschaftliches Lehrbuch. Band 2). 7. völlig neubearb. Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart 1996, ISBN 3-8001-1080-6, S. 157 ff., insb. S. 161. Bei Weizensorten, die besonders für Flachwaffel- und Hartkeksherstellung geeignet sind, wird die Qualitätsgruppe mit dem Index ‚K‘ an der Qualitätsgruppe gekennzeichnet, also zum Beispiel CK.

Domestizierung, Züchtung und Ausbreitung des Anbaus Geschichte Der heutige Saatweizen ging aus der Kreuzung mehrerer Getreide- und Wildgrasarten hervor. Die ersten angebauten Weizenarten waren wilder Weizen (Triticum boeoticum) – später die domestizierte Form Einkorn (Triticum monococcum) und wilder Emmer (Triticum dicoccoides ) – später der domestizierte Emmer (Triticum dicoccum). Ihr Herkunftsgebiet ist der Vordere Orient (Fruchtbarer Halbmond).

Die ältesten Nacktweizenfunde stammen aus der Zeit zwischen 7800 und 5200 v. Chr. aus dem Gebiet des heutigen Iran.Artikel Weizen mit Darstellung alter Sorten, Das Getreidenetzwerk des VERN e.V. In: landsorten.de Damit ist Weizen nach der Gerste die zweitälteste Getreideart. Mit seiner Ausbreitung nach Nordafrika und Europa gewann der Weizen grundlegende Bedeutung.

Die ältesten Funde von Nacktweizen in Europa stammen aus dem westmediterranen Raum, dem Siedlungsbereich der Cardial- oder Impressokultur.Jens Lüning: Steinzeitliche Bauern in Deutschland. Die Landwirtschaft im Neolithikum (= Universitätsforschungen zur prähistorischen Archäologie. Band 58). Habelt, Bonn 2000, ISBN 3-7749-2953-X, S. 62. Im Endneolithikum war der Nacktweizen nach zeitweiliger Ausbreitung über Mitteleuropa auf eine Region beiderseits des Oberrheins und der Schweiz reduziert. Doch lange blieb der Anbau hinter dem der Getreidearten Einkorn, Emmer und Gerste zurück. Erst durch das Weißbrot, das ab dem 11. Jahrhundert in Mode kam, etablierte sich der Weizen. Heute ist Weizen in Deutschland die am häufigsten angebaute Getreideart und nimmt den größten Anteil der Getreideanbauflächen ein.