Lauenstein ist ein Ort im oberen Müglitztal, der heute ein Stadtteil der Stadt Altenberg ist. Es zählt zu den ältesten Siedlungsgründungen im Osterzgebirge und erhielt 1494 das Stadtrecht. 1994 wurde Lauenstein mit Bärenstein unter dem Namen Bärenstein zusammengeschlossen und 1996 nach Geising umgegliedert, mit dem es 2011 nach Altenberg eingemeindet wurde. Der Stadtsteil hat den Status einer Ortschaft nach der Sächsischen Gemeindeordnung und damit gemäß seiner Ortschaftsverfassung einen Ortschaftsrat und Ortsvorsteher.
mini|Marktansicht, 1901 mini|Marktansicht um 1907 mini|Blick auf Lauenstein 2005
Geografie mini|Lauenstein auf der Oberreitschen Karte von 1821
Geografische Lage Lauenstein liegt etwa 40 km südlich von Dresden im Osterzgebirge im oberen Tal der Müglitz. Der Ort erstreckt sich vom Bahnhof auf 470 m Höhe an den linken Hängen der Müglitz bis 710 m hoch aufsteigend über dem Fluss. Das Zentrum befindet sich auf einer Terrasse etwa 50 m über dem Müglitztal.
Geologie Die im Raum Lauenstein lagernden Untergrundgesteine sind dem Freiberger Grauen Gneis zuzuordnen. Dieses Gestein entstand im Laufe der Heraushebung des Erzgebirges bei der Umwandlung älterer Sedimente unter hohem Druck. In der letzten Phase der Gebirgsbildung kam es im Oberkarbon zum Aufstieg metallhaltiger Lösungen und Dämpfe, die in die Erdkruste eindrangen und Erzlagerstätten bildeten.
Naturraum mini|Müglitztal oberhalb von Lauenstein mini|Schloss Lauenstein
Die Umgebung Lauensteins gehört zum Osterzgebirge, einer bis zu 905 m hohen, abgetragenen Rumpfflächenlandschaft mit wenig ausgeprägten Erhebungen. Einzige Ausnahme bildet der 824 m hohe Basaltschlot des Geisingberges etwa vier Kilometer südwestlich von Lauenstein. Nach Norden hin nehmen die Höhen gleichmäßig ab. Den gebirgigen Charakter und ihre Gliederung erhält die Region durch tief eingeschnittene Flusstäler, insbesondere das der Müglitz. Das Lauensteiner Klima wird von Jahresmitteltemperaturen um 6 °C und jährlichen Niederschlägen um 870 mm, davon etwa 25 % als Schnee, bestimmt. Da ringsum die Höhenzüge die Stadt um etwa 80 m überragen, ist sie gegen das mitunter recht raue Erzgebirgsklima geschützt. Die vorwiegend zu Braunpodsolen verwitternden Gneisböden ermöglichen eine ackerbauliche Nutzung (Vegetationsperiode etwa 200 Tage), die sich allerdings wegen des Klimas und der geringen Ertragsleistung der Böden auf die Grünlandwirtschaft konzentriert. Der ursprünglich im Umfeld dominierende Fichten-Tannen-Buchen-Mischwald ist weitgehend der Landwirtschaft, Besiedlung und dem Bergbau zum Opfer gefallen. Die Waldarmut der Kammlagen im Osterzgebirge war in der Vergangenheit mitverantwortlich für wiederholt aufgetretene und teils verheerende Hochwasser, von denen das Müglitztal im Allgemeinen und die im Tal gelegenen Teile Lauensteins im Speziellen vor allem 1927 und 2002 besonders betroffen waren.
Geschichte mini|Lauensteiner Wappen
Gründung Die Siedlung geht auf eine im 12. Jahrhundert errichtete Grenzburg zurück, die 1289 erstmals als „castrum Levensteyn“ erwähnt wurde. Bereits 1241 wurde allerdings ein „Christianus de Lewensteine“, Sohn des Boriwo de Tarant, Verwalter der markmeißnischen Burg Tharandt, erwähnt. Der Ort Lauenstein entstand als Suburbium im Schutz der Burg. Er wurde 1340 erstmals als „hous mit dem stetychein“ bezeugt.
Wappen und Name mini|Ortswappen am Bahnhof
Das blaue Wappen der einstigen Stadt stellt einen goldenen Löwen dar, der eine silberne Felswand ersteigt. Das Motiv des felsenkletternden Löwens wurde erstmals auf einem Siegel des Jahres 1683 verwendet. Es bezieht sich auf den Stadtnamen. Der Ursprung des Namens Lauenstein ist ungeklärt. BRANDNER (1845) führte ihn auf Löwen zurück, die seiner Ansicht nach im erzgebirgischen Urwald vorkamen. Weitere Deutungen beziehen sich auf eine Ableitung vom Namen Leonhard, verweisen auf die windgeschützte Lage (der laue stein) oder konstruieren eine Ableitung aus den englischen Wörtern low und stone (Lagebeschreibung des Burgfelsens). Realistisch scheint aber vielmehr, dass die Burgherren das Wappentier wählten, weil es sich nach den Kreuzzügen als Schildtier der Ritter großer Beliebtheit erfreute. Möglicherweise bestand aber auch ein Zusammenhang zu den im markgräflich-meißnischen oder im böhmischen Wappen vorkommenden Löwen. Die Schreibweise des Namens von Burg und Stadt wechselte im Lauf der Geschichte mehrmals. Überliefert sind u. a. die Schreibweisen „castrum Levenstyn“ (vor 1289), „Lewenstein“ (1320), „Leuwenstein“ (1372), „Lauwensteyn“ (1386), „Lawenstein“ (1389), „Lauwinsteyn“ (1412), „Lawenstein“ (1485) und „Laustein“ (1515). Die heutige Schreibweise erschien erstmals bereits 1410, setzte sich aber erst ab 1800 durch.
Entwicklung von Burg und Schloss mini|links|Schloss Lauenstein um 1860
Über die der Stadtentwicklung vorausgehende Gründung der Burg Lauenstein wohl um 1200 herrscht in der Geschichtsschreibung Unsicherheit. Eine Reihe von Autoren (Schmidt 1927; Hammermüller 1964; Blaschke 1966) schreibt die Anlage der Burg den Markgrafen von Meißen zu, während Adam (1994) böhmische Adlige als Gründungsväter sieht. Sollte der erste Fall zutreffen, dann diente die Anlage wohl dem Schutz der Ende des 12. Jahrhunderts entdeckten Erzlagerstätten nahe Freiberg und Dippoldiswalde. Wenn die Gründung dagegen von der böhmischen Familie der Hrabischitzer initiiert wurde, war Lauenstein wohl eher ein Vorposten der Burgen in Graupen und Kulm.
Fest steht, dass sich die Burg zum Zeitpunkt ihrer Ersterwähnung (1289 als „castrum Levensteyn“) im Besitz der Markgrafen von Meißen befand. Sie wurde in einer Frühphase der Erschließung des oberen Osterzgebirges auf einem steilen Bergsporn über dem Müglitztal als Grenzburg errichtet. Da sie nur von der schmalen Bergseite aus zugänglich war, konnte sie besonders wirksam befestigt und geschützt werden. Die Burg war Ausgangs- und Stützpunkt der ritterlich-bäuerlichen Kolonisation.In der Fachliteratur (vgl. u. a. Blaschke 1966, Zühlke 1966) wird auch die ab etwa 1200 einsetzende deutsche Besiedlung des Erzgebirges als Kolonisation bezeichnet. Aus dieser Kolonisation gingen die Dörfer Liebenau, Löwenhain, Fürstenau und Fürstenwalde hervor. Die Burg Lauenstein schützte diese Siedlungen und die Wege des Kulmer Steiges nach Böhmen östlich von ihr und sicherte gleichzeitig die Herrschafts- und Besitzansprüche der Markgrafen von Meißen auf dem an Bodenschätzen reichen Grenzwald ab.
mini|Reste der mittelalterlichen Burganlage
In der Entstehungszeit verfügte die Anlage wahrscheinlich nur über eine vergleichsweise einfache Bauform (dreieckige Kernburg ohne Bergfried mit Torturm). Da Lauenstein aber bereits 1340 als Schloss erwähnt wird, kann von einer raschen Erweiterung der baulichen Anlagen und von einer Entwicklung hin zu einer typisch mittelalterlichen Burg ausgegangen werden. Von der eigentlichen Burg sind heute allerdings nur noch Reste erhalten, da die Anlage nach einem verheerenden Stadtbrand am 2. Mai 1594 niederbrannte und an ihrer Stelle bis ins 17. Jahrhundert hinein ein Renaissancebau als Wohnschloss errichtet wurde. Dabei erfolgte die Anlage einiger reich mit Bildhauer-, Stuck- und Malerarbeiten ausgestatteter Räume, die das Schloss noch heute sehenswert machen. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts waren Schloss und Stadt Lauenstein auch Mittelpunkte der ausgedehnten gleichnamigen Grundherrschaft, die bereits im 15. Jahrhundert bis auf den Erzgebirgskamm nahe Zinnwald reichte. 1835 umfasste diese Herrschaft eine Fläche von 94 km² mit der Stadt Neugeising, 15 Dörfern bzw. kleineren Siedlungen, darunter Börnersdorf, Breitenau, Fürstenau, Fürstenwalde, Hennersbach, Liebenau, Löwenhain, Oelsengrund und Zinnwald mit insgesamt 5.219 Bewohnern.
mini|links|Torhaus mini|Blick vom Schlossgarten auf Schloss Lauenstein Gegenüber diesen Untertanen verfügte der Lauensteiner Burg- und Grundherr über zahlreiche Rechte und Privilegien, darunter das Bergregal auf niedere Metalle, die Binnenfischerei in allen Bächen und Flüssen, den Mahlzwang in den Mühlen der Grundherrschaft, die Entrichtung von Lehngeldern bei Besitzveränderungen, Erbzinsen, Grundsteuer sowie die niedere und hohe Gerichtsbarkeit. Letzteres umfasste auch Verurteilungen zum Tode, vollstreckt z. B. am 21. Dezember 1602: …den 21. Decembr. ist zu Launstein auf dem Marckte der gewesene Bürgermeister Phillipp Schelle nebst Stephan Richters Eheweibe Ehebruchs wegen enthauptet, Thomas Schmatzens Eheweib aber, mit der jener auch zugehalten, verwiesen worden.Christoph Meißner (1747): Umständliche Nachricht von der Churfl. Sächs. Schrifftsäßigen freyen Zien-Berg-Stadt Altenberg. Dresden und Leipzig. S. 421. (Reprint der Originalausgabe, hrsg. vom Knappenverein Altenberg e. V. 2001), bei dem Verurteilten handelte es sich wahrscheinlich um einen ehemaligen Geisinger Bürgermeister Zwischen 1607 und 1730 wurden auf dem Marktplatz vor dem Schloss sechs Todesurteile u. a. wegen Ehebruch, Kindestötung und Mord vollstreckt. Die wirtschaftliche Bedeutung der grundherrschaftlichen Privilegien verdeutlichen folgende Zahlen: Noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts konnte der Grundherr aus seiner Herrschaft jährlich 1.371 Taler Geldzinsen, 161 Scheffel Zinskorn, 715 Scheffel Zinshafer, 410 Hühner und Gänse, über 2.500 Eier sowie über 2.300 Tage mit Dienstverpflichtungen (Feldarbeit, Ernte, Handwerksleistungen) für sich beanspruchen. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts kamen die grundherrlichen Forderungen allmählich außer Gebrauch. Sie wurden teils durch neue Gesetze ersetzt, die Naturalleistungen durch Geldrenten abgelöst. Mit dem Regalbergbaugesetz von 1851 verlor die Herrschaft Lauenstein das niedere Bergregal und das Vasallenbergamt, das seinen Sitz in Neugeising hatte und zu dessen Revier die seit dem 16. Jahrhundert erschlossenen reichen Zinnerzlagerstätten auf dem Zinnwald gehörten, wurde aufgelöst. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurden die damaligen Grundherren von Hohenthal-Püchau im Rahmen der Bodenreform enteignet. Ab 1943 waren im Schloss große Teile der wertvollsten Handschriften aus der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg eingelagert, welche dann 1946 durch die Rote Armee beschlagnahmt wurden. Im Schloss und seinen Nebengebäuden kamen kurzfristig auch sudetendeutsche Vertriebene unter. Seit 1980 wird die Anlage als Museum (heute Osterzgebirgsmuseum) genutzt.
Das Schloss und die Stadtkirche Lauenstein sind ausgewählte Stätten des UNESCO-Welterbes Montanregion Erzgebirge.
Im Rahmen der jahrhundertealten Geschichte traten u. a. folgende Besitzer über Burg und Herrschaft Lauenstein auf (unvollständig):
mini|Doppelwappen für Günther von Bünau (vor 1535 bis 17. November 1576) und seine Frau Magdalena geb. von Ebeleben. Die Inschrift lautet: „GVNTER V BIVNE AVF TESCHEN VND LAWENSTIN ANNO 1556“.
1320: Albert der Ältere, Burggraf in Leisnig verpfändet Schloss Lauenstein an Markgraf Friedrich I. (Meißen). 1340: Burggrafen von Bergau 1372: Lauenstein wird böhmisches Lehen (bis 1459). 1374–1436: Die Familie von Kürbitz residiert als Vasall derer von Bergau auf Lauenstein. 1436: Kurfürst Friedrich II. belehnt Nikolaus, Hans und Günther von Planitz mit Lauenstein. 1449: Kurfürst Friedrich II. erwirbt Lauenstein, um einen Anteil an den aufkommenden Zinnbergbau von Altenberg zu erlangen. Er lässt Lauenstein von Vögten verwalten. Einer der ersten Verwalter war Kaspar von Schönberg auf Rechenberg. 1462: kurfürstliches Amt unter Franz von Körbitz 1464: Kurfürst Friedrich II. verkauft Lauenstein an Hans Münzer, einen reichen Bergwerksbesitzer und Ratsherren aus Freiberg. Der Kaufpreis betrug 700 Schock Groschen. Münzer war maßgeblich an der bergbaulichen Erschließung der Lauensteiner Region beteiligt. In die Zeit seiner Grundherrschaft fallen wahrscheinlich die ersten Zinnfunde und der Beginn des Zinnbergbaus in und um Lauenstein. Sein Sohn Erhard verkauft Lauenstein 1490.