mini|hochkant=1.3|Die Jugendform des Efeublatts hat meist drei bis fünf Blattlappen
Der Gemeine Efeu, auch Gewöhnlicher Efeu oder kurz Efeu (Hedera helix), ist eine immergrüne Pflanzenart aus der Gattung Hedera (Efeu) innerhalb der Familie der Araliengewächse (Araliaceae).
Im europäischen Verbreitungsgebiet spielt der Efeu eine wichtige ökologische Rolle. Durch die Blüte im Herbst und Fruchtbildung ab Januar ernährt er viele heimische Insekten- und Vogel-Arten, deren Nahrungsangebot zu diesen Jahreszeiten knapp ist. Das Laub des Efeus schützt Obstbäume und Großbaumarten mit empfindlicher Rinde vor schädlicher Sonneneinstrahlung. Das ganzjährig dichte Laub des Efeus dient Vögeln als Nistplatz und vielen Tieren als Schutz und Rückzugsort auch im Winter.Unterschätztes Multitalent Efeu, Naturschutzbund Deutschland, 28. Oktober 2024. In: nabu-frankfurt.de Siehe auch: Efeu und seine Trägerbäume
Trivialnamen und Wortherkunft „Landschaftliche Namen“ sind unter anderem Epheu (p und h getrennt gesprochen), Baumwinde (lateinisch früher Hedera arboreaVgl. etwa Otto Zekert (Hrsg.): Dispensatorium pro pharmacopoeis Viennensibus in Austria 1570. Hrsg. vom österreichischen Apothekerverein und der Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie. Deutscher Apotheker-Verlag Hans Hösel, Berlin 1938, S. 144.Eucharius Rößlin: Der Swangern frawen und hebammen roßgarten. Worms 1513; Neudruck Berlin o. J., O I recto („Edera arborea: ebhaw, das an den baumen wachset“).) und, allerdings mehrdeutig, Eppich.
Die Herkunft des Wortes „Efeu“ ist unsicher. Althochdeutsch überliefert sind unter anderem ebihouwi, ebhouwe, ebihewe, ebahewi, ebah, ebahi, ebahboum, ebboum, mittelhochdeutsch ebehöu, ephöu, frühneuhochdeutsch Ebheu, Epheu. Die heutige Schreibung (und die davon ausgehende Aussprache) Efeu beruht auf einer im 17. Jahrhundert aufgekommenen Fehldeutung der Schreibung ph als f. Das Wort war schon früh nicht mehr durchsichtig; bereits in althochdeutsch ebihouwi liegt eine Umdeutung zur Zusammensetzung mit „Heu“ (infolge der Nutzung als LaubheuZur Nutzung als Viehfutter vgl. K.-E. Behre: Efeu. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Hrsg. von Heinrich Beck u. a. Band 6: Donar-Þórr – Einbaum. De Gruyter, Berlin / New York 1986, ISBN 3-11-010468-7, S. 455; Schweizerisches Idiotikon, Band I: A–F. Huber, Frauenfeld 1881–1885, Spalte 1816, Artikel Abheuw (Digitalisat).), in althochdeutsch ebboum eine solche mit „Baum“ vor. Für das Vorderglied eb- wurde schon Verwandtschaft mit lateinisch ibex ‚Steinbock‘ und damit eine Grundbedeutung als „Kletterer“ angenommen, doch bleibt dies hypothetisch.Albert L. Loyd, Rosemarie Lühr, Otto Springer: Etymologisches Wörterbuch des Althochdeutschen. Band II: bî – ezzo. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen/Zürich 1998, ISBN 3-525-20768-9, Sp. 927 f. (ebah) und 939 f. (ebihewi), sodann Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 18. Aufl., bearb. von Walther Mitzka, Walter de Gruyter, Berlin 1960, S. 152 sowie 25. Aufl., bearb. von Elmar Seebold, Walter de Gruyter, Berlin/Boston 2011, ISBN 978-3-11-022364-4, S. 227 f.; Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, 2. Aufl., durchgesehen und ergänzt von Wolfgang Pfeifer, Akademie, Berlin 1993, ISBN 3-05-000626-9, S. 260; Jost Trier: Venus. Etymologien um das Futterlaub (= Münstersche Forschungen. Band 15). Köln/Graz 1963, S. 2.
Althochdeutsch ebah(i) und altniederdeutsch īfig leben in rezenten Mundartwörtern wie Ebich, Ebch, Ebix, Ebx, Ebsch, Ewich, Ewisch, Ewix, Ewek weiter, althochdeutsch ebihouwi im Alemannischen als Abheu, Äbheu. Weitere Umdeutungen finden sich in alemannisch Räbheu (Anlehnung an die ebenfalls rankende „Rebe“) und in mittelniederdeutsch iwlōf, ifflōf (Anlehnung an „Laub“).Vgl. auch Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 179 („Edera arborea – yfen oder ebich, Cissos“).
Der Name „Baumwinde“ ist mittelhochdeutsch bereits als boumwinde belegt. Wegen seines Wuchses an und in Mauern wurde der Efeu früher auch Mauerepheu, Mauerefeu und ähnlich genannt.Gundolf Keil: Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 422–423 (zu mauröffelein als Jugendform, mauerepheu und maurewphew).
Beschreibung Erscheinungsbild und Blatt mini|Adventivwurzeln Der Gemeine Efeu ist eine immergrüne, ausdauernde Pflanze und ein Klettergehölz. Sehr variabel ist der Gemeine Efeu in seinen Lebensformen, es liegt Sprossdimorphismus vor. Die Keimung erfolgt epigäisch. Zuerst entwickelt er sich als ausdauernde, krautige Pflanze. So überwuchert der Efeu gelegentlich flächendeckend den Boden. Seine Sprossachsen sind in diesem Stadium niederliegend bis kriechend (plagiotrop). Die Rinde junger Sprossachsen ist mit stern- bis schildförmigen Haaren (Trichomen) flaumig bedeckt. An den Sprossachsen werden im dichten Abstand Adventivwurzeln gebildet. Sobald Bäume, Zäune oder Mauern erreicht werden, ist der Efeu in der Lage, durch Haftwurzeln daran emporzuklettern; dabei erklimmt er Höhen von 20 oder selten bis zu 30 Metern. Der Gemeine Efeu ist der einzige in Mitteleuropa einheimische Wurzelkletterer. Nach einigen Jahren beginnen die Sprossachsen zu verholzen und der Gemeine Efeu entwickelt sich vom Halbstrauch zum Strauch oder zur Liane, bis er selten auch baumartig wächst. Efeu kann ein Höchstalter von 450 Jahren erreichen, Altersformen können etwa 10 Jahre nach der Keimung auftreten. Adulte Exemplare besitzen rundliche und aufrechte, orthotrope Sprossachsen. Diese Sprossachsen sind stets wurzellos. Verholzte Stämme können nicht selten einen Durchmesser von ca. 30 Zentimetern erreichen, außergewöhnliche Exemplare auch noch deutlich mehr.
Beim Gemeinen Efeu liegt Heterophyllie vor. Die wechselständig angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und ‑spreite gegliedert. Die einfachen, ledrigen Blattspreiten sind oberseits fast kahl und unterseits mit weißen 5- bis 8-strahligen, nur am Grund verwachsenen Schuppenhaaren bedeckt. An den Jugendformen sind die Blattspreiten bei einer Länge von meist 4 bis 10, selten bis zu 25 Zentimetern handförmig gelappt mit drei bis fünf dreieckigen, ganzrandigen Blattlappen. Bei den blühfähigen Altersformen sind die Blattspreiten bei einer Länge von 6 bis 10 Zentimetern eiförmig bis rhombisch und nicht gelappt. Die Blattoberseite ist glänzend dunkelgrün, oft mit helleren Blattadern, und die Blattunterseite ist heller. Manchmal werden die Blattspreiten im Spätsommer hellgrün bis gelblich und die Blattoberseite kann im Winter purpurfarben getönt sein. Es sind keine Nebenblätter vorhanden.
Blütenstand und Blüte mini|Blüten im Detail: fleischige Disken gut sichtbar Endständig zu dritt bis sechst in rispigen Gesamtblütenständen oder einzeln stehen auf Blütenstandsschäften in halbkugeligen bis kugeligen, doldigen Blütenständen etwa 20 gestielte, unscheinbare Blüten zusammen. Die Blütenstandsschäfte und Blütenstiele sind filzig mit Sternhaaren bedeckt.
Die sich im September und Oktober entwickelnden relativ kleinen, gelblich-grünen, etwas unangenehm duftendenBotanisches Centralblatt. 13. Jahrg., XLIX Band, Gotthelft, 1892, S. 267, eingescannt auf biodiversitylibrary.org.Focko Weberling: Morphology of Flowers and Inflorescences. Cambridge Univ. Press, 1989, ISBN 0-521-25134-6, S. 331. Blüten sind zwittrig, radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die fünf Kelchblätter am Blütenbecher sind nur minimal und dreieckig. Die fünf, selten sechs, freien, gelblich-grünen, leicht fleischigen, außen fein behaarten, spitzen, zurückgelegten Kronblätter sind bei einer Länge von 3 bis 4 Millimetern dreieckig-eiförmig, innen gekielt und am oberen Ende minimal kapuzenförmig. Es ist nur ein Kreis mit fünf Staubblättern vorhanden. Fünf Fruchtblätter sind zu einem unterständigen, fünfkammerigen Fruchtknoten verwachsen. Die fünf kurzen Griffel stehen zu einer Säule zusammen. Die Nektarsekretion erfolgt an einem gewölbten Diskus auf dem Fruchtknoten.
Frucht und Samen mini|Reife Früchte mit deckelartigen Diskusresten an der Spitze In den Fruchtständen stehen die zwischen Januar und April reifenden Früchte dicht zusammen. Die bei Reife bläulich- oder grünlich-schwarzen, selten gelben oder weißen mehrsamigen Steinfrüchte mit Diskus- und Griffelresten an der Spitze, sind bei einer Länge von 5 bis 9 Millimetern und einem Durchmesser von 6 bis 9 Millimetern kugelig und besitzen durchschnittlich eine Masse von knapp 0,3 g. Die Früchte enthalten im purpurfarbenen Fruchtfleisch ein bis fünf Steinkerne. Die einsamigen Steinkerne weisen eine Länge von etwa 6 Millimetern sowie einen Durchmesser von etwa 4 Millimetern auf. Die weißliche, membranöse Schale der Kerne ist runzelig. Der kleine Embryo besitzt zwei Keimblätter (Kotyledonen). Das Endosperm ist ruminat.
Chromosomensatz Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 48; ausgehend von der Chromosomengrundzahl der Gattung Hedera von x = 12 liegt Tetraploidie vor.
Toxizität mini|alt=|Strukturformel von Falcarinol Sämtliche Pflanzenteile des Gemeinen Efeus sind giftig. Bekannte giftige Inhaltsstoffe sind α-Hederin (Triterpensaponin), das sich durch Abbaureaktionen aus dem Hederasaponin C bilden kann (zu 80 % enthalten), sowie Falcarinol. Zeichen der Vergiftung können schon nach Einnahme von zwei bis drei Beeren auftreten: Brennen im Rachen, Durchfall und/oder Erbrechen, Kopfschmerzen, erhöhter Puls, Krämpfe. Nach Aufnahme großer Mengen (unwahrscheinlich, da sehr bitter) können Schock und Atemstillstand auftreten. Häufig sind auch Kontaktdermatiden durch Reaktion des Falcarinols mit den Proteinen der Haut.
Taxonomie mini|Der gelbfrüchtige Poeten-Efeu in Türkei und Kaukasus Die Erstveröffentlichung von Hedera helix erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, S. 202. Nach dem taxonomischen Konzept von Plants of the World Online (POWO) ist der Gemeine Efeu damit heute (Stand März 2026) eine von 19 Arten der Gattung Efeu. Die Art untergliedert sich in zwei Formen, und zwar die autonyme Form Hedera helix f. helix mit aktuell 131 Synonymen und den in der Türkei und im Kaukasus heimischen gelbfrüchtigen Poeten-Efeu Hedera helix f. poetarum
Vorkommen mini|Natürliche Verbreitung nach Metcalfe 2005 Der Gemeine Efeu ist in West-, Mittel- und Südeuropa von der Ebene bis in mittlere Gebirgslagen heimisch, im Norden reicht sein Verbreitungsgebiet bis nach Südschweden, im Osten bis in die Türkei.
Als Standorte werden Wälder und Auengehölze, Steinbrüche und Ruinen bevorzugt. Im Bereich der Auwälder deutet ein Aufklettern des Efeus an den Bäumen auf eine höhere Luftfeuchte hin. Dies geht meist mit Veränderung der Blattformen im oberen Bereich einher. Der Efeu schadet dem bewachsenen Baum nicht, von einer umgreifenden Konkurrenz zu der weiteren Bodenvegetation ist nicht auszugehen. Er ist in Mitteleuropa pflanzensoziologisch eine Charakterart der Klasse Querco-Fagetea. In den Allgäuer Alpen steigt er in Bayern, zwischen Schlipfhalden und der Klösterlealpe bei Balderschwang bis zu einer Höhenlage von 1180 Metern auf. In den Alpen steigt er bei den Churfirsten bis 1800 Meter auf.
Die Zeigerwerte nach Ellenberg weisen ihn als ozeanische Schatten- bis Halbschattenpflanze, als Mäßigwärmezeiger sowie indifferent bezüglich Boden-pH-Wert und Nährstoffangebot aus. Die Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 für die Schweiz sind: Feuchtezahl F = 3 (mäßig feucht), Lichtzahl L = 2 (schattig), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 4 (kollin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 2 (subozeanisch).