rechts|300px mini|Der Albrechtsbrunnen in Wien, Allegorie auf den Flussgott Danuvius und die Stadt Vindobona mini|Scheibenfibel mit Darstellung des Flussgottes Danuvius, 150–250 n. Chr. (Römermuseum, Wien) mini|Das römische Wien mini|Legionslager und Militärstadt um 250 n. Chr. mini|Strecke zwischen Vindobona und Carnuntum auf der Tabula Peutingeriana mini|Ecke Kramergasse/Ertlgasse, Standort des Osttores mini|Befundskizze des Osttores mini|Rekonstruktionsversuch des Osttores, 2. Jahrhundert n. Chr. mini|Gedenktafel für das Osttor mini|Tiefer Graben mit sog. Hoher Brücke, Standort des Westtores mini|Das Peilertor an den Tuchlauben, wahrscheinlich ein Überrest der porta decumana, um 1732 mini|Die Naglergasse im 1. Bezirk, sie markiert den einstigen Verlauf eines Abschnittes der Südwestmauer des Legionslagers mini|Einmündung der Naglergasse in den Heidenschuß, sie folgt exakt der ehemaligen (abgerundeten) SW-Ecke des Legionslagers mini|Die Römer errichten das Kastell Vindobona, Zeichnung von Karl Ruß (Mitte 19. Jahrhundert) mini|Rekonstruktionsversuch der Lagertherme, 2. Jahrhundert n. Chr. mini|hochkant|Steinquader von der Badeanlage des Legionslagers, Sterngasse mini|Rekonstruktionsversuch eines Tribunenhauses am Westtor, 2. Jahrhundert n. Chr. mini|Rekonstruktion des Legionslagers im Römermuseum Hoher Markt mini|Konservierte Reste der Bodenheizung eines Tribunenhauses im Römermuseum am Hohen Markt mini|Marc Aurel überquert mit seinen Truppen bei Vindobona die Donau, Zeichnung aus dem späten 19. Jahrhundert (Österreichische Nationalbibliothek) mini|hochkant|Am Hof gefundener Marmorkopf einer Geniusstatuette, 2.–3. Jahrhundert n. Chr. mini|hochkant|Fortunaaltar, gestiftet von Marcus Aurelius Cocceius Florianus, Angehöriger der Legio X (222–235), gefunden am Neuen Markt/Plankengasse mini|Die Figurengruppe des Nibelungenbrunnens in Tulln zeigt die Begegnung Kriemhilds und Etzels bei Comagena mini|Rekonstruktionsversuch eines Horreums am Salzgries, 1. bis 2. Jahrhundert n. Chr. mini|Römischer Kanaldeckel, gefunden am Hohen Markt mini|hochkant|Den Nymphen geweihter Altar, gefunden 1853 im Bett des Wienflusses, Ende 1. bis Anfang 2. Jahrhundert, gestiftet von T. Vettius Rufus, Centurio der Legio XIIII (Römermuseum Hoher Markt) mini|Befundskizze des Legionslagers (130 n. Chr.) mini|Rekonstruktionsversuch einer Mannschaftskaserne des Legionslagers Vindonissa, so könnte auch die Kaserne am Judenplatz im 2. Jahrhundert n. Chr. ausgesehen haben mini|Rekonstruktionsversuch der Principia, Zustand 2. Jahrhundert n. Chr. mini|Quader mit Bauinschrift der Legio XIIII, gefunden 1911 am Fleischmarkt; vermutlich von einem Zwischenturm der östlichen Lagermauer mini|Rekonstruktionsversuch des Lagerhospitals, Zustand 2. Jahrhundert n. Chr. mini|hochkant|Relief aus dem 1. Jahrhundert n. Chr., vermutlich ursprünglich an der Porta principalis dextra angebracht; gefunden 1895 beim Abbruch von Kramergasse 4–6 mini|hochkant|Weihealtar für Mithras. Wien 19, Sieveringer Straße 132, 1896. Aus einem unbekannten Mithräum auf dem Territorium Vindobonas, 2.–3. Jahrhundert, gestiftet vom Legionssoldaten Ulpius Secundus, X. Legion. mini|Reliefverzierte Terra sigilatta (1. Jahrhundert) aus La Graufesenque (Frankreich)

Vindobona ist der Sammelname für ein römisches Legionslager, eine Militärsiedlung und eine Zivilstadt am Limes Pannonicus, auf dem Gebiet der heutigen Bundeshauptstadt Wien in Österreich. Das Legionslager diente zum Schutz und der Überwachung der Reichsgrenze und Straßenverbindungen ins Barbaricum und Hinterland des Reiches. Obwohl die dichte, moderne Überbauung die Erforschung dieses Fundortes erheblich behinderte, konnten die Umrisse des Lagers und auch die Positionen einiger seiner Innenbauten bzw. der Zivilsiedlungen zweifelsfrei bestimmt werden. Die sichtbaren und unterirdisch erhaltenen antiken Baureste sind seit 2021 Bestandteil des zum UNESCO-Weltkulturerbe erhobenen Donaulimes.

Die Entwicklung zu einer der bedeutendsten römischen Städte und Legionsstandorte in Oberpannonien verdankt Vindobona unter anderem der günstigen geographischen Lage zwischen Alpenostrand und pannonischem Raum und den alten europäischen Verkehrsachsen, der Süd-Nord-Achse entlang des Alpenrands (Bernsteinstraße) und der West-Ost-Achse entlang Alpenvorland und der Donau als Wasserweg. Zivilsiedlungen und Legionslager standen am Südufer der Donau. Der Strom ließ sich bei Vindobona relativ leicht durchqueren, da er sich dort in zahlreiche mäandernde Arme mit dazwischen vom Wasser aufgeworfenen Schotterinseln auffächerte.

Stadt und Legionslager gehörten zum Territorium der römischen Provinz Pannonia und waren damit ihr am weitesten im Westen gelegener Legionsstandort. Ein Grabstein eines Angehörigen der Legio XV Apollinaris und Reste einer Holz-Erde-Befestigung lassen dort spätestens ab dem frühen 1. Jahrhundert n. Chr. einen ersten römischen Stützpunkt an der Limesstraße vermuten. Legionslager und Zivilsiedlungen sind seit dem späten 1. Jahrhundert n. Chr. nachweisbar. Nordwestlich des Legionslagers stand im 1. und 2. Jahrhundert möglicherweise auch ein Reiterkastell. Zeitweise waren in den Lagern vermutlich bis zu 6000 Soldaten stationiert.

Die direkt am Ufer eines Donauseitenarms gelegene Legionsfestung war seit dem späten 1. Jahrhundert auch von einer Canabae Legionis (Militärstadt) umgeben. Südöstlich davon entstand zur selben Zeit eine Zivilstadt, die rasch expandierte. Man schätzt, dass in ihrer Glanzzeit vom 2. bis in die erste Hälfte des 3. Jahrhunderts etwa 30.000 Menschen in und um Vindobona lebten. Die Zivilstadt erlangte vermutlich im frühen 3. Jahrhundert auch den rechtlichen Status einer autonomen Stadt zweiter Ordnung (Municipium).

Im 4. Jahrhundert wurde das Hauptquartier des Kommandanten der Donauflotte (Classis Histrica) von Carnuntum nach Vindobona verlegt. Das Legionslager bestand nach Zerstörung seiner Vorstädte als befestigte Siedlung noch bis Anfang des 5. Jahrhunderts und wurde dann endgültig von der Armee aufgegeben. Obwohl auch die römischen Siedlungsspuren in dieser Zeit enden, wurde Vindobona vermutlich nicht zur Gänze zerstört bzw. verlassen. Eine Restbevölkerung hielt sich bis in das frühe Mittelalter. Die römischen Ruinen wurden danach fast gänzlich durch Steinraub abgetragen oder zugeschüttet. Bei Notgrabungen infolge von Bauarbeiten oder Ähnlichem stoßen Archäologen immer wieder auf die antike Vergangenheit der österreichischen Bundeshauptstadt.

Lage und Topographie Wien befindet sich am nordöstlichen Ausläufer der Alpen, im Wiener Becken direkt am Ufer der Donau, einer der bedeutendsten europäischen West-Ost-Verbindungen der Antike. Eine stetige Westströmung sorgt fast ganzjährig für ein angenehmes Klima. Das Wiener Becken wird im Westen vom Wienerwald (mons cetium) begrenzt, der bei der Wiener Pforte bis an die Donau heranreicht. Vindobona zählte anfangs noch zum Territorium des benachbarten Noricum. Es wurde aber wegen der ständigen Gefahr durch Barbareneinfälle in seinem Abschnitt unter Tiberius an Pannonien angegliedert. Nach Zweiteilung der Provinz in Pannonia superior (Oberpannonien) und Pannonia inferior (Unterpannonien) unter Trajan kam der Ort zunächst zu Pannonia Superior und gehörte ab der Verwaltungsreform des Diokletian zur neu gegründeten Pannonia Prima (Diözese Illyrien).Peter Pleyel 2002, S. 76.

Das Legionslager war das westlichste der vier Lager (Vindobona, Carnuntum, Brigetio und Aquincum) am pannonischen Donaulimes. In der Antike war diese Landschaft von dichter Auwaldvegetation überzogen. Auch die keltischen Siedlungsplätze waren meist noch von ausgedehnten Wäldern umschlossen. Die aus dem Wienerwald kommenden und in die Donau mündenden Bäche sorgten für ausreichend Frischwasser und erleichterten den Zugang zum Stromufer. Der Strom begünstigte die Nahrungsbeschaffung und den Transport von Handelsgütern. Auch die reichen Fischbestände in den Gewässern waren eine sichere und schier unerschöpfliche Nahrungsquelle für die Bewohner. Die weit verzweigten, sumpfigen Nebenarme der Donau und die dichte Vegetation sicherten ihre Siedlungen gegen Norden ab. Ablagerungen von Eiszeitgletschern ließen dort tertiäre Schotterterrassen mit Lößüberlagerungen entstehen, deren Schichten treppenförmig gegen den Rand des Wienerwaldes ansteigen und hervorragend als Siedlungsplätze geeignet sind.

Die Donau bot in der Vormoderne ein deutlich anderes Bild als heute. Während sie seit der Neuzeit immer stärker begradigt und verbaut worden ist, stellte sie in der Antike ein verzweigtes, mäandrierendes Flusssystem dar, das zahlreiche Seitenarme aufwies und in seinen Uferzonen überwiegend sumpfigen Charakter hatte. Die römischen Siedlungen befanden sich daher auf leicht erhöhten und damit vor Hochwasser geschützten Flussterrassen.

Auch das Legionslager stand auf einer vor Hochwasser geschützten Flussschotterterrasse, begrenzt vom Ottakringer Bach (Tiefer Graben) im Westen, vom Möhringbach im Süden und dem Flussbett der Wien (Acaunus) im Osten. Der Ottakringer Bach ersparte zudem den Aushub des westlichen Lagergrabens. Im Norden schloss sich das Donauufer an, das in etwa dem heutigen Verlauf des Donaukanals entsprach. Den Umriss des Legionslagers kann man noch im Straßenraster des 1. Bezirks deutlich erkennen, da die Babenbergerherzöge die Lagermauer zum großen Teil in ihre Befestigungsanlagen einbezogen. Sie diente teilweise noch bis ins späte 12. Jahrhundert als Stadtmauer. Die mittelkaiserzeitlichen Canabae legionis breiteten sich halbkreisförmig im Westen, Süden und Osten um das Lager aus. Die Zivilstadt stand östlich des Wienflusses, im heutigen 3. Bezirk. Durchreisende hatten bei Vindobona die Möglichkeit eines relativ bequemen Donauübergangs und der weiträumigen Umgehung der unwegsamen Alpen. Von dort aus führten auch stark frequentierte Handelsrouten in die Alpen, ins Alpenvorland, nach Böhmen, in die Karpaten, in die pannonische Tiefebene und weiter in den Osten des Römischen Reiches. In Richtung Süden konnte man über die weite Ebene des Wiener Beckens und leicht zu passierende Mittelgebirge rasch nach Norditalien gelangen.Reinhard Pohanka: 1997, S. 13, Kurt Genser: 1986, S. 435.

Straßenverbindungen