Die Freie Hansestadt Bremen (; ISO-3166-2-Code DE-HB) ist ein Bundesland im nordwestlichen Teil Deutschlands. Als Stadtstaat umfasst dieses mit Bremen und Bremerhaven zwei Großstädte, weshalb es gelegentlich auch als „Zwei-Städte-Staat“ Bremen bezeichnet wird. Es ist das flächenkleinste und bevölkerungsärmste Land der Bundesrepublik, Teil der Metropolregion Nordwest und hat () Einwohner.

Geographie Geographische Lage Das Land Bremen liegt in Nordwestdeutschland am Unterlauf und Mündungstrichter der Weser und umfasst die beiden 53 km voneinander entfernten Städte Bremen (ca. 325 km²) und Bremerhaven (seit 2010 ca. 94 km²), die durch niedersächsisches Gebiet voneinander getrennt sind. Bremerhaven grenzt zusätzlich noch im Westen an die Nordsee und umschließt das Stadtbremische Überseehafengebiet Bremerhaven. Das Land Bremen wird durch die niedersächsischen Landkreise Osterholz, Verden, Diepholz, Wesermarsch, Cuxhaven und die Stadt Delmenhorst begrenzt.

Landschaft Naturräume Naturräumlich ist die Freie Hansestadt Bremen fünf naturräumlichen Haupteinheiten zuzuordnen: den Wesermarschen, der Wümmeniederung, der Wesermünder Geest, der Thedinghäuser Vorgeest sowie dem Verdener Wesertal. Naturbelassene Flächen finden sich vor allem entlang der Flüsse Wümme, Lesum, Ochtum und Geeste mit unter Naturschutz stehenden Marschwiesen und Altarmen. Die Marsch- wie auch die Geestflächen werden landwirtschaftlich genutzt und dienen als Naherholungsgebiete für die Stadtbevölkerung. Bremen hat 20 Naturschutzgebiete mit insgesamt 3546 ha, die rund 8,5 % der Landesfläche ausmachen. Daneben bestehen drei Wasserschutzgebiete.

Flüsse Der landschaftsprägende Fluss Weser ist in ganzer Länge eine Bundeswasserstraße und an seinen Ufern innerhalb der Freien Hansestadt Bremen überwiegend stark befestigt. Die Gezeiten in der Nordsee beeinflussen den Wasserstand in der Weser, teilweise auch die lokalen Wetterverhältnisse, und prägen Fauna und Flora im Land Bremen. Durch den Ausbau der Unterweser im 19. Jahrhundert kam es in der Folge zur Tiefenerosion im Verlauf und oberhalb des ausgebauten Flusses mit erheblichem Sandaustrag. Um ein Fortschreiten der Sohlenerosion zu verhindern, wurde Anfang des 20. Jahrhunderts in Bremen-Hastedt das Weserwehr gebaut. Infolge der Weserkorrektion und weiterer Vertiefungen des Schifffahrtsweges stieg der Tidenhub von zuvor etwa 1 m auf bis zu heute 5 m in der Stadt Bremen, was auch die Strömungsgeschwindigkeit erhöhte. Die Ansiedlung hat sich im Laufe der Geschichte hauptsächlich entlang der Flüsse entwickelt. Die stärkste Versiegelung des Bodens ist daher an den Ufern der Weser und den unmittelbar angrenzenden Stadtteilen zu finden. Die Häfen machen mit über 30 km² einen erheblichen Teil der Landesfläche aus.

Seen Größter Binnensee ist der Sportparksee Grambke mit 40 ha.

Erhebungen Die mit 32,5 m ü. NHN höchste natürliche Erhebung befindet sich im Friedehorstpark in Bremen-Burglesum. Damit hat Bremen die niedrigste höchste natürliche Erhebung aller Bundesländer. Der Gipfel der Mülldeponie im Ortsteil Hohweg des Bremer Stadtteils Walle, der unterschiedlichen Angaben zufolge zwischen 42 m und 49 m hoch ist, überragt allerdings die Parkerhebung.

→ Siehe auch: weitere Erhebungen in den Stadtgemeinden Bremen und Bremerhaven

Wald Das größte geschlossene Waldgebiet des insgesamt waldarmen Landes liegt in den Bremer Ortsteilen Farge und Lüssum-Bockhorn. Es handelt sich um den bremischen Anteil an der Neuenkirchener Heide. Davon wird der größte Teil vom Tanklager Farge eingenommen, welches nicht öffentlich zugänglich ist.

Schienen und Straßen Die Landschaft wird an vielen Stellen von Hauptverkehrsstrecken durchschnitten, darunter die Bundesautobahn A 27, die von Hannover über Bremen und Bremerhaven nach Cuxhaven führt, und von mehreren Eisenbahnstrecken.

Bevölkerung Ethnische Zusammensetzung Die Bevölkerung bestand ursprünglich aus Chauken und zuwandernden Friesen.

Um 250 v. Chr. drangen Sachsen in den heutigen Bremer Raum ein und vermischten sich mit den bereits ansässigen Volksgruppen. Ab 100 v. Chr. findet für diese Siedler der Begriff Nordseegermanen Verwendung, zu denen die Angeln, Chauken, Friesen, Sachsen und Warnen gehören. Ab dem 3. Jahrhundert n. Chr. ist die Bezeichnung Sachsen nachweisbar.

Die ethnische Zusammensetzung hat sich jedoch durch Zuwanderung in ihrer Zusammensetzung stark verändert, wobei eine Besonderheit die Zuwanderung von Polen im 19. Jahrhundert darstellt. Bremerhaven war damals einer der Auswanderhäfen. Bei den Polen handelte sich um Emigranten, die nach Nordamerika auswandern wollten, wobei sich die meisten ohne Visum einschifften. Wer auf Ellis Island abgewiesen wurde, musste mit dem nächsten Schiff zurück nach Europa und kam dann wieder in einem der Auswandererhäfen an. Von dort aus konnten viele allerdings oft nicht mehr zurück in ihren Heimatort und strandeten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg sind viele Heimatvertriebene hinzugekommen, vornehmlich aus Ostpreußen, Posen und Pommern, zu einem geringeren Anteil auch aus der Tschechoslowakei. In den 1960er und 1970er Jahren kamen vor allem Gastarbeiter aus dem Mittelmeerraum sowie Westafrikaner in die Freie Hansestadt Bremen, in den letzten Jahren zogen vor allem Menschen aus dem Nahen Osten, Afghanistan und verschiedenen Regionen Afrikas nach Bremen.

Sprache In Bremen wird überwiegend Hochdeutsch und Bremer Dialekt gesprochen. Weit verbreitet ist Missingsch, ein Hochdeutsch mit Einflüssen aus dem Niederdeutschen, das hier Bremer Schnack genannt wird. Die niederdeutsche Sprache selbst, das Plattdüütsch, ist auch in Bremen noch beheimatet, allerdings seit einigen Jahrzehnten stark im Rückzug begriffen – nur noch wenige sprechen Niederdeutsch im Alltag. Für den Erhalt des Niederdeutschen setzt sich das Institut für niederdeutsche Sprache ein. In Familien mit Migrationshintergrund sind daneben noch die jeweiligen Heimatsprachen verbreitet (vor allem Russisch, Polnisch, Türkisch und Arabisch).

Bevölkerungsentwicklung

mini|Bevölkerungsentwicklung der Stadt Bremen, Bremerhaven und des Landes Bremen 1945–2016 mini|Bevölkerungspyramide für das Land Bremen (Datenquelle: Zensus 2011Datenbank Zensus 2011, Bremen, Alter + Geschlecht)

Mit Stand vom haben die Stadtgemeinden Bremen und Bremerhaven bzw. Einwohner. Mit gleichen Stand hat die Freie Hansestadt Einwohner.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte die Freie Hansestadt Bremen und gleichermaßen beide Stadtgemeinden von 1946 bis 1960 einen Bevölkerungszuwachs von rund 47 % bei zusätzlichen 222.886 Einwohnern. Der Höchststand der Einwohnerzahl wurde in Bremen 1971 mit 594.591 Einwohnern erreicht und in Bremerhaven 1973 mit 144.578 Einwohnern. Danach sank die Einwohnerzahl bis 2000 kontinuierlich; in Bremen noch gemäßigt um rund 8 %, im von Wirtschaftskrisen betroffenen Bremerhaven sehr stark um 21,5 %. Allerdings nimmt die Einwohnerzahl in der Stadt Bremen seit 2001 wieder zu.

+ Verwaltungsgliederung und Einwohnerzahl 1871Fußnote: Volkszählung 1871 im Staat Freie Hansestadt Bremen Stadtgemeinde Einwohner 1871 Bremen 82.969 Bremerhaven 10.768 Vegesack 3.838 Landherrnamt Einwohner 1871 links der Weser 10.941 rechts der Weser 14.574 Landgebiet 25.515

+ Tabelle der Bevölkerungsentwicklung im Zwei-Städte-Staat Jahr StadtgemeindeBremen StadtgemeindeBremerhaven Freie Hansestadt Bremen(Land) 1946 377.696 97.000 474.696 1950 441.025 113.176 554.201 1960 557.461 140.121 697.582 1970 592.533 142.919 735.452 1980 555.118 138.728 693.846 1990 551.219 130.446 681.665 2000 539.403 120.822 660.225 2010 547.340 113.366 660.706 2012 546.451 108.323 654.774 2014 551.767 110.121 661.888 2016 565.719 113.034 678.753 2017 568.006 113.026 681.032 2018 569.352 113.634 682.986

Ausländeranteil 1961 lag der Ausländeranteil an der Bevölkerung in der Freien Hansestadt Bremen wie auch in den beiden Stadtgemeinden bei 1 %, 1970 belief er sich auf 3,3 %, 1980 auf 6,9 % und 1990 auf 10 %, wobei der Anteil in den Stadtgemeinden Bremen und Bremerhaven bei 10,4 % bzw. 8,4 % lag. Bis 2006 ist der Ausländeranteil auf Landesebene auf 12,4 % gestiegen, wobei der Anteil in Bremen bei 12,9 % und in Bremerhaven bei 10 % lag. Im Jahr 2022 betrug die ausländische Bevölkerung 21 %. Der Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund lag in Bremen 2022 bei 41,7 % und damit am höchsten unter allen deutschen Bundesländern.Bundeszentrale für politische Bildung: Bevölkerung mit Migrationshintergrund, abgerufen am 26. August 2023.

+ Nationalitäten mit Hauptwohnsitz Land Bremen am 31. Dezember 2022 Nationalität Bremen BremerhavenBremerhaven.de: Anteil der ausländischen Bevölkerung von Bremerhaven, abgerufen am 11. April 2024. gesamt 23.315 2.859 26.174 18.085 4.101 22.186 9.325 2.899 12.224 9.460 2.076 11.536 6.173 1.948 8.121 4.240 1.383 5.623 3.720 478 4.198 3.490 595 4.085 2.775 71 2.846 2.560 241 2.801 2.435 230 2.665 2.195 205 2.390 2.140 198 2.338 1.895 171 2.066 1.780 125 1.905

Lebenserwartung Die durchschnittliche Lebenserwartung lag im Zeitraum 2015/17 bei 77,2 Jahren für Männer und bei 82,6 Jahren für Frauen. Die Männer belegen damit unter den deutschen Bundesländern Rang 14, während Frauen Rang 15 belegen. Beide Werte liegen damit unter dem Bundesdurchschnitt. In Bremen lag die Lebenserwartung der Gesamtbevölkerung 2013/15 bei 80,29 Jahren und in Bremerhaven bei 77,70 Jahren. Bremerhaven zählt damit zu den Städten mit den landesweit niedrigsten Werten.

Umlandentwicklung Beachtlich und überproportional ist das Bevölkerungswachstum der unmittelbaren Nachbargemeinden der beiden Städte. An Bremen grenzend: Delmenhorst: 1960 mit 57.312 und 2014 mit 74.804 Einwohnern (+ 30 %) Stuhr: 2014 mit 32.729 Einwohnern Weyhe: 1974 um 21.556 und 2014 mit 30.291 Einwohnern (+ 41 %) Syke: 1961 mit 16.203 und 2014 mit 24.847 Einwohnern (+ 51 %) Achim: 2014 mit 30.594 Einwohnern Oyten: 2014 mit 15.425 Einwohnern Lilienthal: 1970 mit 8.841 und 2014 mit 18.528 Einwohnern (+ 110 %) Osterholz-Scharmbeck: 1970 mit 15.175 und 2014 mit 30.032 Einwohnern (+ 98 %) Ritterhude: 1970 mit 7.422 und 2010 mit 14.521 Einwohnern (+ 98 %) Schwanewede (nur Ortsteil): 1970 mit 8.310 und 2010 mit 9.646 Einwohnern (+ 16 %) Berne: 1980 mit 6.176 und 2014 mit 6.837 Einwohnern (+ 11 %) Lemwerder: 2014 mit 6.859 Einwohnern An Bremerhaven grenzend: Langen: 1974 mit ca. 15.000 und 2013 mit 18.330 Einwohnern (+ 22 %) Spaden: 1970 mit 2.935 und 2010 mit 4.400 Einwohnern (+ 50 %).

Geschichte mini|hochkant=1.4|Urbis Bremae Territorium, 1603 mini|hochkant=1.4|Landgebiete der Reichsstadt Bremen (rote Schrift) im 14. bis 18. Jh., dazu das Weserdelta

Im Unterschied zum Stadtstaat Hamburg, zu dem mit dem Stadtteil Neuwerk auch eine in der Nordsee gelegene Inselgruppe gehört, entwickelte sich Bremerhaven zu einer eigenständigen Stadt, sodass die Bezeichnung Zwei-Städte-Staat für Bremen entstand.

Name Der Name Bremen () könnte soviel bedeuten wie am Rande liegend (altsächsisch Bremo bedeutet Rand bzw. Umfassung) und bezieht sich möglicherweise auf den Rand der Bremer Düne.

Der Stadt- bzw. Staatsname wandelte sich. Im Mittelalter bezeichnete sich die Stadt als civitas Bremensis, also als Stadt Bremen und dieses auch noch nach 1646. Wenn die verfassungsrechtliche Stellung Bremens betont werden sollte, führte sie nach dem Erhalt der Reichsstadturkunde (Linzer Diplom) ab 1646 den Titel Kayserliche und deß heiligen Römischen Reichs Freye Stadt (und Ansestadt) Bremen. Nach der Kaiserzeit wurde Bremen ab 1806 bzw. dann 1815 als souveräner Staat im Deutschen Bund zur Freyen Hansestadt Bremen bzw. ab 1871 als Bundesstaat im Deutschen Kaiserreich zur Freien Hansestadt Bremen. Zwischen 1810 und 1813 wurde Bremen als Bonne ville de l’Empire français des Französischen Kaiserreichs bezeichnet. Seit 1949 ist das Land Bremen die Freie Hansestadt Bremen in der Bundesrepublik Deutschland.

Mittelalter und Frühe Neuzeit