mini|Fotokursus für Fortgeschrittene an der Volkshochschule Frankfurt am Main, 1961 mini|Der Innenhof der Nürnberger Volkshochschule (Bildungszentrum)

Eine Volkshochschule (vhs) ist in Deutschland und Österreich eine gemeinnützige Einrichtung zur Erwachsenen- und Weiterbildung. Unter der Bezeichnung finden sich in den verschiedenen Ländern Institutionen unterschiedlichen Charakters und mit von den deutschen Volkshochschulen abweichenden Strukturen und Zielsetzungen. Volkshochschulen sind entgegen ihrer Bezeichnung keine Hochschulen im Sinne des tertiären Bildungsbereichs. Sie sind in Deutschland dem quartären Bildungsbereich der Weiterbildung zugeordnet.

Der Name Volkshochschule wurde ca. 1844 von dem dänischen Intellektuellen Nikolai Frederik Severin Grundtvig geprägt (dänisch folkehøjskole). In Deutschland entspricht aber nicht die Volkshochschule, sondern die Heimvolkshochschule, dem ursprünglichen Begriff am ehesten.

Aus markenrechtlichen Gründen wird die Abkürzung vhs meist kleingeschrieben.

Geschichte Zu den Vorläufern der Volkshochschulen zählen die Universitätsausdehnungsbewegung Ende des 19. Jahrhunderts, das öffentliche Vortragswesen sowie die Bildungsarbeit der Arbeiter- und Handwerker-Bildungsvereine. Als erste Volkshochschule wird oft die Humboldt-Akademie bezeichnet, in der ab 1879 in Vortragszyklen wissenschaftliche Ergebnisse in populärer Form den nicht akademisch gebildeten Bürgern vermittelt wurden.Vgl. zum Gründer der Humboldt-Akademie: Wolfgang Ayaß: Max Hirsch: Sozialliberaler Gewerkschaftsführer und Pionier der Volkshochschulen. Berlin 2013.

Einen nachhaltigen Einfluss auf die Entwicklung der Volkshochschulen in Deutschland hatte auch die dänische Heimvolkshochschule grundtvigscher Prägung. Nikolai Frederik Severin Grundtvig gilt als der Begründer der ersten (Heim-)Volkshochschule überhaupt im Jahre 1844.

Man versteht heute Erwachsenenbildung als organisierte Form des lebenslangen Lernens. Volkshochschulen stellen dabei einen Beitrag zur Verwirklichung des Rechts auf Bildung und der Chancengerechtigkeit dar. Ihren Bildungsauftrag leiten sie aus den Prinzipien der Aufklärung und den Menschenrechten ab. Die weltweiten gesellschaftlichen Veränderungen zeigen, welche Bedeutung den Volkshochschulen in Zukunft beizumessen sein wird.

Einige Ideen der ursprünglichen Volkshochschulen finden sich heute noch in den Konzepten der Volks-Unis.

Volkshochschulen in Deutschland mini|Logo des Deutschen Volkshochschul-Verbandes Träger Träger von Volkshochschulen sind entweder Kommunen als Gebietskörperschaften: Gemeinden oder Landkreise (dann oft auch Kreisvolkshochschule (KVHS) genannt) oder Zweckverbände.

Sie werden in unterschiedlichen Rechtsformen geführt. Volkshochschulen werden geführt in Rechtsformen des privaten Rechts: als eingetragene gemeinnützige Vereine oder gemeinnützige Gesellschaften mit beschränkter Haftung (gGmbH). öffentlichen Rechts: als Anstalten, Eigenbetriebe oder Regiebetriebe.

Jede Volkshochschule ist eigenständig. Es gibt jedoch Landesverbände der Volkshochschulen in allen Bundesländern (außer den Stadt-Staaten), in denen übergeordnete Dinge geregelt, Verhandlungen auf Landes- und Bundesebene geführt und die enge Zusammenarbeit der einzelnen Volkshochschulen in den Regionen organisiert wird. Alle VHS-Landesverbände sind Mitglieder im Deutschen Volkshochschul-Verband (DVV).

Volkshochschulen verstehen sich heute als kommunale Weiterbildungszentren. Sie bieten Kurse, Einzelveranstaltungen, Kompaktseminare, Studienreisen und -fahrten sowie „Bildung auf Bestellung“ in Form von sogenannten Firmen- oder Inhouse-Kursen an.

Finanzierung In der Regel finanzieren sich die Volkshochschulen durch die sechs „Säulen“: Zuschüsse des Landes, Zuschüsse der Gemeinde(n), Zuschüsse des Landkreises, Einnahmen aus Teilnehmerentgelten Spenden und Drittmittel (z. B. Fördermittel des Bundes, der Bundesagentur für Arbeit, Projektzuschüsse aus dem Europäischen Sozialfonds oder der Bezirksregierungen)

Zudem sind viele Lehrkräfte nicht festangestellt, sondern als Honorarkräfte beschäftigt, weshalb die jeweilige VHS keine Sozialbeiträge abführen muss. Da die Volkshochschulen nur einen Teil der Kosten durch Teilnehmerentgelte decken müssen – ohne Gewinn zu erzielen –, sind VHS-Kurse vergleichsweise kostengünstige Angebote und damit den meisten Bevölkerungsschichten zugänglich.

Kursangebot Volkshochschulen verstehen sich heute als kommunale Weiterbildungszentren, deren Angebotspalette auf zwei Säulen ruht:

Dozenten mit und ohne Qualifikationsnachweis bieten der Volkshochschule Kurse zu einem beliebigen Thema an, die diese in ihren Katalog aufnimmt. Die VHS organisiert Anmeldung und Bezahlung und stellt eigene oder angemietete Räumlichkeiten sowie die Unterrichtsmittel wie beispielsweise Sportgeräte zur Verfügung. Die Gestaltung des Unterrichtes liegt in der Hand des Dozenten. Solange er dabei genügend Interessenten gewinnen kann, findet der Kurs fortgesetzt statt. Beispielsweise bei Sprachkursen können durchaus mehrere Dozenten in Konkurrenz treten.

Im Gegensatz dazu bietet die Volkshochschule allgemeinbildende schulische Bildungsabschlüssen wie das Abitur meist als Regelleistung sowie mitunter auch gastronomische und handwerkliche Berufsausbildungen an. Hier wird der Lehrkörper aktiv auf Honorarbasis oder als Festanstellung zusammengestellt. Die Volkshochschule sorgt zudem für die Strukturierung und die Einhaltung des Rahmenlehrplans bzw. Curriculums.

Das Kursangebot von Volkshochschulen besteht aus Lehrveranstaltungen verschiedener Dauer, meist zwischen 1 und 15 Wochen. Es steht in aller Regel allen Personen ab einem Alter von 16 Jahren offen. Es gibt Kurse, die auf die Bedürfnisse berufstätiger Personen zugeschnitten sind. Andere sind insbesondere auf Arbeitslose, Hausfrauen und -männer oder Rentner und Pensionäre ausgerichtet. Je nach Zielgruppe und Verfügbarkeit von Räumen finden Kurse vormittags, abends oder als Intensivkurs am Wochenende statt. Ein weiteres Standbein der Volkshochschulen sind Bildungsurlaube nach den Arbeitnehmerweiterbildungsgesetzen der Bundesländer. Viele Volkshochschulen führen Studienreisen und Exkursionen durch und bieten als Auftragsmaßnahmen Schulungen für Firmen, Verbände, Vereine oder Privatpersonen an.

Typisch für das Kursangebot sind folgende Themenbereiche: Politik – Gesellschaft – Umwelt Arbeit und Beruf / meist in Verbindung mit EDV Sprachen: Fremdsprachen, Deutsch als Fremd- oder Zweitsprache (meist für Migranten) und Alphabetisierung Multimedia / EDV bzw. Informationstechnische Grundbildung Gesundheitsbildung Kultur und Gestaltung Grundbildung Schulabschlüsse (z. B. Hauptschulabschluss, mittlere Reife, Abitur) Studienreisen / Exkursionen

Der Volkshochschul-Verband betreibt das Internet-Lernportal ich-will-lernen, auf dem Benutzer kostenlos und anonym – von Tutoren betreut – u. a. Schreiben und Lesen lernen können.ich-will-lernen.de

Geschichte der Volkshochschulen in Deutschland Die ersten deutschen Volkshochschulen entstanden im Deutschen Reich nach Ende des Ersten Weltkrieges 1918. Als Vorläufer im Kaiserreich gelten unter anderen die Humboldt-Akademie (Berlin 1878), der Frankfurter Bund für Volksbildung (gegründet 1890 als „Ausschuß für Volksvorlesungen“) und die Freie Hochschule Berlin (1902).Josef Olbrich: Geschichte der Erwachsenenbildung in Deutschland. Opladen 2001. Frühe Gründungen stellen auch die Mannheimer Abendakademie, die Volkshochschule der Stadt Mannheim ab 1899, sowie die VHS der pfälzischen Städte Ludwigshafen (1902) und Kaiserslautern (1904) dar.

Die meisten Gründungen nach 1918 hatten das Ziel, die breite Bevölkerung besser zu bilden, die zuvor von der höheren Bildung ausgeschlossen war. In Art. 148 der Reichsverfassung von 1919 wurde die Förderung des Bildungswesens, einschließlich der Volkshochschulen, erstmals gesetzlich verankert. Der Initiative von Robert Ferdinand Piloty ist die Entstehung der Würzburger Volkshochschule zu verdanken, die am 25. November 1918 ihr erstes Semester in den Hörsälen der Universität anbot und an der 1919/20 dann schon über 5000 Hörer eingeschrieben waren.Walter Ziegler: Die Universität Würzburg im Umbruch (1918–20). In: Peter Baumgart (Hrsg.): Vierhundert Jahre Universität Würzburg. Eine Festschrift. Degener & Co. (Gerhard Gessner), Neustadt an der Aisch 1982 (= Quellen und Beiträge zur Geschichte der Universität Würzburg. Band 6), ISBN 3-7686-9062-8, S. 179–251; hier: S. 216 f. Herman Nohl, Heinrich Weinel und Reinhard Buchwald gründeten Ende 1918 die Volkshochschule Jena, einen Tag nach der Eröffnung gab es bereits 2000 eingeschriebene Hörer. Teilweise beteiligten sich Unternehmen an der Gründung von Volkshochschulen, wie 1919 bei der Volkshochschule Thüringen das Unternehmen Carl Zeiss. Die Volkshochschule Essen wurde – wesentlich auf Betreiben des damaligen Essener Oberbürgermeisters und späteren Reichskanzlers Hans Luther – am 28. Mai 1919 durch den von der Essener Stadtverordnetenversammlung gebildeten Ausschuss für Volksbildung gegründet.Vgl. Rainer Grossbröhmer, Karin Kirch (Hrsg.): Von Bildungsbakterien und Volkshochschulepidemien: ein Beitrag zur Geschichte der Volkshochschule Essen 1919-1974. Klartext, Essen 1994, ISBN 3-88474-228-0. – Zwar gab es zuvor diverse Volksbildungseinrichtungen in der Stadt Essen, wie beispielsweise den 1865 gegründeten „Gewerbeverein“, die seit 1907 bestehenden „Akademischen Kurse“ wie auch die betrieblichen Bildungsinitiativen für die je eigene Belegschaft, so seit 1899 den „Krupp’schen Bildungsverein“; von einer „Beteiligung“ der „Firma Krupp“ an der Volkshochschulgründung kann allerdings keine Rede sein. Hervorzuheben ist vielmehr die Bedeutung der 1918 verfassten und 1919 vom Essener Freien Ausschuss für Volksbildung verlegten programmatischen Schrift des Pädagogen Artur Jacobs Ueber Wesen und Ziele einer Volkshochschule. Ein Entwurf zu einer neuen Volkserziehung (Essen 1919) für die Gründungsphase der Essener VHS. 1919 gab es bereits über 150 Volkshochschulen.Josef Olbrich: Geschichte der Erwachsenenbildung in Deutschland. Opladen 2001. 1927 erfolgte die Gründung des „Reichsverbandes der deutschen Volkshochschulen“. Am 25. Januar 1920 wurde die „Freie Volkshochschule Linden“ als Bildungseinrichtung feierlich eingeweiht. Die Geschäftsleitung übernahm Ada Lessing, die dieses Amt über 13 Jahre bis zu ihrer Emigration in die Tschechoslowakei 1933 innehatte. Theodor Lessing beteiligte sich mit mehreren Vorlesungszyklen und widmete sich ansonsten seinen Lehraufgaben an der Technischen Universität Hannover sowie seiner publizistischen und journalistischen Arbeit.

Volkshochschulen in eigenen Gebäuden Begegnungen, die denen einer Volkshochschule gleichkamen, veranstaltete der Bund Quickborn auf der Burg Rothenfels, die er 1919 erworben und ausgebaut hatte. Sie wurden 1939 von der nationalsozialistischen Gestapo verboten. Die Heimvolkshochschule Tinz (heute zu Gera) als eine Einrichtung des Volksstaates Reuß, später des Landes Thüringen, bestand von 1920 bis 1933. Sie war eine Internatsschule sozialistischer Prägung mit 50 Plätzen, in der in Halbjahreskursen jeweils 50 Männer oder Frauen in den Fächern Politik, Geschichte, Wirtschaft, Recht und mit einem anspruchsvollen kulturellen Rahmenprogramm unterrichtet wurden. Ihr Sitz war das Wasserschloss Tinz.