Das Übereinkommen der Vereinten Nationen zur Bekämpfung der Wüstenbildung in den von Dürre und/oder Wüstenbildung schwer betroffenen Ländern, insbesondere in Afrika (kurz auch Wüstenkonvention, , UNCCD) ist ein 1994 in Paris unterschriebenes internationales Umweltabkommen zur Vermeidung und Verhinderung von DesertifikationVon der Benutzung der deutschen Übersetzung des englischen Wortes sollte aufgrund der assoziativen Nähe zu dem Begriff Wüste und Wüstenausbreitung konsequent verzichtet werden. Besser ist es, den Begriff Desertifikation zu benutzen, um deutlich zu machen, dass sich gemäß der Definition der UNCCD die Problematik der Desertifikation eben nicht auf das Ökosystem Wüste bezieht und auch nicht die Ausbreitung der natürlichen Wüsten meint. Vgl. beispielsweise: Mehr als nur Ausbreitung der Wüsten. Definition und Zahlen zur Desertifikation, https://www.scinexx.de/dossier-detail-67-4.html, abgerufen am 3. Februar 2010. und Landdegradation.
Die UNCCD ist die einzige globale Konvention, die gemäß der Klassifizierung des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) dem Cluster der „Land-Konventionen“ zugeordnet werden kannVgl.: Sekretariat des Umweltprogramms der Vereinten Nation (Hrsg.): Multilateral Environmental Agreements: A summary. Aus: https://www.unep.org/IEG/docs/working%20documents/MEA_summary/IGM-1-INF-1.doc, abgerufen am 30. März 2010, § 15. und gehört zusammen mit der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen und dem Übereinkommen über die biologische Vielfalt zu derjenigen Gruppe von Abkommen, welche wichtige Kernziele der Vereinten Nationen repräsentieren.Pierre Marc Johnson, Karel Mayrand: The United Nations Convention to Combat Desertification in Global Sustainable Development Governance. In: Pierre Marc Johnson u. a. (Hrsg.): Governing Global Desertification: Linking Environmental Degradation, Poverty and Participation. Farnham 2006, S. 1–10 (3f.).
Der Konventionstext umfasst 40 Artikel und fünf Anlagen, welche die Umsetzung der Konvention in einen regionalen Kontext stellen. Sinn und Zweck dieses regionalen Fokus ist es, den klimatischen, sozioökonomischen und geografischen Besonderheiten der jeweiligen Region besser gerecht zu werden. Die fünf Regionen sind Afrika (Anlage I), Asien (Anlage II), Lateinamerika und Karibik (Anlage III), Nördlicher Mittelmeerraum (Anlage IV) sowie Mittel- und Osteuropa (Anlage V).
Vorrangiges Ziel der Konvention ist es, in von „Dürre und/oder Wüstenbildung schwer betroffenen Ländern, insbesondere in Afrika, durch wirksame Maßnahmen auf allen Ebenen, die Wüstenbildung zu bekämpfen und die Dürrefolgen zu mildern, um zur Erreichung einer nachhaltigen Entwicklung in den betroffenen Gebieten beizutragen“ (Artikel 2 Abs. 1 UNCCD).
mini|400px|Gefahr der Desertifikation
Geschichte Ausgehend von der verheerenden Dürrekatastrophe in der Sahelzone (1968–1973) entschied die Generalversammlung der Vereinten Nationen 1974, das Problem der Desertifikation auf internationaler Ebene anzugehen und zu bearbeiten. Auf Antrag Burkina FasosVgl.: Andreas Rechkemmer: The conceptual matrix of the United Nations Convention to Combat Desertification (UNCCD). SWP Working paper 2005/02, Berlin 2005, https://www.swp-berlin.org/common/get_document.php?asset_id=1911, abgerufen am 31. Dezember 2009, S. 4. beschloss die Generalversammlung im gleichen Jahr die Einberufung einer „Desertifikationskonferenz“ (englisch: ),Vgl.: General Assembly Resolution 3337 (XXIX). Abrufbar unter https://www.un.org/documents/ga/res/29/ares29.htm, abgerufen am 31. Dezember 2009. die nach einer zweijährigen Vorbereitungsphase unter Schirmherrschaft des Umweltprogramms der Vereinten Nationen 1977 in Nairobi, Kenia abgehalten wurde.29. August bis 9. September 1977. Vgl.: General Assembly Resolution 3337 (XXIX). Abrufbar unter https://www.un.org/documents/ga/res/29/ares29.htm, abgerufen am 31. Dezember 2009, S. 4.
Der Aktionsplan zur Desertifikationsbekämpfung Besucht wurde die Konferenz, auf der erstmals das bis dahin verfügbare Wissen über Ursachen und Ausmaß der Desertifikation einem breiten Publikum vorgestellt wurde, von 94 Staaten und 65 Nichtregierungsorganisationen und endete mit der Verabschiedung eines sogenannten Aktionsplans zur DesertifikationsbekämpfungDer gesamte PACD ist abrufbar unter: United Nations Conference on Desertification: Round up, Plan of Action and Resolutions, United Nations, New York 1978, aus: http://www.ciesin.org/docs/002-478/002-478.html, abgerufen am 31. Dezember 2009. (englisch: Plan of Action to Combat Desertification PACD).
Erklärtes Ziel des PACD war es, das Fortschreiten der Desertifikation einzudämmen beziehungsweise den Desertifikationsprozess auf bereits betroffenen Landflächen umzukehren, um dadurch die Produktivität des Bodens in besonders gefährdeten Regionen zum Wohle der Bewohner dauerhaft sicherzustellen. Dabei bezog sich der PACD, welches bis zum Jahr 2000 vollständig umgesetzt sein sollte,Vgl.: United Nations Conference on Desertification: Round up, Plan of Action and Resolutions, United Nations, New York 1978, aus: http://www.ciesin.org/docs/002-478/002-478.html, abgerufen am 31. Dezember 2009, § 9. nicht auf bestimmte Klimazonen, sondern auf alle Gebiete, in denen sich Desertifikation ereignete respektive in Zukunft ereignen könnte.Vgl.: United Nations Conference on Desertification: Round up, Plan of Action and Resolutions, United Nations, New York 1978, aus: http://www.ciesin.org/docs/002-478/002-478.html, abgerufen am 31. Dezember 2009, § 8.
Hauptadressaten des vom PACD vorgeschlagenen Maßnahmenkatalogs, der vor allem auf ein verbessertes System der Landnutzung sowie auf die Verbreiterung der desertifikationsbezogenen Wissensbasis abhob, waren vornehmlich nationale Regierungen.Vgl.: United Nations Conference on Desertification: Round up, Plan of Action and Resolutions, United Nations, New York 1978, aus: http://www.ciesin.org/docs/002-478/002-478.html, abgerufen am 31. Dezember 2009, § 17. Ihre Aufgabe wäre es gewesen, die Maßnahmenvorschläge des PACD den jeweiligen nationalen Gegebenheiten anzupassen und mit Hilfe nationaler Ressourcen und Institutionen umzusetzen. Verhältnismäßig wenig Augenmerk wurde dagegen auf internationale Zusammenarbeit zur Desertifikationsbekämpfung gelegt. Ein konkreter, die Implementation des PACD unterstützender Finanzierungsplan wurde ebenso nicht aufgenommen.Vgl.: United Nations Conference on Desertification: Round up, Plan of Action and Resolutions, United Nations, New York 1978, aus: http://www.ciesin.org/docs/002-478/002-478.html, abgerufen am 31. Dezember 2009, § 104.
Letztendlich gilt der PACD als gescheitert,Vgl.: Njam, Adil: Negotiating Desertification, in: Pierre Marc Johnson u. a.: Governing Global Desertification: Linking Environmental Degradation, Poverty and Participation, Farnham 2006, S. 59–71 (61). wobei dies neben der ungesicherten Finanzierung und dem marginalen politischen Interesse auch dem unverbindlichen Charakter des PACD geschuldet war. Nicht zu unterschätzen ist allerdings die Tatsache, dass das Scheitern des PACD einen wichtigen Beitrag zur Schaffung der UNCCD legte, da belegt werden konnte, dass erfolgreiche Desertifikationsbekämpfung einen globalen und verbindlichen Rahmen benötigt, um die erforderliche Durchschlagskraft von Anti-Desertifikationsmaßnahmen zu generieren.
Desertifikationsbekämpfung auf der Rio-Konferenz Im Zuge der 1992 in Rio de Janeiro abgehaltenen Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung wurde das Problem der Desertifikation als Teil der Agenda 21Desertifikation wurde in Kapitel 12 unter der Überschrift Bewirtschaftung empfindlicher Ökosysteme: Bekämpfung der Wüstenbildung und der Dürren behandelt. Vgl.: https://www.agrar.de/agenda/agd21k12.htm abgerufen am 6. Januar 2010. erneut verhandelt. Konnten bei den KonferenzvorverhandlungenDer Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklungen gingen vier Vorverhandlungsrunden voraus. Insgesamt dauerten die Vorverhandlungen von 1990 bis zum Jahr 1992. über die inhaltlichen Aspekte des die Desertifikation betreffenden Agendakapitels relativ schnell Einigkeit erzielt werden, schieden sich die Meinungen gleichwohl bei der Frage nach der Notwendigkeit einer globalen Desertifikationskonvention.Vgl.: Njam, Adil: Negotiating Desertification, in: Pierre Marc Johnson u. a.: Governing Global Desertification: Linking Environmental Degradation, Poverty and Participation, Farnham 2006, S. 59–71 (62). Wurde dies von afrikanischer Seite geschlossen gefordert, standen die „[…] OECD Länder […]“Kjellen, Bo: The Saga of the Convention to Combat Desertification: The Rio/Johannesburg Process and the global responsibility for the drylands, in: Reciel 12 (2) 2003, S. 127–132 (128) aus: , abgerufen am 7. Januar 2010. dieser Idee ablehnend gegenüber. Der Grund dafür kann zum einen darin gesehen werden, dass befürchtet wurde, dass eine weitere Konvention, neben den bereits beschlossenen Konventionen, Klima und Biodiversität, zusätzliche Finanzmittel benötigen würde, die man nicht ohne weiteres gewillt war aufzubringen, und zum anderen wurde das Problem der Desertifikation nicht als globale, sondern lokale bestenfalls regionale Angelegenheit betrachtet.Vgl.: Njam, Adil: Negotiating Desertification, in: Pierre Marc Johnson u. a.: Governing Global Desertification: Linking Environmental Degradation, Poverty and Participation, Farnham 2006, S. 59–71 (62); so auch: Kjellen, Bo: The Saga of the Convention to Combat Desertification: The Rio/Johannesburg Process and the global responsibility for the drylands, in: Reciel 12 (2) 2003, S. 127–132, aus: , abgerufen am 7. Januar 2010, S. 128, Earth Negotiation Bulletin (Hrsg.): Desertification and the UN System in: A summary of the proceedings of the organisational session of the INC for the elaboration of an International Convention to Combat Desertification, Vol. 04/No.01, aus: http://www.iisd.ca/vol04/0401000e.html, abgerufen am 8. Januar 2010.
Vorläufig gelöst werden konnte diese Diskrepanz erst auf der Konferenz in Rio de Janeiro selbst. Nach schwierigen Verhandlungen und der Ankündigung der Gruppe der 77 inklusive China (G77), der Agenda 21 nur dann zuzustimmen, wenn die Industrieländer ihrerseits die Errichtung einer Konvention zur Desertifikationsbekämpfung billigen würden,Vgl.: Böhm, Nicole: Desertifikation. Zu den Schwierigkeiten der Implementation der UN-Konvention. Fallstudie Namibia, aus: , abgerufen am 15. März 2010, S. 17. lenkten zunächst die USA und später die Europäische Gemeinschaft ein. Niedergelegt ist dieses Verhandlungsergebnis in der Agenda 21 in Kapitel 12 § 12.40, in dem es heißt:
Wie von der Agenda 21 empfohlen, beschloss die Generalversammlung der Vereinten Nationen Ende 1992 auf ihrer 47. Tagung die Einberufung eines internationalen Verhandlungsgremiums (englisch: ) mit dem Ziel eine Konvention zur Desertifikationsbekämpfung auszuarbeiten.Vgl.: General Assembly Resolution A/RES/47/188. Abrufbar unter , abgerufen am 19. Januar 2010.
Verhandlung der Konvention