Ein Klitorispiercing ist ein Piercing durch die Klitoris. Es ist nicht mit dem häufigeren Klitorisvorhautpiercing zu verwechseln.

Der direkte Endast des Nervus pudendus und der wichtigste sensible Nerv, der die Klitoriseichel, Glans clitoridis, und den Klitorisschaft, Corpus clitoridis, versorgt, wird als Kitzlerrückennerv, Nervus dorsalis clitoridis, bezeichnet. Er ist für die Vermittlung der sexuellen Empfindungen verantwortlich und wird auch als „Wolllustnerv“ bezeichnet.

Durchführung mini|Geweitetes Klitorispiercing mit Ball Closure Ring mini|Klitorispiercing (und Christina-Piercing rechts)

Die Klitoris sollte mindestens einen Durchmesser von sechs Millimetern (besser und sicherer aber ist ein größerer Durchmesser) besitzen, und die Klitorisvorhaut darf das Piercing nicht behindern, indem sie diese bedeckt. Bei bedeckter Klitoris muss diese mobilisiert werden (siehe auch Klitorisadhäsion), unter Umständen ist auch eine vorausgehende Klitorisvorhautreduktion nötig, um das Piercing stechen zu können. Je nach individueller Anatomie kann ein Klitorispiercing entweder vertikal oder horizontal ausgerichtet sein.

Eine Klitoriseichel, Glans clitoridis, einer erwachsenen Frau hat in der Regel eine Breite von weniger als 1 cm und eine durchschnittliche Länge – Glans und Corpus clitoridis – von 1,5 bis 2 cm.Farage, Miranda A.; Howard I. Maibach. The Vulva: Anatomy, Physiology, and Pathology. CRC Press, 2013, ISBN 1-4200-0531-6.BS Verkauf, J Von Thron, WF O’Brien: Clitoral size in normal women. In: Obstetrics & Gynecology. Band 80, 1992, Nr. 1, S. 41-4, PMID 1603495.

Aufgrund der vielen Nervenenden dort ist die Durchführung schmerzhaft und gilt als riskant. Ein Klitorispiercing sollte nur von einem erfahrenen Piercer gestochen werden, da die Durchführung dieses Piercings ein hohes Maß an Geschicklichkeit voraussetzt. Nur wenige Studios bieten dieses Piercing an. Es ist möglich, eine Lokalanästhesie mit einem gut verträglichem Lokalanästhetikum durchzuführen. Sterile Bedingungen, Desinfektion, Instrumente und Abdeckungen sind aber in jedem Fall obligat.

Gestochen wird das Klitorispiercing meist horizontal, kann jedoch auch wahlweise vertikal gesetzt werden. Bei bedeckter Klitoris ist ein vertikaler Stichkanal besser geeignet.

Die Heildauer beträgt zwischen vier und sechs Wochen.Aglaja Stirn: In: swiss-paediatrics.org, 9. September 2003.

Wegen der anatomischen Voraussetzungen und der Gefahr von Überreizung oder einer mechanischen Schädigung während des Stechens ist diese Variante des Intimschmucks eher selten. So besteht die Gefahr einer Nervenschädigung des Nervus dorsalis clitoridis, in dessen Folge sich dann ein völliger oder teilweiser Sensibilitätsverlust einstellen kann. Wird das Piercing vertragen, kann es jedoch einen erheblichen Lustgewinn bedeuten.Karen L. Hudson: In: about.com.Aglaja Stirn: Body piercing: medical consequences and psychological motivations. In: The Lancet. Nr. 361 (9364), 5. April 2003, S. 1205–1215, doi:10.1016/S0140-6736(03)12955-8.

Dieses Piercing ist modernen Ursprungs und eher selten. Im Jahr 1989 äußerte sich der Piercer Jim Ward in einem von Andrea Juno für das Buch Modern Primitives geführten Interview wie folgt: („Ich bin seit über zehn Jahren in der Branche tätig und habe nicht mehr als ein halbes Dutzend Klitoris-Piercings gestochen.“)

Die Piercerin Elayne Angel erklärte, („…die sehr geringe Anzahl an Frauen, die sich tatsächlich ein Klitoris-Piercing wünschen (und nicht das häufigere Klitorisvorhaut-Piercing), sind 90 bis 95 Prozent anatomisch nicht dafür geeignet, Schmuck durch die Klitoriseichel zu tragen.“)

Schmuck Als Piercingschmuck wird bei der horizontalen Variante eher auf kleinere Ringe (1,2 mm stark) und bei der vertikalen eher auf kleine Barbells bzw. Stege oder Piercingstecker zurückgegriffen. Als Schmuck empfiehlt sich also ein möglichst kleiner Ball Closure Ring bei waagerechtem Stichkanal und ein Barbell bei der vertikalen Variante, jeweils mit einer Materialstärke von 1,2 Millimetern.

Literatur Michael Laukien: Alles über Piercing. Geschichte, Kultur, Praxistipps. 1. Auflage. Huber-Verlag, Mannheim 2003, ISBN 3-927896-10-1, S. 86 f.: „Intimpiercings. Für die Frau.“ … „Klitoris“.

Weblinks In: tommytbodypiercing.com (englisch; Piercing-Prozedur)

Einzelnachweise

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