mini|Walter Ophey mit Palette vor dem Ölgemälde Frühlingssonne, 1908 Walter Hugo Ophey (* 25. März 1882 in Eupen; † 11. Januar 1930 in Düsseldorf) war ein deutscher Maler und Grafiker. Er gehörte mit August Macke, Heinrich Nauen und anderen zu den wichtigsten Vertretern des Rheinischen Expressionismus. Die expressionistischen Arbeiten Opheys galten den Nationalsozialisten als „entartet“, und 1937 wurden in der Aktion „Entartete Kunst“ eine bedeutende Anzahl davon aus öffentlichen Sammlungen beschlagnahmt.

Leben Kindheit und Jugend

Walter Ophey wurde als Sohn des Buchhalters Emil Ophey (* 1842 in Eupen; † 1888 ebenda), der einer preußischen Beamtenfamilie vom Niederrhein aus der Gegend um Kevelaer entstammte, und dessen Frau Louise Ophey (geb. Haeber, * 1853 in Saarlouis; † 1916 in Eupen), Tochter des Zoll- und Steuereinnehmers Friedrich Haeber, in Eupen geboren. Die Mutter stammte mütterlicherseits von einem adligen französischen Geschlecht ab.

Die Kindheit verbrachte Ophey mit den beiden Geschwistern, der zwei Jahre älteren Anna Elisabeth (1880–1911) und dem drei Jahre jüngeren Bruder Friedrich Otto (1883–1964), mit dem er eine auffällige äußerliche Ähnlichkeit besaß. Nach dem Tod des Vaters am Abend des 23. Dezember 1888 wurde die Bindung des sechsjährigen Kindes an seine Mutter, die ihren Beruf als Lehrerin wieder aufnahm, fester. Infolge schlechter schulischer Leistungen besuchte das Kind ab Frühling 1898 das „Schweizerische Institut“, eine Privatschule in Detmold. 1899 beendete Ophey die Schulzeit erfolgreich mit dem „Einjährigen“ und entschloss sich dazu, Künstler zu werden. Im Wintersemester 1899 immatrikulierte er sich als Gasthörer an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule in Aachen und besuchte die Kurse Figuren- und Landschaftszeichnen sowie Aquarellmalen bei Franz Reiff. Nebenher belegte er Abendkurse an der Kunstgewerbeschule Aachen. Im Jahr 1900 war er im Atelier des Bildhauers Karl Krauß, der als Professor für Modellieren in Aachen tätig war, beschäftigt.Stefan Kraus, Stuttgart 1993, S. 13 f.

Kunstakademie Düsseldorf mini|Blick auf das Atelierhaus Pehle am Drakeplatz in Oberkassel im Jahr 1905 Im Oktober 1900 nahm Walter Ophey sein Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie auf und begann, entsprechend dem Ausbildungsweg der Akademie, in der Elementarklasse unter der Leitung von Ernst Roeber und Willy Spatz. In den ersten Jahren seiner Zeit auf der Akademie entwickelte Ophey freundschaftliche Beziehungen zu Albert Pehle, einem aus Lippstadt stammenden „Bildhauer und Raumausstatter, der zahlreiche Altarensembles und Einzelfiguren für rheinische und westfälische Kirchen“Stefan Kraus: Walter Ophey. 1882–1930. Leben und Werk mit einem Werkverzeichnis der Gemälde und Druckgrafik. Hatje, Stuttgart 1993, S. 15. schuf. Mit Heinz May (1878–1954), der von 1901 bis 1908 an der Düsseldorfer Akademie studierte, teilte sich Ophey im Haus von Albert Pehle am Drakeplatz in Düsseldorf-Oberkassel ein Atelier.Stefan Kraus, Stuttgart 1993, S. 15, 42; hier Anm. 263. Mit Josef Kohlschein bestand eine enge künstlerische Verbindung bis 1915, die jedoch in dem Maße abnahm, „in dem sich Ophey zu einem Protagonisten der rheinischen Moderne entwickelte“.Stefan Kraus, Stuttgart 1993, S. 15.

Ab November 1904 besuchte er in der Landschaftsklasse von Eugen Dücker und wurde um 1905 dessen Meisterschüler. In diesem Jahr begann mit der ersten Ausstellungsbeteiligung auf der Verkaufs-Ausstellung des Kunstvereins für die Rheinlande und Westfalen für Ophey der künstlerische Durchbruch. Zudem soll Alfred Flechtheim in diesem Jahr das erste Bild von ihm gekauft haben. Einen ersten größeren Erfolg erreichte Walter Ophey 1906 auf der überregional beachteten, von Mai bis November dauernden, Deutschen Kunstausstellung in der Kölner „Flora“. Unter anderen Werken Opheys waren das Postkartenmotiv Aus der Flora, 1906 – eines von insgesamt zehn Motiven –, das eine Ansicht aus der „Flora“ zeigt, zu sehen.Stefan Kraus, Stuttgart 1993, S. 15, 16 f. 1907/1908 gehörte er zu den Gründern der secessionistischen Künstlergruppe Niederrhein.

Sonderbund Im Jahr 1909 schlossen sich Ophey und die Düsseldorfer Maler Julius Bretz, Max Clarenbach, August Deusser, Wilhelm Schmurr und andere zusammen und gründeten die Gruppe Sonderbund, dessen Name sich auf die im Mai 1908 veranstaltete Sonder-Ausstellung in der Düsseldorfer Kunsthalle bezog. Die Gruppe, in der sich bislang sieben Künstler befanden, erweiterte sich um die Künstler Otto von Wätjen, Ernst te Peerdt, Rudolf Bosselt (1871–1938) und den Typografen Fritz Helmuth Ehmcke (1878–1965). Später kam der aus Hagen stammende Christian Rohlfs hinzu, der von den jüngeren Mitgliedern eine künstlerische Vorbildfunktion erhielt.Stefan Kraus, Stuttgart 1993, S. 18 f. In den folgenden Jahren entwickelte sie sich zu einer der bedeutendsten Ausstellungsbewegungen der Moderne in Deutschland. Ihr erster Vorsitzender war Karl Ernst Osthaus, sein Stellvertreter der Kölner Zigarettenfabrikant Josef Feinhals.Bernd Klüser, Katharina Hegewisch (Hrsg.): Die Kunst der Ausstellung. Eine Dokumentation dreißig exemplarischer Kunstausstellungen dieses Jahrhunderts, S. 40

Unter der Gruppe Sonderbund fanden mehrere Gemeinschaftsausstellungen statt. Am 24. Mai 1912 wurde die Internationale Kunstausstellung des Sonderbundes Westdeutscher Kunstfreunde und Künstler zu Cöln 1912 eröffnet, die vierte und bedeutendste Ausstellung des Sonderbundes, die als wichtigste Präsentation europäischer Moderne vor dem Ersten Weltkrieg gilt und „in ihrer Struktur direktes Vorbild der […] ‚Armory Show‘, die ein Jahr später in New York stattfand.“Stefan Kraus, Stuttgart 1993, S. 24. war. Gezeigt wurden 577 Gemälde und Zeichnungen sowie 56 Skulpturen aus sieben Ländern. Allein Vincent van Gogh war mit über 110 Werken vertreten. Weitere beteiligte Künstler waren unter anderem Paul Cézanne, Paul Gauguin, Pablo Picasso, Pierre Bonnard, Paul Signac und Henry Edmond Cross. Walter Ophey war mit drei Gemälden aus dem Jahre 1912, Tulpentopf, Hyazinthen und Tulpen und Hyazinthen – alle drei Werke zusammen wurden im damaligen Ausstellungskatalog mit Orangetulpen ausgezeichnet – sowie Villa in Eitdorf, um 1911 entstanden, vertreten. Die Gruppe löste sich im Jahr 1915 offiziell auf.

Erste Italienreise und Parisaufenthalt 1910 reiste Walter Ophey mit den Malern Carl Schmitz-Pleis (1877–1943) und Carl Plückebaum (1880–1952) für drei Monate nach Italien. Mit dem Zug über Basel kamen sie am 23. Februar in Rom an. In Sorrent, am Golf von Neapel, fertigte Ophey eine Reihe von Werken an. Anfang April schrieb er aus Positano, an der Küste von Amalfi, wo das größte Konvolut dieser Reise entstand und das als Geheimtipp unter deutschen Künstlern galt: „Es ist das wundervollste Nest der Welt […], ganz still, malerisch und wirklich schön. Ich müßte eigentlich ein ganzes Jahr hier bleiben, um richtig künstlerisch zu profitieren.“Stefan Kraus, Stuttgart 1993, S. 19. Nach einigen Tagen in Rom reiste er alleine nach Florenz weiter, wo er sich für vierzehn Tage aufhielt. Unter dem Eindruck der Kunstschätze dieser Stadt deprimierte ihn die eigene künstlerische Arbeit. Ende Mai hielt er sich in Venedig auf und besuchte die Biennale, deren deutscher Beitrag von der Münchener Secession ausgerichtet wurde.Stefan Kraus, Stuttgart 1993, S. 20.

Von Oktober bis Anfang November 1911 hielt sich Ophey, für vier Wochen, in Paris auf. Hier besuchte er zunächst, vor dem Besuch des Louvre, den Herbstsalon und traf dort auf den in der Ausstellung vertretenen Heinrich Nauen sowie August von der Heydt, der ihm Möglichkeiten für einen Besuch bei den führenden Galeristen mit auf den Weg gab. Der Kunsthändler Sagot, den er mehrmals besuchte, machte ihn mit den kubistischen Arbeiten Pablo Picassos bekannt. Im Haus von Ambroise Vollard lernte er dessen umfangreiche Sammlung mit Werken von Paul Cézanne und Paul Gauguin kennen. Nach einem Besuch des Galeristen Paul Durand-Ruel in seiner Privatwohnung, in der Ophey eine der beachtlichsten Sammlungen des französischen Impressionismus kennenlernte, schrieb er überwältigt in einem Brief nach Hause: „Von Degas fabelhafte Pastelle […]. Dann die feinsten Monets, mit sehr starken und trotzdem luftigen Farben. Cézannes Stilleben, eine ungeheure Menge von Renoirs. Einige hängen über dem Waschtisch im Schlafzimmer. Ein Stilleben von Manet auf der Türe. Mehr wert wie die ganze Düsseldorfer Kunsthalle.“ Und im selben Brief hieß es: „Wie armselig und tot Düsseldorf ist, wird mir immer klarer. Die künstlerische Anregung ist gleich null. Hier hat man in ein paar Tagen mehr wie in Düsseldorf in zehn langen Jahren. Man ist noch verhältnismäßig jung und hat die Malform, die die Franzosen schon vor vierzig Jahren hatten. Mein ganzes Können kommt mir hier einfach lächerlich vor.“Stefan Kraus, Stuttgart 1993, S. 22 f. und S. 23.

Kriegsjahre mini|hochkant|Porträt Elisabeth Boehme-Kohlschein, um 1916 Während des Ersten Weltkriegs wurde Ophey mit seiner Garnison Anfang Januar 1915 als Landsturmmann nach Culm verlegt. Im Januar 1915 erkrankte er an einer schweren Lungenentzündung und wurde Mitte desselben Monats in ein Lazarett verlegt. Aus dem aktiven Kriegsdienst entlassen, kehrte er Anfang Juni 1915 nach Düsseldorf zurück. Zwischen November 1916 und November 1918 wurde er an das Militäramt Düsseldorf abkommandiert. Aufgrund der geregelten Arbeit und der Soldeinnahmen war es Ophey möglich, seine Werke erneut auszustellen. So zeigte er im Januar 1917 eine Reihe von Gemälden in der Bonner Gesellschaft für Literatur und Kunst sowie in der Ausstellung Die Kunst im Kriege im Kaufhaus Tietz, Düsseldorf, eine Folge von Kreidezeichnungen, die während seines Aufenthaltes im Lazarett entstanden waren.

Am 12. Februar 1917 heiratete Walter Ophey Bernhardine Bornemann (1879–1968),Bildnis Frau Walter Ophey, Bernhardine Bornemann, 1905, im Stadtmuseum Landeshauptstadt Düsseldorf die er über Albert Pehle – dieser war seit 1903 mit ihrer Schwester und Klavierlehrerin Aenne Bornemann verheiratet – und Josef Kohlschein um 1904 in Düsseldorf kennengelernt hatte. Die kirchliche Trauung fand am 20. Februar in der katholischen Pfarrkirche in Bigge statt.Stefan Kraus, Stuttgart 1993, S. 15 ff, S. 28 f.

Das Junge Rheinland, die Rheingruppe und die Rheinische Sezession mini|Frühling (Der Sämann), Wandbildentwurf für das Planetarium, farbige Kreide, 1926 Im Kölnischen Kunstverein fand im Januar 1918 die Ausstellung Das junge Rheinland statt. Organisiert wurde sie von Walter Cohen. Im November desselben Jahres wurde ein von Adolf Uzarski, Herbert Eulenberg und Arthur Kaufmann verfasster Aufruf an Walter Ophey und 45 weiterer Künstler von diesen verschickt. Der Aufruf hatte zum Ziel, „die durch den Krieg zerstreuten kulturellen Aktivitäten im Rheinland […] zu bündeln, um die künstlerische Bedeutung der Region stärker hervorzuheben“.Stefan Kraus, Stuttgart 1993, S. 30 f. Ophey wurde 1919 Mitglied der Künstlervereinigung Das Junge Rheinland – der Name wurde von der im Januar stattgefundenen Ausstellung übernommen –, die er im selben Jahr in Düsseldorf mitbegründet hatte. Wenige Jahre später wechselte er zur Rheingruppe.