Liste der Straßen, Gassen und Plätze des 6. Wiener Gemeindebezirks Mariahilf

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A Aegidigasse, 1852 benannt nach dem heiligen Ägidius (um 640–um 720), der Legende nach Abt der Abtei Saint-Gilles in Südfrankreich; er ist einer der Vierzehn Nothelfer und war im Mittelalter einer der populärsten Heiligen. Er ist Namenspatron der Pfarrkirche von Gumpendorf (umgangssprachlich Ägidiuskirche), die bereits im 13. Jahrhundert urkundlich erwähnt und ab 1765 fast zur Gänze neu errichtet wurde (siehe Brückengasse). Amerlingstraße, 1887 benannt nach dem Maler Friedrich von Amerling (1803–1887). Er war der beliebteste Porträtist des Hochadels und des Großbürgertums in der Zeit des Wiener Biedermeier; elegante Zeichnung, exotische Arrangements und prächtige Farbigkeit zeichnen seine Werke aus. 1858 erwarb er das Schloss Gumpendorf (Mollardgasse / Wallgasse) und stattete es mit wertvollen Kunstschätzen aus; das nicht mehr bestehende Gebäude wurde deshalb im Volksmund auch Amerlingschlössl genannt. Das Amerlinghaus genannte Geburtshaus des Künstlers in der ehemaligen Vorstadt Spittelberg (7. Bezirk) ist seit 1978 ein Kultur- und Kommunikationszentrum, in dem sich auch das Bezirksmuseum Neubau befindet. An der Amerlingstraße befand sich auf Nr. 6 seit 1754 ein Palais Kaunitz (seit 1814 Esterházy), das 1970 abgerissen wurde (der Esterházypark dahinter besteht noch). Die Straße hieß zeitweise auch Amerlinggasse. Anilingasse, 1865 benannt nach der chemischen Verbindung Anilin, einem Grundstoff zum Färben von Textilstoffen. Anilin wurde erstmals 1826 von Otto Unverdorben durch Kalkdestillation aus Indigo hergestellt. Seit 1897 wird Anilin von der Badischen Anilin- und Soda-Fabrik (BASF) zur Synthese des vorher nur aus pflanzlichen Rohstoffen gewonnenen Farbstoffs Indigo eingesetzt. Die Benennung bezieht sich darauf, dass in dieser Gasse mehrere Färber ansässig waren.

B mini|Barnabitengasse Barnabitengasse, 1862 benannt nach dem katholischen Männerorden der Barnabiten. Der Orden, der sich der antireformatorischen Pflege der Theologie des Paulus widmete, war ein Instrument der Gegenreformation. 1603 entsandte Heinrich IV. ihn nach Frankreich, um die Hugenotten zu bekämpfen, und 1626 beorderte Ferdinand II. die Barnabiten nach Österreich, wo er ihnen in Wien die Michaelerkirche als Ordensniederlassung gab. Der Orden betreute auch die Mariahilfer Kirche; 1660 stiftete der Barnabit Don Cölestin Joanelli das Gnadenbild Mariahilf, das für den 6. Bezirk namensgebend wurde. Die Gasse hieß davor bis 1862 Kleine Kirchengasse. Eine Bürgerinitiative konnte erreichen, dass sie seit 1989 Fußgängerzone ist. Bienengasse, 1862 benannt nach dem ehemaligen Hausschild „Zum Bienenkorb“ auf Nr. 3. Die Gasse wurde 1787 im Zug der Parzellierung des Klostergartens der Karmeliter angelegt. Sie hieß davor 1797–1862 Krongasse. Blümelgasse, 1887 benannt nach dem Unternehmer Johann Blümel († 1831); er errichtete 1809 eine Shawl-Fabrik am Schottenfeld, in der Woll- und Shawl-Tücher nach französischem Vorbild hergestellt und bis nach Amerika exportiert wurden. Blümel errichtete ein Wohnhaus („Blümelhaus“) in der Gumpendorfer Straße 78. Brauergasse, 1862 benannt nach der ehemaligen Gumpendorfer Brauerei an der Gumpendorfer Straße 68–70, die 1680 gegründet und 1841 aufgelassen wurde. Die Gasse entstand 1841, als die Gemeinde Wien das Brauhaus kaufte und das Areal parzellierte. Sie hieß zuvor Bräuhausgasse. mini|Ägidiuskirche Ecke Gumpendorfer Straße / Brückengasse, heute Kurt-Pint-Platz; die Ägidigasse ist vier Häuserblöcke entfernt Brückengasse, 1862 benannt nach der Nevillebrücke, zu der die Gasse führt. Die Nevillebrücke überquert den Wienfluss und verbindet die Bezirksteile Hundsturm (5. Bezirk) und Gumpendorf. Die damals neuartige Eisenkonstruktion wurde 1852–1854 von Franz Neville und Adam Clark konstruiert; siehe die Nevillegasse im 5. Bezirk, Margareten. Die Gasse ist ein wichtiger Verkehrsweg, der schon im 18. Jahrhundert verbaut war. Sie hieß davor Kirchengasse nach der anrainenden Ägidiuskirche (siehe Abb.). Bundesländerplatz, 1990 benannt zum Zeichen der Solidarität Wiens mit den anderen acht Bundesländern Österreichs. Die fünf Länder Niederösterreich, Kärnten, Steiermark, Tirol und Salzburg (als Erzbistum) sind bereits im Mittelalter entstanden, Oberösterreich wurde unter Joseph II. 1783/84 selbstständig; Vorarlberg war lange Landesteil Tirols und wurde 1861 eigenständig; 1920 wurde Wien zum eigenen Bundesland erhoben; 1921 kam das Burgenland, das bis dahin Teil Ungarns war, hinzu. Der Platz ist eine Verkehrsfläche ohne Adressen. Bürgerspitalgasse, 1841 benannt nach dem Bürgerspitalfonds, in dessen Besitz sich die Ziegelofengründe auf den Gumpendorfer Feldern befanden. Das Bürgerspital in der Inneren Stadt, das bereits seit dem Mittelalter bestand, hatte umfangreichen Grundbesitz in Wien und den Vororten.

C Capistrangasse, 1906 benannt nach dem Wanderprediger, Heerführer und Inquisitor Johannes Capistranus (eigentlich Giovanni da Capistrano, 1386–1456); als päpstlicher Legat verfolgte er die Juden und Hussiten im Heiligen Römischen Reich. 1451 errichtete er eine Franziskanerprovinz für Österreich mit Sitz in der Kirche St. Theobald ob der Laimgrube in Mariahilf (1529 zerstört). Während der Epoche der Gegenreformation wurde er 1690 durch Papst Alexander VIII. heiliggesprochen. An Capistranus erinnert die Capistrankanzel am Stephansdom. Die Gasse war vorher ein Teil der Windmühlgasse. Den unteren Teil bildet eine Stiegenanlage, siehe Ilse-Pisk-Stiege. Im Historikerbericht Straßennamen Wiens seit 1860 als „Politische Erinnerungsorte“ aus dem Jahr 2013 ist die Straße Gruppe B (Diskussionsbedarf) zugeordnetStraßennamen Wiens seit 1860 als „Politische Erinnerungsorte“ Christian-Broda-Platz, 2008 benannt nach dem Juristen und Politiker Christian Broda (1916–1987); er war 1970–1983 Justizminister in der SPÖ-Alleinregierung unter Bruno Kreisky. In seine Amtszeit fiel die große Reform des Familienrechts mit einer Neuordnung der Rechtsstellung unehelicher Kinder (1970), der Gleichstellung von Mann und Frau im bürgerlichen Recht (1975) sowie der Neuordnung des Kindschaftsrechts (1977), dazu 1975 das Inkrafttreten eines neuen Strafgesetzbuches, in dem unter anderem die Strafbarkeit der Homosexualität aufgehoben wurde, des Konsumentenschutzgesetzes (1979) sowie die Reform der Sachwalterschaft für behinderte Personen (1982). Die Platzfläche im Kreuzungsbereich Mariahilfer Gürtel und Mariahilfer Straße ist eine Verkehrsfläche ohne Adressen und wird im Volksmund Mariahilfer Platzl genannt. Chwallagasse, 1887 benannt nach dem Unternehmer Rudolf Chwalla (1840–1894), Seidenzeugfabrikant; er war Inhaber der Hofposamentierwarenfabrik in der Seidengasse 32 im 7. Bezirk und förderte die Seidenraupenzucht in Österreich. Corneliusgasse, um 1867 benannt nach dem deutschen Maler Peter von Cornelius (1783–1867) und seinem Neffen, dem deutschen Komponisten Peter Cornelius (1824–1874). Peter von Cornelius war vor allem Historienmaler und einer der Hauptvertreter des Nazarener-Stils. In seinen monumentalen Werken versuchte er eine Neubelebung der deutschen Freskomalerei. Peter Cornelius war ein äußerst produktiver Liedkomponist. Die Grundlage für fast die Hälfte seiner Lieder waren eigene Dichtungen, die auch durchaus von anderen Komponisten vertont wurden. Von 1859 bis 1864 lebte er in Wien. Die benachbarte Corneliusstiege ist ebenfalls nach ihm benannt. Die Gasse entstand um 1867 im Zug der Parzellierung des Lauswiesengrunds in Gumpendorf.

D Damböckgasse, 1886 benannt nach dem Unternehmer Ludwig Damböck (der Jüngere, 1838–1886). Sein gleichnamiger Vater Ludwig Damböck (der Ältere, 1799–1850) hatte 1832 die erste österreichische Spitzen- und Vorhangfabrik in der Webgasse 37 (siehe diese) gegründet. 1829 war es ihm gelungen, trotz strengem Ausfuhrverbot aus England Bobinet-Maschinen zu importieren. Angeblich beschäftigte er „tausende Arbeiter“. Sein Sohn führte das Unternehmen weiter, das bis 1973 bestand. Damböck war Mitglied des Österreichischen Touristenklubs; das Schutzhaus Damböck-Haus am Schneeberg ist nach ihm benannt.Damböck-Haus auf www.kreiter.info/huetten, abgerufen am 4. November 2011. Dominikanergasse, benannt (Datum unbekannt, 1827 erstmals erwähnt) nach dem Orden der Dominikaner, die hier 1606–1777 eine Mühle an einem Seitenarm des Wienflusses besaßen. Der Dominikanerorden wurde im 13. Jahrhundert von dem Heiligen Dominikus (um 1170–1221) gegründet. Er stellte seit dem Beginn der Inquisition im päpstlichen Auftrag Inquisitoren zur Aufspürung und Verfolgung von Häretikern. Dürergasse, 1862 benannt nach dem Künstler Albrecht Dürer (1471–1528); er war ein deutscher Maler, Grafiker, Mathematiker und Kunsttheoretiker von europäischem Rang und gilt als wichtiger Künstler zur Zeit des Humanismus und der Reformation. Das Kunsthistorische Museum und die Albertina besitzen bedeutende Sammlungen seiner Werke. Die Gasse erstreckt sich auf dem Terrain alter Ziegelgruben („Auf der Kühweide“) und ist als Verkehrsweg seit 1770 bekannt. Sie hieß davor Untere Stättengasse bzw. Untere Gestättengasse. Seit 1902 heißt der von Südost nach Nordwest – schräg quer – verlaufende Teil Eggerthgasse.

E Eggerthgasse, 1902 benannt nach dem Unternehmer Karl Eggerth († 1888). Sein Vater Josef Eggerth (1834–1878) hatte 1843 in der Dürergasse 14 das Wannenbad „Karolinenbad“ gegründet. Da zu dieser Zeit die Wiener Wasserversorgung sowohl mengen- als auch qualitätsmäßig mehr als mangelhaft war, nutzte er als Badewasser das so genannte „Überwasser“ der Kaiser-Ferdinands-Wasserleitung. Das Bad hatte 40 Badewannen aus Marmor in 30 Kabinen. 1852 erbaute Josef Eggerth auch das Esterházybad in der Gumpendorfer Straße 59; siehe Luftbadgasse. Nach dem Tod seines Vaters führte Karl Eggerth das Karolinenbad weiter; er war 1882–1885 Mitglied des Wiener Gemeinderats. Das Bad wurde 1924 renoviert und 1961 abgerissen. Die Stiegenanlage, die am nördlichen Ende der Gasse zur höher gelegenen Kaunitzgasse und zur Gumpendorfer Straße führt, hieß bis 1998 Eggerthstiege und wurde dann Viktor-Matejka-Stiege benannt (siehe dort). Eisvogelgasse, 1869 benannt nach dem ehemaligen Hausschild „Zum Eisvogel“ in dieser Gasse. Sie hieß ursprünglich Obere Gärtnergasse und 1827–1869 Gärtnergasse. Erika-Weinzierl-Platz, 2022 benannt nach der Historikerin Erika Weinzierl (1925–2014), Leiterin des Ludwig-Boltzmann-Instituts und Professorin am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien von 1979 bis 1995. Sie forschte und publizierte überwiegend in den Themenbereichen Antisemitismus, Katholizismus und Widerstand gegen den Nationalsozialismus und war langjährige Vorsitzende und später Ehrenpräsidentin der Aktion gegen den Antisemitismus in Österreich. Esterházygasse, 1862 benannt nach Fürst Nikolaus II. Esterházy de Galantha (1765–1833); er veranlasste den Umbau des Schlosses Esterházy in Eisenstadt im klassizistischen Stil, den dortigen Anbau eines Opernhauses und die Errichtung einer Gartenanlage im Stile eines englischen Landschaftsgartens, beteiligte sich aber auch an vielen Wiener Bauprojekten, wie dem Burgtheater und dem Theater an der Wien. Er war Besitzer des Palais Esterházy in Mariahilf, das er ab 1814 umgestalten ließ. 1970 wurde das ursprünglich denkmalgeschützte Palais trotz heftiger Proteste abgerissen. Der benachbarte Esterházypark ist ebenfalls nach Familie Esterházy benannt. Die Gasse hieß 1797–1852 Neue Gasse und 1852–1862 Berggasse.

F Fallgasse, um 1867 benannt nach dem ehemals zum Wienflusses verlaufenden Fallbach, früher auch Feilbach genannt.