mini|Werbeplakat für Vin Mariani, Lithografie von Jules Chéret 1894 mini|Anzeige mit Papst Leo XIII. Vin Mariani (französisch), auch unter dem deutschen Namen Mariani-Wein bekannt, ist ein 1863 in Korsika von Angelo Mariani erstmals hergestelltes alkoholhaltiges Getränk aus Bordeauxwein und Extrakten des Cocastrauchs. Das Getränk wird auch als ein historischer Vorläufer von Coca-Cola betrachtet.

Es enthält den Ethylester des Benzoylecgonins und damit eine dem Kokain (der Methylester des Benzoylecgonins) strukturell sehr ähnliche Substanz. Dieser Ester ist für die berauschende Wirkung verantwortlich. Das Ethanol im Wein diente als Lösungsmittel und extrahierte das Kokain aus den Kokablättern. Ursprünglich enthielt er 6 mg Kokain pro Unze Wein (211,2 mg/L), aber der Vin Mariani, der exportiert werden sollte, enthielt 7,2 mg pro Unze (243,5 mg/L), um mit dem höheren Kokaingehalt ähnlicher Getränke in den Vereinigten Staaten zu konkurrieren.

Vin Mariani war zur damaligen Zeit ein sehr beliebtes Getränk. Königin Victoria von Großbritannien, Buffalo Bill, Papst Leo XIII. und Papst Pius X. sind einige der bekanntesten Konsumenten. Zu einer Zeit, als Werbung und Marketing noch völlig neu waren, ließ Mariani ausgewählten Prominenten eine Kiste mit Flaschen gratis zukommen und erbat sich dafür eine schriftliche Stellungnahme, die er in einer Veröffentlichung namens Album Mariani, erschienen 1899 im Verlag Henri Floury in Paris, und für frei gewählte Werbezitate benutzte. Auf diese Weise überrumpelte er auch mehrere Künstler, darunter Jean-Léon Gérôme, Alfons Mucha, William Bouguereau, Alfred Stevens, Charles Cottet und Constantin Meunier, aber auch angesehene Ärzte.

Constantin Meunier, ein belgischer Maler und Bildhauer, der das Leben der Bergarbeiter in den Mittelpunkt stellte und bis heute als Freund des Sozialismus gilt, stand darauf für die folgende Aussage in der Kritik:

„Wenn die Arbeiter der Minen und Walzwerke den Vin Mariani kennen würden, würden sie ihr hartes Dasein besser ertragen.“

Papst Leo XIII. verlieh dem Getränk eine Goldmedaille und erklärte sich einverstanden, auf einem Werbebild für das Getränk abgebildet zu sein. In Frankreich wurde der Wein Musikern zur Stärkung ihrer Stimmbänder empfohlen, allen anderen empfahl man ihn gegen Blutarmut, Rachitis und Schwäche allgemein. In Deutschland wurde der freie Verkauf mit dem Opiumgesetz vom 20. Juli 1920 gestoppt.Wolfgang U. Eckart: Die grüne Muse. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 96, vom 26/27. April 2003, S. 14.

Weblinks Der Cocain-Wein : Functional food vor 100 Jahren, Beitrag im Deutschlandradio

Einzelnachweise

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