Bottenhorn (mundartlich Boddehern) ist ein Dorf im Hessischen Hinterland und als solches ein Ortsteil der Gemeinde Bad Endbach im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf.

Geografische Lage Großräumig betrachtet ist die Landschaft in der Bottenhorn liegt Teil der Südost-Abdachung des Rheinischen Schiefergebirges und bildet den Übergang zum Buntsandsteingebiet der Westhessischen Senke. Der Ortsteil Bottenhorn der Gemeinde Bad Endbach liegt auf den „Bottenhorner Hochflächen“ im Gladenbacher Bergland, dem östlicher Ausläufer des Westerwaldes, der sich hier überschneidet mit dem Südausläufer des Rothaargebirges, in einer wechselhaften Mittelgebirgslandschaft, im Naturpark Lahn-Dill-Bergland, zwischen den Städten Dillenburg und Marburg, nördlich von Wetzlar, mitten im Hessischen Hinterland. Mit einer Ortskernhöhe von ist Bottenhorn nach Hülshof die zweithöchstgelegene Ortschaft des Landkreises Marburg-Biedenkopf.

Im Ort kreuzen sich die Landstraßen L 3049 und L 3288.

Bottenhorner Hochflächen

Naturräumlich wird das Plateau rund um Bottenhorn, das sich vom hohen Daubhaus nördlich von Rachelshausen (Gladenbach) bis zum Nordrand des Schelder Waldes (Angelburg (Berg) 609 m ü. NN) zieht, als Bottenhorner Hochflächen (über 50 km² groß) bezeichnet. Diese leicht gewellten Hochflächen entstanden im Tertiär durch Verebnung und sind eine der geologisch ältesten Landoberflächen des Rheinischen Schiefergebirges.Dieter Stoppel: Auf Erzsuche. Zur Geschichte des Silber-, Kupfer- und Schwerspatbergbaues im Raum Biedenkopf-Dillenburg. D. Bode Verlag, Haltern 1988, ISBN 3-925094-19-9.

miniatur| Kirche Bottenhorn miniatur|Ehm. Backhaus u. Rathaus miniatur|Bottenhorn, Sonntagstracht, ehem. Obergericht Amt Blankenstein, Aquarell von Ferdinand Justi mini|Bottenhorn, Mutter mit Kindern, Tracht im ehem. Obergericht Amt Blankenstein mit „Dellmutsche“ als Kopfbedeckung (Otto Ubbelohde)

Geschichte Ortsgeschichte „Bottenhorn ist der älteste Ort dieses Gebietes. Er dürfte seinen hydrographischen Voraussetzungen nach in der Zeit seiner Entstehung zum Perfgau gehört haben. Eine ursprüngliche Trennung vom Gericht Gladenbach könnte der Flurname „Scheid“, östlich Bottenhorn, andeuten.“ Zitat aus: Ulrich Lennarz, Die Territorialgeschichte des hessischen Hinterlandes, Hrsg. Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde, N.G. Elwert’sche Verlagsbuchhandlung Marburg 1973, S. 31

Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung von Bottenhorn stammt aus dem Jahr 1253. Der Name Budehorn steht in einer Kirchenakte, die eine Aufstellung über die Laaspher Pfarrgüter zum Inhalt hat. Bottenhorn verfügt damit über den ältesten schriftlichen Nachweis innerhalb der Gemeinde. Weitere Erwähnungen: 1304 Botinhorne 1324 Buttinhorn 1491 Bettehorn 1502 Bottenhorn

Versammlungsplatz fränkischer Heere 778

Einer Sage nach sollen sich die fränkischen Heere auf der „Bottenhorner Hochfläche“ gesammelt haben, bevor sie über die „Heerstraße“ (frühmittelalterlicher Höhenweg auf der Wasserscheide Perf / Dautphe verlaufend, Beginn: Gemeindegrenze Bottenhorn/Holzhausen) nach Norden gegen die Sachsen (Sachsenkriege Karls des Großen) zogen, insbesondere vor der großen Schlacht bei Laisa und Battenfeld 778.

Anlass für diese sagenhafte Deutung gab wohl die zentrale Lage auf einer Hochebene, auf der ehemals bedeutende Altstraßen von allen Seiten zusammenliefenUlrich Lennarz, Die Territorialgeschichte des hessischen Hinterlandes, Hrsg. Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde, N.G. Elwert’sche Verlagsbuchhandlung Marburg 1973, Anhang, Karte Nr. 6, „Alte Straßen“. Über die große Hochebene verlief der Strang der alten Ost-West Fernhandelsstraße, der Messestraße Leipzig-Köln-Antwerpen, Brabanter Straße genannt. Bei der Angelburg (Berg) kreuzte sie mit dem von Süden, aus Richtung Gießen, auf der Wasserscheide Aar-Salzböde verlaufenden Westfalenweg. Dort mündete auch die von Herborn kommende Herborner Hohe Straße ein und etwas weiter nördlich bei Hirzenhain die „Rheinstraße“, aus Richtung Dillenburg kommend.

Es standen hier ausreichend Weideflächen mit kleinen Bächen und Quellen für die Versorgung der Reit- und Zugtiere für die Rast zur Verfügung. Insgesamt gesehen ein idealer Versammlungsort für ein großes, mehrere Tausend Reiter und Fußsoldaten umfassendes Heer.

In jeder Sage steckt ein Körnchen Wahrheit.

Hochwertiges Eisenerzvorkommen

Außerdem gab es nördlich von Rachelshausen, am Rande der Hochebene, in Spalten des Diabas ein hochwertiges Eisenerzvorkommen (Hämatit) mit bis zu 70 % Eisengehalt, was für die Waffenherstellung von Bedeutung gewesen sein dürfte.

Beschreibung 1830

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Bottenhorn:

Kirchengebäude

Kriegsende 1945 Einnahme durch die US-Armee am 28. März Am 28. März 1945, am frühen Nachmittag, wurde Bottenhorn von den Amerikanern kampflos eingenommen. Eine Vorhut der 3. US-Panzerdivision (Generalmajor Maurice Rose), eine Panzer-Division der 1. US-Armee, war gleichzeitig von Wommelshausen über Hülshof und von Westen her auf der Herborner Hohe Straße über Tringenstein und Wallenfels durch die „Struth“ (Fln.) kommend in Bottenhorn eingedrungen. Die 3. US-Panzer-Division war vom Brückenkopf Remagen aus über den Westerwald, in etwa der heutigen B 255 folgend, bereits am 27. März bis zur Dill vorgedrungen. In das Gemeindegebiet von Bad Endbach stießen die Amerikaner von Westen her nahezu gleichzeitig, fächerförmig vor, und zwar von Bischoffen nach Günterod, über Eisemroth nach Hartenrod und über die Herborner Hohe Straße nach Bottenhorn. In Bottenhorn blieb danach über kurze Zeit eine kleine amerikanische Einheit stationiert.

Erst gegen 11:00 Uhr hatte sich eine tags zuvor (27. März) angekommene deutsche Munitionskolonne aus Wommelshausen und Hülshof abgesetzt. Auch die in Hülshof stationierte Bedienungsmannschaft des dort am Bicherais (Flurname) stehenden „Richtfeuers“ (Scheinwerfers) der deutschen Nachtjägerverbände und der zu ihrem Schutz dienenden Vierlingsflak am Addebehl (Flurname) floh Richtung Osten in den Wald. Die sich abgesetzten deutschen Soldaten ergaben sich alle ca. vier Stunden später zwischen Dernbach (Bad Endbach), Bottenhorn und Holzhausen (Dautphetal) im Wald auf der „Haus“ (Flurname) den Amerikanern. Als Kriegsgefangene wurden sie danach auf amerikanischen LKW's wieder durch Wommelshausen abtransportiert.

Hessische Gebietsreform (1970–1977) Zum 1. Juli 1974 wurden im Zuge der Gebietsreform in Hessen kraft Landesgesetz die bis dahin selbständigen Gemeinden Bad Endbach, Bottenhorn, Dernbach, Hartenrod und Hülshof zur erweiterten Großgemeinde mit dem Namen Bad Endbach zusammengeschlossen. Für alle ehemals eigenständigen Gemeinden von Bad Endbach wurden Ortsbezirke gebildet. Zuvor hatte der Kreistag einen freiwilligen Zusammenschluss von Bottenhorn, Hülshof und Dernbach abgelehnt und Bottenhorn hatte sich bereits gegen die Bildung einer Großgemeinde Gansbachtal mit der neuen Gemeinde Angelburg ausgesprochen.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Bottenhorn angehört(e):

ab 1336: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, nach Ende der Dernbacher Fehde und Friedensschluss mit Nassau um 1360: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Gericht Gladenbach. ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Blankenstein, Gericht Gladenbach. 1604–1648: strittig zwischen Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt (Hessenkrieg) ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Blankenstein ab 1627: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Amt Blankenstein, Obergericht Gladenbach ab 1806: Großherzogtum Hessen,Infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Oberhessen, Amt Blankenstein, Land- und Rügengericht ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Blankenstein ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk Gladenbach ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Biedenkopf ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Biedenkopf ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Biedenkopf ab 1867: Königreich Preußen,Infolge des Deutschen Krieges. Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Biedenkopf (übergangsweise Hinterlandkreis) ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Biedenkopf ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Biedenkopf ab 1932: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Dillenburg ab 1933: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Biedenkopf ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Nassau, Landkreis Biedenkopf ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Biedenkopf ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Biedenkopf ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Biedenkopf ab 1968: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Biedenkopf ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg-Biedenkopf, Gemeinde Bad EndbachAm 1. Juli 1974 als Ortsbezirk zur Gemeinde Bad Endbach. ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Marburg-Biedenkopf, Gemeinde Bad Endbach

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Bottenhorn 1155 Einwohner. Darunter waren 27 (2,3 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 204 Einwohner unter 18 Jahren, 456 zwischen 18 und 49, 249 zwischen 50 und 64 und 146 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 471 Haushalten. Davon waren 102 Singlehaushalte, 144 Paare ohne Kinder und 171 Paare mit Kindern, sowie 48 Alleinerziehende und 3 Wohngemeinschaften. In 84 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 303 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung Quelle: Historisches Ortslexikon • 1501: 19 Männer • 1577: 38 Hausgesesse • 1630: 35 Hausgesesse; 4 zweispännige, 17 einspännige Ackerleute, 14 Einläuftige • 1742: 80 Haushalte • 1791: 385 Einwohner • 1800: 385 Einwohner • 1806: 451 Einwohner, 76 Häuser • 1829: 552 Einwohner, 94 Häuser

Historische Religionszugehörigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1830: 552 evangelische (= 100 %) Einwohner • 1885: 721 evangelische (= 90,46 %), 2 katholische (= 0,25 %) Einwohner • 1961: 1147 evangelische (= 89,33 %), 129 römisch-katholische (= 10,05 %) Einwohner

Historische Erwerbstätigkeit • 1867: Erwerbspersonen: 211 Landwirtschaft • 1961: Erwerbspersonen: 222 Land- und Forstwirtschaft, 344 produzierendes Gewerbe, 48 Handel und Verkehr, 44 Dienstleistungen und Sonstiges.

Politik Für Bottenhorn besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Bottenhorn) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus fünf Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 45,56 %. Alle Kandidaten gehörten der „Gemeinschaftsliste Bottenhorn“ an. Der Ortsbeirat wählte Thomas Kramer zum Ortsvorsteher.

Flugplatz Bottenhorn Innerhalb der Gemeinde gibt es den Flugplatz Bottenhorn mit einer 525 m langen Gras-Landebahn. Er ist als Sonderlandeplatz ausgewiesen und besitzt den ICAO-Code EDGT. Betreiber ist die Luftsportgemeinschaft Bottenhorn e. V. mini|Flugplatz Bottenhorn

Literatur