Stapen ist ein Ortsteil der Gemeinde Beetzendorf im Altmarkkreis Salzwedel in Sachsen-Anhalt.
Geographie Lage Stapen, ein Dorf mit Kirche, liegt 4 Kilometer nordöstlich von Beetzendorf und 16 Kilometer südlich der Kreisstadt Salzwedel in der Altmark.
Der Stapener Landgraben entspringt nördlich von Siedengrieben als Siedengriebner Abzugsgraben. Bevor der Bach in die Purnitz mündet, markiert sein Lauf die Flurgrenzen zwischen Stapen einerseits sowie Siedengrieben, Hohentramm und Klein Apenburg andererseits. Im Nordwesten erhebt sich der 54,1 Meter hohe Bornsberg.Joachim Stephan: Die Vogtei Salzwedel… Die Vogtei Salzwedel: Land und Leute. Land und Stadt. Das Land. Fußnote 68, S. 18.
Nachbarorte
Geschichte Mittelalter Im Jahre 1333 wurde ein Mettekens de Stapen, wohnhaft in Salzwedel, im Stadtbuch Salzwedel erwähnt.Joachim Stephan: Die Vogtei Salzwedel… Anhang I: Das älteste Stadtbuch der Stadt Salzwedel. Text. 11.1 Anno domini 1333, prima die iuridicia, que fuit secunda feria post epyphaniam domini. Zeile 800, S. 421.
Die erste Erwähnung des Dorfes Stapen stammt aus dem Landbuch der Mark Brandenburg von 1375.Johannes Schultze (Hrsg.): Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375. Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, Antiqua marchia. Equitatura terre Soltowedel foris Portam Buchornighe. Stapen, S. 404.
Genannter Hartwig in Salzwedel [hat] 4 Pfund (Währung) minus 6 Schilling an Leichten Pfennig mit 18 Scheffel [Roggen] und 1 Pfund Pfeffer vom Kloster Dambeck.Evamaria Engel: Lehnbürger, Bauern und Feudalherren in der Altmark um 1375. In: Feudalstruktur, Lehnbürgertum und Fernhandel im spätmittelalterlichen Brandenburg. Einleitung von Eckhard Müller-Mertens (= Hansischer Geschichtsverein (Hrsg.): Abhandlungen zur Handels- und Sozialgeschichte. Band VII). Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1967, Tabellen-Anhang. Tabelle VIII. Natural- und Geldbezüge märkischer Bürgerfamilien aus altmärkischen Dörfern. IV. Salzwedel, S. 213–215.
In der Vogtei Salzwedel führten nur wenige Krüge Pfeffer ab. Ihre Verteilung deutete auf eine Handelsstraße hin, die südlich von Salzwedel in West-Ost-Richtung verlief.Joachim Stephan: Die Vogtei Salzwedel… Die Vogtei Salzwedel: Land und Leute. Land und Stadt. Die Stadt. Altensalzwedel und Salzwedel, S. 59–63, hier S. 61.
Auch 1391 heißt das Dorf Stapen.Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon… Stapen. 4. Erste schriftliche Erwähnung, S. 2112. Eine Urkunde von 1411 verwendete den Ortsnamen Stopen. Diese Bezeichnung hat sich in der hiesigen Mundart erhalten. Später wurden nur noch Schreibweisen mit a wie Stapen, Staapen oder Stahpen verwendet.
Anno 1413 zogen Erzmagdeburger raubend durch Stapen und erschlugen einen Mann.Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für die Altmark. Band 2: L–Z. Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-8305-3743-4, Stapen. 7. Wirtschafts- und Sozialstruktur, S. 2113–2114. Am 18. Februar 1420 kaufte die Familie von der Schulenburg zu Beetzendorf das Dorf mit Ober- und Untergericht, Diensten, Patronat und allem Zubehör.Georg Schmidt: Das Geschlecht von der Schulenburg, Teil 2, Beetzendorf 1899, S. 50.Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon… Stapen. 6. Herrschaftszugehörigkeit, S. 2112–2113. 1466 veräußerte Heinrich von der Schulenburg sein Achtel des Dorfkomplexes, darunter u. a. von Stapen. Die Urkunde listete die Frondienste der Hofbesitzer auf. Jeder musste mit seinem Pflug pro Pflugzeit einen Tag ableisten, dabei ein langes Ackerstück oder entsprechend kleinere bearbeiten. Während der Erntezeit hatten zwei Bewohner jeden Hofs einen ganzen Tag zu mähen, harken und binden.Lieselott Enders: Die Altmark… B. Die ländliche Gesellschaft in der Frühneuzeit. III. Die Lebensverhältnisse der Dorfbewohner. 2. Die Bauern und Kossäten. e) Die Dienste. Spätmittelalter, S. 332–336, hier S. 334.Lieselott Enders: Die Altmark… B. Die ländliche Gesellschaft in der Frühneuzeit. III. Die Lebensverhältnisse der Dorfbewohner. 2. Die Bauern und Kossäten. e) Die Dienste. Spätmittelalter. Fußnote 526, S. 334.
Neuzeit Um 1600 verfügte die Altmark wie die übrige Mark Brandenburg nur über ein lückenhaftes Dorfschulnetz. Einer der wenigen und frühesten Nachweise einer Küsterschule stammte aus Stapen. Hans Jacob aus Groß Gischau übernahm 1627 durch Heirat der Schulzenwitwe den hiesigen Lehnschulzenhof. Dabei versprach er, „…die Kinder aus erster Ehe, drei Knaben und ein Mädchen, nach Vermögen und wie auf dem Lande gehalten wird, fleißig zur Schule zu schicken.“Lieselott Enders: Die Altmark… D. Kultur und Lebensweise in Stadt und Land. II. Schul- und Hochschulbildung, Gelehrsamkeit. 1. Schulen. b) Dorfschulwesen. Anfänge, S. 1230–1233, hier S. 1233 (siehe auch S. 551).
Im 17. Jahrhundert kam es mit der Nachbargemeinde Hagen zum Streit wegen des gemeinsamen Grenzdamms. Die Stapener durchstachen das Wasserbauwerk an mehreren Stellen, damit das auf der Feldflur angestaute Wasser gen Norden abfließen konnte. Mehrfach beschwerten sich die Hagener, bis 1621 der Landeshauptmann der Altmark die Lage vor Ort untersuchte. Er hörte beide Seiten an und erklärte das Durchstechen für illegal, weil der Damm zusammen errichtet worden war. Das Nachbardorf sollte aber seinen Grenzgraben beräumen. Zwei Jahre später bestätigte die Juristenfakultät in Helmstedt die Entscheidung. 1630 und 1650 entbrannte die Auseinandersetzung erneut.Lieselott Enders: Die Altmark… B. Die ländliche Gesellschaft in der Frühneuzeit. I. Agrarstruktur im Wandel. 3. Bodennutzung und Bodenverbesserung. a) Ackerland. Wasserstand, S. 164–165, hier S. 165.Lieselott Enders: Die Altmark… B. Die ländliche Gesellschaft in der Frühneuzeit. IV. Die Dorfverfassung. 2. Die Gemeinde. a) Duale Dorfverfassung. Bauerrecht, S. 559–562, hier S. 561.
Die aus dem Mittelalter übernommenen Hufenmaße wichen von Ortschaft zu Ortschaft und sogar innerhalb einer Feldflur voneinander ab.Helmut Assing: Brandenburgische Geschichte. Hrsg.: Ingo Materna, Wolfgang Ribbe. Akademie Verlag, Berlin 1995, ISBN 3-05-002508-5, Die Landesherrschaft der Askanier, Wittelsbacher und Luxemburger (Mitte des 12. bis Anfang des 15. Jahrhunderts). Die Umgestaltung der Agrarverfassung und die Veränderungen in den ländlichen Sozialbeziehungen im 12./13. Jahrhundert, S. 102–109. Die frühneuzeitliche Besteuerungsmethode ging von einem einheitlichen Flächenmaß aus, was zu Ungerechtigkeiten führte. Daher fand 1686 altmarkweit eine Neuvermessung statt. Das Kataster zeigte, dass im Nordwesten (besonders nördlicher Salzwedelischer Kreis und südwestlicher Arendseeischer Kreis) nach Hufenanzahl kleinere Ortschaften überwogen. Stapen fiel in die Kategorie 11 bis 20 Hufen. Die Einschätzung kleines Hufenland war relativ, denn es handelte sich um Wispelhufen. Auf 1 Hufe wurde 1 Wispel Getreide ausgesät.Lieselott Enders: Die Altmark… B. Die ländliche Gesellschaft in der Frühneuzeit. I. Agrarstruktur im Wandel. 2. Die Flurverfassung der Dörfer. a) Hufenverfassung und Hufenlosigkeit. Hufengröße, S. 116–120, hier S. 117.Lieselott Enders: Die Altmark… B. Die ländliche Gesellschaft in der Frühneuzeit. I. Agrarstruktur im Wandel. 2. Die Flurverfassung der Dörfer. a) Hufenverfassung und Hufenlosigkeit. Methodische Konsequenzen, S. 138–141, Wispelhufe, S. 139. Neben der Landwirtschaft lebte das Dorf vom Holzverkauf, denn es war gut mit Gehölzen ausgestattet.Lieselott Enders: Die Altmark… B. Die ländliche Gesellschaft in der Frühneuzeit. I. Agrarstruktur im Wandel. 3. Bodennutzung und Bodenverbesserung. b) Grünland, Holzung und Gewässer. Holzungen, S. 171–174, hier S. 172.Lieselott Enders: Die Altmark… B. Die ländliche Gesellschaft in der Frühneuzeit. I. Agrarstruktur im Wandel. 3. Bodennutzung und Bodenverbesserung. b) Grünland, Holzung und Gewässer. Holzungen. Fußnote 384, S. 172.
Innerhalb der Gemeinde brach 1684 ein Konflikt wegen zu knapper Hütungsflächen aus. Die Vollbauern verklagten die Kossäten, „weil sie ihr Vieh im Saatgehege hüteten und die Weide nach dem Dienst ihren (der Bauern) Pferden vor dem Maul wegnähmen,…“Lieselott Enders: Die Altmark… B. Die ländliche Gesellschaft in der Frühneuzeit. IV. Die Dorfverfassung. 2. Die Gemeinde. c) Ökonomische Grundlagen und Aktivitäten. Ressourcenstreit, S. 587–594, hier S. 593. Trotz eines Bescheids des Landeshauptmanns von 1657 beharrten die Kossäten auf ihrem Hütungsrecht.
Das Kataster des Salzwedelischen Kreises von 1693 belegte die Veränderung der Dreifelderwirtschaft in Stapen. Beim „Brach- und Stoppelroggen“ wurde die Hauptgetreideart Roggen wie zuvor auf dem Winterfeld, also dem ausgeruhten Brachfeld ausgebracht. Dazu kam zusätzlich eine Aussaat auf dem ganzen oder auf Teilen des abgeernteten Feldes, also dem Stoppelfeld. Dieses spezifische Bodennutzungssystem wurde in der Schulenburgischen Herrschaft Beetzendorf nur locker und fast ausschließlich in der Westaltmark angewandt.Lieselott Enders: Die Altmark… B. Die ländliche Gesellschaft in der Frühneuzeit. I. Agrarstruktur im Wandel. 3. Bodennutzung und Bodenverbesserung. a) Ackerland. Spezifisches Bodennutzungssystem, Fußnote 282, S. 157.Lieselott Enders: Die Altmark… B. Die ländliche Gesellschaft in der Frühneuzeit. I. Agrarstruktur im Wandel. 3. Bodennutzung und Bodenverbesserung. a) Ackerland. Spezifisches Bodennutzungssystem, S. 157–160, hier S. 157.
Ein Großbrand im September 1871 zerstörte viele Gehöfte. Der Beschluss von 1939, aufgrund des zunehmenden Platzmangels eine neue Schule zu bauen, wurde nie ausgeführt. Im selben Jahr wurde Stapen statistisch erfasst. In 22 land- und forstwirtschaftlichen Betrieben (1 mit über 100 ha, 8 mit 20–100 ha, 1 mit 10–20 ha, 7 mit 5–10 ha, 5 mit 0,5–5 ha) arbeiteten 141 Personen, 8 in Industrie und Handwerk, 4 in Handel und Verkehr. Das Dorf zählte 41 Haushalte. Während des Zweiten Weltkriegs stieg die Bevölkerungsanzahl durch viele Flüchtlinge stark an.
Bei der Bodenreform wurden 1945 ermittelt: eine Besitzung über 100 Hektar hatte 100 Hektar, 17 Besitzungen unter 100 Hektar hatten zusammen 388, eine Kirchenbesitzung umfasste 70 Hektar Land, der Gemeinde gehörten 3 Hektar. Im Jahre 1953 entstand eine Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft vom Typ III, die LPG Hohentramm-Stapen „Karl Liebknecht“, die 1959 mit der LPG „Erich Weinert“ aus Hohentramm zur Groß-LPG „Karl Liebknecht“ zusammengeschlossen und 1976 zur LPG „Karl Liebknecht“ Beetzendorf vereinigt wurde. Im Jahr 1986 betrieb die LPG Pflanzenproduktion Beetzendorf eine Schafstallanlage und eine Technikstützpunkt in Stapen.
1958 brach im Kulturhaus ein Feuer aus. Dabei brannte der alte Saal nahezu völlig ab. Daraufhin wurde ein Neubau errichtet und bis 1990 sehr erfolgreich betrieben.
Herkunft des Ortsnamens Jürgen Udolph zufolge dürfte der Ortsname auf dem mittelniederdeutschen Wort „stope“ für „Stufe, Treppe“ basieren. Nach anderer Meinung rührte der Name von „Stapel“ her, da früher an diesem Ort Holz aufgestapelt worden sei.
Wüstung bei Stapen Wilhelm Zahn berichtete 1909: 600 Meter nordöstlich der heutigen Ortslage liegen Flurstücke mit dem Namen die Dorfstücke und daran anstoßend die Schwertgärten. Er vermutet dort eine frühzeitig untergegangene elbslawische Siedlung.
Eingemeindungen Stapen gehörte ursprünglich zum Salzwedelischen Kreis der Mark Brandenburg in der Altmark. Von 1807 bis 1812 lag es im Kanton Groß Apenburg auf dem Territorium des napoleonischen Königreichs Westphalen. Nach weiteren Änderungen kam es 1816 in den Kreis Salzwedel, den späteren Landkreis Salzwedel im Regierungsbezirk Magdeburg in der Provinz Sachsen in Preußen.
Die Gemeinde Stapen wurde am 20. Juli 1950 in die Gemeinde Hohentramm eingemeindet. Mit der Eingemeindung von Hohentramm nach Beetzendorf kam der Ortsteil Stapen am 1. Januar 2009 zu Beetzendorf.Gebietsinformationen Gemeindegebietsveränderungen seit dem 1. Juli 2007Ortsteilverzeichnis Land Sachsen-Anhalt (Verzeichnis der Gemeinden und Gemeindeteile), Gebietsstand Januar 2014, Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, Halle (Saale), 2016