Voerde (Niederrhein) [] ist eine am unteren Niederrhein und nordwestlichen Rand des Ruhrgebiets gelegene mittlere kreisangehörige Stadt. Sie gehört zum nordrhein-westfälischen Kreis Wesel im Regierungsbezirk Düsseldorf.

Geographie Räumliche Lage Voerde liegt im Nordwesten des Ruhrgebiets und südwestlich des Naturparks Hohe Mark-Westmünsterland, rechts des Niederrheins und zwischen den Städten Dinslaken (neun Kilometer) und Wesel (elf Kilometer).

Stadtgliederung mini|Ortsteile von Voerde Das Stadtgebiet gliedert sich gemäß § 1 Abs. 3 der Hauptsatzung in die elf Stadtteile Götterswickerhamm, Löhnen, Mehrum, Möllen, Voerde, Stockum, Holthausen, Friedrichsfeld, Emmelsum, Spellen und Ork. Die Stadtteile sind jedoch keine Ortschaften im Sinne des § 39 GO NW.

Geschichte Voerde verdankt seinen Namen einer Furt über einen Rheinarm, die dort zur Römer- und Frankenzeit existierte (die alte Schreibweise für Furt war „Fuerdt“). Nahe dem alten Bürgermeisteramt lag ein frühmittelalterliches Gräberfeld des 6. bis frühen 8. Jahrhunderts n. Chr.Bonner Jahrbücher 146, 1941, 389. – Frank Siegmund: Merowingerzeit am Niederrhein. Rheinische Ausgrabungen 34. Rheinland-Verlag, Köln 1998, S. 434, ISBN 3-7927-1247-4 Im Mittelalter lag zwischen Mehrum und Götterswickerhamm das Dorf Rhynern, das jedoch um 1270 durch eine Veränderung des Rheinverlaufs allmählich abgetragen und aufgegeben wurde. Website des Heimatvereins Voerde Zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde Voerde 1344 als Lehnsgut und Burg der Abtei Werden, aber schon 1327 erstreckte sich der Gerichtsbezirk Götterswickerhamm in etwa über das heutige Stadtgebiet.Wasserschloss Haus Voerde Website der Stadt Voerde, Zugriff am 1. Oktober 2016.Ingolf Isselhorst: Siedlungsentwicklung der Stadt Voerde, Voerde-Spellen 1991 1652 wurde Voerde Herrlichkeit von brandenburgischen Gnaden mit eigener Gerichtsbarkeit. Den Rang einer Herrlichkeit verlor Voerde wieder, als es 1804 – während der Franzosenzeit – im Amt Götterswickerhamm aufging, das kurz darauf von Napoléon Bonaparte in eine „Mairie“ umgewandelt wurde. 1815/16 erhielt Voerde im Rahmen der preußischen Bürgermeister-Verfassung zum ersten Mal kommunale Selbstverwaltungsrechte als Gemeinde. Zur Bürgermeisterei Götterswickerhamm im Kreis Dinslaken gehörten die Gemeinden Voerde, Löhnen, Mehrum, Görswicker, Möllen und Spellen. Ab 1823 gehörten die Gemeinden bis 1857 zum Kreis Duisburg. Nachdem Duisburg 1857 aus dem Kreis ausgeschieden war, wurde der Kreissitz nach Mülheim an der Ruhr verlegt. Ab 1887 gehörten die Gemeinden zum Kreis Ruhrort, ab 1909 wieder zum erneut gebildeten Kreis Dinslaken. 1886 erhielt Voerde einen Bahnhof an der Eisenbahnstrecke zwischen Oberhausen und Arnheim.

20. Jahrhundert 1911 wurde die Bürgermeisterei Götterswickerhamm in Bürgermeisterei Voerde umbenannt.Amtsblatt der Regierung Düsseldorf 1911, S. 143 Im Jahr 1912 wurde nach vier Jahren Bauzeit mit der Walsumbahn eine weitere Eisenbahnstrecke durch Voerde in Betrieb genommen. Die beiden Gemeinden Mehrum und Görsicker wurden 1913 in die Gemeinde Löhnen eingegliedert.Amtsblatt der Regierung Düsseldorf 1913, S. 177 1915 hatte Voerde 7.985 Einwohner. Die Gemeinden Möllen, Spellen und Voerde schlossen sich 1922 zur vergrößerten Gemeinde Voerde zusammen. Aus der Bürgermeisterei Voerde wurde 1928 das Amt Voerde (Niederrhein).

Von 1943 bis 1945 befand sich am Buschmannshof ein Zwangsarbeiterlager der Firma Krupp, Essen. In dem Lager waren auch 120 Kinder in einer Ausländerkinder-Pflegestätte untergebracht, von denen im Herbst 1944 und Winter 1944/45 infolge schlechter Ernährung und Krankheit 99 starben. Einige liegen auf dem „Franzosenfriedhof“ in Friedrichsfeld (Alte Hünxer Straße) bestattet. In der Nacht vom 23. auf den 24. März 1945 überquerte die 9. US-Army im Rahmen der Operation Plunder in Mehrum bei Stromkilometer 803,5 den Rhein und erreichte damit an diesem Frontabschnitt erstmals rechtsrheinisches Gebiet.Gedenksteinenthuellung im Mehrum auf voerde.de. An anderen Stellen hatte es schon zuvor Rheinüberquerungen anderer Truppenteile gegeben, z. B. Ludendorff-Brücke bei Remagen Am 27. März erschossen vier amerikanische Soldaten grundlos acht zufällig anwesende oder vorbei laufende deutsche Zivilisten, zwei Frauen und sechs Männer. Die amerikanische Militärjustiz verurteilte den beteiligten Offizier zu 25 Jahren Haft – er wurde nach drei Jahren freigelassen – die drei weiteren beteiligten 18 und 19 Jahre alten Soldaten wurden freigesprochen.James J. Weingartner, Americans, Germans and War Crimes Justice - Law, Memory, and "The Good War", Santa Barbara, USA, 2011, 135–158

Am 1. April 1950 entstand durch die Vereinigung der Gemeinden Löhnen und Voerde die neue Gemeinde Voerde. Dieser Zeitpunkt war zugleich die Geburtsstunde des Voerder Wappens. Voerde hatte damals 14.170 Einwohner. Seit 1972 wird in Voerde Karneval gefeiert.

Zum 1. Januar 1975 wurden im Zuge des zweiten Neugliederungsprogramms der Ortsteil Lippedorf nördlich des Wesel-Datteln-Kanals an die Stadt Wesel und der Ortsteil Eppinghoven an die Stadt Dinslaken abgegeben. Gleichzeitig wurden wesentliche Teile der ehemaligen Kreise Dinslaken, Moers und Rees mit Teilgebieten der Kreise Borken und Recklinghausen zum neuen Kreis Wesel zusammengefügt. Voerde ist seitdem eine kreisangehörige Gemeinde des Kreises Wesel.

Nach Überschreiten der Einwohnerzahl von 25.000 wurde Voerde mit 34.321 Einwohnern 1981 Stadt. 1983 wurde das neue Rathaus bezogen. Seit 1997 wird aufgrund der geänderten Gemeindeordnung (Aufgabe der kommunalen Doppelspitze von ehrenamtlichem Bürgermeister und hauptamtlichem Stadtdirektor) ein hauptamtlicher Bürgermeister gewählt.

Die Zeche Walsum wurde Mitte 2008 endgültig stillgelegt, ein geplanter Abbau unter dem Rhein nicht betrieben.

Im Jahre 2007 gab es im Rahmen der Diskussionen um die Auflösung des Kreises Wesel den Vorschlag, die Stadt zwischen Wesel und Dinslaken aufzuteilen.

Konfessionsstatistik Gemäß dem Zensus 2011 waren 37,9 % der Einwohner evangelisch, 34,2 % römisch-katholisch und 27,9 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Stadt Voerde (Niederrhein) Religion, Zensus 2011 Mit Stand Dezember 2024 waren von den 36.537 Einwohnern 29,8 % (10.905) evangelisch, 27,9 % (10.199) katholisch und 42,2 % (15.433) hatte entweder eine andere oder gar keine Religionszugehörigkeit.Stadt Voerde Einwohner Daten und Zahlen, abgerufen am 1. Mai 2025

Politik

Ergebnisse der Kommunalwahlen 2025 in Voerde (Niederrhein) Die Sitze im Stadtrat verteilen sich nach dem Ergebnis der Kommunalwahl 2025 folgendermaßen auf die einzelnen Parteien: +Ratswahl 14.09.2025 Voerde (Niederrhein)ParteiStimmen% (2025)% (2020)+/-Sitze (2025)Sitze (2020)+/-SPD6.74440,7 %38,3 % + 2,4 %1717± 0CDU4.57327,6 %29,5 % - 1,9 %1213 - 1Bündnis 90/Die Grünen1.4748,9 %13,1 % - 4,2 %46 - 2AfD1.2667,6 %0,0 % + 7,6 %30 + 3WV9035,5 %0,0 % + 5,5 %20 + 2Die PARTEI8575,2 %5,5 % - 0,3 %22 ± 0FDP7644,6 %5,7 % - 1,1 %23 - 1Gültige Stimmen16.581Ungültige Stimmen353Stimmen Insgesamt16.9344244- 2Wahlberechtigte Insgesamt28.99358,4 %52,7 %± 0,0 % +Bürgermeisterwahl* 14.09.2025 Voerde (Niederrhein)ParteiKandidat*Stimmen% (2025)SPDHaarmann, Dirk10.40363,0 %CDU/FDPScholz, Martin4.63528,1 %Die PARTEISchmidt, Jule1.4778,9 %Gültige Stimmen16.515Ungültige Stimmen435Stimmen Insgesamt16.950Wahlberechtigte Insgesamt28.99358,5 % Bürgermeister

1806 wurde von Napoleon das Bürgermeisteramt in Götterswickerhamm eingeführt. 1815/1816 wurde es zur „Maire“ umbenannt, erst 1911 gab es offiziell einen Bürgermeister der Gemeinde Voerde. Bürgermeister der Stadt Voerde ist seit 2014 Dirk Haarmann (SPD). Eine vollständige Darstellung findet sich hier.

Bürgermeister der Stadt Voerde (seit 1981):

1966–1994: Helmut Pakulat (1928–1999) (SPD) 1994–1997: Heinz Boß (SPD) 1997–2002: Hans-Ulrich Krüger (SPD) 2003–2014: Leonhard Spitzer (CDU) seit 2014: Dirk Haarmann (SPD)

Städtepartnerschaft und Städtepatenschaft Schon 1957 übernahm die Gemeinde Voerde eine Städtepatenschaft mit Krickerhau dem heutigen Handlová im slowakischen Hauerland. Seit 1979 unterhält Voerde eine Städtepartnerschaft mit Alnwick in der nordenglischen Grafschaft Northumberland.

Wappen, Banner und Logo

Blasonierung: „Geteilt von Schwarz und Rot, an der Teilungslinie ein oberhalbes fünfspeichiges goldenes Rad und ein unterhalbes silbernes Schildchen, überdeckt mit einem unterhalben achtarmigen goldenen Glevenrad (Lilienhaspel), die Nabenhälfte rotgefüllt.“

Wappenerklärung: Das Wappen stellt die Bildung der Gesamtgemeinde Voerde symbolhaft dar. In der oberen Wappenteil findet sich die obere Hälfte des Wappens der Herrschaft von Syberg auf „Haus Voerde“ („In Schwarz ein fünfspeichiges goldenes Wagenrad“), und im unteren Wappenteil die untere Hälfte des Wappens der Herzöge von Kleve („In Rot ein silbernes Herzschildchen, belegt mit einem achtarmigen goldenen Glevenrad (Lilienhaspel)“).

Das Wappen wurde von Otto Korn gestaltet.

Beschreibung der Flagge: „Das Banner der Stadt Voerde zeigt im weißen Oberviertel (Bannerhaupt) das Wappen der Stadt. Darunter befinden sich zwei gleich lange und gleich breite Bahnen Rot-Gelb. Der Stadt ist mit Urkunde des Innenministers vom 18. Oktober 1951 das Recht zur Führung eines Wappens und mit Urkunde des Innenministers vom 15. Mai 1957 das Recht zur Führung einer Flagge verliehen worden.“Hauptsatzung der Stadt Voerde

Sehenswürdigkeiten Bauwerke

mini|Haus Götterswick mini|Haus Voerde mini|hochkant|Haus Wohnung

Haus Götterswick: Wasserburg aus dem 12. Jahrhundert, von 1854 bis 2011 evangelisches Pfarrhaus, seit 2011 in Privatbesitz. Haus Voerde: Das Wasserschloss Haus Voerde liegt inmitten eines kleinen Parks. Erbaut wurde es als Wirtschaftshof der Abtei Werden (siehe Kloster Werden) bereits vor 1200. Urkundlich erwähnt wurde Haus Voerde allerdings erst 1344. 1688 wurde an der Nordostseite ein Turm angebaut. Insgesamt wurde das Wasserschloss mehrfach umgebaut. Seit 1950 ist Haus Voerde im Besitz der Stadt Voerde. Heute befinden sich das Standesamt sowie ein Restaurant im Gebäude. 2003 wurde die im Keller liegende Küche renoviert. Haus Wohnung: Das Wasserschloss Haus Wohnung liegt an der Stadtgrenze zu Dinslaken und ist in Privatbesitz. Einem Schriftstück aus dem Jahre 1327 geht der Name zurück auf den ersten Besitzer Arnd van der Wonyngen. Rheinkreuzung bei Voerde der verlängerten Nord-Süd-Leitung: Tragmaste der 220/110-kV-Leitung über den Rhein. Höhe: 138 Meter, Gewicht: 172 Tonnen, Baujahr 1926, Dreiebenenanordnung der Leiterseile in Tannenbaumkonfiguration Wasserwerk Löhnen: Das Wasserwerk Löhnen der Wasserwerke Dinslaken GmbH mit der deutschlandweit größten Nanofiltrationsanlage

Kirchen Evangelische Kirche Götterswickerhamm: Romanischer Turm, Schiff nach Plänen von Schinkel ab 1830 umgebaut; Taufstein 12. Jahrhundert. Evangelische Kirche Voerde: 1704 als reformierte Patronatskirche der Herren von Syberg auf Haus Voerde gebaut; heutiger Bau von 1856. Katholische Kirche Spellen St. Peter (Spellen)

Moscheen Imam-I-Azam-Moschee in Friedrichsfeld unter dem Dachverband IGMG. Möllen-Yesil-Moschee im Stadtteil Möllen unter dem Dachverband DITIB, 1975 eröffnet. Sultan-Ahmet-Moschee im Zentrum unter dem Dachverband DITIB, 1983 eröffnet.

Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Schienenverkehr Der Haltepunkt Voerde (Niederrhein) liegt ungefähr 500 m nordöstlich des Stadtzentrums an der Bahnstrecke Oberhausen–Arnhem (Hollandstrecke), einem Verkehrsweg von transeuropäischem Rang und mit direkter Anbindung an die niederländischen Seehäfen. Ebenfalls an der Hollandstrecke, vier Kilometer weiter nördlich in Richtung Wesel, liegt der Bahnhof Friedrichsfeld (Niederrhein).

Im SPNV verkehren an diesen Bahnhöfen der Rhein-Ruhr-Express (RE 5), der Rhein-IJssel-Express (RE 19) und der Wupper-Lippe-Express (RE 49). Für den gesamten ÖPNV gilt der Tarif des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR) und tarifraumüberschreitend der NRW-Tarif.