Die Cessna 208 Caravan ist ein einmotoriges Turboprop-Passagier- und Frachtflugzeug (Zubringerflugzeug) des US-amerikanischen Herstellers Textron Aviation ohne Druckkabine.
Geschichte Die Entwicklungsarbeiten begannen in den frühen 1980er Jahren und am 9. Dezember 1982 flog der erste Prototyp. Die FAA-Zulassung erfolgte im Oktober 1984, Kundenlieferungen ab Februar 1985. Im Oktober 1998 wurde die 1000. Maschine an Tropic Air ausgeliefert.
mini|Cessna 208B Grand Caravan mini|Cessna 208 Amphibian
Die großen Räder der 208 erlauben auch Starts und Landungen auf unbefestigten Pisten. Die um 1,22 Meter verlängerten Versionen 208B Super Cargomaster (Erstflug 1986) und 208B Grand Caravan (Erstflug 1990) bieten einer größeren Menge Fracht bzw. bis zu 14 Passagieren Platz (Caravan: 9 Passagiere). Die Frachtversionen Cargomaster (40 Stück gebaut) und Super Cargomaster (260 Stück gebaut) können 1587 kg (Cargomaster) bzw. 1933 kg (Super Cargomaster) Fracht befördern. (Hinweis: Den Namen der Variante „Cargomaster“ trägt auch ein schweres viermotoriges Transportflugzeug von Douglas; siehe Douglas C-133.) Die Super- und Grandversionen wurden mit dem stärkeren Pratt & Whitney Canada PT6A-114A-Triebwerk ausgerüstet. Das Frachtunternehmen FedEx betreibt in Nord- und Mittelamerika eine Flotte von 309 Flugzeugen dieser Muster (Stand Ende 2008). Ab 1997 ersetzte die 208-675 die Standardversion, welche ebenfalls den stärkeren Antrieb erhielt. Der Hersteller Soloy bietet einen Umbau der 208 mit zwei PT6D-114A-Turbinen an, die zusammen 991 kW Leistung liefern und gemeinsam den Propeller antreiben. Diese um 1,8 m verlängerte Version wird als Pathfinder 21 bezeichnet und hatte 1995 ihren Erstflug. Die Zulassung erhielt sie 1997.
Die Militärversion U-27A (in Brasilien als C-98 bezeichnet) dient bei vielen Luftstreitkräften als Truppentransporter sowie als Ambulanz-, Fracht- und Zubringerflugzeug. Außerdem gibt es eine Variante als Wasserflugzeug (Amphibian). Als AC-208 sind seit Anfang 2009 insgesamt elf Maschinen als Kampfflugzeug in Iraks Luftstreitkräften im Einsatz. Diese sind mit dem beweglichen STAR-Sensorsystem (TV und IR) unter dem Rumpf und teilweise (AC-208B) mit Hellfire-Raketen unter den Flügeln sowie Radarwarnempfängern ausgerüstet.Flug Revue März 2010, S. 53, Bewaffnete Caravan Drei AC-208B werden bei der 6th Special Operations Squadron der USAF unter der Bezeichnung Combat Caravan eingesetzt.News Military. In: AIR International April 2021, S. 11 mini|Jüngste Version: Grand Caravan EX mit Belly-Pod
Am 28. Mai 2020 startete die eCaravan zum Erstflug. Dabei handelt es sich um eine Caravan, die mit einem elektrischen magni500-Motor von Magnix mit 750 PS (560 kW) Leistung ausgerüstet ist. Die eCaravan ist zurzeit das größte vollelektrisch fliegende Flugzeug der Welt.
Militärische Nutzer mini|Eine Cessna 208B Grand Caravan der Irakischen Luftwaffe über Irak auf einem Trainingsflug mini|Caravan I der South African Air Force mit Belly-Pod
Zwischenfälle Vom Erstflug 1982 bis Oktober 2025 kam es mit Cessna 208 zu 216 Totalschäden von Flugzeugen. Dabei kamen insgesamt 564 Menschen ums Leben.Unfallstatistik Cessna 208, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 5. Januar 2025. Beispiele:
Am 29. September 1985 kam es an einer mit Fallschirmspringern vollbesetzten US-amerikanischen Cessna 208 (Luftfahrzeugkennzeichen N551CC) kurz nach dem Start bei Jenkinsburg, Georgia zu einem Triebwerksausfall. Die Maschine stürzte aus einer Höhe von 300 Fuß trudelnd zu Boden. Alle 17 Insassen kamen dabei ums Leben. Bei der Unfalluntersuchung wurden erhebliche Mengen an Wasser im Treibstoff gefunden, was auf eine unsachgemäße Lagerung der Kraftstoffbehälter zurückgeführt wurde, aus denen die Maschine betankt wurde. Außerdem wurde ein Überschreiten des maximalen Startgewichts und eine falsche Gewichtsverteilung in der Maschine festgestellt. Beim Stand vom Mai 2023 handelt es sich um den schwersten Zwischenfall mit einer Cessna 208 (siehe auch Flugunfall bei Jenkinsburg).Unfallbericht Cessna 208 N551CC, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 30. April 2020.
Am 4. März 1997 verunglückte eine in Hamilton gestartete Cessna 208B Super Cargomaster der kanadischen Air Georgian (C-FESJ) während des Anflugs auf den Flughafen Barrie-Orillia Lake Simcoe (Ontario). Der Pilot, einziger Insasse auf dem Frachtflug, kam ums Leben. Das Flugzeug konnte repariert werden.Unfallbericht Cessna 208B C-FESJ, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 30. April 2020.
Am 18. Januar 1999 verunglückte eine Cessna 208A Caravan I der nepalesischen Necon Air (9N-ADA) unterwegs nach Nepalganj. Nach dem Start vom Flughafen Jumla kam es in rund 140 Metern Höhe zu einem Strömungsabriss, da die Piloten entgegen der Checkliste mit voll ausgefahrenen Landeklappen starteten. Die Cessna stürzte ab und fing Feuer, welches der Flughafentower nicht löschen konnte, weil dessen einziger Feuerlöscher noch original verpackt war. Von den 12 Insassen starben 4 Passagiere und einer der beiden Piloten (siehe auch Flugunfall einer Cessna 208 der Necon Air).
Am 10. Oktober 2001 verunglückte eine Cessna 208 der US-amerikanischen PenAir (N9530F), unterwegs von Dillingham (Alaska) nach King Salmon, kurz nach dem Start wegen Vereisung. Alle zehn Personen an Bord des Flugzeuges starben (siehe auch PenAir-Flug 350).Unfallbericht Cessna 208 N9530F, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 17. März 2020.
Am 11. September 2003 stürzte eine Cessna 208B Grand Caravan der kanadischen Wasaya Airways (C-FKAB) beim Landeanflug auf den Flugplatz von Summer Beaver (Ontario) ab. Zeugen beobachteten, wie das Flugzeug während des nächtlichen Landeanflugs plötzlich senkrecht in den Boden flog. Alle acht Insassen starben.
Am 17. Januar 2004 stürzte eine Cessna 208B Grand Caravan der kanadischen Georgian Express (C-FAGA) kurz nach dem Start von der Insel Pelee zu einem Flug nach Windsor auf die vereiste Oberfläche des Eriesees. Unfallursachen waren vereiste Tragflächen und eine Überladung um 576 kg (15 Prozent). Nach dem Einfahren der Auftriebshilfen kam es daraufhin zum Strömungsabriss. Bei dem Unfall wurden alle zehn Personen an Bord getötet (siehe auch Georgian-Express-Flug 126).Unfallbericht Cessna 208B C-FAGA, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 30. April 2020.
Am 5. Juli 2007 stürzte eine US-amerikanische Cessna 208B Grand Caravan (N208EC) beim Anflug auf den Flugplatz Connemara (Irland) aufgrund rauer Wetterbedingungen ab, wobei zwei Menschen getötet und sieben verletzt wurden. Das Charterflugzeug kehrte von einem Tagesausflug nach Inis Meáin zurück.
Am 7. Oktober 2007 stürzte eine mit neun Fallschirmspringern und einem Piloten besetzte Cessna 208B Grand Caravan (N430A) auf dem Flug von Star (Idaho) zum Shelton-Sanderson Field (Bundesstaat Washington) in der unbesiedelten Wildnis ab. Der Pilot, der nur eine Lizenz für Sichtflüge besaß, war in eine Zone mit schwierigen Wetterverhältnissen eingeflogen, welche einen Instrumentenflug erfordert hätten. Aufgrund des Fluges in großer Höhe mit der Maschine ohne Druckkabine und ohne Sauerstoffgeräte an Bord habe er vermutlich einen Sauerstoffmangel erlitten und beim Flug von Ausweichmanövern um die Schlechtwetterfront aufgrund einer partiellen Handlungsunfähigkeit die Fluggeschwindigkeit nicht beachtet, woraufhin es zum Strömungsabriss kam. Alle zehn Insassen der Maschine starben (siehe auch Flugunfall der Kapowsin Air Sports 2007).
Am 4. Oktober 2011 wurde eine Cessna 208B Grand Caravan der kanadischen Air Tindi (C-GATV) nahe dem Großen Sklavensee in ansteigendes Gelände geflogen. Das Flugzeug befand sich auf dem Weg von Yellowknife nach Łutselk'e (Nordwest-Territorien) und wurde unter Sichtflugregeln geflogen. Aufgrund einer niedrigen Wolkendecke befand sich die Maschine während des gesamten Fluges nicht über einer Höhe von 200 Metern. Unfallursachen waren ein Controlled flight into terrain (CFIT) und Cannabinoide im Blut des Kapitäns. Von den vier Insassen kamen zwei ums Leben, der Kapitän und einer der Passagiere (siehe auch Air-Tindi-Flug 200).
Am 12. August 2015 versuchte der Pilot eines Frachtflugzeugs des Typs Cessna 208B Grand Caravan der US-amerikanischen Mountain Air Cargo (Luftfahrzeugkennzeichen N924FE), dessen Maschine auf seinem Flug von San Juan nach St. Kitts und Nevis aufgrund von Motorproblemen stark an Flughöhe verlor, den Flughafen Saba für eine Notlandung anzufliegen. Als er sich der Insel von Süden näherte, erkannte er, dass eine Landung nicht mehr möglich war und notwasserte daraufhin seine Maschine ca. 900 Meter vor der Küste Sabas. Der Pilot konnte das Cockpit verlassen und wurde gerettet, seine Maschine versank in dem dort ca. 460 Meter tiefen Meeresabschnitt.Unfallbericht Cessna 208 N924FE, Aviation Safety Network WikiBase (englisch), abgerufen am 16. Januar 2026.
Am 11. Dezember 2015 stürzte eine Cessna 208B Grand Caravan der kanadischen Wasaya Airways (C-FKDL) ab. Das Flugzeug befand sich auf dem Weg von Pickle Lake nach Wapekeka (beides Ontario), als die Maschine mit Bäumen kollidierte und abstürzte. Als Absturzursache wurden unter anderem schlechte Wetterbedingungen genannt, diese führten zur Vereisung des Flugzeugs. Der einzige Insasse dieses Frachtfluges kam ums Leben.
mini|Wrack der im Februar 2025 verunglückten Cessna 208 der Bering Air Am 31. Dezember 2017 wurde eine Cessna 208B Grand Caravan der costa-ricanischen Nature Air (TI-BEI) in einer bergigen Gegend nahe der Küstenstadt Punta Islita (Costa Rica) in einen Hügel geflogen und brannte aus. Alle 12 Insassen, darunter 10 ausländische Touristen kamen ums Leben (siehe auch Nature-Air-Flug 9916).Unfallbericht Cessna 208B TI-BEI, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 11. Januar 2018.Zwölf Tote bei Absturz von Kleinflugzeug in Costa Rica ofr.at, 31. Dezember 2017, abgerufen am 1. Januar 2018.
Am 11. September 2019 stürzte eine Cessna 208 Caravan I (D-FIDI), betrieben von der Firma GoJump, in der Nähe von Zehdenick in Brandenburg aus bisher ungeklärter Ursache während des Landeanfluges auf ein Feld. Das Flugzeug war von dem in der Nähe befindlichen Flugplatz Gransee gestartet, der als Basis für kommerzielle Fallschirmsprünge dient. Auf dem Flug befanden sich 14 Fallschirmspringer und der Pilot in der Maschine; die Sportler hatten das Flugzeug vor dem Absturz planmäßig verlassen, der Pilot starb. Nach den amtlichen Untersuchungsergebnissen flog der Pilot im Landeanflug ohne erkennbare Veranlassung wenige Meter über Grund mit hoher Geschwindigkeit enge Kurven und berührte dabei mit einer Tragfläche den Boden.Unfallbericht Cessna 208 D-FIDI, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 19. September 2019.Unfallbericht Cessna 208 D-FIDI, Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung, abgerufen am 18. März 2023.
Am 26. Februar 2022 stürzte eine Cessna 208B Grand Caravan der AB Aviation (5H-MZA) vor der Insel Mohéli (Komoren) ins Meer. Die Maschine war ursprünglich auf dem Weg vom Prince Said Ibrahim International Airport zum Flughafen Mohéli Bandar Es Eslam. Von den 14 Personen an Bord überlebte niemand. Aviation Safety Network
Am 23. Juni 2023 verunglückte eine Cessna 208 Caravan 675 der indonesischen Regionalfluggesellschaft SAM Air (PK-SMW) kurz nach dem Start vom Flughafen Elelim (Indonesien) in einem abgelegenem und bewaldetem Gebiet und fing Feuer. Alle 4 Passagiere und 2 Besatzungsmitglieder kamen bei dem Unfall ums Leben. Aviation Safety Network
Am 29. Oktober 2023 stürzte eine Cessna 208B Caravan der brasilianischen Regionalfluggesellschaft ART Táxi Aéreo (Luftfahrzeugkennzeichen PT-MEE), welche auf dem Weg vom Flughafen Rio Branco zum Flugplatz Envira war, kurz nach dem Start vom Flughafen Rio Branco ab. Von den 12 Personen an Bord überlebte niemand den Unfall (siehe auch Flugunfall bei Rio Branco 2023). Aviation Safety Network