Der Landkreis Börde ist ein Landkreis im Land Sachsen-Anhalt in Deutschland.

Geografie Der flächenmäßig zweitgrößte Landkreis Sachsen-Anhalts ist landschaftlich vielfältig gegliedert. Die landwirtschaftlich sehr ertragreiche Magdeburger Börde deckt den gesamten Süden ab. Den Gegenpol im Norden bildet ein Teil der Colbitz-Letzlinger Heide, auf deren Sandboden neben Kiefernwäldern der größte geschlossene Lindenwald Europas (ca. 220 ha) steht. Ihr schließt sich westlich, getrennt durch den Mittellandkanal, das Landschaftsschutzgebiet Flechtinger Höhenzug an, das ebenfalls von Wald bewachsen ist, aber Erhebungen bis zu 150 Meter aufweist. Die höchste Erhebung des Landkreises ist der mit 211,1 Metern bei Sommerschenburg gelegene Heidberg.

Von zahlreichen künstlich angelegten Entwässerungsgräben zieht sich im Nordwesten das Niederungsmoor Drömling hin. Es wird von Flüssen entwässert, die den Landkreis von Süden nach Norden (Aller) und von Norden nach Süden (Ohre) durchfließen, während die Bode den Süden berührt. Der bedeutendste Fluss ist die Elbe, die im Osten die Kreisgrenze bildet.

Nachbarkreise Der Landkreis liegt im Westen Sachsen-Anhalts und grenzt im Norden an den Altmarkkreis Salzwedel und den Landkreis Stendal, im Osten an Magdeburg und den Landkreis Jerichower Land, im Süden an den Salzlandkreis und den Landkreis Harz, im Westen an die niedersächsischen Landkreise Helmstedt und Gifhorn.

Geschichte mini|Schloss und Garten Schloss Hundisburg Die historischen Wurzeln des Landkreises sind vielgestaltig und reichen bis in das Mittelalter zurück. Den flächenmäßig größten Anteil hatte das 968 entstandene Erzbistum Magdeburg, dessen Einflussbereich den östlichen und nördlichen Teil des heutigen Kreisgebietes abdeckte und zu dem die Städte Wanzleben, Wolmirstedt und Haldensleben, aber auch ganz im Westen Oebisfelde gehörten. Das noch ältere, im 9. Jahrhundert gegründete Bistum Halberstadt beherrschte den Südwesten, unter anderem mit den Ortschaften Gröningen, Oschersleben und Weferlingen. Mit einer schmalen Landzunge, die von Norden her bis Flechtingen reichte, war auch die zum Kurfürstentum Brandenburg gehörende Altmark am heutigen Kreisgebiet beteiligt.

Während die Gebiete der Bistümer nach dem Dreißigjährigen Krieg ebenfalls unter die Herrschaft Brandenburgs kamen, überlebte die nördlich gelegene braunschweigische Exklave Calvörde als Amt Calvörde mit ihren zehn Gemeinden bis 1945. Sie war seit 1343 Teil der braunschweigischen Herzogtümer, die 1918 zum Freistaat Braunschweig umgebildet wurden. Zuletzt gehörte die Exklave zum Landkreis Helmstedt. Ebenso gehörten die Gebiete des Amtes Großalsleben (Großalsleben, Kleinalsleben und Alikendorf) seit 961 zum Gebiet des reichsunmittelbaren Stifts Gernrode. Während der Reformation erklärten sich die Herren von Anhalt zu Schutzvögten des Stifts und verleibten das Gebiet in ihr Herrschaftsgebiet ein. Damit wurde das Amt Großalsleben Teil des Herzogtums Anhalt und später des Freistaates Anhalt und blieb bis 1949 eine anhaltische Exklave umschlossen von preußischem Gebiet. Das Gebiet um Großalsleben gehörte bis 1949 zum Kreis Ballenstedt und wechselte erst in jenem Jahr in den Kreis Oschersleben.

mini|hochkant|Willkommensschild Landkreis Börde Verwaltungsgeschichte

Das brandenburgische Gebiet wurde zunächst dem Holzkreis, einem der vier Kreise des 1680 gegründeten Herzogtums Magdeburg, zugeordnet. Als Preußen 1815 eine Verwaltungsreform durchführte, wurden auf dem Gebiet des heutigen Landkreises die Kreise Oschersleben (Bode), Neuhaldensleben (1938 Haldensleben), Wolmirstedt und Wanzleben eingerichtet. Diese Struktur hatte – bei u. a. 1952 und 1988 veränderten Kreisgebieten – mit den Landkreisen Oschersleben, Haldensleben, Wolmirstedt und Wanzleben im Grundsatz bis zum 30. Juni 1994 Bestand, ehe mit der 1. Kreisgebietsreform Sachsen-Anhalts im Norden der Ohrekreis und im Süden der Bördekreis gebildet wurden. Dabei wurden auch Gemeinden aus den jeweils benachbarten Kreisen Klötze und Staßfurt eingegliedert. Nach nur dreizehn Jahren wurden diese beiden Kreise am 1. Juli 2007 zum Landkreis Börde zusammengelegt.

Bevölkerung Jahr Einwohner 2007 185.457 2010 178.880 2015 173.473 2020 170.567 2021 170.106 2022 168.952 2023 168.593 2024 167.924

Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres

Mit 71 Einwohnern je km² liegt der Landkreis Börde deutlich unter dem Durchschnitt des Landes Sachsen-Anhalt mit 104 Einwohnern je km² (Stand: 2024). Die Kreisstadt Haldensleben hat weniger als 20.000 Einwohner, dagegen gibt es im Bördegebiet zahlreiche Orte mit mehr als 1.000 Einwohnern. In der Bevölkerungsdichte gibt es ein deutliches Gefälle von Osten nach Westen. Nach der deutschen Wiedervereinigung bildete sich im Osten des Kreisgebietes (z. B. in Barleben und Hohe Börde) ein kleiner Speckgürtel um die Landeshauptstadt heraus, wodurch dort die Einwohnerzahl, entgegen dem Trend in Ostdeutschland, im Vergleich zu 1990 höher ist.

Politik Kreisverwaltung Der Hauptstandort der Kreisverwaltung befindet sich in der Bornsche Straße 2 in Haldensleben. Ein weiterer Standort ist in der Triftstraße 9–10 in Oschersleben. Zudem gibt es drei weitere Außenstellen im Kreisgebiet.

Kreistag

Ergebnisse der Kreistagswahlen Parteien und Wählergemeinschaften Prozent2024 Sitze2024 Prozent2019 Sitze2019 Prozent2014 Sitze2014 Prozent2007 Prozent2004 Prozent1999 CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands30,91728,91639,12139,242,540,8 AfDAlternative für Deutschland28,11516,290,5---- SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands12,9715,7821,91225,421,131,1 UWG Unabhängige Wählergemeinschaft Landkreis Börde10,869,75 - - - - - LINKE Die Linke6,4312,5717,61016,717,313,6 FDP Freie Demokratische Partei3,026,747,848,99,25,9 GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen2,826,434,123,43,32,4 KWG-Börde Kommunale Wählergemeinschaft Börde1,711,21—————ZBZukunft Börde1,61———————HDLBürgerbewegung HDL0,80——————— BfB Bürger für Bürger Landkreis Börde0,601,110,8———— FUWG Freie Unabhängige Wählergemeinschaft Landkreis Börde——1,0—6,546,05,04,5 A.U.F. Aktiv-Unabhängige Fraktion Landkreis Börde——0,7—————— PIRATENPiratenpartei Deutschland————1,01——— WASG Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit——————0,2—— EBEinzelbewerber0,50——0,9 —0,20,60,1 Sonstige Sonstige———————0,91,6Gesamt100541005410054100100100Wahlbeteiligung62,0 %52,8 %43,0 %37,8 %43,9 %52,0 % Ergebnis der Kreistagswahl 2014 Ergebnis der Kreistagswahl 2007 EB: Einzelbewerber 2014: Dietmar Hobohm; 2007: Baron Bodo von Schilling; 2004: Baron Bodo von Schilling (0,2 %), Rest k. A.; 1999: k. A. Die Ergebnisse von 1999 und 2004 wurden auf den Gebietsstand von 2007 umgerechnet.

Im Laufe der Legislaturperiode 2007–2014 wechselte ein Mitglied des Kreistags von der SPD zur CDU und eines von der SPD zur FUWG. Vorsitzender des Kreistages war Karl-Heinz Daehre (CDU).

Landrat 2007–2011: Thomas Webel (CDU) 2011–2018: Hans Walker (CDU) seit 2018: Martin Stichnoth (CDU)

Webel wurde am 22. April 2007 mit 50,1 % der gültigen Wählerstimmen zum ersten Landrat des damals neuen Landkreises gewählt. Er war zuvor bereits Landrat in den ehemaligen Landkreisen Wolmirstedt (1990–1994) und Ohrekreis (1994–2007). 2011 wurde er zum Minister für Landesentwicklung und Verkehr im Kabinett Haseloff I ernannt.

Walker wurde in der Landratsstichwahl am 7. August 2011 mit 58,8 % der gültigen Stimmen zu seinem Nachfolger gewählt. Für die Wahl 2018 nominierte seine Partei ihn nicht mehr als Kandidat.

Stichroth wurde in der Stichwahl am 8. April 2018 mit 70,9 % der gültigen Stimmen zum neuen Landrat gewählt. Er wurde bei der Landratswahl am 16. März 2025 mit 62,4 % der gültigen Stimmen in seinem Amt bestätigt.Ergebnis der Landratswahl am 16. März 2025 Seine Amtszeit beträgt sieben Jahre.Kommunalverfassungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt, § 61

Wappen mini|hochkant|„Hornhäuser Reiterstein“

mini|Flagge des Landkreises Börde Die Wappen der Verbandsgemeinden, Städte und Gemeinden des Landkreises findet man in der Liste der Wappen im Landkreis Börde.

Flagge Die Flagge ist rot-weiß-rot (1:4:1) gestreift (Längsform: Streifen senkrecht verlaufend; Querform: Streifen waagerecht verlaufend) und mittig mit dem Landkreiswappen belegt.

Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft Die industriellen Schwerpunkte liegen, beeinflusst von der unmittelbaren Nähe zur Landeshauptstadt Magdeburg, im Osten des Landkreises, wo sich in den Gewerbegebieten bei Barleben über Irxleben, Hermsdorf bis Sülzetal leistungsstarke Unternehmen angesiedelt haben (Magdeburger Speckgürtel). Bei Zielitz befindet sich eine große Kaliförderstätte. Das Kaliwerk Zielitz ist der größte Industriebetrieb des Kreises und größtes Kalibergwerk Deutschlands. Im Zuckerdorf Klein Wanzleben hat eine der beiden Zuckerfabriken Sachsen-Anhalts ihren Standort. Die in der Magdeburger Börde ansässigen Landwirtschaftsbetriebe, die hauptsächlich Zuckerrüben und Weizen anbauen, gehören zu den profitabelsten in Deutschland. Zu den größten Arbeitgebern im industriell unterentwickelten Norden gehört die Bundeswehr, die in der Colbitz-Letzlinger Heide den Truppenübungsplatz Altmark betreibt. Zunehmend an Bedeutung gewinnen auch die Windkraftanlagen, mit mehr als 310 Aggregaten hält der Landkreis Börde die Spitzenstellung in Sachsen-Anhalt. In dem westlich gelegenen Ort Morsleben befindet sich eins von Deutschlands Atommüll-Zwischenlagern. Nach Westen und Norden hin nimmt die Wirtschaftskraft stark ab. Einwohner im westlichen Teil des Landkreises pendeln häufig nach Niedersachsen, unter anderem in das VW-Werk Wolfsburg.

Im Zukunftsatlas 2016 belegte der Landkreis Börde Platz 344 von 402 Landkreisen und kreisfreien Städten in Deutschland und zählt damit zu den Landkreisen mit „Zukunftsrisiken“. Im Zukunftsatlas 2019 wurde der Landkreis Börde auf Rang 325 gelistet und gilt nun als Region mit „leichten Zukunftsrisiken“. Der Landkreis hat seit Jahren eine der niedrigsten Arbeitslosenquoten im Bundesland. Innerhalb Sachsen-Anhalts ist Börde nach den kreisfreien Städten Magdeburg (Rang 290) und Halle (Rang 310) der Landkreis mit der besten Zukunftsbewertung.

Verkehr mini|Mittellandkanal Mit der Autobahn 2 und dem Mittellandkanal durchqueren zwei wichtige deutsche Verkehrswege den Landkreis. Auch die Autobahn 14, die nach Leipzig führt, berührt fast das gesamte östliche Kreisgebiet. Im Straßenpersonennahverkehr (ÖSPV) ist die BördeBus Verkehrsgesellschaft unterwegs. Die wichtigsten Bahnstrecken sind die Verbindungen Magdeburg–Braunschweig, Magdeburg–Stendal, Magdeburg–Halberstadt und Magdeburg–Wolfsburg.

Radfernrouten: EV13 Iron Curtain Trail D10 Elberadweg

Gemeinden

Einheitsgemeinden(Städte sind fett hervorgehoben)(* Sitz des Landkreises) Wappen Gemeinde Einwohner () Flächein km²regionalstatistik.de Regionaldatenbank des Bundesamtes für Statistik (Stand: 31. Dezember 2016) 40px|zentriert Barleben 40px|zentriert Haldensleben * 40px|zentriert Hohe Börde 40px|zentriert Niedere Börde 40px|zentriert Oebisfelde-Weferlingen 40px|zentriert Oschersleben (Bode) 40px|zentriert Sülzetal 40px|zentriert Wanzleben-Börde 40px|zentriert Wolmirstedt Verbandsgemeinden mit ihren Mitgliedsgemeinden(* Sitz der Verbandsgemeinde) + Verbandsgemeinde Elbe-Heide Wappen Mitgliedsgemeinde Einwohner () Flächein km² 40px|zentriert Angern 40px|zentriert Burgstall 40px|zentriert Colbitz 40px|zentriert Loitsche-Heinrichsberg 40px|zentriert Rogätz * 40px|zentriert Westheide 40px|zentriert Zielitz + Verbandsgemeinde Flechtingen Wappen Mitgliedsgemeinde Einwohner () Flächein km² 40px|zentriert Altenhausen 40px|zentriert Beendorf 40px|zentriert Bülstringen 40px|zentriert Calvörde 40px|zentriert Erxleben 40px|zentriert Flechtingen * 40px|zentriert Ingersleben + Verbandsgemeinde Obere Aller Wappen Mitgliedsgemeinde Einwohner () Flächein km² 40px|zentriert Eilsleben * 40px|zentriert Harbke 40px|zentriert Hötensleben 40px|zentriert Sommersdorf 40px|zentriert Ummendorf 40px|zentriert Völpke 40px|zentriert Wefensleben