Nachfolgende Liste der hellsten Sterne führt die von der Erde aus freiäugig zu sehenden 100 hellsten Sterne nach ihrer scheinbaren Helligkeit auf. Von der gesamten elektromagnetischen Strahlung werden dabei nur die Anteile des sichtbaren Lichts berücksichtigt.Die scheinbare Helligkeit macht nur einen Teil der bolometrischen Gesamthelligkeit aus, zu der die über das gesamte elektromagnetische Spektrum emittierte Strahlung beiträgt. Für die Rangangabe wurde bei veränderlichen Sternen der Durchschnittswert der scheinbaren Helligkeit, bei freiäugig nicht trennbaren Komponenten von Doppel- oder Mehrfachsternen die kombinierte visuelle Helligkeit herangezogen.
Zum Vergleich sind neben der Sonne auch sehr helle Himmelsobjekte wie der Mond der Erde und einige Planeten des Sonnensystems angeführt.
Sichtbarkeit Deklination
Aufgrund der Erdrotation folgen Sterne scheinbar einer kreisförmigen Bahn um zwei fixe Punkte, die Himmelspole, die der Verlängerung der Erdachse entsprechen. Ob ein Stern überhaupt beobachtbar ist, hängt von der geographischen Breite am Ort des Beobachters ab und von der Deklination, des Sterns, die im Koordinatensystem des Sternenhimmels dem Breitengrad entspricht.
Von der Stadt Mainz aus gesehen, die auf dem Breitengrad 50° N liegt, befindet sich der Himmelsnordpol (Deklination +90°) in nördlicher Richtung, 50° über dem Horizont, also 40° vom Zenit entfernt. Knapp daneben befindet sich der Polarstern mit Deklination +89,3°. Sterne mit Deklination zwischen +90° und +40° sind nicht weiter als 50° vom Himmelsnordpol entfernt und daher zirkumpolar, d. h. sie befinden sich immer oberhalb des Horizonts. Sie stehen auf ihrer Bahn am niedrigsten, wenn sie sich im Norden unterhalb des Polarsterns befinden, und am höchsten, wenn sie 12 Stunden später gegenüber stehen. Sterne mit Deklination zwischen +90° und +50° bewegen sich dabei ausschließlich in der nördlichen Himmelshälfte, während Sterne zwischen +50° und +40° am höchsten Punkt ihrer Bahn (Meridiandurchgang) in die südliche Himmelhälfte wechseln. Beispielsweise steht Capella im Sternbild Fuhrmann mit Deklination +46° am tiefsten Punkt ihrer Bahn 6° über dem Horizont im Norden und 12 Stunden später 4° vom Zenit entfernt, also 86° über dem Horizont, in südlicher Richtung. Alle diese Gradangaben gelten für das Beispiel Mainz. In Flensburg (55° N) sinkt Capella nie tiefer als 11° über dem Horizont und ragt am höchsten Punkt bis 9° in den Südhimmel; in Bozen oder Klagenfurt (je 46½° N) sinkt sie bis auf 2½° und kommt fast nicht (nur ½°) über den Zenit hinaus.
Der Himmelssüdpol (Deklination −90°) ist nur von der Südhalbkugel aus zugänglich. Sterne mit Deklination zwischen −40° und −90° sind von Mainz aus nie zu sehen. Fomalhaut mit Deklination −30° erscheint kurzzeitig im Süden, maximal 10° über dem Horizont. Mintaka liegt mit 0° auf dem Himmelsäquator, geht genau im Osten auf, erreicht im Süden eine Höhe von 40° über dem Horizont und geht im Westen unter.
Rektaszension Die Rektaszension gibt nun an, um wie viele Stunden dieser Stand vom Mittagsstand der Sonne bei Frühlingsanfang abweicht. Ein Stern mit einer Rektaszension von 0 h und einer Deklination von 0° stünde z. B. am Frühlingsanfang exakt mit der Sonne mittags um 40° (Klagenfurt: 43,4°; Flensburg: 35°) über dem Horizont. Allerdings wäre er genau zu diesem Zeitpunkt für uns unsichtbar, da er von der Sonne überstrahlt würde. Am besten sichtbar wäre er exakt ein halbes Jahr später, bei Herbstanfang, um Mitternacht.
Ein Stern, der wiederum eine Rektaszension von 2 Stunden aufwiese, wäre relativ dazu um 2/24 = 1/12 gedreht. Ein Zwölftel Jahr, also einen Monat, nach Frühlingsanfang stünde er mit der Sonne im Süden und stünde 6 Monate danach, also um den 21. Oktober, um Mitternacht im Süden.
Die mitteleuropäische Normalzeit (umgangssprachlich häufig Winterzeit) richtet sich nach der tatsächlichen Zeit am 15. östlichen Längengrad, an dem Görlitz im äußersten Osten Deutschlands liegt. Dort ist während der Normalzeit tatsächlich Mittag um 12 und Mitternacht um 0 Uhr, im Sommer während der Sommerzeit entsprechend eine Stunde später. In Aachen, am 6. Längengrad, verschiebt sich diese Uhrzeit um die 36 Minuten nach hinten, da die Sonne dort später im Süden steht. Auch in Bern oder Basel (knapp bzw. gut 7,5°) ist die Sonne erst eine halbe Stunde später als in Görlitz, während sie im Osten Wiens (16,5°) noch einmal 6 Minuten früher gewesen war.
Für den fiktiven Stern mit Rektaszension 0 h und Deklination 0° hieße das, dass er um den Herbstanfang, an dem ja noch die Sommerzeit gilt, um 0:54 Uhr am Wiener und um 1:36 Uhr am Aachener Nachthimmel im Süden stünde, und zwar exakt so hoch wie die Sonne am vorhergehenden und folgenden Mittag.
Beispielrechnung Sirius, der hellste Stern am irdischen Himmel, hat eine Deklination von rund −17° und eine Rektaszension von 06 h 45 m. Er steht von Mainz (50° N) aus gesehen also maximal über dem Horizont und steht 3 Monate und etwa 11 Tage nach Frühlingsanfang, also Anfang Juli, mit der Sonne im Süden, wodurch er unsichtbar ist. In Mainz wird er deshalb Anfang Januar um Mitternacht, bei 8,3° östlicher Länge ist das bei Normalzeit um 0 Uhr 27, im Süden stehen.
Aldebaran, der hellste Stern im Stier, hat aufgrund einer Deklination von +16,5° seine Südstellung bei 56,5° und steht aufgrund einer Rektaszension von 04 h 36 m dort mit der Sonne etwa 2 Monate und 9 Tage später, also Anfang Juni. Dass dieses nicht ins Tierkreiszeichen Stier fällt, sondern ins darauffolgende der Zwillinge, liegt an der Präzession der Erdachse (Wanderung des Frühlingspunktes) – seit 1700 bis 3000 Jahren hat sich das Sternbild um rund einen Monat verschoben. Anfang Dezember steht Aldebaran um Mitternacht im Süden.
Liste In der Liste sind zum Vergleich, grün hinterlegt und ohne Rang, die Sonne, der Mond und die hellsten Planeten mit aufgeführt.
In Mitteleuropa (50° N; entspricht etwa der Mündung des Mains in den Rhein bei Mainz) sind die 28 der hellsten Sterne, deren Deklination unterhalb von –40° liegt, nie sichtbar; deren Zeilen sind abgedunkelt dargestellt. Im äußersten Süden Österreichs (Klagenfurt: 46,6° N) und der deutschsprachigen Schweiz wären dies nur 23, im äußersten Norden Deutschlands (55° N; Flensburg) 31.
Umgekehrt stehen in Mitteleuropa die 20 der hellsten Sterne immer über dem Horizont, deren Deklination über +40° liegt; deren Zeilen sind aufgehellt dargestellt. In Klagenfurt würde sich diese Zahl auf 17 verringern, in Flensburg würde sie sich auf 22 erhöhen. Von den nur im Norden nie untergehenden Sternen steht die Wega, der fünfthellste Stern und in Mitteleuropa sogar der dritthellste, bereits ab einer Linie Düsseldorf–Leipzig durchgehend am Sternenhimmel. Da ein sehr großer Anteil der deutschen Bevölkerung (Ruhrgebiet, Berlin, Hamburg) nördlich dieser Linie lebt, wurde sie mit aufgehellt. Sie ist auch weiter südlich zumindest noch in jeder sternklaren Nacht deutlich zu sehen, wenngleich nicht immer die ganze Nacht hindurch.
Zu beachten ist, dass die fünf hier abgedunkelten Sterne, die von Klagenfurt aus theoretisch noch sichtbar sind, dies dort nur für einen sehr kurzen Zeitraum im Jahr und nur unmittelbar über dem Horizont sind, weshalb sie, eines verlängerten Lichtweges durch die Atmosphäre wegen, deutlich dunkler erscheinen als es der tabellarische Wert besagt.
Legende:
var … Wert variiert
Rang Scheinb. Helligkeit Abs. Helligkeit Bezeichnung Eigenname Entfernung (Lj) Deklination Rektaszension −26,73 4,83 Sonne 0,000016 −23,44° bis +23,44° var −12,7 var Mond 0,00000004 −28,6° bis +28,6° var −5,0 var Venus 0,000004 bis –0,000028 var var −2,94 var Jupiter 0,000062 bis –0,000102 var var −2,94 var Mars 0,000006 bis –0,000042 var var −2,56 var Merkur 0,000008 bis –0,000023 var var 1 −1,46 1,43 α CMa Sirius 8,6 2 −0,73 −5,64 α Car Canopus 312 −0,55 var Saturn 0,000126 bis –0,000175 var var 3 −0,27 4,13 α Cen AB Alpha Centauri 4,4 4 −0,05 var −0,31 α Boo Arktur 37 5 0,03 0,58 α Lyr Wega 25,3 6 0,08 −0,49 α Aur Capella 42 7 0,18 −6,72 β Ori Rigel 770 8 0,36 2,64 α CMi Prokyon 11,4 9 0,42 var −5,04 α Ori Beteigeuze 640 10 0,50 −2,77 α Eri Achernar 145 11 0,61 −5,42 β Cen Hadar / Agena 525 12 0,76 2,21 α Aql Altair 16,7 13 0,77 −4,17 α Cru Acrux 320 14 0,87 var −0,64 α Tau Aldebaran 65 15 0,98 −3,56 α Vir Spica 262 16 1,06 var −5,39 α Sco Antares 604 17 1,16 1,07 β Gem Pollux 33 18 1,17 1,72 α PsA Fomalhaut 25,1 19 1,25 −3,91 β Cru Becrux 352 20 1,25 −8,47 α Cyg Deneb 1550 21 1,36 −0,52 α Leo Regulus 78 22 1,50 −4,1 ε CMa Adhara 430 23 1,58 0,59 α Gem Castor 52 24 1,59 −0,52 γ Cru Gacrux 88 25 1,62 −5,05 λ Sco Shaula 700 26 1,64 −2,72 γ Ori Bellatrix 243 27 1,65 −1,36 β Tau Elnath 131 28 1,67 −0,99 β Car Miaplacidus 113 29 1,69 −6,38 ε Ori Alnilam 1340 30 1,73 −0,72 α Gru Al Na'ir 101 31 1,74 −5,25 ζ Ori Alnitak 820 32 1,75 −5,25 γ Vel Gamma Velorum 840 33 1,76 −0,2 ε UMa Alioth 81 34 1,79 −4,49 α Per Mirfak 592 35 1,79 −1,39 ε Sgr Kaus Australis 143 36 1,81 −1,09 α UMa Dubhe 124 37 1,83 −6,87 δ CMa Wezen 1800 38 1,85 −0,59 η UMa Alkaid / Benetnasch 100 39 1,86 −4,57 ε Car Avior 630 40 1,86 −2,75 θ Sco Sargas 272 41 1,90 var −0,1 β Aur Menkalinan 82 42 1,91 −3,61 α TrA Atria 415 43 1,93 −0,6 γ Gem Alhena 105 44 1,93 0,01 δ Vel Alsephina 80 45 1,94 −1,82 α Pav Peacock 185 46 1,97 var −3,62 α UMi Polarstern 430 47 1,98 −3,95 β CMa Murzim 500 48 1,99 −1,7 α Hya Alphard 177 49 2,01 0,48 α Ari Hamal 66 50 2,01 −0,93 γ Leo Algieba 125 51 2,04 −0,3 β Cet Diphda / Deneb Kaitos 95 52 2,05 −2,14 σ Sgr Nunki 225 53 2,06 0,7 θ Cen Menkent 61 54 2,07 −0,3 α And Alpheratz 97 55 2,07 −4,65 κ Ori Saiph 720 56 2,07 −1,86 β And Mirach 200 57 2,07 −0,87 β UMi Kochab 126 58 2,07 −1,52 β Gru Tiaki 170 59 2,08 1,3 α Oph Ras Alhague 47 60 2,09 var −0,18 β Per Algol 93 61 2,10 −3,08 γ And Alamach 355 62 2,14 1,92 β Leo Denebola 36 63 2,15 −4 γ Cas Tiansi 550 64 2,20 −0,81 γ Cen Muhlifain 130 65 2,21 −5,95 ζ Pup Naos 1400 66 2,21 −4,42 ι Car Aspidiske / Turais (Tureis) / Scutulum 690 67 2,22 0,42 α CrB Gemma / Alphecca (Alphekka) 75 68 2,23 −3,99 λ Vel Suhail 575 69 2,06 0,33 ζ UMa Mizar 83 70 2,23 −6,12 γ Cyg Sadr 1500 71 2,24 −1,99 α Cas Schedir 230 72 2,24 −1,04 γ Dra Etamin 148 73 2,25 −4,99 δ Ori Mintaka 920 74 2,28 1,17 β Cas Caph 54 75 2,29 −3,02 ε Cen Epsilon Centauri 375 76 2,29 −3,16 δ Sco Dschubba 400 77 2,29 0,78 ε Sco Larawag 64 78 2,30 −3,83 α Lup Alpha Lupi 550 79 2,33 −2,55 η Cen Eta Centauri 310 80 2,34 0,41 β UMa Merak 79 81 2,35 −1,69 ε Boo Izar 210 82 2,38 −4,19 ε Peg Enif 670 83 2,39 −3,38 κ Sco Girtab 465 84 2,40 0,52 α Phe Ankaa 77 85 2,41 0,36 γ UMa Phecda 83 86 2,43 0,37 η Oph Sabik 84 87 2,44 −1,49 β Peg Scheat 200 88 2,45 1,58 α Cep Alderamin 49 89 2,45 −7,51 η CMa Aludra 2000 90 2,47 −3,62 κ Vel Markeb 540 91 2,48 0,76 ε Cyg Aljanah 72 92 2,49 −0,67 α Peg Markab 140 93 2,54 −1,61 α Cet Menkar 220 94 2,54 −3,2 ζ Oph Zeta Ophiuchi 460 95 2,55 −2,81 ζ Cen Zeta Centauri 385 96 2,56 1,32 δ Leo Zosma 58 97 2,56 −3,5 β Sco Akrab 530 98 2,58 −5,4 α Lep Arneb 1300 99 2,58 −2,84 δ Cen Delta Centauri 400 100 2,59 −0,79 γ Crv Gamma Corvi 165
Vergangenheit und Zukunft Aufgrund der Eigenbewegung sowohl der Sonne als auch der anderen Sterne innerhalb der Milchstraße verändern sich ihre Entfernungen zueinander und damit auch die scheinbare Helligkeit, von der Erde aus betrachtet, innerhalb langer Zeiträume. So ist Sirius seit etwa 90.000 Jahren der von der Erde aus (abgesehen von der Sonne) hellste Stern am Himmel. Zuvor hatte mehrfach Canopus diesen Rang inne, während in rund 210.000 Jahren Wega Sirius als hellsten Stern ablösen wird. In den letzten fünf Millionen Jahren gab es zudem einige Sterne, die von der Erde aus deutlich heller erschienen als Sirius heute. So erreichte Adhara (ε Canis Majoris) vor knapp fünf Millionen Jahren eine scheinbare Helligkeit von beinahe −4 mag, vergleichbar dem Planeten Venus.