Die Acker-Minze (Mentha arvensis), auch Korn-Minze und seit dem Mittelalter auch FeldminzeGeorg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, S. 235. genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Minzen (Mentha) innerhalb der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae). Sie ist in den gemäßigten Gebieten der Nordhalbkugel weitverbreitet.

Beschreibung mini|links|Illustration aus Flora Batava …, Band 15 Vegetative Merkmale Bei der Acker-Minze handelt es sich um sommergrüne, ausdauernde krautige Pflanzen mit Wuchshöhen von meist 5 bis 30, selten bis zu 60 Zentimetern. Die Pflanzen können sich durch unterirdische Ausläufer vermehren. Der oft relativ dünne, vierkantige Stängel ist niederliegend, aufsteigend oder aufrecht und verzweigt. Oft sind die Blätter sowie der obere Teil des Stängels weich behaart (Indument).

Die gegenständig am Stängel angeordneten Laubblätter sind deutlich in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Der Blattstiel ist meist relativ kurz. Die einfache Blattspreite ist eiförmig bis elliptisch. Der Blattrand besitzt wenige grobe, nach vorn gerichtete Zähne. Die Behaarung der Blätter kann stark schwanken (Trichome).

Generative Merkmale Unter den Mentha-Arten zeichnet sich die Ackerminze dadurch aus, dass die Scheinquirle, in denen die Blüten angeordnet sind, entfernt voneinander in den Achseln von voll ausgebildeten Laubblättern stehen. Selbst an der Spitze der Stängel stehen die Blütenquirle nicht dicht gedrängt. Die bei den meisten anderen Minzearten vorhandenen Scheinähren gibt es also nicht. Die Stängel enden mehr oder weniger belaubt.

Die zwittrigen Blüten sind zygomorph und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Der 1,5 bis 3 Millimeter lange, glockenförmige Blütenkelch ist mehr oder weniger regelmäßig fünfzähnig. Die etwa 0,8 bis 1,2 Millimeter langen Kelchzähne sind breit dreieckig, ungefähr so breit wie lang und dicht abstehend behaart. Die rosafarbene bis violette Krone ist 4 bis 6 Millimeter lang und innen behaart. Die Blütezeit reicht von Juni bis Oktober. Staubblätter und Griffel sind gerade vorgestreckt und ragen meist weit aus der Krone.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 72.

mini|Acker-Minze (Mentha arvensis) mini|Acker-Minze (Mentha arvensis) Ökologie Bei der Acker-Minze handelt es sich um Geophyten oder Hemikryptophyten. Die Acker-Minze wurzelt bis 40 cm tief und gilt deshalb als Tiefwurzler, sie ist auch ein Vernässungszeiger.

Die Bestäubung erfolgt durch Schwebfliegen und andere Fliegen. Die Ausbreitung der Diasporen erfolgt durch Wasser als Regenschwemmlinge sowie mit dem Ackerboden.

Vorkommen Das weite natürliche Verbreitungsgebiet von Mentha arvensis reicht von Europa bis Sibirien und auch Nepal. In Nordamerika ist sie ein Neophyt. In Europa kommt sie in fast allen Ländern vor und fehlt nur in Portugal, Albanien und im europäischen Teil der Türkei. Sie kommt in Mitteleuropa häufig vor, fehlt aber im Tiefland Mitteleuropas in kleineren Gebieten; sie steigt etwa bis zur Laubwaldgrenze auf. In Graubünden und im Tessin steigt sie bis 1500 Meter auf, in Tirol bis gegen 1700 Meter und in Oberbayern bis 1880 Meter Meereshöhe auf. Auf der Iberischen Halbinsel kommt die Art von 360 bis 1540 Meter Meereshöhe vor.

Die Acker-Minze besiedelt feuchte, nährstoffreiche Standorte wie Gräben, Nassstellen auf Ödland, Sumpfwiesen, sie geht aber im Bergland auch auf feuchte Brachen und Äcker oder in Senken neben Äckern. Sie gedeiht am besten auf feucht-nassen, stickstoffhaltigen, sandig-lehmigen oder humos-tonigen Böden. Sie gedeiht in Mitteleuropa hauptsächlich in Gesellschaften der Klasse Secalietea oder der Ordnung Polygono-Chenopodietalia.

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 3+w+ (feucht aber stark wechselnd), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 2 (sauer), Temperaturzahl T = 3+ (unter-montan und ober-kollin), Nährstoffzahl N = 4 (nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental).

Systematik Die Erstveröffentlichung von Mentha arvensis erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum Band 2 Seite 577.

Von Mentha arvensis gibt es viele Synonyme, hier eine Auswahl: Mentha austriaca , Mentha exigua nom. illeg., Mentha palustris nom. illeg., Mentha agrestis , Mentha agrestris , Mentha praecox , Mentha procumbens , Mentha gentilis nom. illeg., Mentha austriaca nom. illeg., Mentha dubia nom. illeg., Mentha badensis , Mentha angustifolia , Mentha nummularia , Mentha lapponica , Mentha pilosa , Mentha exigua nom. illeg., Mentha arguta , Mentha plicata , Mentha rotundata , Mentha diffusa , Mentha intermedia nom. illeg., Mentha obtusata , Mentha paludosa nom. illeg., Mentha parvifolia , Mentha rothii , Mentha arvensis var. lanceolata , Mentha deflexa , Mentha villosa nom. illeg., Mentha hakka , Mentha atrovirens , Mentha divaricata nom. illeg., Mentha ehrhartiana , Mentha lamiifolia , Mentha latifolia , Mentha laxa , Mentha maculata , Mentha melissifolia , Mentha mosana , Mentha multiflora , Mentha nemorosa nom. illeg., Mentha ocymoides nom. illeg., Mentha origanifolia nom. illeg., Mentha polymorpha , Mentha prostrata , Mentha pulchella , Mentha pumila nom. illeg., Mentha scrophulariifolia , Mentha simplex , Mentha sylvatica , Mentha tenuifolia nom. illeg., Mentha varians , Mentha viridula , Mentha arvensiplicata , Mentha sativa nom. illeg., Mentha lanceolata , Mentha nobilis , Mentha neesiana , Mentha agrestis nom. illeg., Mentha badensis nom. illeg., Mentha densiflora , Mentha graveolens , Mentha praticola , Mentha slichoviensis , Mentha segetalis , Mentha arvensihirsuta , Mentha allionii , Mentha hostii , Mentha nemorum , Mentha parietariifolia , Mentha salebrosa , Mentha palustris var. reflexifolia , Mentha campestris , Mentha flagellifera , Mentha latissima , Mentha ovata , Mentha subinodora , Mentha arvicola , Mentha moenchii , Mentha pilosella , Mentha ruralis , Mentha schreberi , Mentha fontana , Mentha hillebrandtii , Mentha anomala , Mentha minor Opiz ex , Mentha subcordata , Mentha barbata , Mentha bracteolata , Mentha foliicoma , Mentha gintliana , Mentha lata , Mentha odorata nom. illeg., Mentha argutissima , Mentha approximata , Mentha baguetiana , Mentha densifoliata , Mentha distans , Mentha flexuosa , Mentha gentiliformis , Mentha gracilescens , Mentha rigida , Mentha sparsiflora , Mentha tenuicaulis , Mentha uliginosa nom. illeg., Mentha vanhaesendonckii , Mentha verisimilis , Mentha kitaibeliana , Mentha agrestis var. subrotunda , Mentha albae-carolinae , Mentha argutissima var. recedens , Mentha campicola , Mentha florida , Mentha fossicola , Mentha hispidula nom. illeg., Mentha lamprophyllos , Mentha lanceolata nom. illeg., Mentha lanceolata var. sublanata , Mentha lata var. agraria , Mentha longibracteata , Mentha marrubiastrum ., Mentha piersiana , Mentha procumbens var. ehrhartiana , Mentha procumbens var. rigida , Mentha procumbens var. ruralis , Mentha procumbens var. salebrosa , Mentha procumbens var. segetalis , Mentha procumbens var. uliginosa , Mentha pulchella var. approximata , Mentha pulegiformis , Mentha silvicola nom. illeg., Mentha slichoviensis var. campicola , Mentha slichoviensis var. fossicola , Mentha thayana , Mentha arvensis subsp. austriaca , Mentha arvensis var. melanochroa , Mentha arenaria , Mentha argutissima var. subpilosa , Mentha collina , Mentha divergens , Mentha duftschmidii , Mentha fontana var. brevibracteata , Mentha fontana var. conferta , Mentha hostii var. arvina , Mentha jahniana , Mentha moldavica , Mentha multiflora var. serpentina , Mentha plagensis , Mentha praeclara , Mentha ruderalis , Mentha sparsiflora var. paschorum , Mentha subfontanea , Mentha palitzensis , Mentha parvula , Mentha subcollina , Mentha duftschmidii , Mentha parietariifolia var. ginsiensis , Mentha pascuorum Mentha dissitiflora , Mentha alberti , Mentha duffourii , Mentha fochii , Mentha pastoris , Mentha cuneifolia , Mentha fontqueri , Mentha gallica , Mentha joffrei , Mentha mutabilis , Mentha obtusodentata -

Von den früheren Subtaxa wird keines mehr akzeptiert.

Mentha arvensis bildet leicht Hybriden mit anderen Mentha-Arten. Relativ verbreitet ist die so genannte Quirl-Minze (Mentha ×verticillata L.), eine Hybride zwischen Mentha aquatica und Mentha arvensis. Sie liegt in allen Merkmalen zwischen ihren beiden Eltern, ist oft etwas kräftiger und kann diese dann verdrängen.

Inhaltsstoffe Das ätherische Öl der Ackerminze hat mit 70–80 % einen höheren Menthol-Anteil als das der Echten Pfefferminze (42 %). Es wirkt antibakteriell, schmerzstillend, konzentrationsfördernd, krampflösend, kühlend und regt die Durchblutung an.Zimmermann, Eliane. Aromatherapie für Pflege- und Heilberufe. Stuttgart: Sonntag Verlag, 2008. S. 236f

Im Europäischen Arzneibuch wird das ätherische Öl der Ackerminze unter „Minzöl“ geführt, das der Pfefferminze hingegen unter „Pfefferminzöl“.

Quellen Literatur

Einzelnachweise

Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 1. Auflage, unveränderter Textnachdruck Band V, Teil 4. Verlag Carl Hanser, München 1964. S. 2341–2343.

Datenblatt bei Flora Vascular.

Weblinks

Thomas Meyer: Minze Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben)

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