mini|Emil Heinrich du Bois-Reymond prägte den Ausspruch „Ignoramus et ignorabimus“ Ignoramus et ignorabimus (lat. „Wir wissen es nicht und wir werden es niemals wissen“) ist ein stark gekürzter Ausspruch des Physiologen Emil Heinrich Du Bois-Reymond, der als Ausdruck der Skepsis gegenüber den Erklärungsansprüchen der Naturwissenschaften bekannt geworden ist. Das vollständige Zitat lautet:

Du Bois-Reymond formulierte diese Worte erstmals 1872 als Zusammenfassung und Pointe seines Vortrags „Über die Grenzen des Naturerkennens“ auf der Versammlung der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte (GDNÄ) in Leipzig. Darin postulierte er zwei grundsätzliche Grenzen des Naturerkennens: das Wesen von Materie und Kraft und das Verhältnis, in dem Bewusstseinszustände zu ihren materiellen Voraussetzungen stehen.

In seinem 1880 vor der Königlichen Akademie der Wissenschaften zu Berlin gehaltenen Vortrag Die sieben Welträthsel unterschied er weitere Welträtsel, von denen er einige allerdings für grundsätzlich unlösbar hielt. Seine Thesen erregten große Aufmerksamkeit und wurden sehr kontrovers diskutiert. Ernst Haeckels erfolgreichstes Buch Die Welträthsel etwa ist eine Reaktion auf die Thesen du Bois-Reymonds. Die zeitgenössische Kontroverse um diese Position umfasste eine Auseinandersetzung mit dem Leipziger Astronomen Karl Friedrich Zöllner. Dokumentiert ist diese Debatte unter anderem in Zöllners Schrift Über die Natur der Cometen (3. Auflage 1883), in der Briefe du Bois-Reymonds und anderer Gelehrter als Faksimiles abgedruckt sind.Johann Karl Friedrich Zöllner: Über die Natur der Cometen. Beiträge zur Geschichte und Theorie der Erkenntniss, 3. Aufl., Leipzig 1883.

Noch heute gibt es in der Philosophie des Geistes – und besonders in der Qualiadebatte – zahlreiche Reaktionen auf die Ignoramus-et-ignorabimus-Rede, da du Bois-Reymond Bewusstsein für grundsätzlich unerklärlich hielt. Er hatte gefragt:

In neuerer Zeit nahmen etwa Peter Bieri und Hans Flohr zu dieser Haltung Stellung – der erste zustimmend, der zweite ablehnend. Der Göttinger Mathematiker David Hilbert konterte 1930: „Wir müssen wissen. Wir werden wissen.“

Literatur Emil du Bois-Reymond: Über die Grenzen des Naturerkennens. 1872, Nachdruck u. a. in: Emil du Bois-Reymond: Vorträge über Philosophie und Gesellschaft. Meiner, Hamburg 1974. Emil du Bois-Reymond: Die sieben Welträthsel, 1880, Nachdruck u. a. in: Emil du Bois-Reymond: Vorträge über Philosophie und Gesellschaft. Meiner, Hamburg 1974. Kurt Bayertz, Myriam Gerhard, Walter Jaeschke (Hrsg.): Der Ignorabimus-Streit. Bd. 3 Weltanschauung, Philosophie und Naturwissenschaft im 19. Jahrhundert. Meiner, Hamburg 2007, ISBN 978-3-7873-2158-2. Myriam Gerhard: Du Bois-Reymonds Ignorabimus als naturphilosophisches Schibboleth. In: Kurt Bayertz, Myriam Gerhard, Walter Jaeschke (Hrsg.): Der Ignorabimus-Streit. Bd. 3 Weltanschauung, Philosophie und Naturwissenschaft im 19. Jahrhundert. Meiner, Hamburg 2007, ISBN 978-3-7873-2158-2, S. 241–252.

Weblinks Über die Grenzen des Naturerkennens, Leipzig: Veit & Comp. 1872 (Erstauflage) Über die Grenzen des Naturerkennens (Ed. von 1912: Reden von Emil du Bois-Reymond in zwei Bänden. Erster Band. 2. vervollständigte Auflage, edited by Estelle du Bois-Reymond, 441–473. Leipzig: Veit & Comp.) Digitalisat Die sieben Welträtsel Digitalisat

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