mini|Niedriges Südseitenschiff, Turm und Stundenglocke der Klosterkirche mini|Lageplan des Klostergeländes Das Kloster Ebstorf wurde als Kloster St. Mauritius (möglicherweise ein Doppelkloster) der Prämonstratenser gegründet und war ab Ende des 12. Jahrhunderts ein Benediktinerinnenkloster. Es ist eines von mehreren Klöstern, die von der Klosterkammer Hannover verwaltet werden. Es beherbergt ein evangelisches Damenstift und eine landwirtschaftliche Schule. Das Kloster ist durch die berühmte Ebstorfer Weltkarte aus dem 13. Jahrhundert, seine umfangreiche mittelalterliche Ausstattung sowie seine Handschriften-Bibliothek bekannt.

Geschichte mini|Kloster Ebstorf um 1654/1658, Stich von Matthäus Merian Es ist nicht überliefert, wann das Kloster Ebstorf gegründet wurde. Es wurde bisher vermutet, dass Graf Volrad von Dannenberg aus dem Haus der Edelfreien von Bodwede und seine Frau Gerburg die ersten Gründer waren. Daraus schloss man auf das Gründungsdatum „um 1160“. Durch neuere Forschungsergebnisse ist diese Vermutung überholt. In einer klostereigenen Fassung, 1487 von einer Novizin geschrieben, ist überliefert, dass ein „comes Walradus cum Gerburgi coniuge“ (Graf Walrad mit Ehefrau Gerburg) das Kloster zur Zeit des Bischofs Hermann von Verden (1148–1167) gründete. In der Schrift orientierte sie sich dabei an einer älteren Vorlage.Joachim Homeyer: 800 Jahre Kloster Ebstorf - pdf Das Kloster wurde dem hl. Mauritius gewidmet und bildete seinen Konvent aus Regularkanonikern. Es gehört zu den sechs Lüneklöstern, die nach der Reformation evangelische Konvente wurden.

In das Jahr 1197 fällt die erste urkundliche Erwähnung. Ein Ebstorfer Probst wird in einer überlieferten Urkunde aufgeführt.

Nach einem Brand im 12. Jahrhundert kamen Benediktinerinnen aus dem Kloster Walsrode nach Ebstorf, das sich zu einem Marienwallfahrtsort entwickelte. Kloster Ebstorf mit seiner Priorin unterstand der Äbtissin im Mutterkloster Walsrode.Friedrich Winterhager: Lateinunterricht für Nonnen im Kloster Ebstorf um 1490 unter dem Einfluß der Bursfelder Reformbewegung. In: Medizinhistorische Mitteilungen. Zeitschrift für Wissenschaftsgeschichte und Fachprosaforschung. Band 34, 2015 (2016), S. 79–85, hier: S. 79 f. Die Klostergebäude aus dem 14. Jahrhundert, im Stil der norddeutschen Backsteingotik, sind bis heute noch vollständig erhalten, ebenso wie die Hallenkirche mit der Nonnenempore. Die Propstei stammt wie auch das Brauhaus aus dem 15. Jahrhundert. Der Propst von Ebstorf fungierte auch als Archidiakon (Regionaldekan) im zuständigen Bistum Verden.Friedrich Winterhager: Lateinunterricht für Nonnen im Kloster Ebstorf um 1490 unter dem Einfluß der Bursfelder Reformbewegung. 2015 (2016), S. 79 f. Der Anbau von Gerste und Hopfen auf den Klosterländereien ist für 1501 urkundlich belegt.Webseite zu Uelzer Bier

Im 15. Jahrhundert veränderte sich das Leben der Nonnen nach der Bursfelder Kloster-Reform, die ein sittenstrengeres Leben forderte, aber auch mit dem Unterricht in lateinischer SpracheFriedrich Winterhager: Lateinunterricht für Nonnen im Kloster Ebstorf um 1490 unter dem Einfluß der Bursfelder Reformbewegung. 2015 (2016). verbunden war. Zur Durchsetzung eines strengen Ausgehverbotes wurde 1485 bis 1487 eine neue Mauer um das Klostergelände errichtet, hier die letzte mittelalterliche Baumaßnahme.

1529 wandelte der Celler Welfenherzog Ernst der Bekenner das Kloster in ein evangelisches Damenstift um, aber erst 1565 setzte sich die Reformation im Kloster vollständig durch. Bis heute leben hier evangelische Frauen unter der Leitung einer evangelischen Äbtissin.

Klosterkirche mini|Klosterkirche von Norden, unten verglaster Kreuzgang, oben die Fenster der Nonnenempore mini|hochkant|Chor, Emporen nach der Reformation eingebaut Da das Kloster zur Bauzeit der heutigen Kirche schon seit etwa 300 Jahren bestand, hatte sie notwendigerweise Vorgängerbauten, was auch durch das Chorgestühl von 1290 (d) und das bronzene Taufbecken aus dem Jahre 1310 belegt ist. Wenn eine alte Kirche Stück für Stück durch eine neue ersetzt wurde, musste dies nicht in der Reihenfolge geschehen, wie üblicherweise Neubauten errichtet wurden, wo man zeitig im Chor einen Altar weihen wollte. Durch den großen Höhenunterschied ihrer beiden Schiffe ist die Mauritiuskirche eine Pseudobasikilka.

Architektur Die Klosterkirche St. Mauritius ist ein zweischiffiger gewölbter Backsteinbau aus der Mitte des 14. Jahrhunderts. Das Hauptschiff des heutigen Langhauses ist ein Jahrzehnt älter als der heutige Chor; der Dachstuhl des Langhauses wurde dendrochronologisch auf 1385 (d) datiert, der des Ostteils auf 1396 (d). Bauherr war der Propst des Klosters Heinrich von Offensen (Probst von 1366 bis 1393). Im Jahr 1393 erfolgte die Bestattung des Propstes im Hochchor der Kirche. Der massige Glockenturm wurde erst 1480 nachträglich an die Südwestecke der Kirche angebaut. Auf dem Kirchendach befindet sich ein Geläutdach mit der Stundenglocke. Diese rief früher die Nonnen zu jeder 3. Stunde zum Gebet. Heute läutet sie nur noch beim Eintritt oder Tod einer Konventualin oder der Äbtissin.

Das Hauptschiff der Kirche besteht aus sieben querrechteckigen Jochen (Kanzenverhältnis etwa 2 zu 3) und einem 7/12 Polygon. Dieses bildet zusammen mit den beiden östlichen Rechteckjochen den Chor, die übrigen fünf Joche zusammen mit dem aus fünf längsrechteckigen Jochen bestehenden Südseitenschiff das Langhaus.

Die Nonnenempore liegt im Hauptschiff des Langhauses und wird selber von einem dreischiffigen Kreuzrippengewölbe getragen. Das nördliche dieser drei Schiffe ist allerdings nicht Teil des Kirchenraums, sondern wurde durch eine Wand abgetrennt und acht der elf Joche des Südflügels des Kreuzgangs. Die beiden anderen Schiffe umfassen je sieben Jochen (von ehemals acht) gewölbt. Die beiden westlichen davon sind durch eine Wand abgetrennt.

Das östlichste der acht Johne wurde im Rahmen der Anlage der konkav gebogenen verglasten Barockwand entfernt, die heute die Empore nach Osten abschließt. Ansätze der abgetragenen Gewölbe sind erhalten. Der östliche Teil der Empore, von dem durch die barocken Glasfenster Sicht auf den Hauptaltar besteht, ist durch eine weitere Querwand vom größeren westlichen Teil getrennt, der an der Trennwand mit einem kleinen Altar ausgestattet ist. Die Südwand der Empore ist an ihrer Außenseite mit Kleeblattbogennischen gegliedert, in denen 15 Terrakottareliefs mit den zwölf Aposteln, dem heiligen Mauritius und Johannes dem Täufer sowie Christus angebracht sind, ähnlich wie in der Marienkirche zu Uelzen.

Der Fußboden der Empore ist noch original mittelalterlich. Er besteht aus rhombischen Tonfliesen, die jeweils durch parallel zu den Kanten verlaufende Rillen in vier gleich große Felder unterteilt sind.

Das östlichste Langhausjoch des Mittelschiffs ist nicht durch die Nonnenempore in zwei Geschosse unterteilt. Das südliche Seitenschiff ist erheblich niedriger. Die Hochschiffswand oberhalb der Arkade hat blinde Obergaden, die in gleicher Weise mit Maßwerk gegliedert sind, wie auf der anderen Seite der Empore die Fenster zu Hof des Kreuzgangs. Georg Dehio meinte, das Südschiff sei jünger als das Hauptschiff.Dehio-Handbuch Nordwestdeutschland (1912), S. 109, Duttenstedt … Ebstorf … Egeln Andere meinen, es sei als Gemeindekirche vermutlich gleichzeitig mit dem Hauptschiff entstanden. Der östliche Abschluss des Südschiffes wurde später verändert.

Die Südwand ist mit Spitzbogennischen gegliedert, in welchen Blendmaßwerkfenster entsprechend denen in der Nordwand zu finden sind. Der Fußboden ist aus wechselnd schwarzglasierten und roten rhombischen Tonplatten gebildet. Nach Verkürzung der Empore wurde diese zur Barockzeit mit einer konkav einschwingenden, verglasten und ornamentierten Holzwand nach Osten abgeschlossen.

Beide Schiffe der Kirche sind wie der Chor gewölbt; die Rippen und Gurte sind mit gleichstarkem Birnstab aus Formsteinen profiliert; die Gewölbedienste aus drei ineinanderlaufenden Birnstäben gebildet. Die Gewölbe ruhen auf ornamentierten und figürlichen Kämpfern und Konsolen. An der Nordseite des fünften Jochs ist eine von zwei Kreuzrippengewölben abgeschlossene Seitenkapelle zu finden.

Der erhöhte Chor von zweieinhalb Jochen schließt mit fünf Seiten eines Zehnecks (oder sieben Seiten eines Zwölfecks). In der Chorapsis ist die Wand nahezu völlig in breite Spitzbogenfenster aufgelöst. An die Nordseite des Chors schließt sich eine Kapelle mit einem sechs- und einem vierteiligen Gewölbe an; hier befand sich ursprünglich der Haupteingang zur Kirche. Östlich davon ist eine zweigeschossige, gewölbte Sakristei an den Chor angebaut.Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Bremen – Niedersachsen. Deutscher Kunstverlag, München, Berlin 1992, ISBN 3-422-03022-0, S. 415–418.

Glasmalereien In den Nordfenstern der Nonnenempore sind Glasmalereien aus dem 16. Jahrhundert erhalten. Die Fenster zeigen von Westen im

Fenster: Figuren der heiligen Ursula und des heiligen Georg unter spätgotischen Baldachinen aus dem Jahr 1523, Fenster: zwei ältere Figurenscheiben und mittelalterliche Baldachinarchitekturen und künstlerisch wertvolle Ornamentscheiben, Fenster: im Bogen Architekturfelder, darunter den Reichsadler mit Inschrifttafel, unten das Wappen mit der Datierung 1594, Fenster: fünf kleine Wappenscheiben mit gotischer Inschrift, darüber Architekturscheiben.

Weiter sind im Chor fünf ornamentale und figürliche Glasmalereien aus den Jahren 1908 bis 1918 der Glasmalereianstalt Ferdinand Müller aus Quedlinburg zu erwähnen. Weitere Glasmalereien sind im Kreuzgang untergebracht.

Ausstattung mini|Lesepulttuch mit Einhornjagd Auf der Nonnenempore sind Teile eines spätgotischen hölzernen Altars sowie zwei kleine Holzaltäre aus der Mitte des 16. Jahrhunderts erhalten. Das Chorgestühl wurde 1292 (d) datiert. Eine lebensgroße Statue vom Ende des 13. Jahrhunderts in einem hölzernen Schrank stellt den heiligen Mauritius dar. Eine große Sitzmadonna mit ergänztem Kopf stammt aus der Zeit um 1320 und wurde 1979 teilweise auf die ursprüngliche Fassung restauriert. Drei weitere Figuren in einer entstellenden Fassung vom Beginn des 20. Jahrhunderts zeigen eine Pietà (um 1400), eine Mondsichelmadonna (um 1500) und eine sitzende Maria aus der Zeit kurz nach 1400. Ein Tafelgemälde vom Anfang des 16. Jahrhunderts stellt die Kreuzigung dar. Weiterhin sind sieben Epitaphe des 17. Jahrhunderts zu erwähnen; besonders das Epitaph der Domina Lucia Appels († 1626) verdient Beachtung. mini|Ebstorfer Weltkarte Ein dreiarmiger Standleuchter aus Messing zeigt am reich verzierten Fuß vier Drachen und stand ursprünglich auf einem Bodenring aus Messing. An der Gabelung der mit Schaftringen verzierten Arme ist eine Statuette des heiligen Mauritius angebracht.

Im Chor zeigt der Hochaltar von 1684 einen reichen Aufbau mit Säulen, geschnitzten Wangen, Evangelistenfiguren, Putten und ein Kruzifix vor einer gemalten Landschaft. Das Bronzetaufbecken wurde 1310 von Meister Hermanns geschaffen und zeigt auf der Wandung Reliefs mit mehrfach wiederkehrenden Darstellungen; der Kessel steht auf vier Trägerfiguren mit Bodenring. Die Kanzel mit reichen Renaissance-Ornamenten wurde im Jahr 1615 von Meister Cordt Stein aus Lüneburg geschaffen. Auf der Nordempore findet sich ein Epitaph für Amtmann Joh. Witte († 1613) mit einem Säulenaufbau und Gemälde.

Bibliothek und Weltkarte Die Bibliothek des Klosters hat ein theologisches Bestandsprofil und besitzt zahlreiche Handschriften.Renate Giermann, Helmar Härtel (Bearb.): Handschriften des Klosters Ebstorf. Wiesbaden 1994 (= Mittelalterliche Handschriften in Niedersachsen. Band 10). Ein Teil wird im Kloster selbst aufbewahrt, der andere in einer Sammlung der Gesellschaft für bildende Kunst und vaterländische Altertümer in Emden.Friedrich Winterhager: Lateinunterricht für Nonnen im Kloster Ebstorf um 1490 unter dem Einfluß der Bursfelder Reformbewegung. 2015 (2016), S. 79.