mini|hochkant|Das Pentakel, ein Symbol, das auch in der Wicca-Religion verwendet wird mini|hochkant|Weitere Symbole, welche in der Wicca-Religion verwendet werden Wicca (Aussprache entsprechend dem englischen Vorbild [];Helmut Birkhan: Nachantike Keltenrezeption. S. 768. manchmal ausgesprochen [], wie das altenglische Wort wicca für „Hexer“) ist eine neureligiöse Bewegung,Reena Perschke: Wicca, Pagan, Freifliegende. In: Nils Grübel, Stefan Rademacher (Hrsg.): Religion in Berlin. Ein Handbuch. Weissensee Verlag, Berlin 2003, S. 525. die auf die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts zurückgeht und dem Neopaganismus zuzuordnen ist. Sie versteht sich als neu gestaltete, naturverbundene Spiritualität und als Mysterienreligion.Vgl. Rensing, S. 119 und 135. Um eine Mysterienreligion handelt es sich in dem Sinne, dass auch auf die Erkenntnis des eigenen Lebens und innere Transformation Wert gelegt wird.Stephen Hunt (2003): Alternative religions: a sociological introduction. Aldershot, Hants, England: Ashgate, ISBN 0-7546-3410-8, S. 151: „Wicca is essentially a mystery cult“. Wicca sieht sich auch als „Religion der Hexen“, und die meisten Anhänger bezeichnen sich selbst als Hexen. Viele der unterschiedlichen Wicca-Richtungen sind im Gegensatz zu den meisten neuheidnischen Bewegungen explizit synkretistisch.
Es bestehen zahlreiche Parallelen zum Kult der Großen Göttin; im Wicca sind hingegen ein weiblicher und ein männlicher Gott gleichberechtigte Partner und Repräsentanten einer polaren Natur.
Gemeinsam sind fast allen Wicca-Anhängern das Feiern der acht Jahreskreisfeste und die am Mondzyklus orientierten magischen Rituale (Esbats).
Etymologie Der Begriff Wicca wurde aus dem Angelsächsischen übernommen, wo das Wort wicca (ausgesprochen [], männliche Form) „Hexer“, „Zauberer“ bedeutet; die weibliche Form dieses Wortes ist wicce (ausgesprochen [], Mehrzahl für beide Geschlechter wiccan []). Das englische Wort witch für ‚Hexe‘ geht sprachgeschichtlich auf wicce bzw. wicca zurück. Der esoterische Begriff erscheint zunächst in der Form Wica in Gardners Witchcraft Today (1954) als Bezeichnung für die Vertreter der von ihm beschriebenen „Alten Religion“ (und nicht für Wicca selbst). Die Schreibweise Wicca ist erstmals 1969 belegt.June Johns: King of the Witches: The World of Alex Sanders. London (1969).
Verbreitung
Wicca gehört zu den mitgliederreichsten Gruppierungen im Spektrum des Neopaganismus und ist insbesondere im angloamerikanischen Raum besonders stark verbreitet. In den USA ist Wicca seit 1994 als Religion staatlich anerkannt.Reena Perschke: Wicca, Pagan, Freifliegende. In: Religion in Berlin. Ein Handbuch. Hrsg. Nils Grübel, Stefan Rademacher. Weissensee Verlag, Berlin 2003, S. 526. Die Schätzungen über die Zahl der Menschen in den USA, die sich der Wicca-Religion zugehörig fühlen, gehen weit auseinander, da die Abgrenzungen gegen andere neuheidnische Richtungen nicht eindeutig sind und manche Menschen verschiedene Formen der Spiritualität praktizieren. Laut Schätzungen betrug ihre Anzahl um 1990 mehr als 200.000 in den USA, 30.000 in Großbritannien und weltweit 800.000. Der American Religious Identification Survey (ARIS) zeigte einen Anstieg der Wicca-Bekenner in den USA von 134.000 im Jahre 2001 auf 342.000 sieben Jahre später 2008. In Deutschland gibt es keine einheitlichen Umfragen zur Religionsentwicklung. Nach Vergleichen mit Statistiken anderer Länder und Hochrechnungen von bekannten Zahlen lässt sich die Anzahl von Wiccas in Deutschland im Jahr 2020 auf 209.000, bzw. auf circa 178.000, wenn man nur ins britisch traditionelle Wicca initiierte Personen berücksichtigt, schätzen.
Geschichte und Struktur Geschichte der Wicca-Bewegung mini|hochkant|links|Vivianne Crowley mini|hochkant|Starhawk mini|hochkant|Selena Fox Die Wicca-Religion wurde wahrscheinlich zwischen 1921 und 1950 durch Gerald Brousseau Gardner (1884–1964) gegründet. Er gab an, er sei in einen bestehenden Hexencoven, den New Forest Coven, initiiert worden, aus dem auch die meisten Traditionen des modernen Wicca übernommen wurden. Ab 1969 wurde erstmals die Schreibweise „Wicca“ verwendet. In späteren Jahren waren neben Gardner Vivianne Crowley, Doreen Valiente und Eleanor Bone weitere führende Personen, die zur Entwicklung dieser Glaubensrichtung beitrugen. Valiente verfasste sehr viele der heute als traditionell bekannten Texte (z. B. The Charge of the Goddess und The Wiccan Creed), ebenso überarbeitete sie verschiedene Passagen des Buches der Schatten, die von Gerald Gardner aus den Werken von Aleister Crowley übernommen wurden. Gardner und Valiente trennten sich wegen Unstimmigkeiten, und Patricia Crowther trat ihre Nachfolge an.
mini|hochkant|Janet Farrar (rechts) und Gavin Bone Die Alexandrische Linie wurde von Alex Sanders gegründet, wobei nicht zweifelsfrei geklärt ist, von wem Sanders initiiert wurde. Die Gründung der Alexandrischen Linie galt zunächst als Schisma, gehört aber mittlerweile zum Wicca im engeren Sinne.
Nach Amerika wurde Wicca durch Raymond und Rosemary Buckland – Initianten der Gardnerischen Linie – gebracht, wo Buckland in späteren Jahren auch eine eigene Linie, das Seax Wica, gründete. In Amerika wurde Wicca unter anderem durch Zsuzsanna Budapest und Miriam Simos (besser bekannt als Starhawk) mit Elementen feministischer Göttinnen-Spiritualität angereichert (Dianic Wicca, Reclaiming-Tradition), während durch Selena Fox neoschamanistische Einflüsse ihren Einzug fanden, so z. B. afrikanische und indianische Traditionen wie Trommeln, ekstatische Tänze und Visionsarbeit.
Janet und Stewart Farrar veröffentlichten in den 1970er und 1980er Jahren zahlreiche bis dahin nicht allgemein bekannte Rituale in ihren Büchern, insbesondere die meisten der heutigen acht Sabbat-Rituale. Den Vorwurf, sie hätten mit dieser Bekanntmachung geheimer Rituale gegen das Schweigegebot der Wicca-Coven verstoßen, wies Janet Farrar zurück.Janet Farrar, Gavin Bone: Progressive Witchcraft: Neue Ideen für den Hexenkult. Arun, 2005, ISBN 3-935581-86-6. Sie entgegnete, dass diese Rituale entweder schon zuvor durch Gerald Gardner selbst oder durch Doreen Valiente öffentlich gemacht worden waren oder sie erst durch die Farrars auf der Grundlage älterer Quellen neu geschaffen worden waren.
Sowohl Raymond Buckland als auch Janet Farrar und ihr neuer Ehemann Gavin Bone (sie heirateten circa ein Jahr nach Stewarts Tod) lehnten die Ausschließlichkeit der Initiation innerhalb der bestehenden Traditionslinien als Dogmatismus ab. Sie befürworteten eine Selbstinitiation, die eigentlich eine Initiation durch Göttin und Gott sei, wie schon Doreen Valiente in ihrem Buch 1978 hervorgehoben habe. Auch Vivianne Crowley lehnte Selbstinitiation nicht grundsätzlich ab, hielt sie aber nur für eine Notlösung. Das moderne eklektische Neowicca der sogenannten freifliegenden Hexen, die selbstinitiiert und nicht in Coven organisiert sind, führte unter anderem durch die Bestseller von Scott Cunningham und Silver RavenWolf zu einer enormen Steigerung der Verbreitung von Wicca seit dem Ende der 1980er Jahre. Gleichzeitig kam es aber auch zu gegenläufigen Bestrebungen, die gardnerianischen und alexandrischen Traditionen zu bewahren.
Coven Die traditionellen Wicca-Anhänger schließen sich üblicherweise einem Konvent oder Coven (englisch für Hexenzirkel) an, einem Arbeits- und Anbetungskreis, einer Organisationsform, die auf den schottischen Hexenglauben zurückgehen soll, aber wahrscheinlich ältere Quellen hat.
Keine zwei Coven gleichen einander in ihren Glaubensansichten, und selbst die beschriebene Grundstruktur ist nicht notwendigerweise in allen Coven gleich.Reena Perschke: Wicca, Pagan, Freifliegende. In: Religion in Berlin. Ein Handbuch. Hrsg.: Nils Grübel, Stefan Rademacher. Weissensee Verlag, Berlin 2003, S. 527. Die Stilrichtungen reichen von ägyptisch über keltisch bis hin zu indianisch oder synkretistischen Mischungen – in der Ethnologie wird dergleichen als eklektische Vorgehensweise bezeichnet. Die meisten Coven behaupten eine Verbindung zu vorchristlichen Religionen.
Ein Coven besteht nach traditioneller Ansicht idealerweise aus 13 Personen (eine Zahl, die bei Wicca eine besondere Bedeutung hat), die möglichst in Arbeitspaare aus Frau und Mann gegliedert sind. Das Hohepriesterpaar wird als eine Einheit und quasi als eine Person gesehen. Größere Coven neigen dazu, sich aufzuspalten und einen Tochter-Coven hervorzubringen. Ein Coven hat in der Wicca-Tradition eine Hohepriesterin und einen (mindestens zweitgradig initiierten) Hohepriester als Leiter sowie eine Maiden („das Mädchen“ oder „die Jungfrau“) als Stellvertreterin der Hohepriesterin. Allen dreien fallen in den meisten Ritualen bestimmte Aufgaben zu. Der Coven trifft sich insbesondere an den Feiertagen (Sabbat) und den Vollmondtagen (Esbat). Einige, aber nicht alle Coven praktizieren „im Himmelskleid“ (von ), als ein Zeichen ihrer Verbundenheit zur Natur und der persönlichen Freiheit. Andere wiederum tragen besondere Gewänder oder wieder andere nur Alltagskleidung.
Falls die Mitgliederzahl eines Coven zu groß wird, gründet ein Arbeitspaar des Muttercovens mit beliebig vielen mitgenommenen Mitgliedern einen neuen Kreis, traditionell mindestens drei Meilen (etwa fünf Kilometer) vom Muttercoven entfernt. Die Entfernung soll dem Entstehen einer organisierten Religion bzw. Kirche vorbeugen.
Initiation
mini|links|Gerald Gardners Buch der Schatten mini|hochkant|Bucheinband eines Buchs der Schatten mit Pentakel Die Initiationszeremonie zur offiziellen religiösen Einweihung in einen Hexencoven wird von einem/einer gegengeschlechtlichen Hohepriester(in) abgehalten. Durch die Initiation erfolgt (unter anderem) die freiwillige Widmung des Initianten an ein bestimmtes göttliches Wesen und die an antike Mysterienkulte angelehnte Vermittlung von Wissen und tieferer Einsicht. Im Wicca existieren insgesamt drei Grade: Der erste Grad ist der Grad der Göttin und des Wassers. Der zweite Grad ist der Grad des Gottes. Mit dem zweiten Grad wird der Wicca zum Hohepriester geweiht. Mit diesem Rang wäre es bereits möglich, einen eigenen Coven zu leiten. Die Verbindung mit der Universalenergie, die Vereinigung von Gott und Göttin – dem Animus und der Anima (nach Ansicht von Vivianne Crowley, 2004) – ist die Arbeit im dritten Grad, was jedoch von manchen Wicca auch anders gesehen wird.
Im Rahmen der Initiation erfolgt auch die Weitergabe eines handschriftlich angelegten „Buchs der Schatten“. Dieses innerhalb eines Covens weitergegebene Buch ist aber nicht statisch, sondern wird im Laufe der Zeit ergänzt oder erweitert. In einigen Traditionen wird zusätzlich die Urversion der jeweiligen Linie tradiert. Diese enthält vor allem Rituale, weniger Dogmen oder feste Richtlinien. Ferner haben viele Coven noch ein eigenes „Buch der Schatten“, in das geheimes Wissen, Rituale, Anrufungen und eigene Erfahrungen eingetragen werden können.
Kultausübung
Glaubensinhalte mini|links|Wicca-Symbol für die Göttin (Vollmond und zwei Mondsicheln) mini|hochkant|links|Symbol für den Gehörnten Gott (Mondschiffchen und Vollmond oder Sonne)