Karlsfeld ist eine Gemeinde am nordwestlichen Stadtrand von München im oberbayerischen Landkreis Dachau.

Geographie Geologie Das Alpenvorland zwischen Kalkalpen und Donau, in dem sich auch Karlsfeld befindet, liegt auf einem tiefen Senkungsbecken, das seit Millionen von Jahren hauptsächlich aus Abtragungen der Alpen aufgefüllt wird. Im Tertiär wurden dort überwiegend Sand- und Geröllmassen durch Flüsse aus den Alpen abgelagert. Während der nachfolgenden Eiszeiten, deren letzte vor etwa 10.000 Jahren endete, bildeten sich im Alpenbereich große Gletscher- und Schmelzwasserströme, die im Voralpenland Moränenhügel und Schotterebenen zurückließen. Die 55 km breite Münchner Schotterebene, die an den Endmoränen des Isarvorlandgletschers ansetzt, ist eine schiefe Ebene, deren Oberflächenformen in erster Linie durch den würmeiszeitlichen Schotter gebildet werden. Durch Karlsfeld fließt die Würm, die den Starnberger See entwässert und nördlich von Karlsfeld der Amper zufließt. Karlsfeld liegt in einem Niedermoor, dem Dachauer Moos in sehr zentraler Lage.

Lage Die Gemeinde grenzt im Norden an die Kreisstadt Dachau und im Süden und Südosten an Münchener Ortsteile Allach und Feldmoching. Westlich liegt die Gemeinde Bergkirchen im Landkreis Dachau.

Gemeindegliederung Die Gemeinde hat vier Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Karlsfeld (Stadtrandsiedlung) Obergrashof (Dorf) Rothschwaige (Dorf) Waldschwaige (Weiler)

Zentral liegt der Hauptort Karlsfeld, im Nordosten an der Bundesstraße 471 befindet sich Obergrashof, im Norden die Rothschwaige und im Westen liegt die Waldschwaige.

Seen, Natur und Naherholung Karlsfelder See

Der Karlsfelder See entstand Anfang der 1940er Jahre, als für den Rangierbahnhof Moosach Kies benötigt wurde und die dadurch entstandene Grube sich allmählich mit Grundwasser füllte. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der See bis 1968 durch die US-Armee als Truppenübungsgelände für Schwimmpanzer benutzt. Von 1971 bis 1976 erfolgte der Umbau zu einem Freizeit- und Erholungsgelände mit Badesee.

Der See hat in Nord-Süd-Richtung eine Länge von 980 Metern, die durchschnittliche Breite beträgt etwa 250 Meter. Rund um den See befinden sich etwa 17 Hektar Liegewiese mit Baumbestand, 4,75 Kilometer Spazier- und Fahrradwege, zwei Gaststätten mit Biergarten, zwei Beachvolleyballfelder, über 20 Tischtennisplatten sowie mehrere Kinderspielplätze und Grillgelegenheiten. Während der Badesaison besuchen bis zu 20.000 Menschen pro Tag den See und das Erholungsgebiet.

Unmittelbar nordwestlich des Badesees befindet sich ein Feuchtbiotop und ein kleinerer Baggersee, der Schallweiher. Am Abfluss des Karlsfelder Sees wurde der Moosgraben und seine Uferbereiche naturgerecht neu gestaltet. Hiermit wird insbesondere das Lebensraumangebot für die bedrohte Helm-Azurjungfer, eine Libellenart, verbessert und zugleich eine wertvollen Magerwiese geschaffen.http://www.karlsfeld.de/export/download.php?id=1600

Im Süden des Badesees befinden sich das Karlsfelder Hallenbad und das Zentrum des Sportvereins TSV Eintracht Karlsfeld e. V. mit Stadion, Gaststätte, Sporthalle und mehreren Sportplätzen. Das Hallenbad wird nach Beschluss des Gemeinderats nach drei Jahren Leerstand 2026 abgerissen.https://www.tz.de/muenchen/region/es-ist-ein-trauriger-tag-aber-es-fuehrt-kein-weg-vorbei-hallenbad-wird-abgerissen-94011000.html

Waldschwaigsee und weitere Naturflächen mini|Würm bei Karlsfeld mini|Waldschwaigsee mini|Prinzenpark Im Nordwesten Karlsfelds befindet sich in einer Mooslandschaft der Waldschwaigsee mit einer Größe von etwa elf Hektar, der 1971 aus einer Kiesgrube entstand. Der Kies wurde damals für den Bau der Bundesstraße 471 benötigt. Der See ist Teil des Langwieder Mooses, einem Teilbereich des Dachauer Mooses. Die im See befindliche und seit 1975 unter Landschaftsschutz stehende Insel verleiht dem See ein durchaus als romantisch zu bezeichnendes Flair. Nördlich liegt zudem der Mückensee, direkt am Schwarzhölzl.

An der südlichen Grenze von Karlsfeld teilt sich die Würm auf in die Würm (Richtung Norden) und den Würmkanal (Richtung Osten, Grenze zu München bildend), der zum Nordmünchner Kanalsystem gehört. Sowohl Würm als auch Würmkanal sind zum großen Teil in einem Grünstreifen mit Baumbestand eingebettet und mit einem Uferweg versehen, der von Fußgängern und Fahrradfahrern gleichermaßen benutzt werden kann.

Direkt an der alten Würm befindet sich der Eichinger Weiher, ein kleiner, naturbelassener Grundwassersee, der 1936 zur Kiesentnahme für die BMW (heutiges MAN-Gelände am Würmkanal) ausgebaggert worden ist.

Folgt man dem Lauf der Würm bis in den Gemeindeteil Rothschwaige, dann trifft man auf den kleinen Schwaigerbachweiher. Der Weiher ist in den geschützten Landschaftsbestandteil „Schwaigerbachweiher mit Obstgarten und Auwaldresten zwischen Münchner Straße und Würm in Karlsfeld, Gemeindeteil Rothschwaige“ integriert. Dieser geschützte Landschaftsbestandteil umfasst eine Gesamtfläche von etwa 1,75 ha.

In Karlsfeld liegt der 30 ha große Prinzenpark.

Geschichte mini|Bürgerhaus in Karlsfeld Die Ansiedlung Rothschwaige, der bereits im 12. Jahrhundert erwähnte, älteste Ortsteil, war lange Zeit der einzige besiedelte Bereich auf dem heutigen Gemeindegebiet von Karlsfeld inmitten des Dachauer Mooses.

Im Zuge einer durch entsprechende Gesetzgebung angeregten Urbarmachung von Ödland und Moorbereichen in Bayern entstanden 1802 entlang der Straße von München nach Dachau drei nach drei Kindern des Kurfürsten und späteren Königs Max I. Joseph benannte Siedlungen: Ludwigsfeld, dessen Name auf den ältesten Sohn und späteren König Ludwig I. zurückgeht, das nach der ältesten Tochter des Herrschers Augusta benannte Augustenfeld und zwischen den beiden Karlsfeld, das seinen Namen dem zweitältesten Sohn, Karl Theodor, verdankt. Während sowohl Ludwigsfeld als auch Augustenfeld in ihren jeweils deutlich größeren Nachbarn München bzw. Dachau aufgegangen sind, hat Karlsfeld seine erst am 1. April 1939 erlangte Eigenständigkeit bis heute bewahren können.

Im Jahre 1802 bestand Karlsfeld nur aus acht Häusern mit 34 Einwohnern. Es dauerte bis 1900, bis Karlsfeld auf ca. 30 Häuser mit 170 Einwohnern wuchs.

Karlsfeld gehörte zur Gemeinde Augustenfeld, bis diese am 1. April 1939 aufgelöst wurde. An diesem Tag wurde die Gemeinde Karlsfeld gebildet, während der übrige Teil der bisherigen Gemeinde Augustenfeld in die Stadt Dachau eingemeindet wurde.

Im Jahre 1945 hatte Karlsfeld etwa 1500 Einwohner.

Am 1. Januar 1979 trat Karlsfeld ein kleines Gebiet mit mehr als 150 Einwohnern an die Kreisstadt Dachau ab.

Im Jahre 1999 erhielt Karlsfeld im Rahmen eines Flächentausches mit der Stadt München die Splittersiedlung „Am Burgfrieden“.Unruhe am Burgfrieden. Sueddeutsche.de vom 26. Juli 2016, abgerufen am 27. April 2017

Seit Februar 2011 ist Karlsfeld Mitglied der „Westallianz“, eines Koordinationsgremiums von sechs Gemeinden, die entlang der Autobahn A 8 von München nach Augsburg liegen.Siehe Seite der Westallianz über Karlsfeld unter der .Siehe Bericht über die Gründung der Westallianz unter https://www.merkur.de/lokales/dachau/odelzhausen/westallianz-steht-endgueltig-1129070.html

Einwohnerstatistik Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Gemeinde von 14.130 auf 21.596https://www.statistik.bayern.de/mam/produkte/veroffentlichungen/statistische_berichte/a1210c_201800.pdf um 7.466 Einwohner bzw. um 52,8 % – der größte prozentuale Zuwachs aller bayerischen Gemeinden über 10.000 Einwohner im genannten Zeitraum. mini|Halblogarithmisches Ergebnis von Volkszählung/Zensus mini|hochkant=2.0|Jährliche Fortschreibung der Einwohnerzahl zum 31.12. von 1997 bis 2018 +Volkszählung/Zensus und Wachstum:Volkszählung/ZensusDatum Einwohner Jahre→Wachstum Ø Wachstum / Jahr01.12.1840 9201.12.1871 123 31 Jahre: + 34 % + 0,9 %01.12.1900 170 29 Jahre: + 28 % + 1,1 %16.06.1925 352 25 Jahre: +107 % + 3,0 %17.05.1939 1009 14 Jahre: +187 % + 7,8 %13.09.1950 1878 11 Jahre: + 86 % + 5,8 %06.06.1961 6482 11 Jahre: +245 % +11,9 %27.05.1970 11.687 9 Jahre: + 80 % + 6,8 %25.05.1987 13.650 17 Jahre: + 17 % + 0,9 %09.05.2011 18.117 24 Jahre: + 33 % + 1,2 %31.12.2019 23.056

Konfessionsstatistik Gemäß der Volkszählung 2011 waren 42,7 % der Einwohner römisch-katholisch, 15,0 % evangelisch und 42,2 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Karlsfeld Religion, Zensus 2011 Mit Stand 30. Juni 2018 waren von den 23.001 Einwohnern 36,3 % (8.338) katholisch, 11,5 % (2.656) evangelisch und 52,2 % (12.007) konfessionslos oder gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an.Karlsfeld in Zahlen Bürgerversammlung 2018, abgerufen am 14. April 2021 Die Zahl der Protestanten und vor allem der Katholiken ist seitdem noch weiter gesunken. Mit Stand 31. Dezember 2024 waren von den Einwohnern 28,6 % katholisch, 8,8 % evangelisch und 62,6 % (14.246) konfessionslos oder gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an.Karlsfeld in Zahlen Bürgerversammlung 2024, abgerufen am 12. Januar 2026

In Karlsfeld liegen Kirchen oder Zentren wie: kath. Kirche St. Anna christliche Gemeinde Karlsfeld ev. Korneliuskirche kath. Ludlkaplle (St. Maria und Josef)

Politik Gemeinderat Bei der Gemeinderatswahl 2020 waren aufgrund der gestiegenen Einwohnerzahl 30 Gemeinderäte zu wählen, statt bisher 24. Die Gemeinderatswahlen seit 2008 ergaben folgende Sitzverteilungen:

+Partei / ListeSitze202620202014http://www.landkreis-dachau.de/wahlen/174000_000053/index.html2008 CSU13131212 Grüne55−− SPD4568 Bündnis für Karlsfeld 6554 Freie Wähler Karlsfeld221− Gesamt30302424

Bürgermeister Erster Bürgermeister ist Christian Bieberle (CSU).

Wappen

Gemeindepartnerschaften : Muro Lucano

Kultur und Sehenswürdigkeiten Baudenkmäler

Bodendenkmäler

Regelmäßige Veranstaltungen Seit 1957 veranstaltet die Siedlergemeinschaft Karlsfeld-Nord das mittlerweile zehn Tage andauernde jährliche Siedlerfest.59. Karlsfelder Siedler- und Seefest In: Münchner Merkur vom 29. Juni 2015 Nachdem es an den Karlsfelder See verlegt worden war, trug es von 1968 bis 2016 den Namen Siedler- und Seefest. Seit 1984 findet alljährlich der Karlsfelder Triathlon statt, ursprünglich noch an der benachbarten Regattastrecke, später dann am Karlsfelder See, der mit über tausend Teilnehmern zu den größten und ältesten Triathlon-Veranstaltungen in Bayern gehört.

Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Die Gemeinde ist verkehrseitig sehr gut sowohl an den Landkreis Dachau, an den Landkreis München und München angebunden.

Autoverkehr Durch den Hauptort führt die Bundesstraße 304 (Münchner Straße), die München mit Dachau verbindet und mit durchschnittlich 35.550 Fahrzeugen täglich die stärkstbefahrene Straße des Landkreises ist. Südlich von Karlsfeld überquert sie den Autobahnring A 99 an der Anschlussstelle München-Ludwigsfeld. Weitere wichtige Straßen sind die Bajuwarenstraße nach Dachau-Ost (Staatsstraße 2063) und die Allacher Straße zum Bahnhof und nach Allach-Untermenzing. Bis auf die letztgenannten und die Münchner Straße in der Rothschwaige, die Neue Bayernwerkstraße, Nibelungenstraße und das Gewerbegebiet sind alle anderen Karlsfelder Straßen Tempo-30-Zonen.

Schienenverkehr miniatur|S-Bahnhof Karlsfeld Die Gemeinde ist durch eine S-Bahn-Station der Linie S2 an das Münchner Schnellbahnnetz angeschlossen. Die Station befindet sich an der Bahnstrecke München–Treuchtlingen und liegt geografisch auf der Grenze zwischen München und Karlsfeld. Tariflich liegt die Station an der Grenze zwischen Zone M und 1 des MVV.

Karlsfeld ist Standort eines Bahnstromumformerwerks mit 100 MW Übertragungsleistung. Bemerkenswert ist, dass die Anlage nicht an einer Bahnlinie liegt.

Busverkehr In Karlsfeld verkehren mehrere Buslinien im Binnenverkehr sowie nach Dachau, München und Region:

Regionalbusse (MVV):