Immanenz (, ‚darin bleiben‘, ‚anhaften‘) bezeichnet das in den Dingen Enthaltene, das sich aus ihrer individuellen und objektiven Existenzweise ergibt. Es ist der Gegenbegriff zur Transzendenz. Das Adjektiv immanent bezeichnet eine in einem Gegenstand innewohnende Eigenschaft, die somit nicht durch Folgerung oder Interpretation hergeleitet worden ist.

Geistesgeschichte Die Scholastik unterscheidet immanente Handlungen, die sich auf den Handelnden beziehen, von transzendenten, die über den Handelnden hinausweisen. Des Weiteren bedeutet Immanenz: in der Philosophie Spinozas die Anwesenheit Gottes in der Welt als Ursache aller WirkungenBaruch de Spinoza: Kurze Abhandlung von Gott, dem Menschen und dessen Glück. Hrsg. Werner Baltruschat, Sämtliche Werke, Band 1, Meiner, Hamburg 1991, S. 34. Ganz im Sinne Spinozas (Deus sive Natura: „Gott bzw. Natur“) dichtete Goethe 1812:

nach Kant in erkenntnistheoretischer Sicht das Verbleiben in den Grenzen möglicher Erfahrung (KrV B 352 und B 671) bei Schelling, der Spinoza eine Verdinglichung des Seienden und damit einen Determinismus vorhielt, den Einschluss des Endlichen (Naturalismus = Immanenz) in das Absolute (Theismus = Transzendenz) als Vorbedingung der Freiheit, da alles in Gott enthalten und der Mensch ein Reflex Gottes istFriedrich Wilhelm Joseph Schelling: Philosophische Untersuchungen über das Wesen der menschlichen Freiheit und die damit zusammenhängenden Dinge. Sämmtliche Werke, Band VII, Stuttgart/Augsburg 1860, S. 336. in der Phänomenologie Edmund Husserls die Sphäre zweifelloser GegebenheitenEdmund Husserl: Idee der Phänomenologie. Husserliana Band II. 1907, S. 30., die Natur als Transzendenz in der Erscheinung als ImmanenzEdmund Husserl: Grundprobleme der Phänomenologie. Husserliana Band 13, 1910/11, S. 75. bei Hegel bezogen auf das Wesen, das sich aus sich heraus zu sich machtGeorg Wilhelm Friedrich Hegel: Wissenschaft der Logik I. Erster Teil: Die objektive Logik (Auf der Grundlage der Werke von 1832–1845 neu edierte Ausgabe, Redaktion Eva Moldenhauer und Karl Markus Michel). Frankfurt am Main 1986 (= Werke 5 stw 605), S. 16, 51 und 133.Jürgen Müller: Oskar Panizza – Versuch einer immanenten Interpretation. Medizinische Dissertation Würzburg (1990) 1991, S. 3 (zitiert) und 12. bei Karl Jaspers Dasein, Bewusstsein überhaupt und Geist als die drei immanenten Weisen des Umgreifenden, die das Subjekt bildenKarl Jaspers: Chiffren der Transzendenz, S. 99. bei Gilles Deleuze den Grundbegriff einer differenztheoretischen Ontologie, den er mit dem Leben gleichsetzteGilles Deleuze: Die Immanenz: ein Leben … In: F. Balke, J. Vogel (Hrsg.): Gilles Deleuze – Fluchtlinien der Philosophie, Fink, München 1996, S. 29–33. bei Niklas LuhmannNiklas Luhmann: Die Religion der Gesellschaft. (=Taschenbuch Wissenschaft 1581), Suhrkamp, Frankfurt am Main 2002, S. 77. setzt Religion die Existenz von zwei Sinnbereichen, der Immanenz und der Transzendenz, voraus. Für ihn sei eine Kommunikation immer dann religiös, wenn sie Immanentes unter dem Gesichtspunkt der Transzendenz betrachtete. Denn die spezifische Funktion von Transzendenz sei die ‚Sinngebung‘.

Der französische Philosoph André Comte-Sponville versucht eine Spiritualität der Immanenz zu entwickeln. Es gebe keine Transzendenz, denn alles, was es gebe, sei Teil des „einen großen Ganzen“, wir Menschen auch. Aber dieses Ganze sei im Sinne Ludwig Wittgensteins unaussprechlich „das Mystische“. Comte-Sponville greift ein Wort von Jules Laforgue auf und spricht von „Immansität (= Immanenz + ImmensitätFranzösisch immensité: Unermesslichkeit, unendliche Weite, Gewaltigkeit.) (…). Wir sind in dem großen Ganzen, und das geht, endlich oder nicht, in jeder Hinsicht über uns hinaus: Seine Grenzen, wenn es überhaupt welche hat, sind für uns definitiv unerreichbar“. Doch dass es unerreichbar ist mache es noch nicht zur Transzendenz. Transzendenz, etwas das das Ganze übersteigt, gebe es nicht; wenn es etwas derartiges gäbe, sei dies wiederum Teil des größeren Ganzen.

Siehe auch Systemimmanent Eduard von Hartmann Immanente Kritik Immanenzphilosophie (auch als immanente Philosophie bezeichnet) ist eine philosophische Strömung, die sich auf das Erfahrbare und Gegebene beschränkt. „Immanent“ bedeutet in diesem Zusammenhang, dass alles Sein dem Ich (dem Bewusstsein) bereits immanent ist, das heißt im Bewusstsein enthalten ist. Inhärenz Reziproke Immanenz, nach Aussagen der johanneischen Theologie, innertrinitarische Verhältnis von Gott Vater und Gott Sohn, sowie die Beziehung des Menschen zu Gott durch Jesus Christus Werkimmanente Interpretation (Werkimmanenz, immanente Interpretation, bei Emil StaigerEmil Staiger: Die Kunst der Interpretation. Studien zur deutschen Literaturgeschichte. 5., unveränderte Auflager. Zürich 1967, S. 9–33. bezogen auf die textimmanente Interpretation)Jürgen Müller: Oskar Panizza – Versuch einer immanenten Interpretation. 1991, S. 3.

Literatur Robert Hugo Ziegler: Elemente einer Metaphysik der Immanenz. transcript, Bielefeld 2017, ISBN 978-3-8376-4100-4. L. Oeing-Hanhoff: Artikel Immanenz, in: Historisches Wörterbuch der Philosophie, Band 4, hrsg. von Joachim Ritter und Karlfried Gründer, Schwabe, Basel/Stuttgart 1976, S. 220–237. Susanne Beer: Immanenz und Utopie – Zur Kulturkritik von Theodor W. Adorno und Guy Debord. LIT-Verlag, Münster 2012, ISBN 978-3-643-11487-7.

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