mini|Wörterbuch aus Uruk, um 600 v. Chr., mit einer Systematisierung der Zeichen Ein Wörterbuch ist ein Nachschlagewerk, das Wörter in einer meist alphabetisch sortierten Liste verzeichnet und jedem Eintrag (Lemma) erklärende Informationen (insbesondere Bedeutungen) oder sprachliche Äquivalente zuordnet.

Wörterbücher im engeren Sinn dienen zum Nachschlagen sprachlicher Information, während der Ausdruck in der weiteren Bedeutung auch andere nach Stichwörtern gegliederte Nachschlagewerke mit primär sachbezogener Information sowie Mischformen beider Typen umfasst.

Etymologie mini|Mehrbändiges Wörterbuch Der Ausdruck Wörterbuch ist im Deutschen eine durch niederländische woordenboek beeinflusste Lehnübersetzung des griechischen Wortes lexikon (biblion) „Wörter betreffendes Buch“. Es ist ein zusammengesetzter Begriff, der nach einem Fremdwort gebildet wurde, indem alle Bestandteile des Fremdwortes einzeln ins Deutsche übersetzt wurden. Bis ins 17. Jahrhundert hinein wurden die Begriffe Lexikon und Dictionarium bevorzugt verwendet; dannVgl. Christ. Friedrich Reuss: Dictionarium botanicum, oder botanisches, lateinisches und deutsches Handwörterbuch. 2 Bände, Leipzig 1781. trat Dictionarium zugunsten der neu eingeführten Übersetzung Wörterbuch (auch Wortbuch) zurück; der Begriff Lexikon blieb erhalten. Seit der Einführung des Wortes hat sich die Bedeutung von Wörterbuch im allgemeinen Sprachgebrauch überwiegend auf „Sprachwörterbuch“, die Bedeutung von Lexikon hingegen in der Tendenz auf „Sachwörterbuch“ verengt, wobei Lexikon oft auch als Synonym für „Enzyklopädie“ verwendet wird. Im Ergebnis treten damit Wörterbuch einerseits und Lexikon bzw. Enzyklopädie andererseits oft als Gegenbegriffe auf.zur Etymologie und zum Sprachwandel für Lexikon siehe Eintrag Wörterbuch im DWB; Angaben zur älteren Forschungsliteratur ebd.zum fachsprachlichen Gebrauch siehe: Schlaefer: Lexikographie (2002), S. 77; Engelberg, Lemnitzer: Lexikographie (2004²), S. 6

Fachsprachlich, besonders in der Lexikographie (Wörterbuchforschung), wird jedoch Wörterbuch auch noch in der weiteren Bedeutung als Oberbegriff für alle Arten von Nachschlagewerken mit einer Gliederung nach Stichwörtern beibehalten. Ebenso wird der Begriff Lexikon in fachsprachlichen Zusammenhängen weiterhin in seiner weiteren Bedeutung, also unter Einschluss sprachlexikographischer Werke, und in der Sprachwissenschaft auch speziell für das Inventar der Lexeme eines Sprechers oder einer Sprachgemeinschaft gebraucht.

Wörterbuch – Sachwörterbuch – enzyklopädisches Wörterbuch mini|Wörterbuch Ein Wörterbuch im engeren Sinn (auch Sprachwörterbuch) dient der Vermittlung sprachlichen Wissens. Seine Auswahl der Lemmata (Morpheme, Lexeme, Phrasen und Phraseologismen) soll den Wortschatz einer Einzelsprache oder einen Teilwortschatz dieser Sprache (etwa einen Dialekt, Soziolekt oder Idiolekt) abdecken. Bei den zugeordneten Informationen handelt es sich primär um sprachliche Informationen, die die Schreibung, Aussprache und grammatischen Eigenschaften wie Wortart, Genus und Flexion des Lemmas, seine Herkunft, Bedeutung, Verwendungsweise und Übersetzbarkeit betreffen. Sie werden in Form von erklärenden Angaben oder durch Zuordnung vergleichbarer Einheiten aus der gleichen Sprache, etwa in einem Synonymenwörterbuch und einem Reimwörterbuch, oder aus einer oder mehreren anderen Sprachen in einem Übersetzungswörterbuch dargestellt. Sachinformationen zu den von den Wörtern bezeichneten Realien können dabei ebenfalls einbezogen werden, wenn das für die Erklärung der Wortbedeutung oder Wortgeschichte erforderlich ist, sie bilden jedoch keinen Selbstzweck. Eigennamen (Personen und Orte) werden in einem Sprachwörterbuch normalerweise nicht erklärt, abgesehen von Nachschlagewerken zur Namenforschung und Ortsnamenforschung (Onomastik und Toponomastik).

Ein neuer Ansatz ist es, nicht einzelne Wörter, sondern nur Sätze zu übersetzen („Sätzebuch“). Die Suche nach einzelnen Wörter geschieht mithilfe einer elektronischen Suchmaschine, die das Wort im Satzzusammenhang präsentiert; ein Beispiel hierfür ist Tatoeba.Tatoeba http://www.tatoeba.org/

Bei einem Sachwörterbuch (auch Realwörterbuch, Reallexikon, Realenzyklopädie) steht demgegenüber die Vermittlung von Sach- und Weltwissen statt Sprachwissen im Vordergrund (siehe Enzyklopädie). Das Lemma ist nicht als Element eines Wortschatzes Gegenstand sprachlicher Information, sondern beschreibt als thematisches Stichwort das Thema der Sachinformation. Sprachliche Eigenschaften des Lemmas werden nicht oder nur insoweit einbezogen, wie es dem Verständnis der vom Lemma bezeichneten Sache dient. Die Auswahl der Lemmata bezieht in einem Sachwörterbuch in der Regel auch Eigennamen ein und dient der Abdeckung und Strukturierung eines bestimmten Sach- oder Wissensbereiches, der ein spezielles Fachgebiet sein oder dem Anspruch nach auch das gesamte verfügbare Wissen über die Welt umfassen kann.

Ein enzyklopädisches Wörterbuch (auch Sprach- und Sachwörterbuch, integriertes Wörterbuch), in Deutschland seit den 1930er-Jahren vereinzelt auch Allbuch genannt und dem Typ nach besonders in Frankreich verbreitet, stellt sprachlexikographische und sachlexikographische Information gleichrangig nebeneinander und will Grundfunktionen beider Wörterbucharten erfüllen. Auch sonst treten die Typen von Sprach- und Sachwörterbuch oft in gemischter Form auf, besonders im Bereich der Fachlexika, wo fachsprachliche Wörterbücher oft auch einen eigengewichtigen Anteil an Sachinformation, oder fachspezifische Sachwörterbücher zusätzlich sprachliche Informationen zum Lemma und zu dessen Übersetzbarkeit integrieren.

Typologie Gesamtwörterbücher (Universalwörterbuch) bieten umfassende Informationen zum allgemeinen Wortschatz der Gegenwartssprache (Beispiel: Duden Universalwörterbuch). Von ihnen lassen sich andere Wörterbuchtypen unterscheiden, die in der Lemmaauswahl oder den gebotenen Informationen andere Schwerpunkte setzen:

Typologie unter inhaltlichen Aspekten mini|Erstes italienisches Wörterbuch aus der Accademia della Crusca (1612) Lemmatyporientierte Spezialwörterbücher verzeichnen nur einen ausgewählten Teil des Wortschatzes. Wörterbücher mit pragmatisch beschränkter Lemmaauswahl verzeichnen Teile des Wortschatzes, die pragmatisch markiert sind. Darunter fallen unter anderem Umgangssprachenwörterbücher, Neologismenwörterbücher, Fremdwörterbücher, Schimpfwörterbücher.Theodor Constantin (Hrsg.): Berliner Schimpfwörterbuch. 3. Auflage. Haude & Spener, Berlin 1980, ISBN 3-7759-0236-8. Wörterbücher mit wortgeschichtlich beschränkter Lemmaauswahl. Darunter fallen Lehnwörterbücher, Erbwörterbücher und Wörterbücher untergegangener Worte. Kriterium für die Lemmaauswahl ist eine auffällige Wortgeschichte. Wörterbücher mit semantisch beschränkter Lemmaauswahl. Darunter fallen Namenwörterbücher und Wörterbücher, die sich bestimmten semantischen Feldern widmen. Wörterbücher mit formal beschränkter Lemmaauswahl. Auswahlkriterium ist hier die Form des Lemmazeichens. Darunter fallen unter anderem Morphemwörterbücher, Wortfamilienwörterbücher und Abkürzungswörterbücher.

Informationstyporientierte Wörterbücher zeichnen sich nicht durch Einschränkungen der Lemmaauswahl aus, sondern durch den Fokus der Informationen aus. Syntagmatische Wörterbücher beschreiben die syntaktischen Eigenschaften lexikalischer Zeichen. Darunter fallen unter anderem die Valenz­wörterbücher, Konstruktions­wörterbücher und Kollokationswörterbücher. Inhaltsparadigmatische Wörterbücher informieren hauptsächlich über die lexikalisch-semantischen Relationen, in denen die beschriebenen lexikalischen Einheiten zueinander stehen. Darunter fallen Synonymenwörterbücher, Antonymenwörterbücher, linguistische Thesauri, Analogiewörterbücher und Bildwörterbücher. Ausdrucksparadigmatisch orientierte Wörterbücher informieren über Formaspekte sprachlicher Ausdrücke. Darunter fallen rückläufige Wörterbücher, Aussprachewörterbücher, phonologische Wörterbücher, Kreuzworträtselwörterbücher und Reimwörterbücher. Weitere informationstyporientierte Wörterbuchtypen sind das etymologische Wörterbuch, das Fremdwörterbuch, das Verdeutschungswörterbuch, das Frequenzwörterbuch (Häufigkeitswörterbuch) und das Rechtschreibwörterbuch.

Benutzergruppenorientierte Wörterbücher sind Wörterbücher, deren Lemmaauswahl und Informationen auf bestimmte Benutzer zugeschnitten sind. Darunter fallen die Lernerwörterbücher, die Grundschulwörterbücher und die KinderwörterbücherMagdalena Lisiecka-Czop, Kinderwörterbücher. Lexikografische und glottodidaktische Eigenschaften am Beispiel deutsch-polnischer und polnisch-deutscher Wörterbücher. Peter Lang, Frankfurt a. M. 2013. ISBN 978-3-631-62895-9. .

Sprachvarietätenorientierte Wörterbücher verzeichnen den Wortschatz einzelner Sprachvarietäten. Dazu gehören Sondersprachenwörterbücher verschiedener Gruppen, Dialektwörterbücher und Fachwörterbücher.

Schließlich gibt es einige Typen textbezogener Wörterbücher. Der Beschreibungsgegenstand fällt hier mit der Wörterbuchbasis zusammen. Zu diesem Wörterbuchtypen gehören die Autorenwörterbücher, Autoren-Bedeutungswörterbücher, WerkwörterbücherFranz Josef Hausmann, Oskar Reichmann u. a. (Hrsg.): Wörterbücher. Ein internationales Handbuch zur Lexikographie. 1990, S. 1549–1551. und die Belegstellenwörterbücher.

Übersetzungswörterbücher vermitteln zwischen dem Wortschatz zweier oder mehrerer Sprachen. Sie werden nach denselben Kriterien unterteilt wie allgemeine Wörterbücher, also etwa in allgemeine und fachsprachliche Übersetzungs­wörterbücher.

Typologie unter formalen Aspekten mini|Beispiel Gedruckte Wörterbücher (Printwörterbücher, von engl. print „Druck“) sind Wörterbücher, die im Buchdruck-Verfahren hergestellt werden. Bis zum Ende des 20. Jahrhunderts waren sie die einzige Publikationsform für Wörterbücher. Besondere Formen sind: das Handwörterbuch, das ursprünglich dafür konzipiert wurde, dem Benutzer als ständiges Nachschlagewerk am Arbeitsplatz zur Verfügung (zur Hand) zu stehen. Es entwickelte sich teilweise zu einem umfangreichen, auch mehrbändigen Werk. das Taschenwörterbuch sollte ursprünglich praktisch in einer Tasche mitgeführt werden können und versucht daher in kleinem Format ein Höchstmaß an Informationen zu bieten. Das Großwörterbuch ist das umfangreichste Sprachwörterbuch, das zum Teil in mehreren Bänden erscheint. Der Typ wurde zu Beginn der 1960er Jahre vom Verlag Langenscheidt geschaffen, indem er bereits eingeführte umfangreiche Wörterbücher unter dieser Bezeichnung neu auflegte. Das erste dieser Art war wohl das Deutsch-Griechische Wörterbuch von Hermann Menge, das 1960 unter diesem Titel erschien. Weitere Verlage folgten, sodass die Zahl dieser Wörterbücher schnell stieg.

Seit den 1980er Jahren werden Wörterbücher auch in digitaler Form verbreitet (elektronische Publikation). Dabei ist zu unterscheiden, ob die Daten vervielfältigt werden oder ob sie in einem zentralen Speicher vorliegen. Als elektronisches Wörterbuch wird ein Wörterbuch bezeichnet, das auf reproduzierbare elektronische Datenträger, vor allem CD-ROM und DVD, gebracht und verbreitet wird. Online-Wörterbücher sind digital erfasste Nachschlagewerke, die auf einem zentralen Datenspeicher vorliegen und nur online über das Internet abgefragt, teilweise auch bearbeitet werden können.

Struktur von Wörterbüchern und Wörterbuchartikeln Ein Wörterbuch besteht in der Regel aus Außentexten und dem Wörterverzeichnis. Im Wörterverzeichnis sind die Lemmata aufgelistet Zu den Außentexten gehört alles, was außerhalb des eigentlichen Wörterverzeichnisses steht, beispielsweise Einleitung, Benutzerhinweise (Abkürzungsverzeichnis u. ä.) und Flexionstabellen. befinden sich die Außentexte vor dem Wörterverzeichnis, so spricht man vom Vorspann (engl. front matter), stehen sie danach vom Nachspann (engl. back matter)

Im Wörterverzeichnis wird zwischen Makrostruktur und Mikrostruktur unterschieden: