Unter dem Begriff Irrtumslexikon (Plural: Irrtumslexika) lässt sich eine vor allem seit Mitte der 1990er Jahre häufige Sparte populärwissenschaftlicher Sachbücher zusammenfassen, die laut eigenem Anspruch weit verbreitete Fehlvorstellungen (beispielsweise Moderne Sagen) auflisten und diese korrigieren.

Geschichte Eines der ersten weit verbreiteten Verzeichnisse von Irrtümern in lexikalischer Form war im englischsprachigen Raum die Encyclopedia of Popular Misconceptions von Ferris Johnsen, die als Taschenbuch Anfang 1994 erschien.

Angelehnt an die Idee von Ferris Johnsen und namensgebend für die deutschsprachigen Ausgaben solcher Irrtumslexika war das 1996 im Eichborn-Verlag erschienene Lexikon der populären Irrtümer von Walter Krämer und Götz Trenkler. Es folgte eine Reihe weiterer Lexika zu einer Vielzahl von Themenbereichen. 1999 legte der Eichborn-Verlag das Lexikon der klassischen Irrtümer auf, aus dem hervorgeht, wann welche Wissenschaftler und Institutionen (angeblichen) Irrtümern aufgesessen sind. Ebenfalls im Jahre 1999 kam Das Lexikon der Fälschungen von Werner Fuld, ebenfalls bei Eichborn, heraus und erweiterte die Irrtümer um „Fälschungen, Lügen und Verschwörungen aus Kunst, Historie, Wissenschaft und Literatur“. Im Jahr 2000 folgte das Lexikon der Psycho-Irrtümer des Wissenschaftsjournalisten Rolf Degen im Eichborn-Verlag. Das Lexikon der Öko-Irrtümer von Dirk Maxeiner und Michael Miersch führte im Jahre 1999 zu Diskussionen, die auch im Wissenschaftsbetrieb Eingang fanden.Wolf-Andreas Liebert: Exkurs: Wissenschaftskritik in Irrtumslexika. In: Wissenstransformationen: Handlungssemantische Analysen von Wissenschafts- und Vermittlungstexten. In: Studia Linguistica Germanica, Bd. 63, De Gruyter, Berlin - New York 2002, S. 314–317.

Die Titel Lexikon der Rechtsirrtümer (Ullstein Verlag, 2004) und Neues Lexikon der Rechtsirrtümer (Ullstein-Verlag, 2005) des Rechtsanwaltes Ralf Höcker wurden zu Bestsellern. Höckers zweites Werk löste im Sommer 2005 ein weltweites Medienecho aus, nachdem der Autor in einem Interview mit der britischen Zeitung The Guardian erstmals klarstellte, dass Touristen keinen Rechtsanspruch auf die Nutzung einer Sonnenliege erwerben, wenn sie sie mit einem Handtuch reservieren.Mark Oliver und Khuê Pham: Sun lounger law rules towels illegal, The Guardian, 8. August 2005.

Im Zusammenhang mit Filmen wie Die Passion Christi und Bestsellern wie Sakrileg wurden auch Irrtumslexika mit biblischen Themen populär. Der evangelische Theologe Walter-Jörg Langbein nutzte seine Kenntnisse der alten Sprachen und der theologischen Sekundärliteratur zur Darstellung umstrittener Themen des Alten und des Neuen Testaments im Lexikon der biblischen Irrtümer und im Lexikon der Irrtümer im Neuen Testament.

Kritik Auffällig an den Sachbüchern ist, dass sie fast alle das Wort Lexikon im Titel tragen und eine alphabetische Ordnung aufweisen, die in den meisten Fällen gar nicht nötig wäre, da die Benennung der Irrtümer ohnehin willkürlich durch die Autorinnen und Autoren erfolgt.

Schon 2002 kritisierte Hans-Albrecht Koch in der NZZ anlässlich der Herausgabe des Lexikons der populären Irrtümer, des Lexikons der Öko-Irrtümer und ähnlicher Werke, die Vielzahl der Lexika verstopfe die „Untergeschosse des Geistes“, womit er die „einfachere Kost“ meinte, die aber ohne ein Lexikon nicht mehr auskomme.Hans-Albrecht Koch: Zeitzeichen Wissenswerte. Über Lexika, Enzyklopädien und ihre Vermehrung. Neue Zürcher Zeitung, 17. August 2002. Trotzdem wurde gerade das Lexikon der Öko-Irrtümer auch im Wissenschaftsbetrieb diskutiert und Wolf-Andreas Liebert von der Universität Koblenz-Landau widmete den Irrtumslexika in seinem ausführlichen Werk über Wissenstransformationen einen Exkurs: Wissenschaftskritik in Irrtumslexika.

Martin Rath sieht in der Kürze und Kurzweiligkeit der einzelnen Kapitel der Irrtumslexika den Hauptgrund für den Erfolg: „Auch erwachsene Menschen, die als Mediennutzer die Aufmerksamkeitsspanne eines koffeinabhängigen Kindergartenkindes zeigen, haben offenbar ein Interesse an populärwissenschaftlichen Auskünften. Darum boomt das Metier der "Irrtumslexika"“.

Beispiele Deutschsprachige Irrtumslexika:

Deutschland

Österreich

Schweiz

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Lexikon oder Enzyklopädie Irrtumslexikon Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (21. Jahrhundert)