Reginald Jeeves ist eine fiktive Figur des britisch-amerikanischen Schriftstellers P. G. Wodehouse (1881–1975), die in Kurzgeschichten und Romanen eine Rolle spielt, die Wodehouse zwischen 1917 und 1974 verfasste. Der fast immer nur mit dem Nachnamen angesprochene Jeeves ist, anders als häufig vermutet, kein Butler, sondern als personifizierter „gentleman's personal gentleman“ der Kammerdiener (engl. valet) des wohlhabenden Bertie Wooster. Während ein Butler dem Haushalt seines Arbeitgebers vorsteht, dient ein Kammerdiener seinem Arbeitgeber persönlich und zeichnet sich dadurch durch ein besonders enges Verhältnis zu seinem Dienstherren aus. Nichtsdestoweniger leiht Bertram Wooster Jeeves in verschiedenen Kurzgeschichten und Romanen als Butler aus und hält deswegen fest, dass, „wenn der Ruf ergeht, er ebenso gut auch butlern kann.“

Einige der Romane, in denen Jeeves Protagonist ist, gelten als Klassiker des britischen Humors. Robert McCrum führt Ohne mich, Jeeves! in der im Guardian veröffentlichen Liste der 100 besten englischsprachigen Romane auf. 2015 wählten 82 internationale Literaturkritiker und -wissenschaftler Alter Adel rostet nicht zu einem der bedeutendsten britischen Romane.The best British novel of all times – have international critics found it? The Guardian, aufgerufen am 6. Februar 2016 John le Carré dagegen hat in einem 1996 veröffentlichten Zeitungsartikel festgehalten, dass jede Büchersammlung ein wohlgelesenes Exemplar von Dann eben nicht, Jeeves enthalten müsse.John le Carré; Personal Best: Right Ho, Jeeves, Salon, 30. September 1996, aufgerufen am 24. April 2016.

Wodehouse-Romane, in denen Jeeves neben Bertie Wooster Protagonist ist, wurden mehrfach für Film, Fernsehen und Funk adaptiert. Zu den bekanntesten Jeeves-Darstellern zählen Arthur Treacher und Stephen Fry. Handlungsmotive aus Wodehouse-Romanen sind außerdem Basis für das 1975 uraufgeführte Musical By Jeeves, für das Andrew Lloyd Webber die Musik schrieb.

Jeeves als Romanfigur Abgesehen von der Kurzgeschichte „Bertie Changes His Mind“, die aus der Perspektive von Jeeves erzählt wird, werden die Handlungen aller Erzählungen von Bertie in der Ich-Form berichtet. Mehr als fünfzig Jahre lang hat Jeeves von seinem Schöpfer keinen Vornamen bekommen. Erst in dem späten Roman Much Obliged, Jeeves (1971), beschreibt Bertram Wooster, wie er den Vornamen seines Dieners erfuhr: „Hallo Reggie,“ sagte er, und ich erstarrte in meinem Sessel, völlig überwältigt von der Offenbarung, daß Jeeves Vorname Reginald war …

Im Kanon der Wodehouse-Bücher gibt es nur ein einziges Buch, in dem Bertram ohne Jeeves auskommen muss: „Ring for Jeeves“ dokumentiert jene Zeit, als Jeeves an den 9. Earl of Rowchester verliehen ist, während Bertram einen Kurs besucht, in dem reiche Müßiggänger Selbstgenügsamkeit für den Fall sozialer Unruhen erlernen können.

Auch wenn P. G. Wodehouse mehr als ein halbes Jahrhundert Geschichten um diese beiden Figuren schrieb, altern sie nicht. Auch die Zeitperiode, in der die Handlungen spielt, ist nicht genau definiert: In einem Artikel für das Sunday Times Magazine im Jahre 1961 schrieb Evelyn Waugh, dass die Figuren von Wodehouse nicht Figuren des Edwardischen Zeitalters wären, wie häufig behauptet, sondern reine Fantasie-Gestalten seien, die in einer Fantasiewelt von unverdorben paradiesischer Unschuld lebten.Evelyn Waugh, The Sunday Times Magazine. 16. Juli 1961 Die Romanhandlungen nehmen ihren Anfang häufig im Londoner Appartement von Bertie, finden ihre Fortsetzung dann aber auf verschiedenen englischen Landsitzen wie Brinkley Court oder Totleigh Towers. Gelegentlich sind jedoch auch New York sowie einige andere Orte der Vereinigten Staaten Handlungsort. Darin reflektiert sich auch, dass Wodehouse einen großen Teil seines Lebens in den USA verbrachte.

Beruflicher Werdegang Jeeves' erste Anstellung war diejenige eines Pagen in einer Mädchenschule; danach hatte er mindestens elf andere Arbeitgeber. Bekannt sind Lord Worplesdon, den er nach einem Jahr wegen dessen inakzeptabler Abendgarderobe wieder verließ, sowie Digby Thistleton (später Lord Bridgenorth), der ein Haarwasser verkaufte; Montague Todd, ein Finanzier, der zu dem Zeitpunkt, als Jeeves ihn gegenüber Bertram erwähnte, gerade sein zweites Jahr im Gefängnis absaß; Lord Brancaster, der seinen Papagei mit portweingetränkten Körnerkeksen fütterte; Lord Frederick Ranelagh, der in Monte Carlo durch den wiederholt auftauchenden Gangster Soapy Sid betrogen worden war. Später arbeitete Jeeves für Lord Rowchester für die Zeitdauer von „Ring for Jeeves“. Berties alter Freund Lord 'Chuffy' Chuffnell konnte sich für eine Woche in „Bertie in wilder Erwartung“ glücklich schätzen, nachdem Jeeves bei Bertram Wooster gekündigt hatte, weil Wooster um keinen Preis das Banjo-Spiel aufgeben wollte. Kurzfristig war Jeeves für den US-amerikanischen Millionär J. Washburn Stoker tätig. Allerdings erweist sich seine Beschäftigung bei diesem auch als Finte, um Lord Chuffnells Herzensdame einen Liebesbrief zu überbringen. Der kurzzeitige Arbeitgeberwechsel endet, als Jeeves Bertie Wooster von der Yacht schmuggelt, auf der dieser von Stoker gefangen gesetzt wurde. Zu den weiteren Arbeitgebern von Jeeves gehört kurzzeitig Augustus (Gussie) Fink-Nottle, der sich in „The Mating Season“ als Bertram Wooster verkleiden musste; schließlich diente er Sir Watkyn Bassett in „Stiff Upper Lip, Jeeves“, um Bertram durch diesen Trick aus dem Gefängnis zu befreien.

Charakterisierung Sprache und Zitate Jeeves ist durch seine vornehm zurückhaltende Sprachweise gekennzeichnet und unterscheidet sich darin von Bertie Wooster, der zu einer eher saloppen Ausdrucksweise neigt. In seiner Lektüre ist er anders als sein Arbeitgeber sehr anspruchsvoll. Von Bertie lässt er sich nicht nur eine neue Herausgabe der Werke von Baruch de Spinoza schenken (in Ohne mich, Jeeves!), sondern liest auch Nietzsche (einen Autor, von dem er Bertie in Ohne mich, Jeeves! abrät), sowie Dostojewski und die anderen „großen Russen“. Gerne beglückt Jeeves Bertie und dessen Freunde mit Zitaten. Die Quellen, aus denen er dabei schöpft, sind sehr umfangreich. Neben den Werken Shakespeares, der Bibel und Charles Dickens zitiert er gerne die römischen Dichter und Philosophen Lukrez, Plinius den Jüngeren, Mark Aurel, Horaz und Vergil. Nicht weniger textsicher greift er auf die Werke großer englischer, schottischer und irischer Dichter, Schriftsteller und Philosophen wie Percy Shelley, Lord Byron, Alfred Tennyson, Rudyard Kipling, John Keats, Walter Scott, Elizabeth Barrett Browning, Thomas Moore, John Milton, William Ernest Henley, Robert Louis Stevenson, Robert Burns und William Wordsworth zurück.Usborne: Plum Sauce. A P. G. Wodehouse Companion. S. 82. Daneben gehören zu seinem Repertoire auch Zitate aus den Werken der US-Amerikaner John Greenleaf Whittier und Ralph Waldo Emerson. Die gelegentlich auch zitierte Rosie M. Banks dagegen ist eine fiktive Figur – sie ist die Ehefrau von Berties langjährigem Freund Bingo Little und hat sich einen Namen als Autorin von Romanzen gemacht. Richard Usborne weist darauf hin, dass die Liste der zitierten Autoren zwar beeindruckend sei, die genannten Autoren seien jedoch sämtlich Literaturstoff der britischen Oberklasse gewesen.

Enzyklopädisches Wissen Jeeves' ungeheures Wissen und seine Weisheit sind sprichwörtlich geworden, so dass eine Internet-Suchmaschine nach ihm benannt wurde (Ask Jeeves). So erläutert er beispielsweise in Ohne mich, Jeeves! seinem Arbeitgeber das Funktionieren des Aktienmarktes und warum es so wesentlich ist, dass Lord Worplesdon, Ehemann von Berties furchteinflößender Tante Agatha, sich im Geheimen mit seinem amerikanischen Geschäftspartner trifft, um eine Fusion der beiden Schifffahrtslinien zu verhandeln. Dies nutzt er auch, um seinem Arbeitgeber eine lateinische Sentenz mit auf den Weg zu geben, auf die dann im Verlauf des Romanes mehrfach angespielt wird. Als Bertie endlich die Zusammenhänge richtig wiedergibt, antwortet Jeeves ihm:P. G. Wodehouse: Ohne mich, Jeeves!, S. 28. Übersetzung von Thomas Schlachter.

Mitglied des Junior Ganymede Club Jeeves ist Mitglied im Junior Ganymede Club, einem Club für Butler und Kammerdiener. Dieser Club führt auch ein Club-Buch, in dem sie die Missetaten ihrer Arbeitgeber niederschreiben. Der Abschnitt „Wooster B“ ist mit elf Seiten der längste in diesem Buch. Als Mitglied des Junior Ganymede Clubs stehen Jeeves jedoch auch Informationen über andere Arbeitgeber offen. In Alter Adel rostet nicht ist es genau das, was Berties Gegenspieler Roderick Spode außer Gefecht setzt. Spode, dessen Figur Wodehouse eng an Oswald Mosley, den Gründer der faschistischen Partei British Union of Fascists (BUF)Usborne: Plum Sauce. A P. G. Wodehouse Companion. S. 174. anlehnte, entwirft mit Leidenschaft Damenunterwäsche und vertreibt sie heimlich in London in dem Laden „Eulalie“. Da diese Leidenschaft seiner politischen Karriere ein Ende setzen würde, haben Jeeves und damit auch Bertie Wooster damit einen Hebel gefunden, um Spode dazu zu zwingen, den Diebstahl eines Polizeihelms auf sich zu nehmen.

Durchsetzungsfähigkeit Bertie Wooster ist stolz darauf, einmal einen Artikel zu Tante Dahlias Magazin „Mylady's Boudoir“ beigetragen zu haben. Seinen Artikel mit dem Titel „Was der gut angezogene Herr trägt“ wird von Bertie in mehr als einem Roman erwähnt. Trotz dieses Ausflugs in die Modewelt steht Jeeves einer Reihe von Berties Garderobe-Entscheidungen mehr als skeptisch gegenüber: Taschentücher mit Initialen, Stroh- oder Tirolerhut sowie violette Socken gehören seiner Meinung nach nicht in die Garderobe eines Herren. Zu den insbesondere für die Romane typischen Handlungsbestandteilen gehört es, dass Jeeves zu Beginn der Handlung seine Missbilligung für eines von Berties Accessoires Ausdruck verleiht. Jeeves erweist sich als äußerst durchsetzungsfähig, was die Entfernung dieser von ihm missbilligten Kleidungsstücke betrifft.

Bereits in der Kurzgeschichte Jeeves übernimmt das Ruder (Ersterscheinungsjahr 1916), in der P. G. Wodehouse erläutert, wie Bertie Wooster zu diesem Kammerdiener kommt, gelingt es Jeeves seinem Arbeitgeber einen aus seiner Sicht zu auffällig gemusterten Anzug auszureden. Auch Berties Verlobung mit Lady Florence Craye – einer aus Sicht von Jeeves äußerst unglückliche Partnerwahl – findet dank seines Eingreifens ein schnelles Ende. In Dann eben nicht, Jeeves ist Jeeves mit Berties weißem Dinner-Jacket nicht einverstanden – am Ende sind es Brandflecken, die Jeeves beim Bügeln versehentlich dem Jacket zufügt, die dieses Dinnerjacket aus dem Weg räumen. Der Tirolerhut, auf den Bertie zu Beginn von SOS, Jeeves! so stolz ist, befindet sich am Ende des Romans im Besitz von Sir Watkyns Kammerdiener.

Jeeves erweist sich auch als fähig, sehr viel weitreichendere Entscheidungen durchzusetzen: In Ohne mich, Jeeves! liegt Jeeves viel an einem Sommeraufenthalt in Steeple Bumpleigh, welches Jeeves so hervorragende Angelmöglichkeiten bieten würde und kurze Zeit darauf befindet sich Bertie auf dem Weg dahin. In Alter Adel rostet nicht ist es eine Kreuzfahrt, für die Jeeves bereits zu Beginn des Romans wirbt und der Bertie Wooster am Ende des Romans endlich zustimmt.

Jeeves als Drahtzieher In Dann eben nicht, Jeeves, dem zweiten vollumfänglichen Roman mit Bertie Wooster und Jeeves als Protagonisten, ist ein Treiber der Handlung, dass Bertie allmählich eifersüchtig darauf wird, dass Freunde wie Augustus Fink-Nottle und Verwandte wie Tante Dahlia sich an Jeeves wenden, wenn sie in Lebenslagen geraten, in denen sie nicht mehr weiter wissen. Seine Anweisung an Jeeves, dass er seine Rolle als Ratgeber aufgeben und alle Ratsuchenden an ihn verweisen soll, führt jedoch ins Chaos. Die Verwicklungen finden erst dann ihre Auflösung, als Bertie anerkennt, dass Jeeves ihm darin überlegen ist, Liebende wieder zusammenzuführen.

Die Figur des Jeeves in den Romanen und Kurzgeschichten von Wodehouse