mini|Friedrich Engels, (1877) (Teil einer Fotografie) rahmenlos|rechts|klasse=skin-invert|Unterschrift Friedrich Engels mini|Friedrich Engels: Statue im Wuppertaler Engelsgarten. Im Hintergrund: Das Haus des Fabrikanten Friedrich Engels, heutiges Engels-Museum.
Friedrich Engels (* 28. November 1820 in Barmen, Provinz Jülich-Kleve-Berg, Preußen; † 5. August 1895 in London, Vereinigtes Königreich) war ein deutscher Philosoph, Gesellschaftstheoretiker, Historiker, Journalist und kommunistischer Revolutionär. Er entwickelte gemeinsam mit Karl Marx die heute als Marxismus bezeichnete Gesellschafts- und Wirtschaftstheorie. Darüber hinaus war er ein erfolgreicherEngels hinterließ ein beträchtliches Vermögen. (Gustav Mayer: Friedrich Engels: Eine Biographie. Band II, S. 525.) Unternehmer in der Textilindustrie.
Engels hatte sich schon vor Marx mit der Kritik der politischen Ökonomie beschäftigt. Die 1844 erschienenen Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie wurden für Marx zum Ausgangspunkt seiner eigenen Arbeiten.Vgl. Liedman: Engelsismus. In: Historisch-kritisches Wörterbuch des Marxismus. Bd. 3, Sp. 385. Bereits 1845 erschien die gemeinsame Schrift Die heilige Familie, mit der Engels und Marx begannen, ihr Theorieverständnis zu formulieren. Im Jahr 1848 verfassten sie im Auftrag des Bundes der Kommunisten das Kommunistische Manifest.
Mit seiner einflussreichen Untersuchung Die Lage der arbeitenden Klasse in England (1845) gehörte Engels zu den Pionieren der empirischen Soziologie.Vgl. Liedman: Engelsismus. In: Historisch-kritisches Wörterbuch des Marxismus. Bd. 3, Sp. 385. Seine publizistische Tätigkeit trug wesentlich zur Verbreitung des Marxismus bei. Neben dem Anti-Dühring (1877) erfuhr vor allem die Kurzfassung Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft (1880) starke Resonanz. Nach Marx’ Tod 1883 gab Engels den zweiten und den dritten Band von dessen Hauptwerk, Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie, heraus. Darüber hinaus setzte er die Arbeit an der theoretischen Ausformung ihrer gemeinsamen Weltanschauung fort, unter anderem in Der Ursprung der Familie, des Privateigenthums und des Staats (1884) und Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie (1888).
Neben seinen ökonomischen und philosophischen Studien befasste sich Engels auch intensiv mit der Entwicklung der Naturwissenschaften und der Mathematik und schuf damit den Grundstein für den späteren dialektischen Materialismus. Mit Karl Marx war er Begründer des sogenannten historischen Materialismus.
Die Gefahr eines Weltkriegs in Europa sah er deutlich voraus und versuchte noch 1893 mit einer Artikelserie im Vorwärts einen Anstoß zur Reduzierung der stehenden Heere zu geben.Kann Europa abrüsten?, MEW 22, S. 369 ff.
Leben und Werk Kindheit und Jugend (1820–1841) mini|Friedrich Engels, im Dezember 1840 gezeichnet von Georg Wilhelm Feistkorn
Engels war das erste von neun Kindern des erfolgreichen Baumwollfabrikanten Friedrich Engels sen. und dessen Frau Elisabeth (Elise) Franziska Mauritia van Haar, nach der Heirat Elise Engels. Engels’ Vater, Sohn des Manufakturbesitzers und Seidengroßhändlers Johann Caspar Engels, entstammte einer angesehenen, seit dem 16. Jahrhundert im Bergischen Land ansässigen Familie und stand dem Pietismus nahe. Seine Mutter stammte aus einer Philologenfamilie (siehe Engels' Elternhaus). Engels wuchs in seiner heute zu Wuppertal gehörenden Geburtsstadt Barmen auf, die 1815 an Preußen gekommen war. Dort besuchte er die Städtische Schule. Im Herbst 1834 schickte ihn sein Vater auf das liberale Gymnasium zu Elberfeld. Der äußerst sprachbegabte Schüler begeisterte sich für humanistische Ideen und geriet in zunehmende Opposition zu seinem Vater. Auf dessen Drängen musste Engels zum 25. September 1837 das Gymnasium, ein Jahr vor dem Abitur, verlassen, um als Handlungsgehilfe im Handelsgeschäft seines Vaters in Barmen zu arbeiten. Im Juli 1838 reiste er nach Bremen, um dort im Hause des Großhandelskaufmanns und sächsischen Konsuls Heinrich Leupold seine Ausbildung bis April 1841 fortzusetzen. Er wohnte im Haushalt von Georg Gottfried Treviranus, Pastor an der Martini-Kirche.
Im weltoffenen Bremen hatte Engels Gelegenheit, neben seiner kaufmännischen Ausbildung die durch Presse und Buchhandel verbreiteten liberalen Ideen zu verfolgen. Er fühlte sich vor allem von den liberalen Dichtern und Publizisten des „Jungen Deutschlands“ angesprochen und unternahm selbst literarische Versuche. Er gehörte zu den korrespondierenden Mitgliedern eines Literaturkränzchens in Barmen um Carl de Haas, zu denen auch Gustav Heuser, Friedrich Roeber, Adolf Schults und Johann Richard Seel zählten.Ulrike Brandt-Schwarze: Barmer Literaturkränzchen. In: Wulf Wülfing, Karin Bruns, Rolf Parr (Hrsg.): Handbuch literarisch-kultureller Vereine, Gruppen und Bünde 1825–1933 (= Repertorien deutscher Literaturgeschichte. Bd. 18). J. B. Metzler, Stuttgart/Weimar 1998, ISBN 3-476-01336-7, S. 27 (Google Books)
Noch im Frühjahr 1839 begann Engels, mit dem radikalen Pietismus seiner Geburtsstadt abzurechnen. In seinem Artikel Briefe aus dem Wuppertal, der 1839 im Telegraph für Deutschland erschien, schilderte er, wie der religiöse Mystizismus im Wuppertal alle Bereiche des Lebens durchdrang, und machte auf den Zusammenhang zwischen der pietistischen Lebenseinstellung und dem sozialen Elend aufmerksam. 1840 berichtete er vom Bremer Kirchenstreit.
Engels betätigte sich als Bremer Korrespondent des Stuttgarter Morgenblatts für gebildete Leser, ab 1840 bei der Augsburger Allgemeinen Zeitung. Er schrieb zahlreiche Literaturkritiken, Gedichte, Dramen und verschiedene Prosaarbeiten. Darüber hinaus verfasste er Berichte zur Auswanderungsfrage und über die „Schraubendampfschifffahrt“. Wichtige Förderer seiner literarisch-politischen Interessen waren zu dieser Zeit Ludwig Börne, Ferdinand Freiligrath und insbesondere Karl Gutzkow. In dessen Telegraph für Deutschland erschienen von 1839 bis 1841 unter dem Pseudonym „Friedrich Oswald“ zahlreiche Beiträge von Engels.
Ab September 1841 leistete Engels seinen Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger bei der Garde-Artillerie-Brigade in Berlin ab und besuchte dort Vorlesungen zur Philosophie an der Universität. Er näherte sich dem Kreis der Junghegelianer und schloss sich der Gruppe um Bruno und Edgar Bauer, den sogenannten „Freien“, an. Zur Jahreswende 1841/42 veröffentlichte Engels – unter dem Eindruck von Friedrich Wilhelm Joseph Schellings Berliner Hegel-Vorlesungen – einen Artikel und zwei Broschüren, die sich gegen die Philosophie Schellings richteten.1841: Schelling über Hegel (MEW 41, S. 163 ff.); März 1842: Schelling und die Offenbarung (MEW 41, S. 173 ff.); Mai 1842: Schelling, der Philosoph in Christo, oder die Verklärung der Weltweisheit zur Gottesweisheit (MEW 41, S. 225 ff.)
Seit seinen Streitschriften gegen Schelling widmete Engels der Philosophie immer größere Aufmerksamkeit. Er studierte die Werke Hegels, beschäftigte sich ausführlich mit dem Stand der religionskritischen Forschungen und wandte sich zum ersten Mal der Philosophie der französischen Materialisten zu. Ab Mitte 1842 begann er, sich mit Ludwig Feuerbach (Das Wesen des Christentums) auseinanderzusetzen, der in seinen Werken die Religion sowie den Hegelschen Idealismus verwarf. Unter dem Eindruck dieser Studien entfernte sich Engels zunehmend vom Junghegelianismus und fing an, Positionen des Materialismus einzunehmen. Damit bekamen für ihn politische Tagesfragen ein immer stärkeres Gewicht. Seit April 1842 veröffentlichte er gegen den reaktionären Kurs des preußischen Staates gerichtete Artikel in der Rheinischen Zeitung, dem damals führenden Organ der oppositionellen bürgerlichen Bewegung in Deutschland.
Briefe aus dem Wuppertal und Beschäftigung mit den Junghegelianern Engels interessierte sich schon sehr früh für die prekäre Lage der Arbeiterschaft. Im bereits 1839 im Telegraph für Deutschland veröffentlichten Aufsatz Briefe aus dem WuppertalMEW 1, S. 413 ff. beschreibt er unter anderem die Pauperisierung und Degenerationserscheinungen deutscher Industriearbeiter – wie die Verbreitung des Mystizismus und der Trunkenheit – und die Kinderarbeit in den Fabriken.
Daneben beschäftigte sich Engels in der Folgezeit stark mit den Junghegelianern, insbesondere mit David Friedrich Strauß. In den Jahren 1842/43 erschienen – unter dem Eindruck von Friedrich Wilhelm Joseph Schellings Hegel-Vorlesungen in Berlin – Artikel und Broschüren zu Schelling und dessen Hegel-Kritik.1841: Schelling über Hegel (MEW 41, S. 163 ff.); März 1842: Schelling und die Offenbarung (MEW 41, S. 173 ff.); Mai 1842: Schelling, der Philosoph in Christo, oder die Verklärung der Weltweisheit zur Gottesweisheit (MEW 41, S. 225 ff.) Engels kritisiert darin den Versuch Schellings, die christliche Religion zu rechtfertigen, und verteidigt die Hegelsche Dialektik. Schellings Philosophie stelle einen Rückfall in die Scholastik und Mystik dar und sei der Versuch, die Philosophie wieder zur „Magd der Theologie“Schelling, der Philosoph in Christo (MEW 41, S. 231) zu erniedrigen.
Erste revolutionäre Schritte (1842–1844) mini|hochkant|Rheinische Zeitung mini|hochkant|Friedrich Engels zwischen 1857 und 1859Dieses Bild wurde erstmals 1920 veröffentlicht. Gustav Mayer schrieb: „Das dem Werk vorgedruckte Porträt des jungen Engels ist ein Daguerreotyp im Besitz der Familie“. (Friedrich Engels. Schriften der Frühzeit. Julius Springer, Berlin 1920, S. XII.)Die russische Erstveröffentlichung wurde in der ersten russischen Marx Engels Werkausgabe im Band V 1929 mit der Bildunterschrift: „F. Engels. Mitte der 40er Jahre“ publiziert. (Карл Маркс Фридрих Энгельс. Собрание фотографий. Plakat, Moskau 1976, S. 244.)Jenny Marx schrieb an Conrad Schramm am 8. Dezember 1857: „Apropos. Wir haben die Photographien von Freiligrath und Engels. Wenn es Ihnen nicht zu lästig ist, lassen Sie uns doch auch eine von sich machen. Karl hätte so gerne seine besten Freunde im Bilde um sich.“ (Marx-Engels-Gesamtausgabe. Abteilung III. Band 8, S. 212.) Friedrich Leßner schrieb über eine Fotografie von Friedrich Engels: „1859 schrieb ich einen Brief an Engels, in dem ich ihn nebenbei um eine Photographie ersuchte; ich erhielt diese nebst einem ausgezeichneten Briefe.“ (Mohr und General. Dietz, Berlin 1964, S. 465.) Leßner konnte dieses Bild und den Brief 1902 nicht mehr auffinden.
Im November 1842 reiste Engels über Köln – wo er bei einem Redaktionsbesuch der Rheinischen Zeitung erstmals Karl Marx persönlich begegnete – nach Manchester, wo er im Stadtteil Chorlton-on-Medlock wohnte, um seine kaufmännische Ausbildung in der seinem Vater und dessen Partner Ermen gehörenden Baumwollspinnerei Ermen & Engels zu vollenden.
Im industriell viel weiter entwickelten England lernte Engels die Auswirkungen des Manchesterliberalismus auf die Lebenslage der dortigen Arbeiterklasse kennen, was seine politische Haltung veränderte und auf Lebenszeit prägte. Der Feudalismus war dort bereits überwunden, und die Widersprüche zwischen Bourgeoisie und Arbeiterklasse traten für Engels offen zutage. Er suchte den Kontakt mit der sich formierenden englischen Arbeiterbewegung und lernte deren Kampfformen wie Streiks, Meetings und Gesetzesinitiativen kennen.Fritz Wahrenburg: Engels, Friedrich. In: Killy Literaturlexikon. Bd. 3, S. 254. Die irische Arbeiterin Mary Burns, Engels’ Lebensgefährtin, spielte dabei eine wichtige Rolle.Salford Star, 2007 winteredition, read on: https://www.salfordstar.com/article.asp?id=461