Emsbüren ist eine Einheitsgemeinde im südlichen Landkreis Emsland in Niedersachsen. Der Name der Gemeinde wird auf der zweiten Silbe betont. Emsbüren grenzt im Westen an Engden und Wietmarschen, im Norden an die Stadt Lingen, im Osten an die Samtgemeinde Spelle und im Süden an die Gemeinde Salzbergen sowie die Stadt Schüttorf. Seit August 2007 ist Emsbüren – als erste niedersächsische Kommune – offiziell anerkannter Ausflugsort.

Geographie Geographische Lage Emsbüren liegt an der Ems, der Großen Aa sowie der Speller Aa im Städtedreieck Lingen–Rheine–Nordhorn. Südwestlich liegt das Autobahnkreuz Schüttorf (A 31/A 30), nahe der Grenze zu Nordrhein-Westfalen. Emsbüren liegt auf der Endmoräne der Elstereiszeit, einem Ausläufer des Teutoburger Waldes.

Nachbargemeinden Stadt Lingen Gemeinde Salzbergen Samtgemeinde Schüttorf Samtgemeinde Spelle Gemeinde Wietmarschen

Gemeindegliederung Die Gemeinde ist in acht Ortschaften (laut NKomVG) gegliedert, in denen jeweils ein Ortsrat gewählt wird.

links|160px Ahlde: 21,27 km², 633 Einwohner Berge: 2.092 Einwohner (Fläche zusammen mit Emsbüren) Elbergen: 22,42 km², 544 Einwohner Emsbüren: 14,10 km² (mit Berge), 2.942 Einwohner Gleesen: 19,34 km², 726 Einwohner Leschede (mit Bernte): 29,40 km², 2.127 Einwohner Listrup: 23,85 km², 571 Einwohner Mehringen: 9,12 km², 1.084 Einwohner Stand: 1. Januar 2023Zahlen, Daten, Fakten

Räumliche Zuordnung der Ortsteile mini|Boote auf der Ems zwischen Elbergen und Gleesen

Ahlde: Bauerschaft südlich Emsbürens Berge: Bauerschaft und Siedlungsgebiet rund um den Emsbürener Ortskern Elbergen: kleiner Ort mit eigenem Ortskern und der Kirche St. Johannes der Täufer; nördlichster Gemeindeteil Emsbüren: Zentrum der Gemeinde Emsbüren Gleesen: Bauerschaft mit Siedlungsgebiet und Ferienhaussiedlung im Nordosten Emsbürens im Naherholungsgebiet östlich der Ems. Zugeordnet werden die Orte Gleesen, Hesselte und Helschen Leschede (Aussprache []): überwiegend Siedlungsbauten, nördlich des Zentrums mit eigenem Ortskern sowie Bahnhof und der Erlöserkirche. Listrup: östlich gelegener kleiner Ort mit eigenem Ortskern und der Kirche Unbefleckte Empfängnis St. Mariens. Zugeordnet werden Listrup und Moorlage Mehringen: Bauerschaft an der Ems

Oberflächengewässer, Moore und andere Feuchtgebiete

Das Gemeindegebiet von Emsbüren liegt hydrologisch im Flusssystem der Ems.

Es wird von mehreren Fließgewässern sowie künstlich angelegten Wasserstraßen durchzogen. Bedeutendstes Gewässer ist die Ems, die die Gemeinde in Nord-Süd-Richtung durchquert und das Landschaftsbild der Emsauen prägt. Daneben verlaufen mit dem Dortmund-Ems-Kanal und dem Ems-Vechte-Kanal zwei wichtige künstliche Wasserstraßen durch das Gemeindegebiet.

Zu den natürlichen Nebenflüssen zählen insbesondere die Große Aa sowie die Speller Aa.

Als stehendes Gewässer ist der Ahlder Pool hervorzuheben, ein nährstoffarmer Heideweiher in Ahlde, der aufgrund seiner besonderen Flora unter Naturschutz steht (NSW WE 046).

Es gibt mehrere Moor- und Feuchtgebiete, die überwiegend als Naturschutzgebiete ausgewiesen sind. Zu den bedeutendsten Moorstandorten zählt das Lescheder Keienvenn, ein etwa fünf Hektar großes Naturschutzgebiet nordwestlich des Ortskerns (NSG WE 047). Es handelt sich um ein Flachmoor mit typischer Vegetation aus Röhricht, Weidengebüschen und randlich angrenzenden Kiefernforsten, das vollständig von landwirtschaftlichen Nutzflächen umgeben ist.

In unmittelbarer Nähe befindet sich das Naturschutzgebiet Lescheder Venne (NSG WE 169), das zwar primär durch Heideweiher geprägt ist, jedoch funktional ebenfalls zu den Feuchtgebieten zählt. Die Gewässer liegen in einer durch Dünen geprägten Landschaft und sind von einer hydrologischen Schutzzone umgeben, die den Wasserhaushalt stabilisieren soll.

Ein größerer, gemeindeübergreifender Moor- und Heidekomplex ist das Naturschutzgebiet Engdener Wüste/Heseper Moor (Nordhorn Range) (NSG WE 188). Dieses rund 1.012 ha große Gebiet erstreckt sich teilweise auch auf das Gemeindegebiet von Emsbüren. Es umfasst Reste ehemals ausgedehnter Moor- und Heidelandschaften und besitzt eine besondere Bedeutung für den Naturschutz, unter anderem als Bestandteil eines EU-Vogelschutzgebietes.

Geschichte Geschichte Emsbürens Der Ortsname Emsbüren (alt: Büren) wird vom niederdeutschen -büren, -bur(en) hergeleitet und kommt althochdeutsch als būr für „kleines Haus“ etc., mittelniederländisch buur für „Wohnung, Dorf“ vor. Bereits 1181 und nicht wie auf Grund einer gefälschten Urkunde lange angenommen 819 wird die St.-Andreas-Kirche erstmals urkundlich erwähnt.Emsbürens Gründungsjahr - alles Fake (NDR) abgerufen am 2. März 2017 Der Ort lag im Grenzgebiet von Venkigau und Bursibant. So kommt es, dass wesentliche Teile der Ortschaft zum Bursibant gerechnet wurden, einige aber auch zum Venkigau. Zum „Kirchspiel Emsbüren“ – kurz „Kespel“, abgeleitet von Kerkspell – gehörten früher 14 Bauerschaften, die sich zum Teil selbst verwalteten und sich unterschiedlich entwickelten: Einige sind Bauerschaften geblieben, andere haben sich zu selbstständigen Orten entwickelt.

Seit dem 13. Jahrhundert gehörte Emsbüren zum Oberstift Münster. In Emsbüren existierte neben dem Gogericht, das ausschließlich für das Kirchspiel Emsbüren zuständig war, noch ein königlich herzogliches Freigericht für die Freiheit Emsbüren und Schepsdorf. Das Gogericht Emsbüren gehörte zwar zum Amt Rheine-Bevergern, wurde aber als selbstständig betrachtet. Da aber dieses Gogericht stets an die Grafen von Bentheim verpfändet war, übten letztendlich diese die Gerichtsbarkeit aus. Die Tätigkeit des Richthofes (Richthofstraße, Richters Esch) ist durch zahlreiche Quellen und ein Gerichtssiegel (1591) belegt. Der Richthof soll auch der Platz gewesen sein, den Liudger als Zwischenstation auf dem Weg in seine Missionsgebiete an der Emsmündung nutzte.

Der Münzfund von Emsbüren ist ein Schatz mit 10 deutschen und französischen Goldmünzen aus dem 14. Jahrhundert, der in den Jahren 2020 und 2021 am Waldrand eines Ackers gefunden wurde. Wer die zu ihrer Zeit wertvollen Münzen dort verborgen haben könnte, ist nicht bekannt.Goldmünzen aus dem Mittelalter: Fund in Meppen präsentiert bei ndr.de vom 30. September 2021

Als während der Herrschaft Napoleons die Amtsvogtei Emsbüren etabliert wurde, gelangten die Besitzungen des Richthofes zunächst an den Herzog von Looz-Corswarem, der auf Schloss Bentlage bei Rheine residierte. In der Folgezeit wechselte das Kirchspiel mehrfach den Landesherrn. Bei der Neuordnung Europas auf dem Wiener Kongress wurde es 1815 dem Königreich Hannover zugeteilt und 1866 preußische Provinz. Dort gehörte es zum Amt Lingen, nach der preußischen Annexion Hannovers zum Landkreis Lingen, der 1977 Teil des Landkreises Emsland wurde.

Am 1. Januar 1965 begann mit der freiwilligen Bildung der Samtgemeinde Emsbüren aus den Gemeinden Berge, Emsbüren und Mehringen ein neuer Abschnitt in der Geschichte des alten Kirchspiels. 1967 wurde diese Samtgemeinde um die Gemeinden Ahlde, Bernte, Elbergen, Gleesen und Leschede erweitert und hieß fortan „Samtgemeinde Kirchspiel Emsbüren“. Diese Entwicklung fand 1974 durch die Gemeindereform in Niedersachsen ihren Abschluss. Emsbüren gab Teile von Ahlde und Mehringen an Salzbergen ab, Listrup kam zur neuen Gemeinde Emsbüren.

Geschichte und Namensherleitung der alten Bauerschaften

Ahlde (alt: Aludwide, 1285 Altewede) wird 890 im ältesten Heberegister des Klosters Werden aufgeführt und zum Venkigau gerechnet. Das Bestimmungswort ist unklar, im Grundwort ist -widu = Gehölz enthalten. Waddie hatte 24 Scheffel Korn und einen Heerschilling, Hruodleb 32 Scheffel Korn und den Heerschilling an Werden zu liefern. Außerdem mussten sie für Unterkunft zu sorgen, wenn der Abt nach Ostfriesland reiste, wo Werden etliche Besitzungen hatte. Die Einwohnerzahl hat sich im Laufe der Jahrhunderte wenig verändert.

Berge wird in alten Quellen nicht gesondert erwähnt, da es eng mit Bühren verzahnt war und deshalb immer diesem Ort zugerechnet wurde.

Bernte (alt: Bernithi, Bernete) und Berntermoor werden etwa gleichzeitig mit Leschede 1352 im Werdener Urbar als Teil des Bursibant erwähnt. Die Namensherkunft ist unklar. Der Ort muss nach der Namensableitung aber viel älter sein. Das Grundwort -te, -ete, -ithi, -ide, -ede, -de ist ein uraltes Stammwort, das nur noch in suffixähnlicher Form auftritt. Es soll für ha(g)-ithi = Heide stehen. Das wird unter anderem dadurch belegt, dass -ithi usw. in den Marschgegenden von Oldenburg und Ostfriesland, wo es keine Heide gab, nicht auftritt.

Bexten (um 1400 Bekeseten = Sitz am Bach), vergl. niederdtsch. beke = Bach, später auch: Bührbexten (im Gegensatz zu Feilbexten, das seit 1905 Ortsteil von Salzbergen ist).

Drievorden auch Drievörden (alt: Drieburi). Hier ist das Bestimmungswort der alten Bezeichnung von der Zahl drei (niederdtsch. dri) abgeleitet. Das Grundwort steht ähnlich wie bei Emsbüren für niederdtsch. -büren, -bur(en), gleichbedeutend mit „kleines Haus“, „Wohnung“, „Hof“. Die jüngere Bezeichnung Drievorden soll drei Furten oder Drief-Ort bezeichnen. Letzteres würde dann auf einen Sammelpunkt für das Bentheimer Zehntvieh hindeuten. Diese Annahme ist aber nicht gesichert. Drievorden gehört heute zur Gemeinde Engden, Samtgemeinde Schüttorf.

Elbergen wird um 890 erstmals urkundlich erwähnt. Die Bestimmungswort el, eli bedeutet Erle oder Holunder. Das Grundwort erklärt sich von selbst. Im Ganzen handelte es sich wohl um eine Anhöhe mit Holunder oder Erlenwuchs. Die Gemeinde Elbergen war später eine Kapellengemeinde, die von Emsbüren versorgt wurde.

Engden (alt: Engene) wird 1267 erwähnt, als Friedrich v. Engen als Bentheimer Edler genannt wird. Engden gehört heute zur Samtgemeinde Schüttorf.

Gleesen (alt: Glesen) liegt an der Aamündung, direkt bei Bramsche. 1263 wird erstmals ein Bauernhof in Gleesen genannt. Die Herkunft des Namens ist unklar. Gleesen dürfte etwa gleich alt wie Hesselte sein.

Helschen (alt: Helsgan, Helschere) wird um 1150 erwähnt. Die Herkunft des markanten Namens ist unbekannt. Möglicherweise bezieht sich die Namensgebung auf den zwischen Helschen und Gleesen gelegenen Hilligenberg, einen Platz, an dem die alten Götter verehrt wurden. Dafür spricht die Bezeichnung Altar und die Sage von der spinnenden Frau, die an diesem Ort spielt.

Hesselte (alt: Haslethi, Heslethe). Bestimmungswort unklar: von hees = Strauchwerk, Gestrüpp, Hasel oder hessel = Grenze; Grundwort -lithi = Geländeabhang. Hesselte wird um 1223 erstmals erwähnt. Damals verkaufte der Propst Lutger von Clarholz den Zehnten von fünf Hesselter Erben für 25 Mark an den Münsterschen Dompropst Rembold. In Hesselte wurde 2007 eine germanische Siedlung aus der römischen Kaiserzeit entdeckt, die vermutlich am Marschweg der römischen Truppen, die in der Nähe über Ems und Große Aa übersetzten, bzw. in der Nähe eines römischen Stützpunktes lag.

Leschede. Bei diesem Ort ist die Herkunft des Namens nicht gesichert. Einerseits könnte das Bestimmungswort mit dem Bach Lee zusammenhängen, der an Wietmarschen vorbei in die Vechte mündete. Andererseits könnte darin leh für Nachbarschaft stecken. Die Bedeutung des Grundwortes schede ist gänzlich unklar. In Leschede, unweit des Bahnhofs, da, wo sich einst Handelswege von Holland über die Emsfähre nach Osten und von Münster nach Norden kreuzten, stand eine schlichte Kapelle, eine Stiftung aus dem Jahr 1683. Sie bildete einen gern besuchten Mittelpunkt dieses Ortes.

Listrup (alt: Lihtastorpe) wird 890 im Werdener Heberegister als Teil des Venkigaus beschrieben. Im Bestimmungswort steckt liten (dtsch. Leute). Das Grundwort torpe, thorpe steht für Dorf. Es handelte sich somit um halbfreie Sassen eines Haupthofes, die hauptsächlich dort wohnten. Ein Wenno lieferte dem Kloster 32 Scheffel Korn und 16 Denare Heerschilling und musste später Quartier für den reisenden Abt oder dessen Boten stellen.