mini|hochkant|Bernardino Poccetti Bernardino Poccetti, eigentlich Bernardo Barbatelli, (* 27. August 1548 in Florenz; † 10. November 1612 ebenda) war ein italienischer Maler des Manierismus und der Spätrenaissance.

Jugend und Ausbildung Poccetti war ein Sohn des Töpfers Bartolomeo Barbatelli da San Gimignano (Bartolommeo Barbatelli aus San Gimignano)Luisa Marcucci: Barbatelli, Bernardo, detto Bernardino Poccetti (Bernardino delle Grottesche, Bernardino delle Facciate, Bernardino delle Muse). In: Alberto M. Ghisalberti (Hrsg.): Dizionario Biografico degli Italiani. Band 6: Baratteri–Bartolozzi. Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 1964 (italienisch, treccani.it). und dessen Frau Lucia. Er verlor früh seinen Vater und seine Mutter vermählte sich mit einem Leinenweber Pietro Ciardi. Sie überließ ihren Sohn der Obhut ihrer Schwiegermutter, seiner Großmutter väterlicherseits in großer Armut. Bereits im Alter von sechs oder sieben Jahren begann er zu zeichnen, wo immer sich eine Gelegenheit dazu bot. Wenn er von der Großmutter auf einen Botengang geschickt wurde, hielt er auf der Straße an und malte mit Kohlen Fantasiebilder an die Hauswände. Michele di Ridolfo del Ghirlandaio (8. Mai 1503 – 28. Oktober 1577), der zufällig auf sein Talent aufmerksam geworden war, als er wieder einmal kleine Figuren an eine Wand der Kirche S. Pietro in Gattolino malte, nahm den Jungen in seine Werkstatt auf und erlaubte ihm, in seinem Atelier mitzuarbeiten.

Poccetti verblieb dort mehrere Jahre und kam mit dem Künstlerkreis, der sich um Giorgio Vasari gebildet hatte in Berührung, die Dekorationsarbeiten für die Säle des Palazzo Vecchio ausführten. Er führte anfänglich Grotesken und dekorative Malereien aus und trat 1570 als „Bernardino delle Grottesche“ in die „Compagnia di S. Luca“ ein und begann sich bald mit der Fassadenmalerei zu beschäftigen, was ihm den Spitznamen einbrachte. Er schuf die Wandbilder der neun Musen an der Fassade der „Casa Compagni“ dem Haus des Florentiner Adligen Niccolò Compagni und wurde anschließend als bezeichnet. Für seine Gebäudedekoration verwendete Poccetti auch die Technik des Graffito, doch sind viele der von ihm an Hausfassaden ausgeführten Gemälde durch Witterungseinflüsse verblasst oder zerstört worden. Anschließend ging er um 1579/1580 für rund ein Jahr nach Rom, wo er Raffaels Werke studierte.

Wirken im Florenz Nach seiner Rückkehr nach Florenz im Jahr 1580 betätigte sich Poccetti als Figurenmaler und stellte religiöse Fresken in den Klöstern von Santa Maria Novella (sechs Lünetten des Chiostro grande mit der Lebensgeschichte des Heiligen Dominikus), Santissima Annunziata, San Marco oder der Confraternita di San Pier Maggiore. Dabei brach er mit dem florentinischen Manierismus, indem er in seinen Werken frische, natürliche Zeichnungen mit räumlicher Tiefe verwendete und sich damit an Raffael und den Figuren des Andrea del Sarto orientierte.

1585 wurde er von dem jüngeren Lodovico Capponi beauftragt den Salon in dessen Haus mit Darstellungen aus der Familiengeschichte auszuschmücken. Dafür teilte er die Langseiten des Saales in vier je Felder ein und stellte dort die kriegerischen und politischen Taten der Capponi aus dem 15. und vom Beginn des 16. Jahrhunderts dar. Die Stirnseiten des Saales versah er mit je einer geschichtlichen Darstellung. Die Hauptmotive umgab er zusätzlich mit bunten Einzeldekorationen. Seine Ausmalung des Palazzo Capponi ist eine Glanzleistung manieristischer Gesamtdekoration.Franzsepp Würtenberger: Der Manierismus. Schroll-Verlag, Wien / München 1962, S. 103.

mini|Tod des Heiligen Bruno

Zu Beginn der 1590er Jahre entstanden zahlreiche Werke in Kirchen, für Konvente sowie öffentliche und private Gebäude, dabei war er insbesondere für den Orden der Kartäuser tätig, mit dem freundschaftlich verbunden war. Um 1592/1595 schuf er für diese in der Kirche der Certosa von Val d’Ema an der Rückwand des Chores ein Fresko, das den Tod des hl. Bruno zeigt. Die Zeremonie enthält dabei fast 60 teilweise porträthafte Figuren der Mönche des Ordens. Seine Verbundenheit mit den Kartäusers zeigt sich auch darin, dass er mehrfach für sie in Montignano, Pisa und Siena tätig war.

Poccetti versuchte in seinen Fresken die Bewegung seiner Figuren optisch darzustellen. Ein weiteres bedeutendes Werk ist ein Fresko im Ospedale degli Innocenti in Florenz (1610), das den Kindermord zu Bethlehem, das karitative Wirken des Ospedale sowie ein Treppenmotiv zeigt, das Wandbild und Raum miteinander verbindet.Franzsepp Würtenberger: Der Manierismus. Schroll-Verlag, Wien und München, 1962, S. 138. Poccettis Bedeutung liegt vornehmlich in seinen ornamentalen Malereien (Deckenarabesken in den Uffizien). Er schuf zahlreiche Bilder nach Naturstudien und streute charakteristische Genreszenen, volkstümliche lokale Persönlichkeiten, bekannte Plätze und Gebäude in seine Werke ein und hielt damit ein Abbild des alten Florentinischen Lebens fest.

mini|Schlacht von Bône Auf den Decken- und Wandbildern, die er um 1608 in der Sala di Bona im Palazzo Pitti anfertigte, werden die Taten der ersten Großherzöge der Medici, insbesondere des Cosimo I. de’ Medici, verherrlicht und an den Wänden die Einnahme von Prevesa und der Schlacht von Bône dargestellt. Die Szenen zeigen unter anderem im ovalen Mittelstück des Tonnengewölbes eine Apotheose Cosimos und in den Lünetten der Stirnseiten zeigen die Krönung Cosimos zum Großherzog und den Triumph Davids.

Für die ehemalige Casa Usimbardi fertigte Poccetti 1603 einige Wandbilder mit Geschichten der Familie Usimbardi, die er mit seinem vollen Namen und der Jahreszahl 1603 signierte. Nach seinem Tod wurde er von der Accademia del Disegno mit einem feierlichen Begräbnis geehrt. Die Prozession musste jedoch aufgrund einer plötzlichen heftigen Sturm und massiven Regenfällen im nächstgelegenen größeren Haus Zuflucht suchen. Die war ausgerechnet das Wirtshaus „Trave torta“, in dem der Künstler zuletzt fast täglich verkehrte und mit den einfachen Handwerkern gezecht hatte.

Von Poccettis Zeichnungen kamen viele in die Uffizien, ins British Museum oder in die Albertina nach Wien.

Familie Aus der zweiten Ehe seiner Mutter hatte Poccetti drei Halbbrüder Paolo Ciardi Pierfrancesco Ciardi Poccetti, der Holzschnitzer wurde Lorenzo Ciardi, der Musiker, Orgelspieler, Komponist und Maler wurde Batista Ciardi wurde Weber und Schnitzer von Holskreuzen Er war wohl verheiratet und hatte keine Kinder. In der Grabkapelle, in der er beigesetzt wurde, befanden sich drei Körper, der seiner Mutter, seiner Frau und sein eigener. Sein Erbe ging an seine Brüder.

Werke (Auswahl) mini|hochkant|Cappella Neri Fresken 1599/1600: Cappella Neri bei S. Maria Maddalena de’ Pazzi (Ausmalung unter anderem mit einer Krönung der Jungfrau Maria) 1600: Das Opfer des Elias im Kloster Carmine Tod des hl. Bruno Certosa di Val d’Ema bei Florenz Der bethlehemitische Kindermord Ospedale degl’ Innocenti Florenz 1601–1602: Aus der Jugend des hl. Antonius Klosterhof im Kreuzgang von San Marco in Florenz (Lünettenfresko) Die Geschichte des ertrunkenen Knaben Klosterhof der SS Annunziata Florenz (Lünettenfresko) Schlacht von Bône und Triumph Davids Palazzo Pitti Florenz Predigt des hl. Dominicus Predigt des hl. Thomas Abschied der Jünger Marter des hl. Taddäus Abendmahl (Refektorium der Certosa in Siena)

Zeichnungen 1591: Stehender Mönch 1598: Madonna und der Hl. Bernhard 1602: Antonin betet vor dem Kruzifix 1605: Selbstporträt um 1612: Der Tod Buonagiunta Manettis Studie zu einem Lünettenfresko der SS Annunziata (Tod des sel. B. Menetti) Kupferstichkabinett, Berlin

Literatur

Luisa Marcucci: Barbatelli, Bernardo, detto Bernardino Poccetti (Bernardino delle Grottesche, Bernardino delle Facciate, Bernardino delle Muse). In: Alberto M. Ghisalberti (Hrsg.): Dizionario Biografico degli Italiani. Band 6: Baratteri–Bartolozzi. Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 1964 (italienisch, treccani.it).

Weblinks

Poccétti, Bernardino Barbatelli detto il. In: Enciclopedia online (italienisch, treccani.it)

Einzelnachweise

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