Bernau bei Berlin []Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin: Alter – Herkunft – Bedeutung. be.bra, Berlin 2005, S. 209/210. ist eine Große kreisangehörige Stadt und Mittelzentrum im Landkreis Barnim des Landes Brandenburg. Sie liegt wenige Kilometer nordöstlich der Berliner Stadtgrenze.

Geographie mini|hochkant=1.2|Einer der Wahrzeichen Bernaus, Steintor mit Hungerturm

Lage und Nachbargemeinden Das Stadtzentrum von Bernau liegt 5,9 km nordöstlich der Stadtgrenze von Berlin, die südwestliche Grenze von Bernau bei Eichwerder ist drei Kilometer vom Berliner Ortsteil Buch entfernt. Das bis Ende des 19. Jahrhunderts schiffbare Flüsschen Panke entspringt im Stadtgebiet von Bernau und mündet in Berlin in die Spree. Bernau ist eine der elf Hauptstationen der Märkischen Eiszeitstraße.

Die Stadt grenzt im Norden und Nordosten an die Stadt Biesenthal und die Gemeinde Rüdnitz des Amtes Biesenthal-Barnim, im Osten an die Stadt Werneuchen, im Süden an die Gemeinde Ahrensfelde und im Südwesten an die Gemeinde Panketal sowie im Westen und Norden an die Gemeinden Wandlitz (Ortsteile Schönwalde, Basdorf, Wandlitz und Lanke).

Eine Besonderheit ist die Ortsgrenze der beiden Siedlungen Birkholzaue (Ortsteil von Bernau) und Elisenau (Ortsteil von Blumberg der Gemeinde Ahrensfelde). Die Westseite der Landesstraße 31 (L 31) ist die Ortsgrenze der beiden räumlich nicht getrennten Siedlungen. Daher gibt es links und rechts der Straße zwei verschiedene Ortseingangs- und Ortsausgangsschilder.

Stadtgliederung Zur Stadt Bernau gehören die Ortsteile: Birkenhöhe (Ortsteil seit 4. Juni 2014) Birkholz (Eingemeindung am 6. Dezember 1993, Ortsteil seit 4. Juni 2014) Birkholzaue (Ortsteil seit 4. Juni 2014) Börnicke (Eingemeindung am 31. Dezember 2002) Ladeburg (Eingemeindung am 1. Juli 2001) Lobetal (Eingemeindung am 31. Dezember 2002) Schönow (Eingemeindung am 26. Oktober 2003) Waldfrieden (Ortsteil seit 10. Februar 2016)Hauptsatzung der Stadt Bernau bei Berlin (PDF; 2,7 MB)

Hinzu kommen die Wohnplätze Bernau Süd, Blumenhag, Eichwerder, Friedenstal, Gieses Plan, Helenenau, Kirschgarten, Liepnitz, Lindow, Neubauernsiedlung, Nibelungen, Puschkinviertel, Rehberge,Der Name wurde nach einer alten Wüstung gewählt, die am Ortsteil Ladeburg lag; siehe Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin, Band 13 der Brandenburgischen Historischen Studien im Auftrag der Brandenburgischen Historischen Kommission, be.bra wissenschaft verlag, Berlin-Brandenburg 2005, ISBN 3-937233-30-X, , S. 140: Rehberge (BAR). Wüstung bei Ladeburg, 1375 „Rehberger marke“ >(Dorf am) Rehberge< Rollberg, Rutenfeld, Schmetzdorf, Stadtkern, Thaerfelde, Viehtrift, Waldsiedlung und Woltersdorf.

Parkanlagen Stadtpark: Entstanden im 17. Jahrhundert durch Einebnung von Wallanlagen und Gräben erfolgte die Parkgestaltung im 19. Jahrhundert. Im Park befinden sich mehrere Skulpturen, die anlässlich des Internationalen Bildhauersymposiums von Künstlern unter freiem Himmel geschaffen und anschließend ausgestellt wurden, so auch ein Werk Wandlung Doppelkreuz des Initiators Rudolf J. Kaltenbach. Külzpark: benannt nach dem deutschen Politiker und Gründungsvorsitzenden der Liberal-Demokratischen Partei Deutschlands Wilhelm Külz Goethepark: Die Anlage entstand in den 1920er Jahren und ersetzte einen 1878 angelegten Apothekergarten. Im Park befindet sich unter anderem eine bronzene Plastik Mann mit Ziege des Bildhauers Friedrich Schötschel.

Geschichte

Vom Ursprung der Stadt bis zum 17. Jahrhundert hochkant=1.2|mini|Bernau um 1650

Wie archäologische Quellen belegen, ist Bernau seit der Mittelsteinzeit vor 7000 v. Chr. ein Siedlungsplatz. Am Anfang des 13. Jahrhunderts wurde die Stadt gegründet.Heinrich Gottfried Gengler: Regesten und Urkunden zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter. Erlangen 1863, S. 204. Die genauen Umstände sind ungeklärt, da alle Urkunden bei großen Bränden 1406 und 1484 vernichtet wurden. Am Georgstag (23. April) des Jahres 1432 gelang den Bernauer Bürgern die Abwehr eines Angriffs der Hussiten, die auf ihrem Feldzug durch die Lausitz (18. März – 5. Mai 1432) zahlreiche Städte zerstörten und plünderten. Seit 1832 wird dieses Ereignisses jährlich mit dem dreitägigen Bernauer Hussitenfest gedacht (außer in der DDR-Zeit).

Das Bier und die Tuchproduktion machten die Stadt im Mittelalter weit über die Grenzen der Mark Brandenburg hinaus bekannt. Über Jahrhunderte hinweg galt das Bier als das beste der Mark, und die gute Haltbarkeit machte es zum Exportschlager. Noch im 17. Jahrhundert wurden jährlich 30.000 Tonnen Bier in andere Städte und Gemeinden – auch außerhalb der Mark Brandenburg – geliefert. Im Heimatmuseum vermitteln prächtige Trinkgefäße, Schleppkannen und Schankzeug einen Eindruck von der Bierbrauerei in Bernau.

Während der Hexenverfolgungen zwischen 1536 und 1658 wurden 25 Frauen und drei Männer wegen angeblicher Zauberei verfolgt, gefoltert und hingerichtet,Namen der Opfer der Hexenprozesse/ Hexenverfolgung in Bernau (PDF; 15 kB), abgerufen am 9. Mai 2016. (PDF) darunter Dorothea Meermann und Catarina Selchow.Tobias Seiler: Beschreibung der Königlichen und Kurfürstlichen Brandenburgischen mittelmärkischen Stadt Bernau. 1720 – 1736 (die Bernauer Stadtchronik). Von der Künstlerin Annelie Grund wurde das Denkmal für die Opfer der Hexenverfolgung in Bernau geschaffen mit der Inschrift: „der Hexerei beschuldigt, gefoltert, getötet“. Es wurde am 31. Oktober 2005 eingeweiht. Die Stadtverordnetenversammlung von Bernau bei Berlin beschloss am 6. April 2017 die sozialethische Rehabilitierung der Opfer der Hexenprozesse.Die Stadtverordnetenversammlung von Bernau bei Berlin beschloss am 6. April 2017 die sozialethische Rehabilitierung der Opfer der Hexenprozesse. In: Süddeutsche Zeitung

Die starken Stadtmauern erschwerten jeden Angriff auf die Stadt. 1598 wütete die Pest so stark, dass alleine in dem Jahr 1137 Menschen daran verstarben. Der Dreißigjährige Krieg und die Pest machten aus Bernau eine verarmte und verödete Stadt. Dies änderte sich erst, als Kurfürst Friedrich III. französische Glaubensflüchtlinge (Hugenotten) ins Land holte. 1699 wurden 25 Familien in Bernau aufgenommen. Darunter waren ausgezeichnete Handwerker, Bauern, Wissenschaftler und Kaufleute. Von der Blütezeit der Stadt sind bis in das 21. Jahrhundert Bauwerke erhalten.

Vom 19. Jahrhundert bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs mini|hochkant|Bernauer Stadtbefestigung um 1930

Zwischen 1806 und 1815 hatten die Einwohner unter der Besetzung französischer Soldaten sehr zu leiden, da die Stadt ein wichtiger Etappenort der französischen Armee war.August Wernicke: Bernauer Stadt-Chronik. Nach amtlichen und anderen sicheren Quellen. 1894, Reprint 1994.

Seit 1817 gehörte Bernau zum Kreis Niederbarnim in der preußischen Provinz Brandenburg.

Im 19. Jahrhundert erlebte die Stadt einen Aufschwung. Am 30. Juli 1842 wurde die Eisenbahnstrecke Berlin – Eberswalde der Berlin-Stettiner Eisenbahn-Gesellschaft eingeweiht. Seit 1924 verbindet die erste elektrisch betriebene Stadtschnellbahn Bernau mit Berlin. Die Nähe zur aufstrebenden Hauptstadt begünstigte in Bernau den gewerblichen Aufschwung. Wachstum und Industrialisierung blieben jedoch nicht ohne Konflikte, und es bildeten sich in Bernau seit Mitte des 19. Jahrhunderts Ausläufer der sozialistischen Arbeiterbewegung.Holger Czitrich-Stahl: Zur Geschichte der Bernauer Arbeiterbewegung 1848 bis 1900. In: Jahrbuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung, Heft I/2013.

Um das Jahr 1927 errichtete die Reichswehr, aus der im Jahr 1935 die Wehrmacht wurde, auf einem bis dahin ungenutzten Gelände an der Schwanebecker Chaussee das Heeresbekleidungsamt. Der Gebäudekomplex aus einem verwinkelten Haupthaus und mehreren zugeordneten Einzelhäusern entstand aus splitterfestem Beton, der aber mit Backsteinen verkleidet wurde. Das Bauwerk und die dort bis zu 1300 Beschäftigten galten seit seiner Erbauung als kriegswichtig. Hier wurden vor allem die Uniformen der Wehrmachtstruppen hergestellt und eingelagert. Selbst nach intensiver Nachnutzung zwischen 1945 und 1991 durch die Sowjetarmee sind ursprüngliche Schriftzüge in Frakturschrift wie Rauchen verboten erhalten.Stefan Henseke: Ruinen als Leinwand. In: Berliner Zeitung, 2. Mai 2018, S. 15. Die ursprünglichen Backsteinbauten wurden im 21. Jahrhundert unter Denkmalschutz gestellt.

Dem Abzug der Sowjetarmee 1994 folgten ein jahrelanger Leerstand und mehrere Projektideen. Teilflächen entlang der Schwanebecker Chaussee gelangten an die Firma Lidl und ein Wohnungsbauunternehmen.

Den Rest erwarb im Jahr 2018 die Nordland GmbH aus Langenhagen, und sie ließ einen Bebauungsplan ausarbeiten. Dieser sieht den Abriss von Bauten, die nach dem Zweiten Weltkrieg errichtet worden waren, die Entgiftung der Flächen, die Entsorgung von Tank und anderen unterirdischen Hinterlassenschaften und anschließend den Bau eines Wohnkomplexes mit maximale 2000 Wohneinheiten vor. Der Plan erhielt in der Ratssitzung von Bernau im Mai 2021 noch nicht die Zustimmung, sondern er soll noch ein zweites Mal öffentlich ausgelegt werden.Reinhard Bünger: „Weltweit einzigartiger Vorreiter“. In: Der Tagesspiegel, 4. September 2021, S. 13 (Themenspezial).

Die Bundesschule des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes (ADGB) wurde am 2. Mai 1933 zu einer Reichsführerschule der NSDAP und der DAF enteignet. Zwischen 1936 und 1945 wurden hier die Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD ausgebildet. Ab Sommer 1943 gab es in der Stadt ein Außenlager des KZ Sachsenhausen, von dem 300 Häftlinge bei Arbeiten in einer Polizeidienststelle eingesetzt wurden. Ein Mahnmal vor dem Bahnhof auf einer Grünanlage an der Breitscheidstraße erinnert seit dem 11. September 1949 an die Opfer des Faschismus auch unter Sinti und Roma.Dieter Korczak: Sinti und Roma in der Stadt Bernau bei Berlin, (Broschüre, die das Schicksal von acht Sinti-/Roma-Familien aus Bernau darstellt), 2019 herausgegeben. Vorstellung des Werkes im Januar 2019 in Bernau

Am Morgen des 20. April 1945 wurde Bernau von der Roten Armee eingenommen.April 1945: Der Sturm auf Berlin. mehrow.de Von Zerstörungen blieb die Stadt im Zweiten Weltkrieg weitgehend verschont, es gab ja fast keine Industrieansiedlungen. Für die sowjetischen Opfer wurde im Stadtpark ein sowjetischer Ehrenfriedhof errichtet, auf dem 425 gefallene Soldaten bestattet liegen.

SBZ/DDR mini|Haupteingang/Wache zum früheren „Innenring“ der Waldsiedlung (Aufnahme: Juli 2004)

Konrad Wolf war im April 1945 mit 19 Jahren für kurze Zeit der erste Stadtkommandant im Auftrag der SMAD. Dieses prägende Erlebnis verarbeitete er in dem DEFA-Film Ich war neunzehn.

Mit dem Einmarsch der Sowjetarmee wurde das frühere Heeresbekleidungsamt zu einem Nachschub- und Versorgungsdepot. Später hatte die 90. Panzerdivision der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland ihren Standort in der ummauerten Einrichtung. Die Soldaten und Offiziere zogen in die Gebäude ein und nutzten sie auch zu kulturellen Zwecken. Auf dem Gelände wurden nach und nach Panzer-Garagen, Sporteinrichtungen und andere Wirtschaftsbauten hinzugefügt.

In den 1980er Jahren ließ die Stadtverwaltung große Teile der meist aus Fachwerkhäusern bestehenden Bernauer Altstadt abreißen und weitestgehend durch Neubauten in einheitlicher Plattenbauweise ersetzen. Eine diskutierte Sanierung der stark verfallenen Altbausubstanz war den damals Verantwortlichen zu teuer. Bernau wurde damit zu einer von drei Modellstädten für den Umgang der DDR mit der Denkmalpflege – während in dieser Stadt großflächig abgerissen wurde, gab es in Greifswald eine Mischung aus Abrissen und Sanierungen, und in der Stadt Quedlinburg eine weitgehende Sicherung und Sanierung der Altstadt, letztere gehört seit den 2000er Jahren zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Von 1952 bis 1990 war Bernau Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises im DDR-Bezirk Frankfurt (Oder).