Der Steigerwald, benannt nach der ansteigenden großen KeuperplatteMax Döllner: Entwicklungsgeschichte der Stadt Neustadt an der Aisch bis 1933. Ph. C. W. Schmidt, Neustadt a.d. Aisch 1950, S. 7. im Westen, ist ein Mittelgebirge im bayerisch-fränkischen Teil des Südwestdeutschen Stufenlandes. Mit einer Höhe von bis zu 498,5 m ü. NHN erhebt sich der Steigerwald grob zwischen den Städten Würzburg, Schweinfurt, Bamberg und Nürnberg. Er ist Teil des Keuperberglandes und wird nach Norden durch die Haßberge und nach Südosten durch die Frankenhöhe begrenzt.

Geographie

Lage und Abgrenzung Der Steigerwald liegt am Schnittpunkt der Regierungsbezirke Unter-, Mittel- und Oberfranken, markiert durch den Dreifrankenstein. Er erstreckt sich zwischen den Städten Bamberg, Schweinfurt, Würzburg und Nürnberg. Im Norden bildet der Lauf des Mains die Begrenzung, im Nordosten die Regnitz. Die Aisch markiert die Grenze im Südosten, während im Südwesten eine Linie von Marktbreit über Uffenheim nach Bad Windsheim und im Westen der Main die Abgrenzung bilden. Das Gebiet verteilt sich auf sechs Landkreise in folgender Reihenfolge von Norden im Uhrzeigersinn: Haßberge, Bamberg, Erlangen-Höchstadt, Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim, Kitzingen und Schweinfurt. Nördlich grenzen an den Steigerwald die Landschaften Haßberge sowie die Mainaue zwischen Schweinfurt und Bamberg. Östlich des Steigerwaldes befindet sich das Mittelfränkische Becken. Südöstlich grenzt das Südwestliche Mittelfränkische Becken an. Im Süden befinden sich sowohl die Frankenhöhe als auch die Windsheimer Bucht. Im Süden bzw. Südwesten grenzen das Steigerwaldvorland sowie das Ochsenfurter und Gollachgau an.

Naturräumliche Gliederung Der Steigerwald gliedert sich naturräumlich wie folgt:

(zum Südwestdeutschen Stufenland) (zu 11 Fränkisches Keuper-Lias-Land) 115 Steigerwald (1115,2 km²) 115.0 Südlicher (Vorderer) Steigerwald 115.1 Mittlerer Steigerwald 115.2 Nördlicher Steigerwald Topographie mini|Steigerwaldtrauf am Schwanberg Der hohe Steigerwald, welcher sich im westlichen Teil des Mittelgebirgszugs erstreckt, hebt sich deutlich vom vorgelagerten Steigerwaldvorland und dem Maintal ab. Das Relief des Scheinbergs zeigt über einen Radius von 12,50 km eine Erhebung von mehr als 300 Metern im Vergleich zur Mainebene. Dies führt dazu, dass der Steigerwald aus westlicher Richtung von weitem erkennbar ist. Von Schweinfurt aus betrachtet, sind viele markante Erhebungen sichtbar, darunter der Zabelstein, Stollberg, Rehhügel und der Schwanberg, Bullenheimer Berg sowie der Friedrichsberg. Nach Osten hin flacht der Steigerwald hingegen rasch ab und geht nahezu nahtlos in die angrenzenden Landschaften über. Im Süden hebt sich der Steigerwald ebenfalls deutlich von der Windsheimer Bucht ab, wodurch auch hier die Abgrenzung klar erkennbar ist. Markante Erhebungen im südlichen Teil des Steigerwaldes sind unter anderem der Hohe Landsberg, der Kappellenberg sowie der Bullenheimer Berg. Die Entstehung der nach Westen bzw. Nordwesten ausgerichteten Steilstufen sowie die intensive Zertalung wurden maßgeblich durch die geologischen Strukturen beeinflusst. Zusätzlich spielten Verwitterungsprozesse eine Rolle, die während des Tertiärs unter dem Einfluss eines tropischen Klimas sowie später im Pleistozän unter deutlich kühleren Klimabedingungen auftraten und für die Ausprägung der Steilstufen verantwortlich sind.

Geologie mini|Ton- und Sandsteine des Keupers am Schwanberg (Aufschluss)Die geologische Beschaffenheit des Steigerwalds wird vor allem von der Schichtabfolge des Keupers beeinflusst. Die Hangflächen bestehen vornehmlich aus Sandsteinkeuper, während die Täler und die Steigerwaldtrauf größtenteils aus Gipskeuper bestehen. Die Böden in dieser Region sind von mäßiger Nährstoffzusammensetzung und weisen abwechselnd sandige und tonig-mergelige Eigenschaften auf. In Richtung Osten, insbesondere entlang des Regnitztals, werden die Böden zunehmend magerer und sandiger. Ein geologisch bedeutsamer Aspekt ist die Formation des mittleren Keupers, auch als Gipskeuper bekannt. Diese Gesteinsformation zeigt eine vielfältige Struktur auf, wobei die einzelnen Schichten aufgrund ihrer Entstehungsbedingungen erheblich voneinander abweichen. Besonders bemerkenswert ist der Wechsel zwischen festen und weichen Sedimentgesteinen innerhalb dieser Formation. Charakteristisch ist der Übergang von einem flachen, wenig widerstandsfähigen Gestein mit Wasserrückhaltungsfähigkeiten (Stufensockel) zu einem steilen, wasserdurchlässigen und widerstandsfähigen Gestein (Stufenbildner). Während des Pleistozäns, vor etwa 2 Millionen Jahren, bildeten sich Flugsandablagerungen, die teilweise zu größeren Dünen anschwollen und dadurch morphologisch auffällig wurden. Diese Dünen befinden sich in der Nähe von Geiselwind. Des Weiteren ist die Region Namensgeber für die Steigerwald-Formation, ein geologischer Begriff für eine spezielle Gesteinsschicht des Keupers, die in mehreren Bereichen Süddeutschland auftritt. Der Steigerwald findet seine geologische Fortsetzung im Keuperbergland, mit Hassbergen und Frankenhöhe.

Orte Im Steigerwald liegen unter anderem folgende Gemeinden und Städte: Burgebrach, Burghaslach, Castell, Ebrach, Geiselwind, Gutenstetten, Höchstadt an der Aisch, Lonnerstadt, Markt Bibart, Markt Nordheim, Markt Taschendorf, Oberaurach, Oberscheinfeld, Rauhenebrach, Scheinfeld, Schlüsselfeld, Sugenheim und Wachenroth. Einige Orte im Steigerwald liegen auf über Höhe; zu ihnen gehören in absteigender Folge Schwanberg (474 m ü. NHN), Friedrichsberg (465 m ü. NHN), Hof (448 m ü. NHN), Dürrnbuch (442 m ü. NHN), Seitenbuch (425 m ü. NHN), Neudorf bei Ebrach (421 m ü. NHN), Ilmenau (419 m ü. NHN), Thierberg (413 m ü. NHN), Großbirkach (412 m ü. NHN) und Buch (409 m ü. NHN).

Flüsse

Die östlich bis südöstlich verlaufenden Flüsse im Steigerwald sind Überreste eines alten Entwässerungssystems, das ursprünglich zur Donau hin orientiert war. Diese Flussläufe begannen einst weiter im Westen, wurden jedoch im Zuge der Verschiebung des Stufenrands durch die voranschreitende rheinische Erosion geköpft. Dadurch entstanden breite Passmulden, in denen bevorzugt Durchgangswege angelegt wurden. Der Name Steigerwald leitet sich letztendlich von diesen Steigen ab. Wegen des traufartigen Steilabfalls der Westseite verlaufen die meisten größeren im Steigerwald entspringenden Fließgewässer in östlicher bis südöstlicher Richtung. Sie fließen in der Regel nicht direkt dem Main im Nordosten zu, sondern entweder der zum Main laufenden Regnitz im Osten oder der Aisch, die den Steigerwald im Südosten flankiert, eine natürliche Trennlinie zur Frankenhöhe bildet und dann die Regnitz speist. Ebenfalls in die Regnitz münden die Steigerwald-Gewässer Rauhe Ebrach, Reiche Ebrach und Aurach. Im Süden fließt mit dem Ehebach ein ebenfalls recht großer Bach zur Aisch.

Die westlich des Hauptkamms entspringenden Flüsse verlassen den Steigerwald meist schon nach kurzer Fließstrecke und fließen dem Main im Bereich des östlichen Maindreiecks zu.

Berge

Die höchste Berg des Steigerwaldes ist mit 498,4 m ü. NHN der Scheinberg. Weitere bedeutende Berge sind z. B. der Euerberg, der zeitgleich auch die höchste Erhebung des Nordsteigerwaldes ist. Des Weiteren befinden sich im Steigerwald z. B. noch der Stollberg, Friedrichsberg, Schwanberg, Rehhügel, Hohe Landsberg und Zeugenberge wie der Bullenheimer Berg.

Namen und Geschichte Laut dem Biologen Winfried Potrykus (1935–2014) leitet sich der Name „Steigerwald“ wahrscheinlich von „Steigirwald“ ab, was auf eine ansteigende Höhe oder einen Wald in einer erhöhten, aber schwer zugänglichen Region hinweist. Dieser Name tauchte erstmals im Jahr 1151 auf einer Urkunde von König Konrad III. auf und bezieht sich auf einen Wald, der in Richtung Oberschwarzach an das Kloster Ebrach angrenzt. Es wird angenommen, dass damit der nordwestlich an das Kloster Ebrach angrenzende Höhenwald gemeint ist. Die fränkische Besiedlung im 6. bis 10. Jahrhundert erreichte nur teilweise den eigentlichen Steigerwald. Erste Ansiedlungen entstanden entlang der Gewässer, z. B. in Eltmann. Die eigentliche Besiedlung des Steigerwaldes erfolgte später im Hochmittelalter durch den Ausbau bestehender Weiler und Siedlungen, vor allem entlang der Gewässer. Das Zisterzienserkloster Ebrach, das dem Bistum Würzburg angehörte, spielte eine wichtige Rolle bei der Erschließung des Gebiets. In späteren Zeiten wechselten die Besitzverhältnisse oft, wobei die Hochstifte Bamberg und Würzburg im Norden die größten Gebietsanteile besaßen. Der Süden wurde von den Markgrafen von Brandenburg-Bayreuth dominiert. Auch Adelsfamilien wie die Grafen von Schlüsselfeld, von Schwarzenberg und zu Castell hatten bedeutende Besitzungen, was heute noch durch zahlreiche erhaltene Schlösser, Burgen und Ruinen wie Breitenlohe, Ullstadt, Burgpreppach und Lisberg sichtbar ist.

Um 1000 gehörte der größte Teil des Steigerwaldes zum Folcfelt (Volkfeld) östlich von Volkach und zum südwestlich anschließenden Ratenzgowe (Radenzgau), die beide von den Markgrafen von Schweinfurt beherrscht wurden. Daneben hatte das Gebiet Anteil am Iffgau um Scheinfeld und am Ehegau bei Sugenheim.Wolf Dieter Ortmann, Historisches Ortsnamenbuch von Bayern, Landkreis Scheinfeld, München 1967, S. 66. Die heutigen Grenzen des Steigerwaldes wurden durch die Veränderungen nach dem Verschwinden der alten Gaue im 14. Jahrhundert geprägt. Im Jahr 1317 wurde dokumentiert, dass die Burg Ebersberg bei Zell und der Großbach-Wald bei Hombeer Teil des Steigerwaldes waren. Ein bemerkenswertes Jahr, in dem die gegenwärtigen Grenzen des Steigerwaldes erstmals in einer Urkunde festgehalten wurden, war 1575 während der Verhandlungen des Reichskammergerichts in Speyer. Die definierten Grenzen des Steigerwaldes erstreckten sich dabei „vom Zabelstein den Grund hinauf bis nach Sand, dann den Main hinauf bis nach Bamberg; von da das Gehölz hinauf bis an den Eisch-Grund, diesen hinauf bis gen newen Hoff (Neustadt an der Aisch). Von dort setzte sich die Linie bis Yphofen fort, von da bis Castell und weiter bis zum Zabelstein“. Diese Grenzen bildeten auch die Grundlage für die fränkische Reichsritterschaft, als sie dem Steigerwaldgebiet gegen Ende des 15. Jahrhunderts den Status eines Kantons verlieh. Im Jahr 1801 beschrieb Bundschuh den Verlauf des Steigerwaldes folgendermaßen: „Der Steigerwald hebt am linken Ufer des Mains an, zieht hinauf gegen Bamberg, weiter am linken Ufer der Regnitz entlang bis zum Punkt, an dem sich die Aisch in die Regnitz ergießt…“

Natur und Umwelt

Bestehende Schutzgebiete mini|hochkant|Naturschutzgebiet Naturwaldreservat Brunnstube im Naturpark, gelegen im gemeindefreien Gebiet Ebracher Forst