mini|hochkant|Dirk Niebel (2011) Dirk-Ekkehard Niebel (* 29. März 1963 in Hamburg) ist ein ehemaliger deutscher Politiker (FDP). Er war von 2005 bis 2009 Generalsekretär der FDP. Vom 28. Oktober 2009 bis zum 17. Dezember 2013 war er Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung im Kabinett Merkel II. Von 2015 bis 2026 war er beim Rüstungs- und Automobilzulieferunternehmen Rheinmetall als Berater tätig.

Werdegang Jugend Dirk Niebel wuchs als Sohn einer studierten Lehrerin der Hauswirtschaft in gutbürgerlichen Verhältnissen im Hamburger Stadtteil Blankenese auf.Kevin P. Hoffmann: Hauptmann Niebels Dritte Welt. In: Der Tagesspiegel. 17. Januar 2011.. Der Vater, Armin Niebel (1926–2013Frankfurter Allgemeine Zeitung: Todesanzeige, 19. Oktober 2013, S. 9.), war ein promovierter Wirtschaftswissenschaftler und ehemaliger Rugby-Nationalspieler. Nach der Trennung der Eltern wuchs Niebel mit zwei Schwestern bei der Mutter auf., in Wiwo „Köpfe“. Nach dem Erwerb der Mittleren Reife an der Realschule Dockenhuden und anschließender Fachhochschulreife 1983 an einem Fachgymnasium in Hamburg-Bahrenfeld lebte Niebel ein Jahr lang als freiwilliger Helfer in einem Kibbuz in Israel.Dirk Niebel im Interview – „Ich wusele mich zurecht“. In: Tagesspiegel, 29. November 2009.Bettina Röhl: Dick war unser Dicki. Cicero Online, 25. Mai 2005. Dort arbeitete er in der Landwirtschaft und in der Fischzucht.Dagmar Dehmer, Hans Monath: Interview mit Dirk Niebel. „Ich wusele mich zurecht“. In: Die Zeit, 29. November 2011. Bereits während der Schulzeit 1982 hatte er seine Ferien in dem israelischen Kibbuz Kfar Giladi in der Nähe der libanesischen Grenze verbracht.Sebastian Christ, Hans Peter Schütz: Entwicklungshilfeministerium. Dirk Niebel, Minister auf Bewährung. In: Stern, 28. Oktober 2009.

Studium und Beruf Von 1984 bis 1991 diente Niebel als Soldat auf Zeit. Er absolvierte 1986 den Unteroffizierslehrgang und anschließend an der Schule für Feldjäger und Stabsdienst der Bundeswehr in Sonthofen einen Stabsdienst-Lehrgang. Beim Feldwebellehrgang für Fallschirmjäger an der Luftlande- und Lufttransportschule in Altenstadt schloss er 1988 als Jahrgangsbester ab.Wolfgang Gieler (Hrsg.): 50 Jahre deutsche Entwicklungszusammenarbeit. Das BMZ von Walter Scheel bis Dirk Niebel. Scientia Bonnensis, Bonn 2011, ISBN 978-3-940766-41-0, S. 226. Zuletzt war er Zugführer eines Aufklärungs- und Erkundungszuges bei den Fallschirmjägern der Luftlandebrigade 25 „Schwarzwald“ in Calw. Er wurde als Oberfeldwebel aus dem aktiven Dienst entlassen und nach mehreren Wehrübungen (u. a. beim Standortkommando Berlin) 2008 zum Hauptmann der Reserve befördert. Seit 2004 ist er bei der Division Spezielle Operationen in Regensburg mob-beordert und als Verbindungsoffizier zur Luftlandebrigade 26 in Saarlouis eingesetzt.Beförderung für Dirk Niebel. In: elde 1/2009, S. 22.

Ab 1990 studierte er Verwaltungswesen am Fachbereich Arbeitsverwaltung der Fachhochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung und schloss 1993 als Diplom-Verwaltungswirt (FH) ab. Von 1993 bis 1998 war er als Arbeitsvermittler im gehobenen Dienst in einer Geschäftsstelle des Arbeitsamtes Heidelberg in Sinsheim tätig. Zuletzt hatte er die Amtsbezeichnung eines Verwaltungsoberinspektors inne.Rudolf Vierhaus, Ludolf Herbst (Hrsg.), Bruno Jahn (Mitarb.): Biographisches Handbuch der Mitglieder des Deutschen Bundestages. 1949–2002. Bd. 2: N–Z. Anhang. K. G. Saur, München 2002, ISBN 3-598-23782-0, S. 602.

Niebel betreibt seit 2022 ein Beratungsunternehmen namens „Niebel International Consulting“, welches sich auf Afrika und den Nahen Osten spezialisiert hat.

Partei Als Schüler wurde Niebel 1977 Mitglied der Jungen Union und 1979 auch der CDU, die er beide 1981 wieder verließ. 1990 trat er in die FDP/DVP ein und war Gründungsmitglied des Kreisverbands Heidelberg der Jungen Liberalen. Seit 2003 gehört Niebel dem Bundesvorstand der FDP und dem Kuratorium der Friedrich-Naumann-Stiftung an. Am 5. Mai 2005 wählte ihn der Bundesparteitag auf Vorschlag von Guido Westerwelle mit 92,4 % der Stimmen zum Generalsekretär der FDP.

Niebel trat insbesondere für eine radikale Reform der Bundesagentur für Arbeit ein. Nach seinen Vorstellungen sollte die Bundesagentur nur noch für die Verwaltung und Auszahlung der Versicherungsleistungen der Arbeitslosenversicherung zuständig sein.

Niebel wurde im Januar 2011 als Nachfolger von Hans Freudenberg zum Bezirksvorsitzenden der FDP Kurpfalz gewählt und trat im Januar 2014 von diesem Amt zurück.rnf.de Seine Nachfolgerin in diesem Amt wurde Birgit Reinemund.

Niebel wurde auf dem 62. FDP-Bundesparteitag im April 2011 als Beisitzer in das Präsidium der FDP gewählt., 13. April 2011. Abgerufen am 11. März 2013. Auf dem 64. FDP-Bundesparteitag am 9. und 10. März 2013 wurde Niebel nicht wiedergewählt.fr-online.de: Niebel aus FDP-Führung abgewählt, 9. März 2013. Abgerufen am 11. März 2013. Sein Nachfolger im Amt des Beisitzers wurde Wolfgang Kubicki.focus.de: FDP lässt ihre Minister Niebel und Bahr scheitern, 9. März 2013. Abgerufen am 11. März 2013.

Abgeordneter mini|Guido Westerwelle (l.) und Dirk Niebel (r.) bei der Wahlparty der FDP im Berliner Congress Center zur Bundestagswahl 2013. Von 2004 bis 2005 gehörte er dem Gemeinderat von Heidelberg an. Von 1998 bis 2013 war er Mitglied des Deutschen Bundestages. Hier war er von 2002 bis 2005 Vorsitzender der Landesgruppe Baden-Württemberg in der FDP-Bundestagsfraktion und von 1998 bis 2009 Fraktionssprecher für Arbeitsmarktpolitik. Dirk Niebel war stets über die Landesliste Baden-Württemberg in den Bundestag eingezogen. Bei der Bundestagswahl 2013 führte er die Landesliste der FDP Baden-Württemberg als Spitzenkandidat an.Niebel Spitzenkandidat der Südwest-FDP. Merkur Online, abgerufen am 26. Juni 2013. Durch das Scheitern seiner Partei an der Fünf-Prozent-Hürde war er im 18. Bundestag nicht mehr vertreten.

Bundesminister Niebel übernahm am 28. Oktober 2009 das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung im Kabinett Merkel II. Während des Wahlkampfes hatte Niebel als FDP-Generalsekretär gemäß dem Wahlprogramm der FDP dafür plädiert, das Ministerium abzuschaffen und die Aufgaben in das Außenministerium einzugliedern. (PDF; 293 kB) Abgerufen am 20. Mai 2023 In seiner Schwerpunktsetzung als Minister unterschied sich Niebel von seiner Vorgängerin Heidemarie Wieczorek-Zeul, die deutliche Akzente auf die multilaterale Entwicklungszusammenarbeit gelegt hatte, durch eine stärkere Betonung des Aspekts der wirtschaftlichen Zusammenarbeit, der Wirkungsorientierung und der Einbindung der Privatwirtschaft.Franz Nuscheler im Interview mit der Tagesschau vom 6. September 2012.

Direkt nach Amtsantritt kündigte Niebel an, die deutsche Entwicklungshilfe für die Volksrepublik China mit der Beendigung der laufenden Programme auslaufen lassen zu wollen, da das Land nun selbst wirtschaftlich stark sei. Neue Förderzusagen wurden nicht mehr gemacht, völkerrechtlich verbindliche Altvorhaben jedoch zu Ende geführt.China und Indien auf der Streichliste. Deutsche Welle Online; 30. Oktober 2009. In: Süddeutsche Zeitung, 30. Oktober 2009.China bekommt Millionen für den Klimaschutz. Handelsplatz Online; 17. Dezember 2009.

Als Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung war Niebel Gegner der 2007 vom ecuadorianischen Präsidenten Rafael Correa angestoßenen Initiative, auf Ölbohrungen im geschützten Nationalpark Yasuní zu verzichten, wenn die internationale Gemeinschaft für die Hälfte der entgangenen Gewinne aufkomme. Obwohl sich der Bundestag für die Idee aussprach, scheiterte sie letztendlich.

Unter Niebel fusionierten mit Wirkung zum 1. Januar 2011 die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), der Deutsche Entwicklungsdienst (DED) und die Weiterbildungsgesellschaft InWEnt zur Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit GmbH (GIZ). Die neue 19.000 Mitarbeiter starke Organisation sollte 700 normale Planstellen weniger, dafür jedoch zwei Geschäftsführer mehr haben als die Einzelorganisationen zuvor.Niebels Wasserkopf. In: taz, 25. November 2010.. RP Online; 16. Dezember 2010. Der Stellenplan des Bundes wurde dadurch netto um 300 Stellen entlastet, obwohl die Zahl der Stellen im Ministerium selbst erhöht wurde. Die zusätzlichen Stellen im BMZ, die auch der Außenstruktur in den Kooperationsländern zugutekommen, sollten die politische Steuerungsfähigkeit gegenüber den Durchführungsorganisationen stärken. Die Fusion zur GIZ wurde auch von der Opposition als Erfolg gewertet.Niebel vereint Hilfsorganisationen. In: Süddeutsche Zeitung, 16. Dezember 2010. Im November 2012 eröffnete Niebel das unabhängige Deutsche Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit (DEval). Das Evaluierungsinstitut ist in Bonn angesiedelt, hatte zu der Zeit 38 Planstellen und wurde zunächst von Helmut Asche geleitet.Deutsches Evaluierungsinstitut. Die Gründung des Instituts war Teil der Strukturreform der deutschen Entwicklungszusammenarbeit, zu der auch die Gründung der Engagement Global gGmbH zählte. Bereits im Januar 2012 hatte das BMZ unter der Leitung Dirk Niebels mit der Engagement Global gGmbH eine einheitliche Anlaufstelle für entwicklungsförderliches Engagement geschaffen.engagement global.

Kontroversen Niebels Berufung und Amtsführung wurden wiederholt aus Kreisen der Entwicklungshilfe kritisiert. Er agiere zu wenig im Sinne der Entwicklung der Dritte-Welt-Länder, sondern vor allem im Sinne deutscher Wirtschaftsunternehmen.

Personalpolitik Der Verfassungsrechtler Hans Herbert von Arnim und der SPD-Bundestagsabgeordnete Sascha Raabe warfen Niebel in Report München vor, im Entwicklungsministerium Vetternwirtschaft bzw. Ämterpatronage für Parteifreunde zu betreiben. Nach der Besetzung der Leitung der Engagement Global gGmbH mit der ehemaligen Oberbürgermeisterin der Stadt Ettlingen, Gabriela Büssemaker, wurde Niebel von Raabe wegen des Verdachts der Untreue angezeigt. Die Staatsanwaltschaft Berlin erklärte die Vorwürfe gegen Niebel für haltlos und entschied, kein Ermittlungsverfahren zu eröffnen. Im März 2013 kritisierte der Bundesrechnungshof allerdings die Besoldungseinstufung Büssemakers als „deutlich überwertet“ und die Personalpolitik der von ihr geführten gGmbH grundsätzlich als „nicht wirtschaftlich“.

Im Mai 2013 wurde Niebel erneut wegen seiner Personalpolitik kritisiert. So soll er laut dem Fernsehmagazin Monitor seit seinem Amtsantritt mehr als 40 FDP-Mitglieder und -Mitarbeiter eingestellt haben. Der Vorsitzende des Verbandes der Bediensteten der obersten Bundesbehörden (VBOB), Hartwig Schmitt-Königsberg, sprach von einem „beispiellosen Vorgang“.

Tätigkeit in der Rüstungsindustrie Die Ankündigung, Niebel werde ab 2015 als Berater des Vorstands der Rheinmetall AG tätig werden, wurde öffentlich kritisiert.spiegel.de: vom 2. Juli 2014 Es sei nicht auszuschließen, dass es sich bei dem Job um eine Belohnung für sein früheres Abstimmungsverhalten im Bundessicherheitsrat handle.Roland Nelles: Rüstungslobbyist Niebel: Das stinkt, Spiegel Online vom 1. Juli 2014Ludwig Greven: Stoppt den Rüstungslobbyisten Niebel, ZEIT Online vom 2. Juli 2014 Nach Angaben von Rheinmetall bestand keine geschäftliche Verbindung zu Niebel vor dessen Ausscheiden aus der Bundesregierung.Günther Lachmann: Ex-Entwicklungsminister Dirk Niebel rüstet auf, WELT Online vom 1. Juli 2014 Auf Anfrage der Linken: Anfrage der Linken listete die Bundesregierung sämtliche Waffenlieferungen seit 2002 auf. Daraus ging hervor, dass der Bundessicherheitsrat während Niebels Amtszeit keine Exportgenehmigung für Waffen der Rheinmetall AG erteilt hatte. 2026 verließ Nübel Rheinmetall wieder.

Sonstiges