mini|Luftaufnahme von Halver mini|hochkant=1.6|Stadtansicht von Halver

Halver, Aussprache: [, teilweise auch ], ist eine Kleinstadt in Nordrhein-Westfalen, Deutschland. Als kreisangehörige Stadt gehört sie zum Märkischen Kreis und liegt im westlichen Ausläufer des Sauerlands unweit der Grenze zum Bergischen Land.

Geografie mini|Karte von Halver

Geografische Lage Halver liegt im westlichen märkischen Sauerland an der Grenze zwischen dem Rheinland und Westfalen, etwa 10 Kilometer westlich von Lüdenscheid. Der Hauptort befindet sich auf einer Bergkuppe mit einer Höhenlage von (Bolsenbachtal) bis (südliches Stadtgebiet). Der tiefste Punkt im gesamten Stadtgebiet liegt mit bei Oberbrügge, der höchste mit bei Hagebücherhöh.

Im Norden der Stadt entspringt die Glör, Hauptzufluss der Glörtalsperre. Nördlich des Hauptortes der Löhbach, südlich des Hauptortes der Bolsenbach, beides Nebenflüsse der Ennepe. Die Ennepe selbst entspringt etwa 2,5 Kilometer südöstlich der Stadt an der Westflanke des Störllenbergs (), fließt in nordwestliche Richtung gen Ruhr und wird etwa 5,5 Kilometer vom Zentrum Halvers auf dem Stadtgebiet von Breckerfeld zur Ennepetalsperre aufgestaut.

Im Nordosten der Stadt entspringen die nach Osten abfließende Hälver, ein Nebenfluss der Volme, und im Südwesten die Neye, die Hönnige und die Bever, allesamt Nebenflüsse der Wupper. Durch das Stadtgebiet Halvers verläuft somit die Wasserscheide zwischen den Flusssystemen der Ruhr und der Wupper.

Ausdehnung des Stadtgebiets Das Stadtgebiet dehnt sich über 12,7 Kilometer in Nord-Süd-Richtung von der Glörtalsperre im Norden bis zur Kerspetalsperre im Süden aus. In West-Ost-Richtung erstreckt es sich über 11,5 Kilometer von Schwenke im Westen bis Oberbrügge im Osten. Dabei umfasst das Stadtgebiet 77,37 Quadratkilometer, von denen 26,83 Quadratkilometer von Wald bestanden sind und 39,55 Quadratkilometer landwirtschaftlich genutzt werden. Gebäude-, Betriebs- und Freiflächen nehmen zusammen 5,61 Quadratkilometer und Verkehrsflächen 3,45 Quadratkilometer ein.

Nachbargemeinden Breckerfeld Breckerfeld Schalksmühle Radevormwald Windrose Lüdenscheid Wipperfürth Wipperfürth Kierspe

Halver grenzt im Norden an Breckerfeld im benachbarten Ennepe-Ruhr-Kreis und Schalksmühle, im Osten an Lüdenscheid, im Südosten an Kierspe. Diese gehören wie Halver zum Märkischen Kreis. Südwestlich von Halver liegt Wipperfürth und westlich Radevormwald, die zum Oberbergischen Kreis gehören.

Stadtgliederung Neben der Kernstadt hat Halver noch folgende Ortsteile und Ortslagen: mini|Blick auf die Halveraner Ortschaft Burg. Auf den Feldern davor befinden sich die vier Ennepequellen

Ahe | Altemühle | Anschlag | Auf dem Heede | Auf dem Wiebusch | Auf den Eicken | Auf den Kuhlen | Auf der Bever | Auf der Brake | Auf der Mark | Bärendahl | Beisen | Beiserohl | Becke | Berge | Bergfeld | Berken | Birkenbaum | Bochen | Bocherplatz | Bommert | Borkshof | Brenscheid | Brocksiepen | Bruch | Brüninghausen | Büchen | Büchenbaum | Büchermühle | Burbach | Burg | Buschhauser Hammer | Carthausen | Collenberg | Clev | Dahlhausen | Dicksiepen | Diekerhof | Dommelnheide | Dornbach | Dörnen | Edelkirchen | Ehberg | Ehringhausen | Eichhofermühle | Eichholz | Eickerhöhe | Eickerschmitte | Engstfeld | Eschen | Eversberge | Gehärte | Gesenberg | Giersiepen | Glörfeld | Grafweg | Grund | Grünenbaum | Grünewald | Hagebüchen | Hagebücherhöh | Hagedorn | Hakenberg | Halloh | Halverscheid | Handweiser | Hartmecke | Heerenfelde | Heesfeld | Heesfelder Hammer | Heesfelder Mühle | Hefendehl | Heinken-Hedfeld | Herweger Schleifkotten | Hesseln | Hinterhedfeld | Hohenplanken | Hohl | Holte | Howarde | Hulvershorn | Husen | Im Heede | Im Sumpf | Im Wiebusch | In den Eicken | In der Hälver | Kamscheid | Kirchlöh | Kotten | Krause Buche | Kreimendahl | Kreisch | Kreuzweg | Kückelhausen | Landwehr | Lausberge | Lingen | Lingensiepen | Löhbach | Löhrmühle | Lömmelscheid | Magdheide | Mesenhohl | Mittelcarthausen | Mittelherweg | Niederbolsenbach | Niederbommert | Niederbuschhausen | Niederennepe | Niederhedfeld | Niederhövel | Niederhürxtal | Niederlangenscheid | Niedervahlefeld | Neuenhaus | Neuenherweg | Neuenvahlefeld | Nonnenennepe | Nordeler Schleifkotten | Nordeln | Oberbolsenbach | Oberbommert | Oberbrügge | Oberbuschhausen | Obercarthausen | Oberherweg | Oberhövel | Oberhürxtal | Oberlangenscheid | Obervahlefeld | Oeckinghausen | Oege | Oesterberg | Osenberg | Ostendorf | Othmaringhausen | Pottheinrich | Rothenbruch | Schanzmannsmühle | Schlachtenrade | Schlade | Schlechtenbach | Schlemme | Schmalenbach | Schmidthausen | Schmidtsiepen | Schneehohl | Schöneberge | Schröders Herweg | Schüreichhofen | Schulten Hedfeld | Schwenke | Siepen | Solberg | Sondern | Steinbach | Stenkenberg | Sticht | Stichterweide | Stieneichhofen | Stöcken | Streitstück | Sundern | Vahlefelderheide | Vömmelbach | Vormbaum | Vorst | Voswinkel | Walde | Wegerhof | Weißenpferd | Wiebusch-Hedfeld | Wiene | Wilhelmshöh | Winkhof | Wöste

Geschichte mini|hochkant|Aussichtsturm Karlshöhe mini|hochkant|Halver Marktstraße mini|Das Ortszentrum Halvers (Frankfurter Straße) mini|links|Gerichtsbrunnen von Werner Klenk

Ur- und Frühgeschichte Erste Spuren von Menschen im Gebiet von Halver stammen aus der Mittelsteinzeit. Größte Fundstelle ist die Station Pottheinrich bei Berge, von der 3600 Artefakte stammen. Hier gibt es drei Fundkomplexe mit 700, 1400 und 1500 Steinsachen. Eine weitere Station ist Normecke mit zirka 500 Fundstücken. Außerdem sind aus dieser Zeit der Lagerplatz Hundsberg mit 270 gefundenen Artefakten, zwölf Rastplätze (5 bis 50 Artefakte) und 25 Streufunde (ein bis fünf Artefakte) bekannt.Manfred Sönnecken: Funde aus der Mittel-Steinzeit im Märkischen Sauerland. Balve 1985.

Mehrere jungsteinzeitliche Gegenstände wurden beim Haus Heide/Hürxtal (Speerspitze, Flintschaber, Steinbeil, Schneidenstück eines Steinbeiles, Arbeitsaxt) in Gesenberg (Steinbeil, Arbeitsaxt) gefunden. Bergfeld, Altemühle, Schlechtenbach, Linger Weg, Vahlefeld und Brünninghausen sind Einzelfundstellen von Werkzeugen aus der Jungsteinzeit.Manfred Sönnecken: Vor- und Frühgeschichte im Kreis Lüdenscheid. In: Heimatchronik des Kreises Lüdenscheid. Köln 1971, S. 22 ff.

Fundstücke aus der Bronze- und Eisenzeit sind für Halver nicht bekannt.

Mittelalterliches Dorf Der am Kreuzungspunkt zweier alter Heerwege gelegene Oberhof Halvara wurde um 950 erstmals urkundlich im Propsteiregister des Klosters Werden erwähnt. Somit gehört Halver zu den ältesten Ortschaften des märkischen Sauerlands. Nach Urkunden aus dem 10. Jahrhundert entstand der Name des Dorfes sehr wahrscheinlich von dem in der Nähe entspringenden Bach Hälver. Kirchenrechtlich gehörte Halver im frühen Mittelalter zur Pfarrei in Lüdenscheid. Für eine wachsende Bedeutung des Ortes spricht, dass Halver ab 1127 eine eigene Pfarrgemeinde bildete.

Mindestens seit 1243 existierte ein Femegericht in Halvere, das am bekanntesten wurde durch die Verhandlung zwischen Heinrich XVI. dem Reichen von Bayern-Landshut und dem Ritter von Toerring, die am 2. Mai 1430 stattfand. 1753 wurde das Femegericht aufgelöst. Im 18. Jahrhundert war nächste Gerichtsinstanz das hohe Gericht in Lüdenscheid. Auch wenn in der Zeit vor 1900 der Ort keine Stadtrechte besaß, so deutet der Hinweis auf die Existenz eines Gerichtes auf stadtähnliche Funktionen hin.

Die Reformation fand 1550 im Ort Eingang. In den Jahren 1635/36 suchte die Pest Halver heim und forderte 1100 Todesopfer.

Der Ort profitierte von seiner verkehrsgeografisch günstigen Lage am Kreuzungspunkt der alten Heerwege von Köln nach Soest einerseits und von Hagen nach Siegen andererseits, die seit alters her auch als reguläre Fernverkehrsstraßen genutzt wurden.

Die hübsche Lage veranlasste den westfälischen Oberpräsidenten Ludwig von Vincke zu der Äußerung, Halver sei „das schönste Dorf Westfalens“.

Geschichte der Industrialisierung Als Teil der Grafschaft Mark war der Ort mit der Geschichte dieses Herrschaftsgebietes verbunden. Dazu gehörte das frühe Einsetzen der Industrialisierung. Diese begann mit Ansätzen zur Eisen- und Metallverarbeitung bereits in den 1780er Jahren, das älteste und bis heute noch durchgängig existierende Unternehmen, Casp. Arn. Winkhaus, wurde 1783 gegründet. Etwa zehn Jahre später lebten bereits 200 Arbeiter von der Metallverarbeitung.

1818 lebten 678 Einwohner in Halver. Laut der Ortschafts- und Entfernungs-Tabelle des Regierungs-Bezirks Arnsberg wurde der Ort als Flecken kategorisiert und besaß 1838 eine Einwohnerzahl von 521, davon 20 katholischen und 501 evangelischen Glaubens. Halver war Hauptort der Gemeinde und Bürgermeisterei Halver und zugleich Titularort der Halveraner Dorfbauerschaft. Es besaß zwei Kirchen, sieben öffentliche Gebäude, 72 Wohnhäuser, neun Fabriken bzw. Mühlen und 24 landwirtschaftliche Gebäude.Johann Georg von Viebahn: Ortschafts- und Entfernungs-Tabelle des Regierungs-Bezirks Arnsberg, nach der bestehenden Landeseintheilung geordnet, mit Angabe der früheren Gebiete und Aemter, der Pfarr- und Schulsprengel und topographischen Nachrichten. Ritter, Arnsberg 1841.

Im 19. und 20. Jahrhundert wurde die lokale Wirtschaft durch seine Gesenkschmieden, Kleineisen- und Werkzeugindustrie, aber auch durch Kunststoffbearbeitung bestimmt. 1934 verzeichnete die Wirtschaft eine Bügeleisenfabrik, Drahtfabriken, Kleinschmiedewaren und Baubeschläge, Gesenkschmieden, Breitehämmer, Schmieden, Schleifereien zur Anfertigung von Schaufeln, Spaten, Pfannen, ferner Bohr- und Wagenbalkenfabriken und Elektroindustrie.

Das Gemeindelexikon für die Provinz Westfalen von 1887 gibt für Halver zusammen mit den Außenortschaften der Gemeinde eine Zahl von 7.787 Einwohnern an, die auf 201 Wohnplätze verteilt in 947 Wohnhäusern lebten.Königliches Statistisches Bureau (Preußen) (Hrsg.): Gemeindelexikon für die Provinz Westfalen, Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1885 und andere amtlicher Quellen. (= Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Band X). Berlin 1887.

Aufstieg und Niedergang der Eisenbahn Im 19. Jahrhundert führte vor allem die Eisenbahn zu einem Aufschwung der Gemeinde. Dazu zählte ab 1877 die Volmetalbahn, die aber das Stadtgebiet bei Oberbrügge nur kurz berührt, ab 1888 die schmalspurige Hälvertalbahn (die sogenannte „Schnurre“) der Kreis Altenaer Eisenbahn von dem Bahnhof Schalksmühle an der Volmetalbahn zum Halveraner Ortszentrum und ab 1910 die Wuppertalbahn von Oberbrügge über Halver und Radevormwald nach Barmen, heute Wuppertal. Von der Wuppertalbahn zweigte ein Gleis in Anschlag nach Wipperfürth ab.

Die Hälvertalbahn wurde als erste Bahnstrecke 1952 endgültig stillgelegt, die Wuppertalbahn Richtung Radevormwald und der Abzweig nach Wipperfürth folgten 1968. Der Personenverkehr wurde schon vier Jahre zuvor eingestellt. Richtung Oberbrügge wurden noch bis 1995 Güter transportiert, dann folgte auch dort die vorläufige Stilllegung. 2000 erwarb die Schleifkottenbahn GmbH diesen Streckenabschnitt und reaktivierte ihn wieder für einen sporadischen Güterverkehr.

Ausgliederung Schalksmühles Mit Wirkung zum 1. Oktober 1912 spaltete sich der Ortsteil Schalksmühle von der Gemeinde Halver ab und wurde eine eigenständige Gemeinde. Beide Gemeinden verwaltete danach das Amt Halver, welches bis dahin nur dem Namen nach ein „Amt“ war, denn es verwaltete nur eine Gemeinde (Amt = Verwaltung mehrerer Gemeinden).

Im Zuge der kommunalen Neuordnung im Kreis Altena wurde das Amt Halver durch das Gesetz zur Neugliederung des Landkreises Altena und der kreisfreien Stadt Lüdenscheid zum 1. Januar 1969 aufgelöst. Die Gemeinde Halver erhielt die Bezeichnung „Stadt“. Die Gemeinde Schalksmühle bildete mit der Landgemeinde Hülscheid aus dem Amt Lüdenscheid die neue „Großgemeinde“ Schalksmühle.

Vorabend des Nationalsozialismus 1925–1933 mini|Dreschflegel – Nationalsozialistisches Kampfblatt für Halver und Umgebung mini|Kriegerdenkmal in Schulten-Hedfeld