mini| Alois Rainer (CSU), Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat
Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (kurz BMLEH) ist eine oberste Bundesbehörde der Bundesrepublik Deutschland. Sein Hauptsitz bzw. erster Dienstsitz befindet sich in der Bundesstadt Bonn, sein zweiter Dienstsitz in Berlin. Das Amt des Bundesministers und Behördenleiters bekleidet seit dem 6. Mai 2025 Alois Rainer von der CSU als Mitglied des Kabinetts Merz.
Geschichte Die ursprüngliche Bezeichnung war zwischen 1949 und 2001 „Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten“. In den Anfangsjahren spielte vor allem die sichere Versorgung der Bürger mit ausreichend Lebensmitteln eine große Rolle. Das hat sich im Lauf der Zeit geändert, so dass heutzutage hauptsächlich einerseits die Sicherheit und Gesundheit der Lebensmittel sowie die ökologischen Folgen der Lebensmittelproduktion, andererseits die wirtschaftlichen Belange der Landwirte die Hauptaugenmerke sind.
2001 wurde das Ministerium in „Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft“ umbenannt. Die Aufnahme des Verbraucherschutzes anstelle von Forsten im Namen geht auf Renate Künast zurück und ist vor dem Hintergrund des damaligen BSE-Skandals zu sehen. Die Umbenennung stellt dabei nicht nur eine Kompetenzerweiterung dar. Sie ist vielmehr Ausdruck von gesellschaftlichen Veränderungen, die sich sowohl hier als auch in anderen Ressorts, auf Ministerialebene widerspiegeln. So sah sich Ilse Aigner beispielsweise wesentlich stärker für die Belange des Datenschutzes verantwortlich, als dies bei ihren Vorgängern der Fall war. Durch Organisationserlass des Bundeskanzleramts wurde aus dem Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft das „Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz“ gebildet. Die Reihenfolge wurde alphabetisch geregelt, um die Gleichstellung der einzelnen Ressorts darzustellen.
Mit der Bildung des Kabinetts Merkel III ging die Zuständigkeit für den Verbraucherschutz 2013 an das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz über. Der am 7. November 2014 von diesem Bundesministerium gegründete, neunköpfige Sachverständigenrat für Verbraucherfragen berät jedoch auch das Ernährungsressort des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft.
Nach der Ernennung von Bundeskanzler Olaf Scholz am 8. Dezember 2021 wurde der Bereich Verbraucherschutz an das entsprechend in Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz umbenannte Umweltministerium übertragen.
Im Kabinett Merz übertrug der Bundeskanzler 2025 durch einen Organisationserlass die Zuständigkeit für „gleichwertige Lebensverhältnisse sowie regionale Kultur“ an das Ministerium und benannte es auch als Ministerium für Heimat. Seitdem lautet die Bezeichnung Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat.
Erforschung der Geschichte des Bundesministeriums 2016 nahm eine von Christian Schmidt, dem damals amtierenden Minister des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, eingesetzte Unabhängige Historikerkommission ihre Arbeit auf.Möller, Horst; Bitterlich, Joachim; Corni, Gustavo; Kießling, Friedrich; Münkel, Daniela; Schlie, Ulrich (Hrsg.): Agrarpolitik im 20. Jahrhundert. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft und seine Vorgänger. De Gruyter Oldenbourg. Berlin/Boston 2020. ISBN 978-3-11-065116-4. S. 1. Am 17. Juni 2020 gab das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft auf den Seiten seiner Internetpräsenz bekannt, dass der Abschlussbericht der Unabhängigen Historikerkommission Bundesministerin Julia Klöckner am gleichen Tag übergeben worden war. Der Abschlussbericht wurde als Buch publiziert.Horst Möller, Joachim Bitterlich, Gustavo Corni, Friedrich Kießling, Daniela Münkel, Ulrich Schlie (Hrsg.): Agrarpolitik im 20. Jahrhundert. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft und seine Vorgänger. De Gruyter Oldenbourg. Berlin/Boston 2020, ISBN 978-3-11-065116-4. Insbesondere folgende Aspekte wurden von der Unabhängigen Historikerkommission untersucht: die Wiederbegründung des Ministeriums im Jahr 1949 die Geschichte seiner Vorgängerinstitutionen die Frage nach der personellen und sachlichen Kontinuität bzw. Diskontinuität die Haltung zu seinen Vorgängerinstitutionen die Rolle der Verbände die zeitlich parallelen Entwicklungen in der Deutschen Demokratischen Republik.
Das veröffentlichte Buch beinhaltet folgende Abschnitte: Vom Ersten Weltkrieg bis zum Ende der Weimarer Republik […] Das Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft in der Zeit des Nationalsozialismus […] Landwirtschaftspolitik unter alliierter Besatzung 1945–1949 […] Landwirtschaftsministerium und Agrarpolitik in der alten Bundesrepublik […] Das DDR-Landwirtschaftsministerium – Politik und Personal […] Sechzig Jahre Europäisierung der Agrarpolitik – Interessen, Konflikte, Weichenstellungen. Eine historisch-politische Betrachtung […]Unabhängige Historikerkommission zur Aufarbeitung der Geschichte des BMEL. In: bmelh.de, 17. Juni 2020. Abgerufen am 20. September 2025.
Organisation mini|Der Dienstsitz Berlin im Gebäude des ehemaligen Geheimen Zivilkabinetts in der Wilhelmstraße
Neben der Ministeriumsleitung (inkl. Leitungsstab) besteht das BMLEH aus sieben Abteilungen (Stand: März 2026): Abteilung 1: Zentralabteilung Abteilung 2: Ernährung, Ernährungssicherung, Gesundheitlicher Verbraucherschutz Abteilung 3: Lebensmittelsicherheit, Tiergesundheit Abteilung 4: Heimat, Ländliche Räume, Agrarsozialpolitik, Innovation Abteilung 5: Wald, Nachhaltigkeit, Klimaschutz, Nachwachsende Rohstoffe Abteilung 6: Agrarhandelspolitik, EU-Angelegenheiten, Internationale Zusammenarbeit Abteilung 7: Agrarpolitik, Märkte, Fischerei
Dem BMLEH zugeordnet sind zwei Bundesoberbehörden: Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit BVL Bundessortenamt BSA vier Bundesforschungsinstitute: Julius Kühn-Institut, Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen Friedrich-Loeffler-Institut, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit Max Rubner-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel Johann Heinrich von Thünen-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei drei rechtlich selbständige Anstalten: Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung BLE Bundesinstitut für Risikobewertung BfR Deutscher Weinfonds DWF sowie sechs Einrichtungen der Leibniz-Gemeinschaft: Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien IAMO Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung ZALF Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie ATB Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau IGZ Leibniz-Institut für Lebensmittel-Systembiologie an der Technischen Universität München Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN)
Bundesminister seit 1949 mini|hochkant|Eines der Gebäude (Haus 9) des Ministeriums in Bonn
Nach dem Bruch der sozialliberalen Koalition am 17. September 1982 übernahm der damalige Bundesminister für Bildung und Wissenschaft Björn Engholm zusätzlich das Landwirtschaftsministerium. Dieser Zustand hielt aber nur bis zum 1. Oktober 1982, als Helmut Kohl durch ein konstruktives Misstrauensvotum zum Bundeskanzler gewählt wurde.
Nr. Name Lebensdaten Partei Beginn der Amtszeit Ende der Amtszeit Kabinett(e) Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten 1 Wilhelm Niklas1887–1957CSU20. September 194920. Oktober 1953Adenauer I 2 Heinrich Lübke1894–1972CDU20. Oktober 195315. September 1959Adenauer IIAdenauer III 3 Werner Schwarz1900–1982CDU30. September 195926. Oktober 1965Adenauer IIIAdenauer IVAdenauer VErhard I 4 Hermann Höcherl1912–1989CSU26. Oktober 196521. Oktober 1969Erhard IIKiesinger 5 Josef Ertl1925–2000FDP22. Oktober 196917. September 1982Brandt IBrandt IISchmidt ISchmidt IISchmidt III 6 Björn Engholm* 1939SPD17. September 19821. Oktober 1982Schmidt III 7 Josef Ertl1925–2000FDP4. Oktober 198229. März 1983Kohl I 8 Ignaz Kiechle1930–2003CSU30. März 198321. Januar 1993Kohl IIKohl IIIKohl IV 9 Jochen Borchert* 1940CDU21. Januar 199326. Oktober 1998Kohl IVKohl V 10 Karl-Heinz Funke* 1946SPD27. Oktober 199812. Januar 2001Schröder I Bundesminister für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft 11 Renate Künast* 1955Grüne12. Januar 20014. Oktober 2005Schröder ISchröder II Bis zur Bildung einer neuen Bundesregierung übernahm Bundesumweltminister Jürgen Trittin das Ressort geschäftsführend. Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz 12 Horst Seehofer* 1949CSU22. November 200527. Oktober 2008Merkel I 13 Ilse Aigner* 1964CSU31. Oktober 200830. September 2013Merkel IMerkel IIBis zur Bildung einer neuen Bundesregierung übernahm Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich das Ressort geschäftsführend. Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft 14Hans-Peter Friedrich* 1957CSU17. Dezember 201317. Februar 2014Merkel III 15Christian Schmidt* 1957CSU17. Februar 201414. März 2018Merkel III 16Julia Klöckner* 1972CDU14. März 20188. Dezember 2021Merkel IV 17Cem Özdemir* 1965Grüne8. Dezember 20216. Mai 2025Scholz Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat 18Alois Rainer* 1965CSU6. Mai 2025im AmtMerz
Parlamentarische Staatssekretäre
Beamtete Staatssekretäre
Wettbewerbe Das Ministerium veranstaltet alle drei Jahre den Bundeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“. Ziel ist hierbei die Motivation der ansässigen Bevölkerung zu steigern eigene Projekte zur Sicherung der Zukunft des Dorfes zu verwirklichen. In diesem Rahmen bietet sich Orten, die durch Vorleistungen gute Platzierungen erreichen, im Anschluss, Förderungen zur Erhöhung des Bekanntheitsgrades und zu Projekten in ihrem ländlichen Raum zu erhalten.
Verbraucherlotse Der Verbraucherlotse wurde am 10. Dezember 2012 von Ilse Aigner mit dem Ziel ins Leben gerufen, Bürgern Fragen zu ihren Verbraucherrechten zu beantworten., Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, abgerufen am 5. Juli 2013. Verbraucher können sich telefonisch oder per E-Mail an den Verbraucherlotsen wenden und erhalten entweder direkt die gewünschte Information oder werden an die zuständige Stelle gelotst. Individuelle Rechtsberatung darf der Verbraucherlotse nicht übernehmen.
Der Verbraucherzentrale Bundesverband sieht Potenzial in dem Projekt des Bundesverbraucherministeriums, wenn die Verbraucherlotsen tatsächlich den richtigen Ansprechpartner nennen können. Andere Parteien wie die Grünen und die SPD halten diese Form des Verbraucherservices jedoch für überflüssig.Verbraucherlotse enttäuscht. In: finanzen.de, abgerufen am 5. Juli 2013. Das Handelsblatt Online hat in einem stichprobenartigen Test sechs Wochen nach dem Start des Verbraucherlotsen feststellen müssen, dass die Hilfe der Lotsen in vielen Fällen oberflächlich blieb.Verbraucherschutz: Hier werden Sie nicht geholfen. In: Handelsblatt Online, zuletzt abgerufen am 5. Juli 2013.
Siehe auch Schlichtungsstelle Energie Reichsernährungsamt Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft
Weblinks
Website des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat
Einzelnachweise
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