Die Bahnstrecke Aachen–Mönchengladbach ist eine wichtige Eisenbahnhauptstrecke im westlichen Rheinland und Teil der Relation Ruhrgebiet–Belgien. Sie wird täglich von Reise- und Güterzügen befahren.

Maßgeblich an der Entwicklung dieser Strecke beteiligt waren die Aachen-Düsseldorf-Ruhrorter Eisenbahn-Gesellschaft und die Bergisch-Märkische Eisenbahn-Gesellschaft.

Geschichte

Entstehung

Die Planung für den Bau der Strecke erfolgte zunächst durch die Aachen-Neuß-Düsseldorfer Eisenbahn-Gesellschaft, welche am 21. August 1846 vom preußischen Staat die Konzession zum Bau der Strecke Aachen–Neuss–Düsseldorf-Oberkassel erhielt. Da die Gesellschaft ebenso wie die Ruhrort-Crefeld-Kreis Gladbacher Eisenbahn-Gesellschaft während des Baus in finanzielle Schwierigkeiten geriet, wurden beide 1850 auf eigenen Wunsch der Königlichen Direktion der Aachen-Düsseldorf-Ruhrorter Eisenbahn unterstellt, existierten jedoch als Aktiengesellschaften weiter.

Die Strecke konnte in folgenden Teilabschnitten eröffnet werden:

Streckenabschnitt Strecken-km Eröffnet Mönchengladbach–Rheydt 3,8 12. August 1852 Rheydt–Herzogenrath 44,0 12. November 1852 Herzogenrath–Aachen 13,2 17. Januar 1853

Bis 1854 wurde die Aachen-Düsseldorf-Ruhrorter Eisenbahn alleinige Betreiberin der Strecke und blieb es bis zum 31. Dezember 1865. Ab dem 1. Januar 1866 übernahm die mehrheitlich im Besitz des preußischen Staats befindliche Bergisch-Märkische Eisenbahn-Gesellschaft (BME) alle Strecken der Aachen-Düsseldorf-Ruhrorter Eisenbahn-Gesellschaft. Letztere wurde mit der Übernahme durch die BME aufgelöst.

Eine alternative Trassenführung über Eschweiler, Jülich und Hottorf (bei Linnich) wurde nicht näher in Betracht gezogen.Aachen – Mönchengladbach, Die Geschichte auf www.gessen.de

Verlegung der Streckenführung innerhalb Aachens 1910

Ursprünglich begann die Strecke im Bahnhof Aachen Marschierthor. Dieser befand sich auf Höhe des Marschiertors an der Stelle, wo sich heute die Werkstatt Aachen der DB Regio auf der Nordseite des Aachener Hauptbahnhofes befindet.

Im Jahr 1910 wurde wegen des Abrisses des Bahnhofs Templerbend, der durch den Bahnhof Aachen West ersetzt wurde, ein Teilstück der Strecke in Aachen verlegt. Der Bahnhof Templerbend lag in Nord-Süd-Richtung unmittelbar hinter dem heutigen Abzweig der Montzenroute. Von dort verlief die Strecke nach einer leichten Linkskurve am Fuße des Lousberg und der Roermonder Straße entlang Richtung Nordosten direkt durch das heutige westliche Aachener Stadtgebiet bis zum damaligen Bahnhof Richterich. Der ehemalige Verlauf über einen hohen Bahndamm in Laurensberg, ungefähr östlich parallel zur heutigen Roermonder Straße, ist heute noch auf Luftbildern nachvollziehbar.

Elektrifizierung

Nachdem Aachen bereits 1966 von elektrisch betriebenen Fahrzeugen erreicht wurde (über die Strecke Köln – Brüssel – Oostende), wurde auch der Streckenabschnitt zwischen Aachen-West und Mönchengladbach elektrifiziert. Am 22. Mai 1968 fand die Eröffnungsfahrt hierzu statt.Hans Schweers und Henning Wall: Eisenbahnen rund um Aachen, 1. Auflage, Aachen 1993, Seite 159

Umbau 2007

mini|hochkant|Formsignale im Bahnhof Wickrath vor dem Umbau

Zwischen Übach-Palenberg und Rheydt Hauptbahnhof wurde die Strecke im Jahr 2007 an das elektronische Stellwerk (ESTW) Grevenbroich angeschlossen. Bei den Baumaßnahmen in den Jahren 2006 und 2007 wurden u. a. neue Ks-Signale aufgestellt und die letzten Formsignale an der Strecke im Bahnhof Lindern und zwischen der Blockstelle Herrath und Rheydt Hauptbahnhof entfernt. Die Bahnhöfe Wickrath, Übach-Palenberg und Erkelenz wurden zu Haltepunkten umgebaut, der Bahnhof Lindern zu einer Haltestelle, da der Haltepunkt Lindern mit der Abzweigstelle, an der die Bahnstrecke Lindern–Heinsberg (Rheinl) auf freier Strecke begann, örtlich verbunden war. Für die Wiederaufnahme des Schienenpersonennahverkehrs auf der Strecke nach Heinsberg wurde Lindern im Herbst 2013 wieder zu einem Bahnhof umgebaut.

Im Aachener Hauptbahnhof entstand bis 2007 ebenfalls ein neues ESTW, weswegen auch dort Ks-Signale die alten Lichtsignale ersetzen.

Überlasteter Schienenweg

Am 11. November 2019 wurde die Strecke zwischen Aachen Hauptbahnhof und Aachen West zum überlasteten Schienenweg erklärt.

Planungen

Die Strecke zwischen Aachen und Mönchengladbach soll bis 2029 mit dem European Train Control System (ETCS) in Level 2 ausgerüstet werden. Die bestehenden ortsfesten Lichtsignale und die Punktförmige Zugbeeinflussung sollen dabei außer Betrieb genommen werden. Der Aufgabenträger go.Rheinland kritisierte die Planungen, da eine Nachrüstung der im SPNV eingesetzten Triebfahrzeuge mit ETCS nicht rechtzeitig umsetzbar sei. Er fordert daher eine Ausrüstung Doppelausrüstung der Strecke mit ETCS und ortsfesten Signalen.

Gegenwärtiger Betrieb

Im Regionalverkehr verkehren auf der Gesamtstrecke der stündliche Wupper-Express (RE 4) und die stündliche Rhein-Niers-Bahn (RB 33). Dabei bedient die Regionalbahn alle Halte, der Regional-Express alle Halte mit Ausnahme von Kohlscheid, Brachelen, Herrath und Wickrath. Ab Mönchengladbach benutzen die beiden Züge getrennte Strecken (Rhein-Niers-Bahn weiter über die Bahnstrecke Duisburg-Ruhrort–Mönchengladbach nach Duisburg, anschließend über Mülheim nach Essen, Wupper-Express weiter über die Bahnstrecke Mönchengladbach–Düsseldorf bis Düsseldorf, anschließend über Wuppertal und Hagen nach Dortmund).

Die Rhein-Niers-Bahn wird in Lindern zur Bedienung der Strecke nach Heinsberg geflügelt. Außerdem gibt es nachts eine direkte Regional-Express-Verbindung von Aachen zum Bahnhof Düsseldorf Flughafen Terminal. Zusätzlich verdichtet wird der Abschnitt zwischen Aachen und Herzogenrath im Halbstundentakt durch die Euregiobahn (RB 20), die von Herzogenrath weiter nach Alsdorf sowie stündlich darüber hinaus nach Stolberg (Rheinland) Hauptbahnhof verkehrt, und den im Halbstundentakt verkehrenden Dreiländerzug (RE 18) nach Maastricht und stündlich bis nach Lüttich.

Der Abschnitt zwischen Mönchengladbach Hauptbahnhof und Rheydt Hauptbahnhof wird außerdem vom Rhein-Erft-Express (RE 8) und der Rhein-Erft-Bahn (RB 27) nach Koblenz sowie der Schwalm-Nette-Bahn (RB 34) nach Dalheim benutzt.

mini|Zugschild des InterRegio 2646

Im Fernverkehr gab es zwischen 1991 und 2001 einen Interregio in Richtung Ostdeutschland, der Aachen, Mönchengladbach, Herzogenrath und Geilenkirchen (zwischen 1999 und 2001 auch Erkelenz und Rheydt) bediente, nennenswerten Fernverkehr gab es davor bis 1981 lediglich mit dem D-Zugpaar 340/341 zwischen Aachen und Berlin Friedrichstraße. Seit dem Fahrplanwechsel am 13. Dezember 2009 verkehrt mit den IC 1918/1919 von und nach Berlin erstmals seit der Einstellung des Interregios wieder planmäßiger Fernverkehr mit Zwischenhalten in Mönchengladbach, Rheydt, Herzogenrath und Aachen auf der Strecke. Seit Dezember 2020 sind in gleicher Relation einzelne Intercity-Express unterwegs.

Im Güterverkehr wird die Strecke derzeit als Alternative zum Eisernen Rhein genutzt. Züge aus Belgien ins Ruhrgebiet kommen von der Montzenroute und fahren vom Bahnhof Aachen West zumindest bis Rheydt Güterbahnhof. Dort besteht die Möglichkeit, die Güterumgehungsbahn Mönchengladbach zu nutzen, oder die Züge fahren über Mönchengladbach Hauptbahnhof direkt weiter auf der Strecke nach Duisburg.

In der Frequenz stärker als auf dem Streckenteil zwischen Aachen West und Mönchengladbach ist der Güterzugverkehr allerdings auf dem kürzeren, unmittelbar durch die Aachener Innenstadt führenden Streckenteil zwischen Aachen West und Aachen Hauptbahnhof.Website aachenbahn von Stefan von der Ruhren zur Güterzugbelegung Ein Grund hierfür ist u. a., dass die bereits vom Aachener Hauptbahnhof nach Belgien abzweigende Strecke nach Lüttich dicht mit Personenzügen des Nah- und Fernverkehrs belegt und u. a. aufgrund der Ronheider Rampe topografisch schwieriger ist. Deshalb werden von oder über Köln fahrenden Güterzüge nach Belgien und umgekehrt nicht über diese Strecke, sondern die Montzenroute geführt.

Der lokale Güterverkehr auf der Strecke ist jedoch nach Schließung der Zechen des Aachener Steinkohlenreviers und Angebotsveränderungen seitens der Bahn, etwa durch das Programm Mora C, bedeutungslos geworden und beschränkt sich (Stand Februar 2014) auf gelegentliche Düngemittelverkehre mit Tds-Wagen zum Gleisanschluss der WestEnergie und Verkehr in Geilenkirchen.

Streckenbeschreibung

Streckenverlauf

mini|hochkant=1.2|Aachen Hauptbahnhof

Die Strecke hat ihren Ausgangspunkt in Aachen Hauptbahnhof, dem gemeinsamen Anfangs- bzw. Endbahnhof der Strecken aus Richtung Belgien und von Köln mit der Strecke nach Mönchengladbach. Kurz hinter dessen Ausfahrsignalen folgt der erst 2004 eröffnete Haltepunkt Aachen Schanz. Im sich anschließenden Bahnhof Aachen West zweigt die ausschließlich im Güterverkehr genutzte Montzenroute nach Belgien ab.

Nachdem die Strecke zunächst auf einem hohen Damm am Westteil Aachens vorbeigeführt wird, folgt ein tiefer Einschnitt, in dem der ehemalige Bahnhof und die heutige Überleitstelle Richterich liegt. Im Bahnhof Richterich befand sich auch der Abzweig der Bahnstrecke Aachen–Maastricht über Simpelveld zur dortigen Bahnstrecke Schaesberg–Simpelveld. Der auf die Überleitstelle folgende Bahnhof Kohlscheid ist das Ende der 4,2 Kilometer langen und eine Steigung von 14 Promille aufweisenden Kohlscheider Rampe. Früher mussten schwere Züge in Richtung Aachen von Herzogenrath bis Kohlscheid nachgeschoben werden, um die Steigung der Rampe zu überwinden. Außerdem war Kohlscheid Ausgangspunkt der heute fast vollständig rückgebauten Bahnstrecke Stolberg–Kohlscheid über Würselen.

In Herzogenrath zweigen die von der euregiobahn befahrene Bahnstrecke Stolberg–Herzogenrath und die vom LIMAX befahrene Bahnstrecke Sittard–Herzogenrath ab. Außerdem besitzt die Herzogenrather Glasfabrik Saint-Gobain einen Anschluss. Ab Herzogenrath verläuft die Strecke bis Geilenkirchen durch das Tal der Wurm, die abschnittsweise die Grenze zu den Niederlanden bildet.

Der auf den Haltepunkt Übach-Palenberg folgende Bahnhof Geilenkirchen diente einst als Umsteigeknoten zu den Strecken der Geilenkirchener Kreisbahn nach Tüddern und Alsdorf. Gegenwärtig zeugt nur noch der normalspurige Gleisanschluss der WestEnergie und Verkehr von der Kreisbahn-Ära. Ab dem Bahnhof Lindern, wo eine Nebenbahn zur Kreisstadt Heinsberg abzweigt, wird das Terrain flacher. Hinter Lindern, im Abschnitt Lindern–Brachelen–Baal, führt die Strecke auf einem hohen Bahndamm durch die Rurniederung, der gleichnamige Fluss wird mit einer Betonbrücke überquert.

Mit dem Turmbahnhof Baal wird schließlich der nächste Knotenpunkt erreicht. An jenem Bahnhof kreuzte sich bis 1980 die Bahnstrecke Jülich–Dalheim im unteren Bahnhofsteil mit der Strecke Aachen–Mönchengladbach im oberen Bahnhofsteil. Hinter dem Bahnhof Baal durchquert die Strecke das überwiegend landwirtschaftlich geprägte Land der Erkelenzer Börde.

Im Güterbahnhof Rheydt zweigt die frühere Bahnstrecke Krefeld–Rheydt und heutige Mönchengladbacher Güterumgehungsbahn ab, auf der Güterzüge den viel befahrenen Abschnitt zwischen Rheydt Hauptbahnhof und Mönchengladbach Hauptbahnhof umfahren können, um im Bahnhof Viersen-Helenabrunn auf die Strecke Mönchengladbach–Duisburg zu gelangen. Des Weiteren befindet sich dort eine Abstellanlage für die Züge zum Siemens-Prüfcenter in Wegberg-Wildenrath.

Zwischen dem Güterbahnhof und dem Rheydter Hauptbahnhof verläuft der Eiserne Rhein aus Dalheim auf einem Streckengleis parallel zur Bahnstrecke Aachen–Mönchengladbach. Im Hauptbahnhof enden die Strecken aus Köln und Dalheim.

Das Zusammentreffen dieser Strecken in Rheydt führt zur hohen Auslastung des letzten Abschnitts der Strecke bis zum Mönchengladbacher Hauptbahnhof. Von dort führen Strecken weiter über Krefeld nach Duisburg und über Neuss nach Düsseldorf.

Aachen Hauptbahnhof