alt=Omar Torrijos 1978|mini|Omar Torrijos, 1978 alt=Unterschrift von General Omar Torrijos Herrera|rahmenlos|zentriert|klasse=notpageimage

Omar Efraín Torrijos Herrera (* 13. Februar 1929 in Santiago de Veraguas, Panama; † 31. Juli 1981 bei Cerro Marta, Coclé, Panama) war ein panamaischer General, Führer der Militärjunta von 1969 bis 1981 und Mitgründer der aktuellen panamaischen Regierungspartei PRD.

Mit den Torrijos-Carter-Verträgen erreichte Omar Torrijos friedlich die vollständige territoriale und nationale Souveränität Panamas, indem der Panamakanal und die Kanalzone nach einer Übergangsphase ab dem 1. Januar 2000 vollständig der Kontrolle Panamas übergeben wurden.

Bis heute wird Omar Torrijos als „Líder Máximo de la Revolución Panameña“ in großen Teilen der panamaischen Gesellschaft nicht als unrechtmäßiger Diktator, sondern als Kämpfer gegen Armut und Ungleichheit nahezu verehrt.

Leben Kindheit und Jugend Omar Torrijos war der sechste Sohn von den zwölf Kindern der kolumbischen Grundschullehrers José María Torrijos und der Panamaerin Joaquina Herrera. Nach der Grundschule besuchte er die Escuela Normal Juan Demóstenes Arosemena.

Im Februar 1946 trat er aufgrund eines Stipendiums der Regierung El Salvadors in die dortige Militärakademie Academia Militar General Gerardo Barrios ein, wo er von seinen Mitschülern den Spitznamen El Indio („Der Indianer“) erhielt.

Militärische und politische Karriere Frühe militärische Laufbahn Nach dem Abschluss an der Militärakademie kehrte er 1952 nach Panama zurück und trat als Unterleutnant (subteniente de infantería) in die Nationalgarde ein. 1955 erfolgte die Beförderung zum Leutnant und 1956 zum Hauptmann. Während dieser Zeit besuchte er die berüchtigte Militärschule der CIA „School of the Americas“ in der Kanalzone und wurde dort in der Aufstandsbekämpfung ausgebildet. 1959 nahm er an der Bekämpfung der aufständischen Studenten beim Cerro Tute teil. 1960 folgte seine Beförderung zum Major. Mit seiner Beförderung zum Oberstleutnant 1966 wurde er leitender Exekutivsekretär des Hauptquartiers der Nationalgarde. In dieser Funktion nahm er an einigen internationalen Veranstaltungen, Konferenzen und Treffen teil, wo er Erfahrungen in Internationalen Beziehungen und Diplomatie gewinnen konnte.

Cerro-Tute-Aufstand Infolge der kubanischen Revolution formierte sich am 3. April 1959 im Distrikt Santa Fe in der panamaischen Provinz Veraguas eine Gruppe von circa 20 Studenten aus Santiago unter der Führung von Floyd Britton zum MAR (Movimiento de Acción Revolucionari), um gegen die „panamaische Oligarchie und den US-amerikanischen Imperialismus“ zu kämpfen. Sie bewaffneten sich und brachen in das Gebiet des Cerro Tute auf. Am Samstag, den 4. April 1959, traf ein Zug der Nationalgarde in Santiago ein und verhaftete den Studenten Euribíades Medina. Teil dieses Zuges war Omar Torrijos. Am 6. April kam es am Cerro Tute zu einem ersten Gefecht zwischen der Nationalgarde und dem MAR, bei dem zwei Studenten (Rodrigo Pinzòn und der Generalsekretär des panamaischen Studentenverbandes Eduardo Santos Blanco) erschossen wurden. Die Restlichen flohen. Der Hauptmann Omar Torrijos und Jorge Andrade wurden in diesem Gefecht verwundet und nach Santiago gebracht. Laut einigen zeitgenössischen Quellen soll Omar Torrijos sich in der Stadt damit gerühmt haben, einen der beiden Studenten erschossen zu haben. Am 9. April trafen der MAR und die Nationalgarde erneut aufeinander, wobei die zwei Studenten Domingo García und Rogelio Girón verletzt und gefangen genommen wurden. In den darauffolgenden Tagen wurden immer mehr der Revolutionäre gefangen genommen. Der Guerillero Isaías Chang resümierte später, dass der Aufstand ein vollkommen ungeplantes Desaster war. Laut engen Vertrauten von Omar Torrijos bedauerte er später seine Beteiligung an der Unterdrückung des Aufstands, es sei eine prägende Erfahrung für ihn gewesen.

Staatsstreich vom 11. Oktober 1968 Zwischen 1903 und 1968 war Panama nominell eine konstitutionelle Demokratie, wurde aber von einer Geld-Oligarchie dominiert. Ab Beginn der 1950er Jahre begann das panamaische Militär, sich gegen die politische Hegemonie der Oligarchen zu wenden; es gab mehrere Putsche. Im Oktober 1968 wurde der dreimal „gewählte“ und zweimal militärisch abgesetzte Präsident Arnulfo Arias Madrid nach nur zehn Tagen im Amt (am 11. Oktober 1968) von der Nationalgarde erneut abgesetzt. Er war für seine extrem USA-freundliche Politik bekannt.

Am 1. Oktober 1968 übernahm Arnulfo Arias erneut die Präsidentschaft. Zu seinen Ehren organisierte die Nationalgarde eine große Militärparade. Nach nur 10 Tagen im Amt erließ Präsident Arias am 10. Oktober 1968 entgegen der Empfehlung des Obersten Befehlshabers der Nationalgarde Bolívar Vallarino ein Dekret, mit welchem er politische Feinde in der panamaischen Nationalgarde durch ihm wohlgesonnene Militärs ersetzen wollte. Einige Militärs sollten entlassen oder versetzt werden. Omar Torrijos sollte als Militärattaché ins Ausland versetzt werden. Das Dekret bewegte viele Militärs sich zusammenzuschließen und den Staatsstreich am folgenden Tag zu planen. Am Mittag des 11. Oktober, nach der Ruhestandszeremonie für den Oberbefehlshaber Vallarino, begann der Staatsstreich und die Hauptstadt füllte sich mit Soldaten. Hunderte Anhänger der arnulfitischen Panameñista-Partei wurden festgenommen und oppositionelle Radiosender und Zeitungen besetzt. Der Präsident Arias floh daraufhin über die Kanalzone aus dem Land ins Exil nach Miami, USA.

Daraufhin etablierte sich eine Militärjunta, die von der Nationalgarde, vielen Gewerkschaften, der Studentenbewegung und großen Teilen der benachteiligten Bevölkerungsgruppen unterstützt wurde. Am 13. Oktober 1968 wurde diese international anerkannt. Infolge des Staatsstreiches soll es auch zu Folter und Morden gekommen sein. Viele Oppositionelle und Oligarchen gingen daraufhin ins Exil.

Der Anführer des Staatsstreiches gegen die oligarische Arias-Dynastie war der Kommandant der Nationalgarde, der Oberst Boris Martínez. Unterstützt wurde Martínez durch seinen engen Vertrauten Oberstleutnant José Humberto Ramos, den Major Humberto Jiménez, Oberst Federico Boyd, Oberst José María Pinilla und Oberst Bolívar Urrutia. Omar Torrijos, zu der Zeit Oberstleutnant (teniente coronel) und Kommandant einer Spezialeinheit der Nationalgarde, war nicht direkt am Putsch beteiligt, was ihm im Nachhinein oftmals nachgesagt wird. Er befand sich zur Zeit des Putsches zwischen der Kanalzone und der Altstadt. Nach einem internen Machtkampf setzte sich Omar Torrijos, inzwischen Oberst (coronel), am 24. Februar 1969 als Anführer der Militärjunta durch. Seine Kontrahenten Boris Martínez und José Humberto Ramos in der Militärjunta wurden in die USA ins Exil verbannt. Andere Persönlichkeiten der Militärjunta wurden politisch irrelevant und Torrijos der wichtigste Mann im politischen Leben Panamas.

Am 11. März 1969 beförderte sich Torrijos quasi selbst in den Rang des Brigadegenerals.

„Líder Máximo de la Revolución Panameña“ alt=Omar Torrijos mit panamaischem Farmer|mini|276x276px|Omar Torrijos mit einem panamaischen Farmer Während der ersten Jahre der Regierung des Militärs wurden keine Wahlen abgehalten. Erst im Jahr 1972 wurde zwar kontrolliert gewählt (aus den Wahlen ging Demitrio Lakas als Präsident hervor) doch die neue Verfassung sorgte dafür, dass Torrijos für die nächsten sechs Jahre der wahre starke Mann Panamas mit nahezu uneingeschränkter politischer Macht blieb. Erst 1978 trat er formell als Chef der Regierung zurück und ernannte mit Aristides Royo einen seiner Anhänger zum Präsidenten. Trotz dessen hatte Torrijos bis zu seinem Tod einen großen und maßgeblichen Einfluss auf die panamaische Politik.

Omar Torrijos wurde von seinen Anhängern als erster authentischer Führer Panamas wahrgenommen, der die Mehrheit des Volkes repräsentierte, die arm war, Spanisch sprach und ethnisch gemischte Wurzeln hatte.

Torrijos ging aber auch hart gegen Oppositionelle vor, von denen etliche inhaftiert und verbannt wurden. Politische Parteien wurden in der Anfangszeit seines Regimes verboten. Es kam zudem zu mehreren Vermisstenfällen und möglichen Todesfällen, die bis heute nicht aufgeklärt sind. Hier zu nennen sind zum Beispiel die Fälle des kolumbianischen Priesters Héctor Gallego und der Studentin Rita Wald.

Politische Ausrichtung und Programm Torrijos' Politik lässt sich keiner Ideologie, obwohl er Freunde im eher linken politischen Spektrum bei Fidel Castro, Salvador Allende und Daniel Ortega fand, eindeutig zuordnen. Seine Politik war nationalistisch, liberal und sozialistisch geprägt, wobei er zu Anfang seines Regimes zudem von der kommunistischen Partei Panamas unterstützt wurde.

Oberstes Ziel der Politik von Torrijos war die Rückgewinnung des Panamakanals, um, in seinen Worten, „aus dieser Karrikatur von einem Land eine Nation zu machen“. Er zog sogar, wenn die Diplomatie zu nichts führen würde, laut Graham Greene, einen Guerillakrieg in Betracht. Mit seiner Bildungspolitik sorgte er für die Alphabetisierung eines Großteils der Bevölkerung, den Bau vieler Schulen und Schaffung von Stellen für Lehrer. Er führte eine Agrarreform durch, die Agrarland zu großen Teilen umverteilte. Ein weiterer Teil seiner Politik war der Ausbau der Infrastruktur um entlegene Gegenden an das Straßennetz und die öffentliche Verwaltung anzuschließen. In den 1970er Jahren konnten große Teile des Landes und viele Dörfer nur mit einem Hubschrauber oder Boot erreicht werden. Mit dem Bau des großen Wasserkraftwerkes Bayano wurde die Stromversorgung der Hauptstadt gewährleistet.

Panama wurde unter Torrijos zu einem Offshore-Finanzplatz und zu einer sogenannten Steueroase. 1970 ließ er das Regelwerk für ausländische Investitionen liberalisieren. Die Gründung von Banken wurde erleichtert, die Bankenaufsicht durch die Zentralbank abgeschafft und die Einrichtung von Nummernkonten ermöglicht. Panama wurde dadurch ein internationales Bankenzentrum. Gegen Torrijos wird zwar international der Vorwurf erhoben, korrupt gewesen zu sein, doch war er ein charismatischer Führer, dessen innenpolitische Programme und Außenpolitik bei den von der Oligarchie weitestgehend ignorierten Bevölkerungsteilen sehr populär waren, sowohl auf dem Land als auch in der Stadt. Er war ein Verfechter der Menschenrechte und hatte sein Land für Flüchtlinge des gesamten politischen Spektrums geöffnet.Erich Süßdorf: Panama: Vom Nadelöhr der Weltschiffahrt zum internationalen Finanzzentrum. In: Helmut Nuhn (Hrsg.): Krisengebiet Mittelamerika. Interne Probleme, weltpolitische Konflikte. Westermann, Braunschweig 1985, ISBN 3-07-508866-8, S. 138–149, hier S. 141.mini|Partido Revolucionario DemocraticoDie von Omar Torrijos mitgegründete heutige Regierungspartei PRD benennt ihre Ideologie als Torrijismus. Sie ist liberal-sozialdemokratisch und Teil der Sozialistischen Internationale. Einen Fokus legt sie auf Gleichheit in der Agrarpolitik, der Bildung und sozialen Gemeinschaft, sowie auf eine individualisierte liberale Wirtschaft und Föderalismus, der auch schon von Omar Torrijos aufgrund der damaligen schlechten Infrastruktur des Landes gefördert wurde.

Rückgewinnung des Panamakanals Torrijos erklärte die Rückgewinnung des Panama-Kanals zum Hauptziel seiner Regierung, welches er mit dem Satz formulierte: „Ich will nicht in die Geschichtsbücher, sondern in die Kanalzone.“Günter Pohl: Die schleichende Revision der Verträge. Geschichte und Gegenwart des Panamakanals aus Panama. In: ila, Heft 270 (November 2003). Die Kanalzone ist ein Streifen von je fünf Meilen beidseits des Kanals, den die USA (mit Ausnahme der Städte Panama und Colón) jahrzehntelang quasi als Protektorat kontrollierte.