mini|Fasziale Strukturen am Rumpf mini|Fasziale Strukturen an der Hand mini|Fasziale Strukturen in der Leiste (intraoperativer Situs). Faszie, auch Fascie oder FasciaGünter Thiele, Heinz Walter (Hrsg.): Reallexikon der Medizin und ihrer Grenzgebiete. Verlag Urban & Schwarzenberg, Loseblattsammlung, München / Berlin / Wien 1969, 3. Ordner (F–Hyperlysinämie), ISBN 3-541-84000-5, S. F 30. (Entlehnung aus , ‚Band‘, ‚Bandage‘Alois Walde, Johann Baptist Hofmann: Lateinisches etymologisches Wörterbuch. Heidelberg 1938, Band 1, S. 459–460 (fascia).) ist eine Bezeichnung für flächige Strukturen aus Bindegewebe.

Terminologie mini|Anatomisches Präparat, welches insbesondere die Faserrichtung der kräftig ausgestalteten Fascia thoracolumbalis zeigt. Definition Die Definition dessen, was unter dem Terminus „Faszie“ verstanden wird, ist uneinheitlich.

Konventionell werden die bindegewebigen Hüllen eines Muskels bzw. einer Muskelgruppe (alternativ: „Muskelbinden“) als „Faszie“ definiert.

Die aktuelle Terminologia anatomica unterscheidet folgende Unterformen:Wolfgang Dauber: Feneis’ Bild-Lexikon der Anatomie. 11. Auflage. Georg Thieme Verlag, 2019, ISBN 978-3-13-242740-2, S. 16. Kopf-Hals-Faszie (Fascia craniocervicalis) Rumpffaszie (Fascia trunci) Fascia parietalis (Bindegewebe außerhalb der Serosa parietalis bzw. der Wand zugekehrt – z. B. Fascia endothoracica oder endoabdominalis) Fascia extraserosalis (Bindegewebe, außerhalb der Serosa viszeralis bzw. eher den Organen zugekehrt aber von denen getrennt – z. B. die Fascia endopelvica) Fascia visceralis (Bindegewebe unmittelbar außerhalb der Serosa viszeralis – z. B. die Fascia propria von Meso) Gliedmaßenfaszien (Fasciae membrorum) Muskelfaszien (Fasciae musculorum) Hüllfaszie (Fascia investiens) Muskeleigenfaszie (Fascia propria musculi) In der Veterinäranatomie ist diese Einteilung nicht üblich. Die Nomina Anatomica Veterinaria (NAV) listen nur den allgemeinen Begriff Faszie und dann die Regionalbezeichnungen für die verschiedenen Körperabschnitte.Nominia anatomica veterinaria. 6. Auflage, 2017.

Galten „Faszien“ für eine lange Zeit als „Aschenputtel der Anatomie“ und als bloße „Hilfseinrichtungen von Muskeln und Sehnen“,Waschke et al. 2015, S. 29–33. da sie gewissermaßen bei der Präparation der spezifischen Organe entfernt werden müssen, ist ihnen in den letzten Jahren eine zunehmende wissenschaftliche Aufmerksamkeit zuteilgeworden. So wurde zwischenzeitlich die „Fascia Research Society“ gegründet, welche seit 2007 regelmäßig internationale Kongresse (englisch) veranstaltet.

Allgemeine Grundlagen Faszien haben eine wichtige Funktion als Binde- bzw. Trenngewebe der Muskeln.

Die Hüllen, welche einen Muskel oder eine Muskelgruppe umgeben, werden als Muskelfaszien angesprochen. Unterschieden werden:Braus 1921, S. 74.Tillmann / Töndury 1987, S. 145–148.Waschke et al. 2015, S. 31.

Faszien der einzelnen Muskeln (Fascia propria musculi) Gruppenfaszien (Fascia investiens) allgemeine Körperfaszien (Fascia superficialis) Die Faszien hängen miteinander zusammen und gehen gewissermaßen fließend in andere bindegewebige Strukturen über, z. B. das Periost. An frischen Präparaten zeigen sie eine feine, treppenstufenförmige Anordnung, die beim Einbetten und Schneiden von histologischen Präparaten weitgehend verloren geht.Hans Petersen: Histologie und mikroskopische Anatomie. Bergmann, München 1935. S. 279.

Mikroskopisch gesehen verlaufen die Fasern von bindegewebigen Strukturen, z. B. Perimysium oder Peritendineum, parallel.Wilhelm von Möllendorf: Lehrbuch der Histologie und der mikroskopischen Anatomie des Menschen. Begründet von Philipp Stöhr. 25. Auflage. Gustav Fischer Verlag, Jena 1943. Hingegen verlaufen die Fasern der Muskelfaszien gekreuzt bzw. „scherengitterartig“, da sie bei der Kontraktion des Muskels einer Verdickung desselben entgegenwirken.

Klassischerweise werden die bindegewebigen Strukturen des Körpers, wie zum Beispiel Sehnen oder Muskelfaszien, als relativ „anspruchlos an Blutversorgung und Innervierung“Braus 1921, S. 70–71. verstanden. Neuere Studien haben jedoch zeigen können, dass – insbesondere tiefe Faszien – zahlreiche sensorischen Rezeptoren haben. Diese vermitteln beispielsweise Schmerz (Nozizeptoren), Bewegungsänderungen (Propriozeptoren), Änderungen von Druck und Schwingungen (Mechanorezeptoren), Änderungen des chemischen Milieus (Chemorezeptoren) sowie Temperaturschwankungen (Thermorezeptoren).Leon Chaitow: Soft Tissue Manipulation. Healing Arts Press, Rochester 1988, ISBN 0-89281-276-1, S. 26–28.R. Schleip: Fascial plasticity – a new neurobiological explanation. Teil 1. In: Journal of Bodywork and Movement Therapies. Band 7, Nr. 1, Elsevier, 2003, S. 15–19.

Muskelfaszie (Fasciae musculorum) Muskelfaszien stehen in Verbindung mit den Bindegewebsstrukturen der Haut und Unterhaut und nach innen mit der Knochenhaut. Auf diese Weise bilden sie ein „harmonisch arbeitendes Gesamtsystem [...] in welches die Muskelfasern als bewegendes Element eingeschlossen sind“. Faszien, Septa intermuscularia und Knochen bilden osteofibröse Kanäle, in welchen Muskeln, Nerven und Gefäße liegen. Denkt man sich die Muskeln aus den Faszien herausgenommen, so entstehen Faszien- bzw. Muskellogen. Des Weiteren übernehmen Muskelfaszien wichtige biomechanische Aufgaben: So wirkt der Tractus iliotibialis funktionell als Zuggurtung für den Femur und setzt dessen Biegebeanspruchung in der Frontalebene herab. mini|Mikroskopische Aufnahme von einer faszialen Struktur (Lig. nuchae).

Histologisch gesehen bestehen Muskelfaszien – wie andere bindegewebige Strukturen (z. B. Ligamente, Sehnen, Organkapseln etc.) – primär aus Kollagentyp-I-KettenUlrich Welsch: Lehrbuch Histologie. Urban & Fischer, München 2002; 3. Auflage unter Mitarbeit von Thomas Deller 2010, S. 100–101. sowie je nach Lage auch aus elastischen Fasern.

Faszien der einzelnen Muskeln (Fascia propria musculi) mini|Muskelfasern und umgebendes Bindegewebe. Die eigentlichen Muskelfaszien (Fascia propria musculi) ummanteln den jeweiligen Muskel und „wiederholen für den ganzen Muskel das gleiche, was das Perimysium der einzelnen Muskelfasern für sie leistet“.Braus 1921, S. 73–74. Folglich bilden sie gemeinsam mit den Muskelfasern sowie dessen umgebenden Bindegewebe (Endomysium, Perimysium, Epimysium) eine funktionelle Einheit bzw. sind nach der Konservierung kaum noch vom Perimysium abgrenzbar. Zwischen manchen Muskelfaszien und dem jeweiligen Epimysium liegt eine subfasziale Trennschicht, welche aus lockeren Bindegewebsfasern besteht und ein Gleiten des Muskels in seiner Binde erlaubt („Verschiebeschicht“).

Durch den steten Druck, den das Muskelgewebe auf die Muskelfaszie ausübt, stehen deren kollagene Bindegewebsfasern stets unter Spannung. Der Verlauf ist meist senkrecht zur Faserrichtung des jeweiligen Muskels.

Die Muskelfaszie bildet eine Führungsröhre bzw. eine Art „Köcher“Lippert 1990, S. 30. für den Muskel, sodass Lage und Form bei den verschiedenen Kontraktionszuständen bewahrt werden. Auch bei erschlafften Muskeln führt dies dazu, „daß im Moment der beginnenden Kontraktion schon die richtige Lage besteht (Aktionsbereitschaft der einzelnen Muskeln).“

Manche Muskeln nehmen ihren Ursprung oder finden ihren Ansatz an den Faszien oder an den Septa intermuscularia, welche an diesen Stellen aponeurotisch verdickt sind.Braus 1921, S. 31. Beispielsweise inseriert der Musculus biceps brachii auch in der Fascia antebrachii. Auf diese Weise werden die Zwischenräume zwischen den Muskeln bei der Kontraktion vergrößert und es entstehen bei „mageren Personen gewisse Hautreliefs [z. B.] ‚Salzfäßchen‘ oberhalb des Schlüsselbeins, ‚Tabatiére‘ an der Handwurzel“Braus 1921, S. 75. Darüber hinaus können Muskeln auf diese Weise als Faszienspanner wirken.

An den mimischen Muskeln des Gesichts sowie am Musculus sphincter ani externus sind keine eigenständigen Muskelfaszien ausgebildet.

Gruppenfaszie (Fascia investiens) Die umhüllenden Gruppenfaszien (Fascia investiens) verbinden die Muskeln, welche die gleiche Funktion haben und schaffen so die Muskellogen (vergleiche: Fascia lata). An der Verbindungsstelle von zwei Gruppenfaszien entstehen Zwischenschichten (Septum intermusculare), welche in der Tiefe bis zum Knochen ziehen.

Oberflächenfaszie (Fascia superficialis)

Unter der Oberflächenfaszie (Syn. allgemeine Körperfaszie) wird eine bindegewebige Struktur unterhalb des subkutanen Fettes (Tela subcutanea) verstanden, welche „trikotartig ganze Körperregionen [überzieht] und alle Muskeln gemeinsam gegen die Haut [begrenzt].“ Am Gesicht bzw. im Bereich der mimischen Muskeln ist sie an manchen Stellen ausgespart.

Dreischichtiges Faszienmodell in der Osteopathie In der Osteopathie und insbesondere nach dem Modell von Ida P. Rolf werden darüber hinaus alle kollagenen faserigen Bindegewebe, insbesondere Gelenk- und Organkapseln, Sehnenplatten (Aponeurosen), Muskelsepten (Septum intermusculare), Bänder, Haltebänder (Retinacula) und Sehnen als „Faszie“ angesprochen. Hier besteht die Vorstellung, dass die Faszien den ganzen Körper als ein umhüllendes und verbindendes „Spannungsnetzwerk“ durchdringen. Diese neue Definition von Faszien kommt dem umgangssprachlichen Verständnis von dem Wort „Bindegewebe“ näher. Im Unterschied hierzu werden in der fachmedizinischen Terminologie auch Knorpel- und Knochengewebe zum Binde- und Stützgewebe gezählt.

In den Veröffentlichungen von Schleip et al. (2014) sowie von Stecco 2016 ist ein dreischichtiges Faszienmodell postuliert worden:

Oberflächliche Faszien Oberflächliche Faszien befinden sich im Unterhautgewebe in den meisten Teilen des Körpers und vermischen sich mit der retikulären Schicht der Lederhaut (Dermis).John E. Skandalakis, P. N. Skandalakis, L. J. Skandalakis, J. Skandalakis: Surgical Anatomy and Technique. 2. Auflage. Springer, Atlanta 2002, ISBN 0-387-98752-5, S. 1–2. Sie befinden sich über dem oberen Bereich des Musculus sternocleidomastoideus, am Nacken und über dem Brustbein (Sternum).Serge Paoletti: The Fasciae. Anatomy, Dysfunction & Treatment. Eastland Press, Seattle 2006, ISBN 0-939616-53-X, S. 23–24. Sie bestehen hauptsächlich aus lockerem Bindegewebe sowie Fettgewebe. Neben ihrer subkutanen Präsenz umschließt diese Art von Faszien Organe, Drüsen und neurovaskuläre Leitbahnen und füllt an vielen anderen Stellen freien Raum. Sie speichert Fett und Wasser; sie fungiert als Durchgang für Lymphe, Nerven und Blutgefäße sowie als Puffer und Dämpfer.Gil. Hedley: The Integral Anatomy Series. Band 1: Skin and Superficial fascia. DVD. Integral Anatomy Productions, 2005. Da ein beträchtlicher Teil der Bindegewebszellen dieser Schicht miteinander Kontakt hat, vermutet man auch, dass diese Schicht als ein körperweites nicht-neurales Kommunikationsnetzwerk dienen könnte.M. Langevin: Connective tissue: A bodywide signaling network? PMID 16483726.

Aufgrund ihrer hohen Viskoelastizität können sich oberflächliche Faszien deutlich dehnen, um beispielsweise Körperfett in Verbindung mit normaler oder pränataler Gewichtszunahme aufzunehmen.

Tiefe Faszien Tiefe Faszien sind die dichten faserreichen Bindegewebsschichten und -stränge, welche die Muskeln, Knochen, Nervenbahnen und Blutgefäße des Körpers durchdringen und umschließen. Je nach lokalen Belastungsverhältnissen verdichtet und organisiert sich dieses Gewebenetzwerk als Sehnenplatten (Aponeurosen), große flächenhafte Faszien (wie die Fascia lata oder die Plantarfaszie), als Ligamente (Bänder), Retinacula (Fesseln), Gelenkkapseln oder als Muskelsepten.