mini|„Tausend Meter über München“, 1890. Ganz links ist Karl von Brug dargestellt, der Begründer der Luftfahrt in Bayern.
Theodor Pixis (* 1. Juli 1831 in Kaiserslautern; † 19. Juli 1907 in Pöcking) war ein deutscher Maler und Zeichner, Illustrator, Radierer und Schriftsteller. Er gehörte zur Münchner Malerschule und wurde insbesondere durch seine Historienbilder, Illustrationen zu literarischen und musikalischen Werken sowie durch seine Darstellungen aus den Opern Richard Wagners bekannt. Daneben entwickelte er mit der sogenannten Pixis-Patentmalerei ein Verfahren zur fotografischen Reproduktion von Ölgemälden.
Leben Herkunft Theodor Pixis war der Sohn des Juristen und hohen bayerischen Beamten Friedrich Daniel Pixis (1801–1884)Friedrich Daniel Pixis: * 21. Februar 1801 Katzweiler, † 9. Juli 1884 PöckingLitera P, auf eberhard-ref.netFriedrich Daniel Pixis war Sohn des Pfarrers und Landeskirchenratspräsidenten Friedrich Ludwig Pixis, alle seine Brüder waren ebenfalls Pfarrer: Wilhelm Ludwig, Georg Wilhelm und Karl Friedrich Ludwig Pixis, seine Schwester Henriette Karoline war mit einem Pfarrer verheiratet. Als Geburtsjahr wird je nach Quelle 1801 oder 1802 angegeben., der als Generalstaatsprokurator am Kassationshof für die Pfalz in Kaiserslautern und als königlich-bayerischer Oberappellationsgerichtsrat tätig war. Von 1863 bis 1869 gehörte er als Abgeordneter für den Wahlbezirk Speyer/Frankenthal dem 21. Bayerischen Landtag in München an.Pixis, Friedrich Daniel von, auf bavariathek.bayern
Theodor Pixis Mutter Luise Pixis war die Tochter des angesehenen Kaiserslauterner Unternehmers und Industriellen Johann Theobald Karcher und seiner Frau Sophie Philippine Karcher, geb. Rettig, aus Kaiserslautern.Luise Franziska Friederike Pixis, geb. Karcher (* 13. März 1812; † 28. Januar 1879)
Ausbildung Pixis besuchte in München das (heutige) Wilhelmsgymnasium MünchenMax Leitschuh: Die Matrikeln der Oberklassen des Wilhelmsgymnasiums in München. 4 Bande, München 1970–1976, Band 4, S. 46. und legte 1849 dort das Abitur ab. Zunächst nahm er ein Studium der Rechtswissenschaft auf, brach dieses jedoch bald ab und wandte sich der Kunst zu. An der Münchner Kunstakademie wurde er Schüler von Arthur von Ramberg, Philipp von Foltz und Wilhelm von Kaulbach. 1854 trat er mit dem Historienbild „Coriolanus“ erstmals öffentlich hervor.
Die frühe Ausbildung Pixis' war stark von der akademischen Historienmalerei geprägt. Zu seinen frühen Arbeiten gehörten Darstellungen historischer und literarischer Stoffe, darunter Szenen aus der Geschichte des Altertums und des Mittelalters. Einen wichtigen Platz in seinem Schaffen nahm später die Gudrun-Dichtung ein.
Studienreise nach Italien Gefördert und unterstützt durch seine Lehrer hielt sich Pixis 1856 bis 1858 zu Studienzwecken in Italien auf. Insbesondere in Rom beschäftigte er sich mit den antiken Kunstwerken und der italienischen Landschaft. Im Herbst 1858 kehrte er nach Deutschland zurück und ließ sich dauerhaft in München nieder. Eines seiner ersten größeren Werke nach seiner Rückkehr war ein Zyklus von Illustrationen zur Gudrunsage. Die Beschäftigung mit dem mittelhochdeutschen Epos sollte ihn über längere Zeit begleiten. Ein erstes Gemälde mit einer Szene aus der Gudrun-Dichtung wurde im Münchner Kunstverein ausgestellt und von seinem Vater erworben.
Tätigkeit in München 250px|mini|Im Krokodil: Originalzeichnung von Theodor Pixis veröffentlicht in der Gartenlaube 1866 Seite 533 Ab 1859 war Pixis an der künstlerischen Ausstattung des Bayerischen Nationalmuseums beteiligt. Auf Wunsch König Maximilians II. schuf er bis 1861 drei Wandgemälde mit Szenen aus der Geschichte der schwedischen Wittelsbacher. Zu seinen Darstellungen gehörten die Krönung Karl X. Gustav in Uppsala, der Zug über den gefrorenen Belt und der Sieg Karls XI. über die Dänen.
In den folgenden Jahren entstand eine große Zahl von Historien-, Genre- und Porträtbildern. Zu seinen bekannten Arbeiten zählen Calvin bei Servet im Gefängnis sowie Darstellungen aus deutschen Volksliedern und dem Volksleben. Auch literarische Werke dienten ihm als Vorlage. So illustrierte er unter anderem John Miltons Das verlorene Paradies und Otto Kinkels Otto der Schütz.
Neben seiner Tätigkeit als Maler war Pixis in der Münchner Künstlerwelt aktiv. Wie Wilhelm Busch, Fritz Schwörer und andere Künstler gehörte er dem Verein Jung-München an und war auch dessen Vereinspräsident.Stationen seines Lebens in Bildern und Gelegenheitsdichtungen. In: Rolf Hochhuth (Hrsg.): Wilhelm Busch, Sämtliche Werke und eine Auswahl der Skizzen und Gemälde in zwei Bänden. Band 2 Was beliebt ist auch erlaubt. Bertelsmann, Gütersloh 1959, S. 886–1045, hier: S. 905–961 (Die Kneipe des Vereins Jung-München.), insbesondere S. 906 f. und 912 f. (Es lebt ein Heiligenmaler ...) und 923 (Vereinspräsident).Wilhelm Buschs Sommerfrische.
Außerdem war er seit 1863 bis zu seinem Tod Mitglied der Zwanglosen Gesellschaft München.Zwanglose Gesellschaft (Hrsg.): Hundertfünfzig Jahre Zwanglose Gesellschaft München 1837–1987. Universitätsdruckerei und Verlag Dr. C. Wolf und Sohn KG, München 1987.
Verhältnis zu Ludwig II. und Richard Wagner Eine besondere Bedeutung gewann Pixis durch seine Beschäftigung mit dem Werk Richard Wagners. Auf Wunsch König Ludwigs II. fertigte er eine große Zahl von Federzeichnungen zu den Musikdramen Wagners an. Dabei zeigte sich insbesondere der Einfluss seines Lehrers Wilhelm von Kaulbach. Seine Zeichnungen behandelten unter anderem die Wagner-Opern Lohengrin, Tannhäuser, Tristan und Isolde, Die Meistersinger von Nürnberg, Der fliegende Holländer, den Ring des Nibelungen und Parsifal.
Aus diesen Arbeiten entwickelte sich die umfangreiche Wagner-Galerie, die schließlich 45 Blätter umfasste und in fotografischen Reproduktionen bei Hanfstaengl verbreitet wurde. Die Darstellungen zeigten sowohl die Hauptfiguren als auch einzelne Szenen und die Darsteller der Wagner-Dramen. Eine größere Auswahl der Aquarelle gelangte in den Besitz Ludwigs II.
Pixis gehörte damit zu den Künstlern, die das Bild der Wagner'schen Bühnenwelt im 19. Jahrhundert durch Illustrationen wesentlich mitprägten.
Porträtmalerei Neben der Historienmalerei und Illustration widmete sich Pixis regelmäßig der Porträtmalerei. Zu seinen Porträtierten gehörten unter anderem Ludwig II., Henry Villard, Otto von Bismarck, Max von Pettenkofer, Ignaz von Döllinger und Paul Heyse.
Zu den größeren Porträts gehörten Darstellungen des Theaterdirektors Franz von Dingelstedt für die Galerie des Münchner Hoftheaters sowie des Chemikers Max von Pettenkofer für die Maillinger-Sammlung.
Pixis-Patentmalerei Neben seinem malerischen Werk beschäftigte sich Pixis mit der Verbindung von Fotografie und Malerei. Er entwickelte ein Verfahren, bei dem fotografische Aufnahmen auf durchsichtigem Material auf der Rückseite mit Farbe überarbeitet und anschließend auf der Vorderseite durch Lasuren vervollständigt wurden. Dadurch konnten farbige Bildreproduktionen mit vergleichsweise geringem Zeitaufwand hergestellt werden.
Das Verfahren wurde als Pixis-Patentmalerei bekannt und durch Patente im Deutschen Reich und weiteren Staaten geschützt. 1881 führte die Erfindung zur Gründung einer entsprechenden artistischen Anstalt von Ch. J. Thooft & Komp. Die Technik fand zunächst beträchtliche Beachtung, wurde später jedoch durch einfachere Verfahren verdrängt und geriet schließlich außer Gebrauch und in Vergessenheit.
Schriftstellerische Tätigkeit Pixis betätigte sich neben seiner künstlerischen Arbeit auch als Schriftsteller. Im Alter hielt er Erinnerungen und Charakterstudien aus seinem persönlichen und künstlerischen Umfeld fest. Darunter befanden sich Schilderungen über Wilhelm von Kaulbach, Moritz von Schwind, Wilhelm Busch und König Ludwig I. sowie Erinnerungen an das Münchner Künstlerleben.
Diese Aufzeichnungen gelten als zeitgeschichtliche Zeugnisse des Münchner Kunst- und Gesellschaftslebens des 19. Jahrhunderts.
Familie Am 29. September 1870 heiratete Theodor Pixis Melinka Pixis, geborene Henel (1845–1923)Melinka Pixis, geb. Henel (* 14. Januar 1845; † 8. Januar 1923), aus Bad Dürkheim. Sie war die Tochter des Steuereinnehmers Karl Wilhelm Henel und dessen Ehefrau Anna Magdalena, geborene Goerg. Das Ehepaar Theodor und Melinka hatte vier Söhne: Erwin Pixis, Hofrat und Vorstand des Kunstvereins München Oskar Pixis, 1874–1946, Architekt Rudolf Pixis, Jurist Karl Pixis, starb bereits als EinjährigerMelitta Rinnert, Kaiserslautern 2017, S. 101. Die Söhne Oskar und Rudolf waren Zwillinge.
Tod Theodor Pixis starb am 19. Juli 1907 im Alter von 76 Jahren auf dem Familienbesitz in Oberpöcking am Starnberger See. Zeitgenössische Nachrufe würdigten ihn als Vertreter der älteren Münchner Historienmalerei und als erfolgreichen Illustrator. Besonders hervorgehoben wurden seine Fresken im Münchner Nationalmuseum, seine Wagner-Illustrationen und seine technische Erfindung der Pixis-Patentmalerei.
Grabstätte
mini|Grab von Theodor Pixis auf dem auf dem Münchner Waldfriedhof
Die Grabstätte von Theodor Pixis befindet sich auf dem Münchner Waldfriedhof (Grabnr. 22-W-1) . In der Literatur finden sich auch Hinweise auf eine Grablage auf dem Alten Südlichen Friedhof in München, allerdings ohne existierendes Grab. Werke Eine Auswahl aus Pixis umfangreichem Werk: Coriolanus (1854) Calvin bei Servet im Gefängnis (1861) Naturgenuß Abfahrt zur Hochzeitsreise, undatiert, Städtische Galerie im Lenbachhaus, MünchenSammlung online, besucht am 3. November 2023 Vor dem Ball Nach dem Ball Die Zigeunerbeute Kirchgang der Hotzen (1870)Waldemar Lutz, Hansjörg Noe: Kennzeichen WT. Heimatkunde für den Landkreis Waldshut. 1989, S. 100. (Farb-Abbildung ohne weitere Quelle) Der Thespiskarren in der Klemme (1873) Ankunft wandernder Schauspieler (1876) Glückliche Fahrt auf dem Starnberger See Aufbahrung des toten Siegfried (1877), Bayerische StaatsgemäldesammlungenSammlung online, besucht am 3. November 2023 Aus der Gudrun-Sage, (1880), Städtische Galerie im Lenbachhaus, MünchenSammlung online, besucht am 3. November 2023 Illustrationen zu deutschen Volksliedern Illustrationen zu John Miltons Das verlorene Paradies Wagner-Galerie (45 Blätter).
Galerie Eine Auswahl von Bildern von Theodor Pixis (weitere unter Commonscat):
Namensgeber für Straßen Nach Theodor Pixis wurde 1910 in München im Stadtteil Altbogenhausen (Stadtbezirk 13 – Bogenhausen) die Pixisstraße benannt (Erstnennung). Pixisstraße, auf stadtgeschichte-muenchen.de
In Pixis Geburtsstadt Kaiserslautern gibt es seit 1992 eine Theodor-Pixis-Straße. Auch in Pöcking, wo die Familie ein Landhaus besaß, in dem Theodor Pixis wie auch sein Vater Friedrich Daniel Pixis verstorben sind, gibt es eine Pixisstraße.
Literatur Friedrich von Bötticher: Malerwerke des neunzehnten Jahrhunderts. Beitrag zur Kunstgeschichte. Band 2. Leipzig 1898. Luise von Kobell: König Ludwig II. und die Künstler. München 1898. Biographisches Jahrbuch und Deutscher Nekrolog, 1909. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. 4. Auflage. Zeke Verlag, Würzburg 1983.
Weblinks
Anmerkungen
Einzelnachweise
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