Altena ist eine Kleinstadt im Märkischen Kreis in Nordrhein-Westfalen.
Die Stadt entstand unterhalb der im 12. Jahrhundert begründeten Burg Altena, auf der im Jahr 1914 von Richard Schirrmann die weltweit erste ständige Jugendherberge eingerichtet wurde (siehe Museum Weltjugendherberge)Heinrich Ulrich Seidel, Agnes Zelck: Über Stock und Stein – 100 Jahre Jugendherbergen. Lüdenscheid 2009, S. 29..
Geographie Lage mini|300px|Blick auf die Stadt mit Lenne und Burg
Die Stadt liegt im Sauerland im Tal der Lenne. Der höchste Punkt mit befindet sich am Kohlberg auf der Grenze zur Stadt Neuenrade, der tiefste Punkt am Hünengraben bei . Das heutige Stadtgebiet hat eine Fläche von rund 44,3 Quadratkilometern; 61 % davon werden von Wald eingenommen.
Geologie Altena liegt im Rheinischen Schiefergebirge.
Nachbargemeinden Die Nachbargemeinden gehören wie Altena selbst alle zum Märkischen Kreis. Das Gebiet der Stadt Altena grenzt von Westen aus im Uhrzeigersinn an die Gemeinde Nachrodt-Wiblingwerde, an die Städte Iserlohn, Hemer, Neuenrade, Werdohl und Lüdenscheid sowie an die Gemeinde Schalksmühle.
Stadtgliederung Die Stadt Altena gliedert sich in die Stadtteile Dahle, Evingsen, Rahmede sowie die Innenstadt. Der Stadtteil Innenstadt besteht aus der Stadt Altena in ihren Grenzen vor 1969 und teilt sich in folgende Ortsteile auf: Altstadt (mit Buchholz und Lennestein), Nettenscheid (mit der Nette) und Breitenhagen (mit der Städtischen Rahmede und dem Drescheider Berg). Die Stadtteile Knerling (mit der Brachtenbecke), Pragpaul, Tiergarten und Mühlendorf (mit dem Linscheid) sind jeweils in ihrer Form nach der Eingemeindung der Gemeinde Nachrodt-Wiblingwerde entstanden. Der Stadtteil Rahmede, der zur Gemeinde Lüdenscheid-Land gehört hatte, gliedert sich unter anderem in die Ortschaften Mühlenrahmede, Altroggenrahmede, Grünewiese und Rosmart sowie Großen- und Kleinendrescheid.
Klima Die Stadt liegt in einer gemäßigten Klimazone.
Flora und Fauna Artenarme Hainsimsen-Rotbuchenwälder stellen im größten Teil des Stadtgebietes die potentiell natürliche Vegetation dar. An einigen Talhängen (beispielsweise Giershagen im Nettetal) haben sich Überreste vergangener Nieder- und Mittelwaldwirtschaft erhalten. In den Siepen finden sich kleinräumig Galeriewälder, die von Schwarzerlen und Hainbuchen gebildet werden. Ebenfalls verbreitet sind Aufforstungen mit Fichten und Douglasien. Nach dem Orkan Kyrill im Jahr 2007 waren viele Kahlschlagflächen von Hochstaudenfluren (Epilobien) bedeckt. Allmählich kommen auf diesen Flächen, dort wo noch nicht aufgeforstet wurde, Birken und Trauben-Holunder auf. Wo in den Siepen (Bachtälchen) extensives Grünland noch nicht aufgeforstet wurde, finden sich stellenweise eindrucksvolle Bestände von Scharbockskraut, Buschwindröschen und der Hohen Schlüsselblume. Auf Kalklinsen (beispielsweise bei Grünewiese) ist die Flora artenreicher als in den übrigen Gebieten auf sauer verwitterndem Untergrundgestein. Hier findet man typische Kalkzeiger wie das Große Zweiblatt und die Breitblättrige Stendelwurz.
Die Buchenwaldformationen Altenas mit ihren zahlreichen kleinen Bacheinschnitten sind Heimat größerer Populationen des Feuersalamanders. In stehenden Gewässern treten insbesondere Berg- und Fadenmolch auf. Altenas Avifauna wird durch Waldarten dominiert, insgesamt fünf Spechtarten sind regelmäßig zu beobachten. Die Wasseramsel ist ein ständiger Brutvogel im Rahmedetal, während das Lennetal im Winter von Gänsesägern aus Skandinavien aufgesucht wird.
Geschichte mini|Burg Altena mini|Altena um 1872 mini|Panorama mit Burg
Geschichtlicher Überblick Die Stadt Altena entstand unterhalb der gleichnamigen, im 12. Jahrhundert gebauten Burg, die von einer Seitenlinie der Grafen von Berg errichtet wurde, die sich dann Grafen von Altena und später Grafen von der Mark nannten. Die Namensherkunft der Burg ist bis heute nicht geklärt. Eine Theorie besagt, dass die Benennung auf einen vorgermanischen Flussnamen zurückgeht, wonach der Name vom Fluss und der Landschaft „Altena“ in Brabant stamme. Allerdings könnte der Begriff Altena auch aus dem mittelniederdeutschen Ausdruck „all te na“ gebildet worden sein, weil die Grafen von Arnsberg die Lage der Burg als „all zu nah“ ansahen.
Graf Engelbert III. von der Mark verlieh Altena am 20. Dezember 1367 die Freiheitsrechte. Die Burg Altena war nur noch bis 1392 Stammsitz der Grafen. Sie lebten schon seit 1198 zum größten Teil in einem Hof bei Hamm. Altena war ein Mitglied der Hanse als eine Beistadt, wie zahlreiche andere westfälische Orte. Man hatte kein Mitspracherecht, konnte aber von den Handelsprivilegien profitieren. 1609 fiel das Gebiet an den Kurfürsten von Brandenburg. Ab dem 3. Oktober 1753 bestand der Kreis Altena als einer von vier Landkreisen in der Grafschaft Mark. 1794 bekam Altena den Titel Stadt, ohne jemals die Stadtrechte verliehen bekommen zu haben.
Nach dem Frieden von Tilsit gehörten die Stadt sowie die gesamte Grafschaft zum französisch dominierten Großherzogtum Berg. 1815 ging die Grafschaft nach den Beschlüssen des Wiener Kongresses zurück an Preußen und wurde Teil des neuen Regierungsbezirks Arnsberg, was sie bis heute geblieben ist. Während des Zweiten Weltkriegs waren in Altena mehrere Truppenteile stationiert, darunter auch eine Ausbildungseinheit der SS.
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bestand eine Eisenbahnverbindung der Iserlohner Kreisbahn durch das Nettetal über Evingsen/Dahle bis nach Ihmert und Westig/Hemer. Zudem führte eine Verbindung der meterspurigen Kreis Altenaer Eisenbahn durch das Rahmedetal nach Lüdenscheid, die 1961 eingestellt wurde. Lediglich die Hauptverbindung durch das Lennetal ist bestehen geblieben.
Am 1. Januar 1969 fasste man den Landkreis Altena und die bis dahin kreisfreie Stadt Lüdenscheid zum Landkreis Lüdenscheid zusammen. Altena wurde im Zuge dessen durch die Eingliederungen von Dahle und Evingsen, Rahmedetal bis Grünewiese und Teilen Nachrodt-Wiblingwerdes stark vergrößert. Zum 1. Januar 1975 entstand der Märkische Kreis durch die Zusammenlegung der Kreise Lüdenscheid und Iserlohn sowie die kreisfreie Stadt Iserlohn. Das Kreis-Kulturamt, das Kreis-Sozialamt sowie eine Außenstelle des Gesundheitsamtes behielten ihren Dienstsitz an der Bismarckstraße in Altena.
Zu Beginn der Flüchtlingskrise in Deutschland ab 2015 machte Altena bundesweit Schlagzeilen. Die Zeitung Die Welt nannte Altena „Hauptstadt der Mutbürger“, als die Stadt freiwillig 100 weitere Flüchtlinge zu den 270 nach der festgelegten Quote aufnahm.Altena ist die „Hauptstadt der Mutbürger“. Die Welt, 21. Dezember 2015, abgerufen am 27. Dezember 2015. Am 3. Oktober 2015 wurde ein Brandanschlag auf ein Haus verübt, in dem zwei Flüchtlingsfamilien wohnten. Der Schwelbrand auf dem Dachboden des Mehrfamilienhauses konnte rasch gelöscht werden, ohne dass größerer Schaden entstand. Die beiden Täter wurden gefasst.Brandstiftung im Sauerland: „Eine rechtsradikale Einstellung besteht aus mehr als Fremdenhass.“ In: Der Spiegel (online), 21. Oktober 2015, abgerufen am 27. Dezember 2015. Im Mai 2017 wurde die Stadt mit dem „Nationalen Integrationspreis“ ausgezeichnet, da jeder der dort gemeldeten 450 Migranten im Asylverfahren durch einen persönlichen „Kümmerer“ betreut wurde.Zuwanderung kann „wirkliche Stärkung unseres Landes sein“. In: welt.de, 17. Mai 2017. Auf den damaligen Bürgermeister Andreas Hollstein wurde am 27. November 2017 eine Messerattacke verübt.Messerattacke auf Bürgermeister von Altena. In: Der Spiegel (online), 28. November 2017, abgerufen am 4. Dezember 2017. Bei dem Hochwasser in West- und Mitteleuropa 2021 ertrank in Altena ein Feuerwehrmann, nachdem ihn eine Flutwelle mitgerissen hatte.. In: Westfalenpost, 17. Juli 2021, abgerufen am 3. April 2024.
Durch seine prägende Rolle in der Flüchtlingskrise wurde Ex-Bürgermeister Hollstein im März 2026 zum Litauischen Honorarkonsul ernannt. Dadurch liegt die erst siebente Auslandsvertretung des Landes Litauen nun im Sauerland und ist damit das einzige litauische Konsulat in Nordrhein-Westfalen.
Geschichte der Juden bis 1942 Die älteste bisher bekannte Nennung eines Juden mit Namen „Urias“ in Altena stammt aus einer Schätzungsliste vom 11. November 1586. In einer Einwohnerliste von 1738 werden die Familien Samson Levi und Hertz Meyer mit acht und fünf Personen genannt. 1740/1741 sind es vier Familien mit ca. 22 Personen. Aus einem Meldeverzeichnis um 1740 geht hervor, dass viele Juden als Krämer tätig waren, einer als Schlachter. Im Oktober 1845 bestimmte eine Order, dass sich alle jüdischen Bewohner einen Familiennamen zu geben hätten, was bis dahin bei Juden nicht üblich gewesen war. Hiervon waren 23 Familien in Altena betroffen. 1900 gab es rund 100 jüdische Bürger in Altena, 1925 noch 40. 1932 waren es noch 23 und 1939 20.
Um 1780 wurde vermutlich auch der jüdische Friedhof an der Egge gegenüber der Burg Altena (heute Am Grünen Wege) erstmals benutzt.Mike Redel: Geschichte in Westfalen-Lippe. 1987, S. 100. Älteste Angaben über das Vorhandensein des Friedhofs stammen aus dem Urkataster von 1829, in dem dieser als „Juden Wege“ gekennzeichnet ist.Kurt Höttler: Erinnerungen an jüdische Mitbürger: auch ein Kapitel Stadtgeschichte. In: Altena: Beitrage zur Heimat- und Landeskunde. Heimatbund Mark. Kreis, Altena 1988. Der Friedhof war bis etwa 1930 die Grablege der Altenaer Juden und ist bis heute mit einem schmiedeeisernen Tor mit Davidstern versehen. Hier befinden sich etwa 55 Grabstellen, bei denen viele Inschriften der Steine nicht mehr lesbar sind. Einige wurden in Hebräisch und Deutsch angefertigt.
Vor allem mit Erlass der Nürnberger Gesetze von 1935 änderte sich die Stellung der Juden schlagartig. Auch in Altena kam es in der Reichspogromnacht zu Übergriffen auf die jüdischen Geschäfte und die Synagoge. Die Textilhändler, Herrenkonfektionisten, der Kaufhausbesitzer, ein Metzger und weitere waren lange Zeit integrierte Bürger der Stadt gewesen, mit Standorten in der Kirchstraße, der Lennestraße und der Nettestraße. Das Kaufhaus (später Kaufhaus Böhrer) von Siegmund Heinemann (1878–1951)Friedrich Petrasch: Siegmund Heinemann (1878–1951) – ein Jüdischer Kaufmann in Altena. In: Der Märker. Jg. 40, H. 5, Altena Sept./Okt. 1991. wurde wie viele andere Ziel von Zerstörungen. Die Synagoge wurde zwar nicht wie an vielen anderen Orten abgebrannt, jedoch von uniformierten SA-Angehörigen erheblich verwüstet. Nach Zeugenaussagen wurden die Torarollen verbrannt und einige Gegenstände von Altenaern ins Burgmuseum zur Aufbewahrung gebracht. Der Rest wurde zerschlagen oder beschädigt. Im Gebäude wurden die letzten verbliebenen Juden untergebracht, bis sie 1942 über Dortmund in Konzentrationslager deportiert wurden.