mini|hochkant|Otto Wallburg als junger Schauspieler (Bern, 1909)Ulrich Liebe: Verehrt, verfolgt, vergessen. Schauspieler als Naziopfer. 2. Auflage. Beltz Quadriga, Weinheim u. a. 1997, ISBN 3-88679-292-7, S. 182. mini|klasse=notpageimage|Herbert Nelson: Reislectuur, 18. Oktober 1941 Otto Wallburg, eigentlich Otto Maximilian Wasserzug (geboren am 21. Februar 1889 in Berlin; gestorben am 30. Oktober 1944 im KZ Auschwitz), war ein deutscher Schauspieler. Als Kabarettist galt er seinerzeit als der schnellstsprechende Komiker der Welt.
Leben und Wirken Otto Wallburg, der als viertes Kind eines jüdischen Bankiers geboren wurde, absolvierte nach der Mittleren Reife – vermutlich auf Wunsch des Vaters – zunächst eine kaufmännische Ausbildung in einer Maschinenfabrik, die er abbrach, um Schauspieler zu werden. Nach dem Besuch der von Max Reinhardt gegründeten Schauspielschule debütierte er 1909 in der Rolle des Brandner in Goethes Faust am Reinhardts Deutschem Theater Berlin. Nach ersten Engagements in Bern, Halberstadt und an Arthur Hellmers Neuem Theater in Frankfurt am Main (1913/1914) wurde Wallburg zum Kriegsdienst eingezogen und erhielt an der Ostfront das Eiserne Kreuz. Nach einer schweren Verwundung kehrte er nach Frankfurt zurück und arbeitete ab April 1916 wieder am Neuen Theater. Nachdem er sich erfolglos auch als Regisseur versucht hatte, wandte Wallburg sich Anfang der 1920er Jahre dem Kabarett zu und trat wiederholt im Frankfurter „Astoria“ auf.
1926 nahm Otto Wallburg ein Engagement am Deutschen Theater Berlin an. Nachdem er am Beginn seiner Bühnenlaufbahn Liebhaber, Lebenskünstler und Naturburschen verkörpert hatte, wechselte er nach einer erheblichen Zunahme seines Körpergewichts nun ins frech-schnodderige Charakterfach. Er spielte unter anderem in der Musikrevue Es liegt in der Luft in der Komödie am Kurfürstendamm mit. Wegen seiner verwaschenen, überstürzten Sprechweise nannten Kritik und Publikum ihn liebevoll den „Blubberer“. Ebenfalls 1926 hatte Otto Wallburg sein Filmdebüt. Auf Nebenrollen in mehreren Stummfilmen folgte 1930 in Gustav Ucickys Komödie Hokuspokus die erste Tonfilmrolle. Größere Rollen folgen in den Filmen Wer nimmt die Liebe ernst? (1931), Der Kongreß tanzt (1931) und Kind, ich freu’ mich auf Dein Kommen (1933).
Nach dem nationalsozialistischen Regierungsantritt im Januar 1933 verlor Otto Wallburg seinen Vertrag bei der Ufa und kurz darauf auch sein Berliner Theater-Engagement. 1934 konnte er vorübergehend wieder an Arthur Hellmers Neuem Theater in Frankfurt arbeiten; schon bald zog er mit seiner Familie jedoch nach Österreich um, wo er bei Joe Pasternak, dem Produktionsleiter der Universal, Arbeit fand. Bis 1936 stand er für mehrere weitere Filme vor der Kamera, von denen in Deutschland keiner aufgeführt werden durfte.
Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen im März 1938 floh Otto Wallburg über Frankreich nach Amsterdam, wo er gemeinsam mit Kurt Gerron und Rudolf Nelson am Theater Joodsche Schouwburg, einem jüdischen Kabarett, tätig war. Nachdem im Mai 1940 auch die Niederlande von deutschen Truppen besetzt wurden, spielte er zunächst weiter am jüdischen Theater. 1943 entging er einer ersten Verhaftungswelle, indem er mit der Emigrantin Ilse Rein und ihrem Mann im Untergrund lebte. Im Jahr darauf wurden sie nach einer Denunziation aber doch verhaftet. Eine Ausreise in die Vereinigten Staaten hatte er in Betracht gezogen, aber aufgrund seiner Heiratspläne mit der noch verheirateten Ilse Rein zu spät vorbereitet.
Nach einer Deportation ins niederländische Übergangslager Durchgangslager Westerbork wurde der zuckerkranke Otto Wallburg am 31. Juli 1944 in das Ghetto Theresienstadt und von da aus am 28. Oktober weiter ins KZ Auschwitz verschleppt, wo er in der Gaskammer ermordet wurde.
Otto Wallburg war mehrmals verheiratet: mit der schweizerischen Schauspielerin Lisa Brosow (ein Sohn, Reinhard), mit der Tochter eines Druckereibesitzers, Anna Luise Theis (zwei Töchter), mit der Tänzerin Charlotte Ahnert (ein Sohn)gettyimages.fi und – im Amsterdamer Exil – mit Ilse Rein.
Filmografie (Auswahl) 1926: Die keusche Susanne 1926: Derby (R: Max Reichmann) 1926: In der Heimat, da gibt’s ein Wiedersehn! 1926: Die Abenteuer eines Zehnmarkscheines 1927: Die leichte Isabell 1927: Die Geliebte des Gouverneurs 1927: Grand Hotel …! 1927: Dr. Bessels Verwandlung 1927: Mein Freund Harry 1928: Der moderne Casanova 1928: Liebe im Kuhstall 1928: Der rote Kreis 1929: Die Frau, die jeder liebt, bist Du! 1929: Trust der Diebe 1929: Ehe in Not 1929: Männer ohne Beruf 1929: Das närrische Glück 1929: Sein bester Freund 1929: Der lustige Witwer 1929: Der Narr seiner Liebe 1930: Es gibt eine Frau, die Dich niemals vergißt 1930: Hokuspokus 1930: Das Lied ist aus 1931: Der Hochtourist 1931: Ihre Majestät die Liebe 1931: Yorck 1931: Wer nimmt die Liebe ernst? 1931: Wenn die Soldaten … (R: Jakob Fleck, Luise Fleck) 1931: Der kleine Seitensprung 1931: Ronny 1931: Weekend im Paradies 1931: Der Kongreß tanzt 1931: Bomben auf Monte Carlo 1931: … und das ist die Hauptsache!? 1932: Lügen auf Rügen (R: Victor Janson) 1932: Zwei Herzen und ein Schlag 1932: Wie sag’ ich’s meinem Mann? 1932: Der schwarze Husar 1932: Das schöne Abenteuer 1932: Das Lied einer Nacht 1932: Friederike 1932: Strich durch die Rechnung 1933: Madame wünscht keine Kinder 1933: Was Frauen träumen 1933: Liebe, wie die Frau sie braucht (R: Adolf Trotz) 1933: Kind, ich freu’ mich auf Dein Kommen 1933: Wege zur guten Ehe (R: Adolf Trotz) 1933: Das häßliche Mädchen 1933: Der Zarewitsch (R: Victor Janson) 1933: Inge und die Millionen 1934: Konjunkturritter 1934: Peter 1934: Kleine Mutti 1935: Ball im Savoy 1935: Bretter, die die Welt bedeuten 1935: Alles für die Firma 1935: 4½ Musketiere 1935: Katharina die Letzte 1936: Heut’ ist der schönste Tag in meinem Leben 1936: Bubi/Mircha (R: Béla Gaál) 1937: Walt Disney’s Schneewittchen und die sieben Zwerge (Sprechrolle in der dt. Synchronfassung) 1938: Carrefour
Literatur Matias Bleckman, Jörg Schöning: Otto Wallburg. Schauspieler. In: CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film. Lieferung 20, 1992. Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 8: T–Z. David Tomlinson – Theo Zwierski. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 238 f. Kay Weniger: Zwischen Bühne und Baracke. Lexikon der verfolgten Theater-, Film- und Musikkünstler 1933 bis 1945. Mit einem Geleitwort von Paul Spiegel. Metropol, Berlin 2008, ISBN 978-3-938690-10-9, S. 364. Kay Weniger: „Es wird im Leben dir mehr genommen als gegeben ….“ Lexikon der aus Deutschland und Österreich emigrierten Filmschaffenden 1933 bis 1945. Eine Gesamtübersicht. ACABUS-Verlag, Hamburg 2011, ISBN 978-3-86282-049-8, S. 524 ff.
Weblinks
Otto Wallburg bei Cyranos film-zeit.de Wallburg, Otto In: Theresienstadt Lexikon. Wallburg. In: LexM, Metadaten, Lexikon verfolgter Musiker der NS-Zeit, Universität Hamburg, Institut für Historische Musikwissenschaft
Einzelnachweise
Kategorie:Theaterschauspieler Kategorie:Stummfilmschauspieler Kategorie:Filmschauspieler Kategorie:Kabarettist (Deutschland) Kategorie:Emigrant aus dem Deutschen Reich zur Zeit des Nationalsozialismus Kategorie:Häftling im Durchgangslager Westerbork Kategorie:Häftling im Ghetto Theresienstadt Kategorie:Todesopfer im KZ Auschwitz Kategorie:Opfer des Holocaust Kategorie:Darstellender Künstler (Berlin) Kategorie:Pseudonym Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1889 Kategorie:Gestorben 1944 Kategorie:Mann