mini|Die Gokaidō, Tōkaidō in blau mini|Die sieben -dō und die innere Hauptstadtregion (Kinai) im Altertum Der Tōkaidō () war eine der wichtigsten Post- und Handelsstraßen (Kaidō) des frühneuzeitlichen Japan. Sie ist die südlichste der fünf Hauptstraßen (Gokaidō) und verband in der Edo-Zeit den Regierungssitz des Tokugawa-Shogunats Edo (das heutige Tokio) mit der kaiserlichen Hauptstadt Kyōto. Die neuzeitliche Straße und ihre Vorgänger verbinden die Provinzen von Tōkaidō, eine der Großlandschaften (dō) des Altertums, die nach chinesischem Vorbild eingerichtet wurden (identisch geschrieben, chinesisch -dao gelesen).
Ritsuryō mini|Tōkaidō-Provinzen im 19. Jahrhundert Mit der Einführung des Ritsuryō-Verwaltungssystems nach chinesischem Vorbild übernahm Japan auch das Poststraßensystem aus China. In Artikel 2 des Taihō-Kodex von 701 wurde dieses in Japan eingeführt.
Als eine von diesen Straßen wurde die Tōkaidō eingerichtet, die zunächst als Straße 2. Klasse nur eine nachgeordnete Bedeutung hatte. Sie begann in Seta, lief dann durch den Südosten der Provinz Ōmi durch den Kontrollpunkt (, seki bzw. sinojapanisch kan) Suzuka no Seki () im heutigen Kameyama, im Norden der Provinz Ise, folgte dann grob der Pazifikküste bis zur Hauptstadt der Provinz Hitachi. Die Fernstraße und Region entlang der östlichen wurde dabei als Tokaidō bezeichnet. Des Weiteren hatte die Straße drei bedeutende Abzweigungen: die Ise-ji (), die ab Suzuka südlich zum Ise-Schrein in der Provinz Ise und östlich in die Provinz Shima führte; die Kai-ji (), die in der Provinz Suruga zur Hauptstadt der Provinz Kai abzweigte; eine Nebenstraße, die in der Provinz Shimousa zur Provinz Awa auf der Bōsō-Halbinsel abzweigte. Zudem gab es ein Verbindungsstück, das von Hitachi über den Bezirk Higashishirakawa in der Provinz Iwaki die Tōkaidō mit der grob nördlich parallel verlaufenden Tōsandō verband, die ebenfalls in Suzuka begann.
Nachdem Minamoto no Yoritomo das Kamakura-Shogunat ausrief und der Regierungssitz 1192 nach Kamakura wanderte, stieg die Tōkaidō zur wichtigsten Straße Japans auf.
Zudem wurde Japan mit dem Gokishichidō-System in acht Großregionen unterteilt. Die einzelnen Provinzen der sieben (shichi) äußeren Regionen wurden dabei über ein System von Fernstraßen (dō) an die fünf Provinzen der inneren Region Kinki (goki) angeschlossen und übernahmen von diesen Fernstraßen die Namen. Die Region Tōkaidō bestand dabei aus folgenden Provinzen: Provinz Iga Provinz Ise Provinz Shima (im 8. Jahrhundert von Ise abgetrennt) Provinz Owari Provinz Mikawa Provinz Tōtōmi Provinz Suruga Provinz Izu Provinz Kai Provinz Sagami Provinz Musashi (vor 771 in Region Tōsandō) Provinz Awa (718 von Kazusa abgetrennt, 741 zu Kazusa, 757 wieder abgetrennt) Provinz Kazusa (Teil der alten Provinz Fusa) Provinz Shimousa (Teil der alten Provinz Fusa) Provinz Hitachi
Edo-Zeit mini|Fotografie der Tōkaidō von Felice Beato, 1865 mini|Der Tōkaidō heute in der Präfektur Aichi bei der Station Goyu Während der Edo-Zeit (1603–1867) wurde sie als eine der „Fünf Straßen“ (Gokaidō) neu hergerichtet und verband nun Edo (das heutige Tokio) mit Kyoto. Über eine Länge von 488 Kilometern lief sie zuerst von Tokio nach Nagoya entlang der Ostküste von Honshū und dann über die Berge und entlang des Südufers des Biwa-Sees nach Kyōto. Während der Edo-Zeit war der Tōkaidō als wichtige Verkehrsader ein wesentliches Machtmittel (Sankin kōtai) für die Shōgun-Dynastie, um die Kontrolle über das Land zu behalten. Der wichtigste Kontrollpunkt war der Hakone Sekisho (). Auf diesen geht bis heute die Bezeichnung der Gebiete um Tōkyō als Kantō (, „östlich des Kontrollpunkts“) und um Kyōto als Kansai (, „westlich des Kontrollpunkts“) zurück. Im Binnenland wurde der Verkehr über den Nakasendō geführt.
Die 53 klassischen Stationen des Tōkaidō Entlang des Tōkaidō wurden zwischen den Brücken Nihonbashi in Edo und Sanjō-Ōhashi in Kyōto insgesamt 53 Stationen (, shukuba) erbaut. Es entstanden Gasthäuser, Post- und Zollstationen. Die einzelnen Stationen sind:
Nr. Stationsname Entfernung Ort (historisch / modern) Transkription Kanji Provinz Bezirk Präfektur Gemeinde – Nihonbashi (Start) Musashi Toshima Tokio Chūō 1 Shinagawa-juku 2 ri Ebara Shinagawa 2 Kawasaki-juku 2½ ri Tachibana Kanagawa Kawasaki-ku, Kawasaki 3 Kanagawa-juku 2½ ri Kanagawa-ku, Yokohama 4 Hodogaya-juku 1 ri 9 chō Hodogaya-ku, Yokohama 5 Totsuka-juku 2 ri 9 chō Sagami Kamakura Totsuka-ku, Yokohama 6 Fujisawa-juku 1 ri 30 chō Kamakura / Kōza Fujisawa 7 Hiratsuka-juku 3½ ri Ōsumi Hiratsuka 8 Ōiso-juku 27 chō Yurugi Ōiso 9 Odawara-juku 4 ri Ashinoshimo Odawara 10 Hakone-juku 4 ri 8 chō Hakone 11 Mishima-juku 3 ri 28 chō Izu Kimisawa Shizuoka Mishima 12 Numazu-juku 1½ ri Suruga Suntō Numazu 13 Hara-juku 1½ ri 14 Yoshiwara-juku 3 ri 6 chō Fuji Fuji 15 Kambara-juku 2 ri 30 chō Ihara Shimizu-ku, Shizuoka 16 Yui-juku 1 ri 17 Okitsu-juku 2 ri 12 chō 18 Ejiri-juku 1 ri 3 chō 19 Fuchū-juku 2 ri 29 chō Udo Aoi-ku, Shizuoka 20 Mariko-juku 1½ ri Suruga-ku, Shizuoka 21 Okabe-juku 1 ri 29 chō Shida Fujieda 22 Fujieda-juku 1 ri 29 chō 23 Shimada-juku 2 ri 8 chō Shimada 24 Kanaya-juku 1 ri Tōtōmi Haibara 25 Nissaka-juku 1 ri 24 chō Saya Kakegawa 26 Kakegawa-juku 1 ri 19 chō 27 Fukuroi-juku 2 ri 16 chō Yamana Fukuroi 28 Mitsuke-juku 1½ ri Iwata Iwata 29 Hamamatsu-juku 4 ri 7 chō Fuchi Naka-ku, Hamamatsu 30 Maisaka-juku 2 ri 30 chō Nishi-ku, Hamamatsu 31 Arai-juku 1 ri Kosai 32 Shirasuka-juku 1 ri 24 chō Hamana 33 Futagawa-juku 2 ri 16 chō Mikawa Atsumi Aichi Toyohashi 34 Toyohashi-juku 1 ri 20 chō 35 Goyu-juku 2 ri 22 chō Hoi Toyokawa 36 Akasaka-juku 16 chō 37 Fujikawa-juku 2 ri 9 chō Nukata Okazaki 38 Okazaki-juku 1 ri 25 chō 39 Chiryū-juku 3 ri 30 chō Hekikai Chiryū 40 Narumi-juku 2 ri 30 chō Owari Aichi Midori-ku, Nagoya 41 Miya-juku 1½ ri Atsuta-ku, Nagoya 42 Kuwana-juku 3 ri Ise Kuwana Mie Kuwana 43 Yokkaichi-juku 3 ri 8 chō Mie Yokkaichi 44 Ishiyakushi-juku 2 ri 27 chō Suzuka Suzuka 45 Shōno-juku 27 chō 46 Kameyama-juku 2 ri Kameyama 47 Seki-juku 1½ ri 48 Sakashita-juku 1 ri 24 chō 49 Tsuchiyama-juku 2½ ri Ōmi Kōka Shiga Kōka 50 Minakuchi-juku 2 ri 25 chō 51 Ishibe-juku 3 ri 12 chō Konan 52 Kusatsu-juku 2 ri 25 chō Kurita Kusatsu 53 Ōtsu-juku 3 ri 24 chō Shiga Ōtsu – Sanjō-Ōhashi 3 ri Yamashiro Atagi Kyōto Higashiyama-ku, Kyōto
Heute Im Zuge der Modernisierung Japans in der Meiji-Zeit und im 20. Jahrhundert wurde die ursprüngliche Trasse des Tōkaidō auf Teilstrecken nicht mehr benutzt. Andere Strecken werden jedoch auch heute noch als normale Straßen benutzt, teilweise sogar als Nationalstraße Nr. 1.
Heute ist der Verlauf des Tōkaidō der meistbefahrene Verkehrsweg in Japan. Er verbindet Tokio (Japans Hauptstadt und größte Stadt) über Nagoya mit Kyōto und Osaka. Der Route Tokio-Nagoya-Kyōto-Ōsaka folgen die Tōkaidō-Hauptlinie (Eisenbahn) und die Tōmei- und Meishin-Autobahn. Eine der ersten japanischen Hochgeschwindigkeitszugstrecken (Shinkansen), die seit 1964 Tokio mit Ōsaka verbindet, wurde in Erinnerung an die traditionelle Handelsstraße Tōkaidō-Shinkansen genannt.
In der japanischen Kunst Der Tōkaidō übte auf japanische Künstler und Dichter eine große Faszination aus. Am bekanntesten ist der Holzschnittzyklus 53 Stationen des Tōkaidō bzw. die Hoeidō-Ausgabe des Künstlers Utagawa (Andō) Hiroshige.
Literatur Patrick Carey: Rediscovering the old Tokaido. In the Footsteps of Hiroshige. Global oriental, 2000, ISBN 1-901903-10-9. Philippe Delord: Hiroshige’s Japan: On the Trail of the Great Woodblock Print Master – A Modern-day Artist’s Journey on the Old Tokaido Road. Tuttle, Boston 2022, ISBN 978-4-8053-1629-0. J. T. Traganou: The Tokaido Road: Travelling and Representation in Edo and Meiji Japan. Routledge Curzon, 2003, ISBN 0-415-31091-1.
Weblinks
Hiroshige: 53 Stationen des Tōkaidō (englisch) Utagawas Tōkaidō-Serie Interaktive Tour (englisch)
Einzelnachweise
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