mini|Fälschung einer merowingerzeitlichen Gürtelschnalle im Archäologischen Landesmuseum, Schloss Gottorf (2011) Als Fälschung oder Falsifikat bezeichnet man in Täuschungsabsicht hergestellte oder bearbeitete Objekte und Informationen. Häufig gefälscht werden Antiquitäten, aber auch Markenprodukte, indem ein Original oder ein rechtlich geschütztes Produkt in allen Eigenschaften, Materialien, Signaturen und Markenzeichen so kopiert wird, dass es wie das Original erscheint. Auch vom Fälscher frei erfundene Produkte eines bestimmten Herstellers, Künstlers, Politikers oder Schriftstellers fallen in diese Kategorie.

Themen und Objekte Fälschungen gibt es in vielen Bereichen. In der Geschichtswissenschaft, aber auch in anderen Wissenschaften werden Objekte, Unterlagen oder Daten gefälscht. In der Kunst werden Kunstfälschungen vorzugsweise für finanziellen Gewinn und Anerkennung genutzt. Ein Beispiel aus der Literatur ist B. J. Macphersons Fragments of ancient poetry, collected in the highlands of Scotland, das 1760 als angebliches Werk Ossians ausgegeben wurde. Für propagandistische oder assoziative Zwecke werden Fälschungen im Journalismus und der Politik genutzt. Die scheinbar wahrheitsgetreue Fotografie wird unter anderem mit Bildbearbeitungsprogrammen verfälscht. Der englische Begriff Fake ist symptomatisch für die Internetkultur.

Die unterschiedlichsten Objekte werden gefälscht. Beispiele sind die Fälschung von Dokumenten wie Ausweisfälschung oder auch zum Durchsetzen politischer Ziele als Wahlfälschung. Auch Landkarten werden aus politisch-militärischen Gründen gefälscht., Frithjof Voss Stiftung, abgerufen am 30. Oktober 2018 In historischem Zusammenhang bekannt sind die Konstantinische Schenkung und die pseudoisidorischen Dekretalen. Antiquitäten werden aus preiswerten Materialien mit Alterungseffekten imitiert und als alt und teuer verkauft. Die verbreitete Fälschung von Markenartikeln fällt unter den Begriff Produktpiraterie. Gesundheitlicher Schaden für den Nutzer entsteht durch den Handel mit gefälschten Arzneimitteln, die wirkungslos oder häufig sogar gesundheitsgefährdend sind. Gefälschte oder unter falscher Kennzeichnung vertriebene Ersatzteile für Fahrzeuge oder elektronische Geräte können deren Betriebssicherheit oder Funktion beeinträchtigen. Häufige Opfer sind auch Sammler, die mit scheinbar preiswerten Angeboten gelockt, für gefälschte Objekte teuer bezahlen. Aus religiösen Gründen wurden im Mittelalter Reliquien gefälscht, indem echte Körperteile unbestimmter Herkunft als angeblich von Heiligen stammend ausgegeben wurden. Unmittelbaren materiellen Nutzen verspricht die Fälschung von Zahlungsmitteln; so werden neben Falschgeld und gefälschten Aktien auch Briefmarkenfälschungen in Umlauf gebracht. Eine vorbeugende Maßnahme besteht darin, die Fälschung durch Sicherheitsmerkmale zu verhindern; das wiederum ist Herausforderung für die nächste Fälschergeneration.

Imitationen und Nachbildungen zählen nicht als Fälschungen, solange sie als solche gekennzeichnet sind. Plagiate fallen in eine Grauzone und sind markenrechtlich geächtet.

Produktpiraterie und Fälschungen von Markenartikeln verursachen jährlich Schäden in Milliardenhöhe. "Auswirkungen der Produkt- und Markenpiraterie" Aus: förderland - Business Magazin für Entscheider. Abgerufen am 13. Februar 2023

Geldfälschung

Falschgeld ist kein Geld im Rechtssinne, sondern eine Fälschung, durch die ein echtes Zahlungsmittel (Banknoten oder Münzen) vorgetäuscht und im Zahlungsverkehr als solches verwendet werden soll. Unecht ist eine Banknote dann, wenn sie nicht oder jedenfalls nicht in der vorliegenden Form von demjenigen stammt, der als Aussteller aus ihr hervorgeht.BGH, Urteil vom 17. März 1970, Az.: 1 StR 491/69 = , 231 Falschgeld ist ein Rechtsbegriff, unter welchem Abs. 1 BBankG „nachgemachte oder verfälschte Banknoten oder Münzen“ versteht. Falschgeld ist eine Geldfälschung, die durch Geldfälscher vorgenommen wird. Geldfälschung ( StGB) ist in Deutschland ein Verbrechen, das mit einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr bestraft wird.

Fälschungen in den Medien Nicht nur Medienkonsumenten, sondern auch Medienmacher fallen zuweilen auf Fälschungen herein.Roland Söker: Marsianer in Grover’s Mill! – Die wundersame Welt der Medienfakes. Deutschlandfunk, 26. Mai 2013. Beispiele sind die Hitlertagebücher des Stern, die scheinbaren Dokumentarfilme, die Michael Born für Stern TV, Spiegel TV Magazin, ZAK und andere Fernsehmedien geliefert hatte, oder die vermeintlichen Interviews mit Hollywood-Stars, die Tom Kummer im Süddeutsche Zeitung Magazin platzierte. Die Geschichte der von Konrad Kujau gefälschten Hitler-Tagebücher wurde unter dem Titel Schtonk! verfilmt.

Als Mockumentary (von englisch: to mock (vortäuschen, verspotten, sich mokieren) und documentary) werden fiktionale, häufig parodierende Dokumentarfilme bezeichnet.Anke Richter: Fake-Doku über Nordkorea: Der oberste Führer von Neuseeland, Spiegel Online, 18. April 2013, zuletzt abgerufen am 26. Mai 2013. Ein Beispiel ist die vermeintliche Dokumentation Kubrick, Nixon und der Mann im Mond, die die Behauptung belegen soll, die amerikanischen Mondlandungen seien von Regisseur Stanley Kubrick im Filmstudio vorgetäuscht worden. Schon 1938 erregte Orson Welles Aufsehen, als er ein Radiohörspiel auf der Basis von H. G. Wells Krieg der Welten produzierte. Das Hörspiel war wie eine Reportage aufgemacht, und Hörer, die die erläuternde Einführung verpasst hatten, hielten dies für einen wahren Bericht über eine Invasion vom Mars.

Eine besondere Form der Fälschung von Inhalten sind die Zeitungsente oder erfundene Sachverhalte, immer häufiger auch Fake News. Im Dezember 2018 deckte das Magazin Der Spiegel die Fälschungen seines eigenen Redakteurs und vielfach preisgekrönten Journalisten Claas Relotius auf.

Fälschungen in der Kunst Die am Kunstmarkt zu erzielenden hohen Gewinne laden nach wie vor zu Kunstfälschungen ein. Seitdem allerdings die bildende Kunst im 20. Jahrhundert damit begonnen hat, ihre künstlerischen Mittel zu analysieren und die Frage nach der Authentizität ihrer Kunstwerke zu stellen, wird der Begriff der Fälschung im künstlerischen Sinne neu definiert.Susanna Partsch: Tatort Kunst, Verlag C. H. Beck, München 2010, S. 127–145, ISBN 978-3-406-60621-2. Bereits die Arbeiten von Marcel Duchamp, später dann von Andy Warhol oder von Sigmar Polke hinterfragen das Verhältnis von Original und Kopie auf neue Weise. Importiert Duchamp mit seinen Readymades noch manufakturierte Waren aus dem Alltag in den Kunstkontext, werden von Künstlern wie Richard Prince oder Sherrie Levine bereits bestehende Bilder erneut ausgestellt und damit die Fälschungen selbst zu Kunstwerken deklariert.Die Kunstkopie als neues Original – Wenn Wiederholung Kunst ist, Mercedes Bunz: Artnet, 15. Dezember 2005, abgerufen am 8. Juli 2013.

Auch Antiquitäten werden gefälscht.Vgl. etwa C. M. Kessler: Teil III. Gefälsche persische Textilien im Stile des 10.–12. Jahrhunderts. In: K. Otavsky, M. A. M. Salīm, C. M. Kessler (Hrsg.): Mittelalterliche Textilien, I. Ägypten, Persien und Mesopotamien, Spanien und Nordafrika (= Die Textilsammlung der Abegg-Stiftung. Band 1). Abegg-Stiftung, Riggisberg 1995, S. 251–276.

Fälschungen in der Archäologie mini|hochkant|Gefälschtes Tiwanaku-Relief (Stabgott) Zu Fälschungen auf diesem Gebiet zählen beispielsweise die Prillwitzer Idole als angebliche slawische, prähistorische Bronzefiguren, die aber erst in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts gefertigt wurden, sowie die Piltdown-Funde von 1912. Sie führten die Forschung zur frühmenschlichen Stammesgeschichte in die Irre und wurden erst 1953 als Fälschung entlarvt. Vom 23. März bis 9. September 2018 zeigte das LWL-Museum für Archäologie in Herne zahlreiche archäologische Fälschungen und Irrtümer aus Europa in einer Sonderausstellung, darunter die Tiara des Saitaphernes, das Einhorn von Quedlinburg und ein gefälschtes Relief der Gottheit Merkur.Irrtümer & Fälschungen der Archäologie, Ausstellung Herne 2018 , abgerufen am 28. November 2019

Fälschungen bei Lebensmitteln Verbraucherschutzverbände und Medien nutzen den Begriff Lebensmittelfälschung für den Einsatz von Ersatz- und Streckstoffen bei der Herstellung von Lebensmitteln.Lebensmittelfälschungen: Panschen, strecken, umdeklarieren, Bericht vom Deutschlandfunk am 9. April 2019Wenn Honig mit Zuckersirup gestreckt wird sueddeutsche.de, 9. November 2015

Weitere bekanntgemachte Fälschungen Konstantinische Schenkung (um 800): berechtigte angeblich zur Gründung des Kirchenstaates; Fulda-Fälschungen:Anne-Liese Thomasen: Fulda-Fälschungen. Eine rechtshistorische Analyse der päpstlichen Privilegien des Klosters Fulda von 751 bis etwa 1158. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 1, 1983, S. 243–253. um 815: Fälschung einer Urkunde Karls des Großen, die dem Kloster Fulda ein Zehntprivileg zubilligte. Das Fuldaer Zehntprivileg stellt die erste eindeutige Fälschung dieser Art in Deutschland dar. um 1155: Codex Eberhardi, ebenfalls für das Reichskloster Fulda. Privilegium Maius: umfangreiche Urkunden­fälschung des 14. Jahrhunderts, die den Herzögen von Österreich besondere Rechte verschaffte; ein der Stadt Hamburg 1189 angeblich von Kaiser Barbarossa ausgestellter Freibrief zur Zollfreiheit des Hamburger Hafens diente den Hamburger Kaufleuten als Argument gegen die Stadt Stade im Kampf um das Stapelrecht; Walam Olum, gefälschte Piktogramme und Beschreibungen der Migration der Lenni-Lenape-Indianer von Asien nach Nordamerika. Drake’s Plate of Brass: eine gefälschte Tafel, die angeblich Francis Drake 1579 an der Küste Kaliforniens aufstellen ließ und auf der er verkündete, das Land im Namen der Königin in Besitz zu nehmen. Die Tafel wurde jahrzehntelang für echt gehalten. Im Jahr 2005 tauchte eine angeblich von Galileo Galilei verfasste Schrift, Sidereus Nuncius, mit bisher unbekannten Tuschezeichnungen auf. Diese Entdeckung wurde zunächst von internationalen Fachexperten als echt befunden. Sie erwies sich später als mutmaßlich vom italienischen Antiquar Marino Massimo De Caro in den Handel gebrachte Fälschung. Der Santilli-Film, von dem 1995 behauptet wurde, die Obduktion eines Außerirdischen zu zeigen. Die Cottingley Fairies, 1917 von Kindern gefälschte und offiziell erst 1983 als solche erkannte Fotos von Feen, an deren Echtheit der Autor Arthur Conan Doyle angeblich bis zu seinem Tod glaubte.

Bekannte Fälscher Kunst Wolfgang Beltracchi Alceo Dossena Eric Hebborn Elmyr de Hory Konrad Kujau Wolfgang Lämmle Lothar Malskat Han van Meegeren Der Spanische Meister

Handschriften Václav Hanka Konstantinos Simonides

mini|Fälschung eines Luther-Autographs in einer Inkunabel von Duns Scotus durch Hermann Kyrieleis. Princeton University Library. "27 september 1528 Martinus Luther" (ca. 1893/96) Autographen () Hermann Kyrieleis (Martin Luther) Heinrich von Gerstenbergk (Friedrich Schiller)

Briefmarken Jean de Sperati François Fournier Peter Winter

Journalismus Michael Born Reuters-Fotograf Adnan Hajj Tom Kummer Ulla Ackermann Claas Relotius Marie Sophie Hingst Stephen Glass

Urkunden-/Schecks Frank W. Abagnale Marino Massimo De Caro

Rechtliche Bedeutung Folgende Fälschungen sind Straftaten in Deutschland: Fälschung von Geld und Wertzeichen ist eine Straftat ( bis StGB). Fälschung von urheberrechtlich geschützten Werken (UrhG). Fälschung einer Künstlersignatur wird im UrhG behandelt. Fälschung von Urkunden, Urkundenfälschung ist eine Straftat nach StGB. Fälschung zum Zwecke der Erschleichung von Gewinn ist nach StGB ein Betrugstatbestand. Fälschung von Kunstwerken, die Kunstfälschung ist in Deutschland kein eigenständiges Delikt, sondern wird nach StGB und StGB geahndet. Fälschung von Gesundheitszeugnissen nach StGB.

Die Rolle von Internet und Digitalisierung