mini|Die Gewinner des Ig-Nobelpreis 2026 erhielten eine Trophäe in Form eines Fusses mit Pilzen. Links Élodie Chabrol, rechts Marc Abrahams, Master of ceremonies bei allen bisherigen Ausgaben.

Der Ig-Nobelpreis ([], englischsprachiges Wortspiel: ignoble „unwürdig, schmachvoll, schändlich“), gelegentlich als Anti-Nobelpreis bezeichnet, ist eine satirische Auszeichnung, um wissenschaftliche Leistungen zu ehren, die „Menschen zuerst zum Lachen, dann zum Nachdenken bringen“ (to honor achievements that first make people laugh, and then make them think). Vergeben wird der Preis von der in Cambridge (USA) erscheinenden Zeitschrift Annals of Improbable Research und deren Gründer Marc Abrahams. Internetseite der Annals of Improbable Research, abgerufen am 7. April 2013 (engl.) Die erste Preisverleihung fand 1991 am Massachusetts Institute of Technology (MIT) statt, seit 2012 wurden die Preise an der Harvard-Universität überreicht, zuletzt wieder am MIT. Im Jahr 2026 fand die Verleihung mit Zürich als Austragungsort erstmals außerhalb der USA statt.

Bedingungen für die Nominierungen und Wahl Bedingung für eine Nominierung ist, dass die Entdeckung erst zum Lachen und dann zum Nachdenken führen soll.Helen Pilcher: Laughter in the lab. In: Nature Online vom 1. Oktober 2004 (englisch). Außerdem muss das Forschungsthema neu sein. Niemand darf vorher eine ähnliche wissenschaftliche Arbeit abgeliefert haben.

Die Preise werden von einer Jury, dem Ig Nobel Board of Governors, verliehen. Sie setzt sich nach Angaben der ausrichtenden Zeitschrift Annals of Improbable Research aus Nobel- und Ig-Nobelpreisträgern, wissenschaftlichen Autoren, Sportlern, Trägern öffentlicher Ämter (public officials) und anderen bekannteren oder weniger bekannten Personen (other individuals of greater or lesser eminence) zusammen. Traditionell wird außerdem am letzten Tag ein zufälliger Passant für die Entscheidungsfindung zugeladen.Ig Nobel Nominations Internetseite der Annals of Improbable Research, abgerufen am 7. April 2013 (englisch).

Die Preise werden jeweils im frühen Herbst verliehen, in der Regel kurz vor der Bekanntgabe der Empfänger des Nobelpreises.

Preisträger

mini|Der Ig-Nobelpreis in Biologie wurde 2025 an Tomoki Kojima und weitere Forscher verliehen, weil sie nachge­wiesen haben, dass das Bemalen von Kühen mit schwarzen und weißen Streifen die Anzahl der Insektenstiche deutlich reduzieren kann. Wegen seiner Bestrebungen, die Wasserstoffbombentechnik weiterzuentwickeln, war der Physiker Edward Teller 1991 einer der Ersten, die diesen Preis erhielten („für seinen lebenslangen Einsatz, die Bedeutung von ‚Frieden‘ nachhaltig zu verändern“). Der Physiker Robert Matthews erhielt ihn für seine Studien zu Murphys Gesetz, insbesondere für den Nachweis, dass Toastbrotscheiben dazu neigen, auf die gebutterte Seite zu fallen.

Jacques Benveniste war lange Zeit der einzige Laureat, der den Preis zweimal erhielt, nämlich 1991 und 1998. Joseph B. Keller wurde bei der Verleihung des Ig-Nobelpreises im Bereich Physik von 2012 außerdem auch rückwirkend zum Co-Preisträger von 1999 (ebenfalls Physik) erklärt und ist seitdem ebenfalls Doppellaureat. Weitere Preisträger, die den Preis zweimal erhielten, sind Patricia Yang und David Hu, die 2015 und 2019 jeweils mit dem Ig-Nobelpreis für Physik ausgezeichnet wurden.

Mit Andre Geim gibt es einen Wissenschaftler, der sowohl Ig-Nobel- (2000) als auch Nobelpreisträger (2010) ist.

Sonstiges Bis zu seinem Tod im Dezember 2018 fungierte Roy Glauber jahrelang als Besenmeister, der während der Zeremonie die Bühne von unzähligen Papierfliegern befreit, mit denen die Preisträger beworfen werden. 2005 konnte Glauber dieses Amt nicht ausüben, weil er mit dem Physik-Nobelpreis ausgezeichnet wurde.

Im April 2019 fand erstmals in Deutschland eine Ig-Nobel-Nacht mit Marc Abrahams und Mark Benecke statt.Richard Friebe: Perverse Stockenten- und Menschenfüße im Wodka. Marc Abrahams, Erfinder der Ig-Nobelpreise, kommt – mit Special Guest – ins Tempodrom. In: Tagesspiegel (Berlin) vom 12. April 2019.

2022 wurde der Ig-Nobelpreis mit dem Heinz-Oberhummer-Award für Wissenschaftskommunikation ausgezeichnet. mini|Preisverleihung 2026 in Zürich Nachdem bereits 2025 mehrere eingeplante ausländische Teilnehmer wegen Bedenken gegenüber der Grenz- und Visapolitik der Trump-Regierung der Preisverleihung ferngeblieben waren, entschieden die Veranstalter, die Zeremonie 2026 erstmals – und vermutlich für längere Zeit – außerhalb der USA zu veranstalten. In einer Pressemitteilung hieß es, es sei nicht möglich „mit gutem Gewissen“ internationale Preisträger oder Journalisten zu bitten, in die USA zu reisen.After 35 years, Ig Nobel ceremony to leave the U.S. Auf: science.org vom 11. März 2026. Die Preisverleihung des 36. Ig-Nobelpreises fand am 3. September 2026 im Kongresshaus Zürich statt. Als Austragungsort für den 5. September 2027 wurde während der Preisverleihung Antwerpen, Belgien bekanntgegeben. Literatur Marc Abrahams (Hrsg.): Der Einfluss von Erdnussbutter auf die Erdrotation. Birkhäuser, Basel 2002, ISBN 3-7643-5941-2. Marc Abrahams: IG Nobel Prizes. Orion, London 2002, ISBN 0-7528-5150-0. Mark Benecke: Lachende Wissenschaft. Aus den Geheimarchiven des Spaß-Nobelpreises. Lübbe, Bergisch Gladbach 2005, ISBN 3-404-60556-X. Mark Benecke: Warum man Spaghetti nicht durch zwei teilen kann. Lübbe, Bergisch Gladbach 2009, ISBN 3-7857-2368-7. Klaus Roth: Nobel oder Ig®Nobel? Stockholm oder Harvard. In: Chemie in unserer Zeit. Band 41, Nr. 2, 2007, S. 118–126, doi:10.1002/ciuz.200600416. Mark Benecke: Warum Nacktbilder zu Gedächtnislücken führen. Lübbe, Bergisch Gladbach 2023, ISBN 978-3-404-61747-0

Siehe auch Marginalistik Nobelitis

Weblinks

Improbable Research (englisch)

Einzelnachweise

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