Ein Triller (aus italienisch (lautmalerisch) trillo, französisch tremblement,Vgl. auch Josef Zuth: Handbuch der Laute und Gitarre. Verlag der Zeitschrift für die Gitarre (Anton Goll), Wien 1926 (1928), S. 275, Tremblement: in der Regel der Vorhalt (Abriss) von der Obersekunde. Bei Mersenne auch Vorschlag von unten, zwei- bis dreimalige Wiederholung des Tremblement, Bebung und Triller von der kleinen Untersekunde. englisch trill, spanisch trino), abgekürzt oft tr, ist eine Verzierung in der Musik: Über die Dauer der Hauptnote hinweg werden in schnellem Wechsel der notierte Hauptton und der darüber liegende Nebenton (Halbtonschritt oder Ganztonschritt) gespielt.

Notation Ausführung bis zur Klassik Ausführung in der Romantikrahmenlos|hochkant=1.2rahmenlos|hochkant=1.5rahmenlos|hochkant=1.5

Bis zur Klassik beginnt der Triller normalerweise mit der oberen Nebennote, die aber nicht notiert werden musste. Es gab jedoch auch schon im 16.–18. Jahrhundert Triller, die mit der Hauptnote begannen, vor allem in der italienischen Musik.Johann Agricola: Anleitung zur Singkunst (Übersetzung von Tosis Opinioni de cantori antichi e moderni…, 1723), Reprint der Ausgabe 1757, hrsg. v. Thomas Seedorf. Bärenreiter, Kassel et al. 2002, S. 106–107 (Anmerkung von Agricola). Ein kurzer Triller, bei dem die obere Nebennote nur ein- oder zweimal angeschlagen wird, heißt Pralltriller oder Praller. In der französischen Musik gab es einen Triller, bei dem die obere Nebennote verlängert wird (tremblement appuyé), und einen übergebundenen Triller (tremblement lié), der mit einem Legatobogen an die vorhergehende obere Nebennote angebunden wird, um zu zeigen, dass diese nicht nochmal angeschlagen wird.Siehe z. B. François Couperins Verzierungstabelle in: François Couperin: Pièces de Clavecin. 4 Bände, hrsg. von Jos. Gát. Schott, Mainz et al. 1970–1971. In der Musikpraxis werden kurze Triller oft vor der Zählzeit (beginnend mit der oberen Nebennote) ausgeführt. Als Abschluss einer melodischen Phrase in einer Kadenz bekommt der Triller normalerweise einen Nachschlag, das bedeutet, dass am Ende des Trillers als vorletzter Ton die untere Nebennote und als letzter Ton die Hauptnote erklingt.https://musikwissenschaften.de/lexikon/n/nachschlag/, abgerufen am 11. Juli 2024. Johann Joachim Quantz fordert generell einen Nachschlag; andere Autoren, etwa Leopold Mozart und Carl Philipp Emanuel Bach, nennen auch weitere Möglichkeiten, den Triller zu beenden. Außerdem gab es vor allem im Barock, aber auch später noch, Triller, die mit der unteren Nebennote beginnenSchon bei Correa de Arauxo (Facultad Organica, 1626) – da heißt er „redoble“ –, dann bei d’Anglebert (Pièces de clavecin, 1689) – da heißt er „cadence“ –, und auch in Johann Sebastian Bachs bekannter Verzierungstabelle. oder mit einem Doppelschlag von oben oder von unten.Auch dieser Triller hieß bei d’Anglebert (Pièces de clavecin, 1689) „cadence“; es gibt ihn auch in Johann Sebastian Bachs bekannter Verzierungstabelle aus Wilhelm Friedemanns „Klavierbüchlein“ (1720), er nennt ihn „Doppelt-Cadenze“. Der Triller mit Doppelschlag von unten entspricht außerdem Correa de Arauxos redoble (Facultad Organica, 1626, S. 54). mini|hochkant=2|Die Notation und Spielweise der Triller nach Beginn des 19. Jahrhunderts mini|Triller mit erniedrigter bzw. erhöhter oberer Nebennote Im 19. Jahrhundert setzte sich der Triller mit beginnender Hauptnote durch (linke Abbildung;Erste Belege finden sich in: Bernard Viguerie: L’art de toucher le piano-forte (Paris, ca. 1796), S. 29; und bei: Johann Nepomuk Hummel: Anweisung zum Pianofortespiele. Wien 1828 / 2. Aufl. Wien 1838, S. 394, §. 3 ff. Notation oft auch ohne die Erweiterungslinie Datei:trillline.jpg). Wollte man in der Romantik einen Triller mit dem Nebenton beginnen, musste man in der Regel einen kurzen Vorschlag hinzufügen. Der Übergang von der einen zur anderen Konvention scheint sich allerdings langsamer vollzogen zu haben, als oftmals angenommen. Noch im Jahr 1815 verlangt Johann Baptist Cramer, den Triller mit der oberen Nebennote zu beginnen: „Das Trillo fängt auf der höhern Note an und endet mit der Hauptnote, weil am Ende gewöhnlich ein Nachschlag folgt.“Johann Baptist Cramer: Anweisung, das Piano-Forte zu spielen, S. 29 Erst die großen Instrumentalschulen aus der Zeit nach Beethoven (Johann Nepomuk Hummel (1828), Louis Spohr (1832) u. a.) nennen nur noch die Möglichkeit, den Triller mit der Hauptnote zu beginnen.

Eine chromatische Veränderung notiert man über dem Trillerzeichen mit dem Veränderungszeichen ♯ oder ♭. Sonst an der Vorschlagsnote (besonders in der Orchesterliteratur finden sich auch die vorgegebenen Töne als kleine, eingeklammerte Notenköpfe neben der Hauptnote oder aber genaue Anweisungen wie „Ganzton“ bzw. „Halbton“). Rechts im Bild sieht man die Notation dieser modifizierten Triller und deren Spielweise, obwohl jene je nach Tonart von diesem Beispiel abweichen kann.

Notationspraxis mini|Thomas Tomkins, Ausschnitt aus „The hunting Galliard“, Fitzwilliam Virginal Book (1. Viertel 17. Jh.). Beispiel für zahlreiche ausgeschriebene Triller mit Nachschlag mini|Claudio Merulo, Ausschnitt aus der Toccata 7, Libro 1, Roma 1598. Beispiel für ausgeschriebene „tremoletti“ und andere Trillerarten („groppi“) Im 16. und frühen 17. Jahrhundert wurden Triller häufig ausgeschrieben, z. B. in der englischen Virginalmusik von William Byrd, John Bull und ihren Zeitgenossen, und in der italienischen Orgel- bzw. Cembalomusik von Andrea Gabrieli,Andrea Gabrieli: Sämtliche Werke für Tasteninstrumente. 6 Bände, hrsg. v. Giuseppe Clericetti. Doblinger, Wien 1997. Claudio Merulo,Claudio Merulo: Canzoni d’Intavolatura… (Libro I, II, III). Venedig 1592, 1606 und 1611. Gesamtausgabe von Walker Cunningham & Charles McDermott. A-R Editions, Madison WI 1992.

Claudio Merulo: Toccate d’Intavolatura… (Libro I & II). Rom 1598 und 1604. Neuausgabe (Facsimile): Florenz: Studio per edizioni scelte (S.P.E.S.), 1981. Girolamo FrescobaldiGirolamo Frescobaldi: Orgel- und Klavierwerke, Bd. 2, 3, 4, 5. Hrsg. v. Pierre Pidoux, Kassel: Bärenreiter, (urspr. 1948–1958). u. a. Ähnliches gilt für virtuose italienische Solo-Madrigale und Arien, z. B. in Giulio Caccinis Le Nuove Musiche (1601 und 1614).Siehe: Giulio Caccini: Le Nuove Musiche. Florenz 1601. Neuausgabe (Facsimile): Florenz: Studio per edizioni scelte (S.P.E.S.), 1983, (Vorwort, o. S.). In Italien gab es Ende des 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts bereits mehrere Traktate, wo Triller und andere Formen von Verzierungen erklärt werden, nicht zuletzt als Anweisung zur Improvisation. Einige bekannte Traktate sind z. B. von Girolamo Diruta Il Transilvano (1593; für Tasteninstrumente)Girolamo Diruta: Il Transilvano – Dialogo sopra il vero modo di sonar organi et istromenti da penna. Venedig, G. Vincenti, 1593, Facsimile, Bologna: Forni Editore. (Diruta war ein Schüler von Merulo, und überliefert eigentlich dessen Praxis.) oder von Francesco Rognoni Selva dei vari passaggi…(1620; für Stimme und „alle Arten von Instrumenten“);Siehe: Francesco Rognoni: Selva dei vari passaggi secondo l’uso moderno, per cantare et suonare con ogni sorte de stromenti, divisi in due parti (1620). Neuauflage: Arnaldo Forni, 2002, ISBN 88-271-2946-4. auch Michael Praetorius erklärt italienische Verzierungen in seinem Syntagma musicum (1614–1619).Michael Praetorius: Syntagma musicum. 3 Bände, Wittenberg/Wolfenbüttel, 1614–1619. Neuausgabe Kassel: Bärenreiter: 1958–1959. Es ist ganz wichtig zu wissen, dass die Namen der Verzierungen zu dieser Zeit oft anders waren: Ein Triller mit Nachschlag hieß „gruppo“ oder „groppo“, er konnte sowohl mit der Hauptnote als auch mit der oberen Nebennote beginnen.Z. B. bei Conforti (Breve et facile maniera, Rom 1593), Caccini 1601, Praetorius 1614–1619, Rognoni 1620. Siehe: Frederick Hammond: Girolamo Frescobaldi. Italienische Übersetzung von Roberto Pagano, Palermo: L’Epos, 2002, S. 336–349. Kleine zweihebige Pralltriller (von der Hauptnote aus) heißen bei Diruta „tremoletto“; diese finden sich vor allem bei Claudio Merulo, und können auf der Note, vor der Note und sogar halb vor und halb auf der Note sein.Merulo verwendet sie in 16tel-, 32tel- und (selten) in 64tel-Werten. Ein „trillo“ ist zu dieser Zeit eine Bebung auf einer Note, die langsam beginnt und immer schneller wird;Z. B. bei Conforti (Breve et facile maniera, Rom 1593), Caccini 1601, Praetorius 1614–1619, Rognoni 1620. Siehe: Frederick Hammond: Girolamo Frescobaldi. Italienische Übersetzung von Roberto Pagano, Palermo: L’Epos, 2002, S. 336–349. diese Art von Verzierung hört man manchmal von historisch gut informierten und ausgebildeten Sängern in Gesangsmusik von Caccini, Monteverdi oder Cavalli. Sie wurde auch von Praetorius beschrieben und müsste eigentlich auch in frühbarocker deutscher Musik von Schütz und Praetorius angewendet werden – genau wie alle Arten von „groppi“, also „echte“ Kadenz-Triller.Leider hört man frühbarocke deutsche Musik bisher (Stand: 2017) fast ausschließlich schlicht gesungen. Das entspricht jedoch nicht den historischen Tatsachen und dem stark italienisch beeinflussten frühbarocken Stil.