Musikcharts (verkürzt auch englisch Charts (PluraletantumCharts in duden.de, abgerufen am 1. März 2013)) oder deutsch Hitliste sowie Hitparade (verkürzt Hits) bezeichnet eine Methode für die numerische Zusammenstellung einer Rangliste von Musikstücken über einen bestimmten Zeitraum, die deren Beliebtheit oder deren Erfolg auf einer begrenzten Skala wiedergeben soll. Hitparaden sollen einen Gradmesser für den Erfolg eines Musiktitels darstellen. In den Musikcharts höher platzierte Musiktitel sind demnach erfolgreicher als Titel, die niedrigere Ränge der Charts einnehmen. Die Nummer eins ist demnach der erfolgreichste Musiktitel in einer Hitparade einer bestimmten Periode. Die Hitparade gibt Interessierten Auskunft über die Rangfolge von Musiktiteln nebst Interpret und zugehörigem Plattenlabel sowie über die vorangegangenen Platzierungen zurück bis zum Eintrittsdatum in die Charts.
Die Reihenfolge der Musiktitel soll Aufschluss über die relative Beliebtheit eines Titels geben. Die Beliebtheit oder Popularität eines Musiktitels wiederum hängt von der Frage ab, nach welchen Kriterien dies gemessen werden soll. Als Beliebtheitskriterien kommen etwa die Häufigkeit der Rundfunkaufführung (Airplay), Verkaufszahlen und seit dem Aufkommen der Onlinemedien auch Downloads und Musikstreaming in Betracht. Die meisten Charts sind auf ein bestimmtes geographisches Gebiet beschränkt, manche auch auf ein bestimmtes Musikgenre.
Hitparadenspezifische Begriffe Im Zusammenhang mit Hitparaden haben sich folgende Begriffe herausgebildet: Chartplatzierung ist der aktuelle sowie der höchste numerische Rang, den ein Musiktitel erreichen konnte. Top Ten (auch: Top 10), Top Twenty oder Hot 100 usw. sind Anglizismen für den numerischen Umfang einer Hitparade und auch für die Platzierung eines Musiktitels innerhalb dieses Aggregats. Neuzugang oder Neueinstieg („new entry“, „newcomer“) sind Musiktitel, die erstmals nach ihrer offiziellen Veröffentlichung in einer aktuellen Hitparade gelistet werden. In vielen gedruckten Chartlisten werden sie auffällig mit dem Hinweis „NEU“ gekennzeichnet. Titel, die in vorherigen Charts noch außerhalb des betrachteten Umfangs platziert waren, werden etwa auch als Neuzugang in den Top 10 bezeichnet, wenn sie in der Vorwoche eine Platzierung größer als 10 innehatten. Als Aufsteiger werden Titel bezeichnet, die sich bei fortlaufenden Charts gegenüber der Platzierung aus der Vorwoche verbessern konnten. Dies kann in vielen Hitlisten aus einer Spalte mit der Vorwochenplatzierung abgelesen werden. Analog gibt es für Lieder, die in der Platzierung gegenüber der Vorwoche abfallen, die Bezeichnung Absteiger. Aufsteiger der Woche bzw. Absteiger der Woche sind Titel, die die jeweils größte Veränderung aufweisen. Wiedereinsteiger () sind Musiktitel, die bereits in einem Chart verzeichnet waren, aus diesem wieder herausgefallen sind und nun wieder als Neuzugang auftauchen. Hit ist ein Musiktitel, der eine der oberen Platzierungen einer Hitparade erreicht hat. Entsprechend dem Ausmaß des Platzierungserfolges wird umgangssprachlich dann auch von einem „Super-Hit“, „Top-Hit“ oder „Mega-Hit“ gesprochen. Nummer-eins-Hit oder Top-Hit beschreibt einen Musiktitel, der den ersten Rang einer Hitparade innerhalb eines Auswertezeitraums innehatte. Als Chartbreaker oder auch Chartstürmer wird ein Lied oder ein Künstler bezeichnet, der auf einem der vordersten Chartplätze neu einsteigt oder seine Platzierung gegenüber der Vorwoche enorm verbessern kann. Bei einem Einstieg in eine Hitliste gleich auf den ersten Platz spricht man auch von „von Null auf Eins“. Von einem One-Hit-Wonder wird gesprochen, wenn ein Song eines Künstlers die vorderen Plätze der Hitparaden erreicht, aber keine weiteren Hits folgen. Als Dauerbrenner werden umgangssprachlich einerseits Musiktitel oder Alben bezeichnet, die über einen längeren Zeitraum den ersten Platz einer Chartliste einnehmen. Andererseits werden aber auch Titel oder Alben als „Dauerbrenner“ bezeichnet, die sich generell sehr lange in einer Chartliste platzieren können. Crossover-Hits sind Musiktitel, die einem bestimmten Musikgenre zuzuordnen sind und gleichzeitig in mindestens zwei, nach Musikgenres getrennten Hitparaden platziert sind. So war Ain't That a Shame von Fats Domino im Jahr 1955 nicht nur Nummer eins in der Rhythm-and-Blues-Hitparade, sondern auch auf Rang 9 der Pop-Hitparade in den Vereinigten Staaten.
Geschichte USA Früheste Hitparadenquellen (ab 1891) waren der Verkauf von Notenblättern oder ein Ranking der ASCAP, veröffentlicht in der Zeitschrift Phonogram (ab 1891) oder der monatlich erschienenen Phonoscope (1896 bis 1899). Insbesondere diese Aufzeichnungen sind Grundlage von Joel Whitburns Zusammenstellung Pop-Memories 1890–1954, das jedoch wegen der unterschiedlichen Quellen und Erhebungstechniken nicht die Genauigkeit späterer Hitparaden erreicht.Joel Whitburn: Pop-Memories 1890–1954. 1986, S. 7 ff. Das Billboard-Magazin arbeitete seit seiner ersten Ausgabe vom 1. November 1894 zunächst für die Werbeindustrie („Billboards“ sind Plakatflächen). Wöchentliche Notenblattverkäufe wurden bei Billboard ab 1913 veröffentlicht, 1914 bis 1921 versorgten die Plattenfirmen die Zeitschrift Talking Machine World mit Verkaufszahlen. Ab November 1934 veröffentlichte Billboard die Bestseller-Charts der Plattenlabels, Ende 1938 kamen die wöchentlichen Zusammenstellungen der populärsten Platten in Musikboxen hinzu.
Die erste Veröffentlichung von Hitparaden erfolgte am 4. Januar 1936, und am 20. Juli 1940 wurde der erste Music Popularity Chart zusammengestellt. Billboard verwendet seither eine Mischung aus Airplay und Verkaufsstatistik. Weitere bedeutende US-Musikmagazine mit eigenen Charts waren Cash Box (vom 13. Oktober 1951 bis zur letzten Ausgabe vom 16. November 1996) und Record World (schloss 1981).Harvey Rachlin: The Encyclopedia of The Music Business. 1981, S. 429 Jedes Magazin verwendet bei der Zusammenstellung seiner Charts eine eigene Methode.Harvey Rachlin: The Encyclopedia of The Music Business. 1981, S. 72 f. Da Cash Box (1996) und Record World (1981) vom Markt verschwanden, baute Billboard seine Marktmacht als führendes Musikmagazin weiter aus.
Der Begriff „Hitparade“ wurde in den USA erstmals mit dem Radioprogramm Your Hit Parade weitverbreitet, das ab 20. April 1935 vom NBC-Radio mit 15 Musiktiteln ausgestrahlt wurde, die in Zufallsreihenfolge gespielt wurden. Frank Sinatra moderierte die Sendereihe knapp zwei Jahre vom 13. Februar 1942 bis zum 30. Dezember 1944. Seit Juni 1956 wurde Your Hitparade auch im Fernsehen national übertragen; das regelmäßig ausgestrahlte Programm lief bis Juni 1958. Es handelte sich überwiegend um Live-Aufführungen, die auch im Radio der Hauptfaktor für die Musikindustrie zur Ermittlung eines Hits waren.
Die privat organisierten US-Radiosender suchten zunehmend nach einer individuellen Identifikation, die sie von Konkurrenzsendern unterschied. Auf diese Weise entstanden zunächst Sender, die als spezifisches Programmformat ausschließlich Popmusik, Country oder Rhythm & Blues spielten. Es folgte das Top 40 Radio, das die aktuellen Hits spielte und den Sendern einen kompakten und klar identifizierbaren Sound verlieh.Steve Chapple, Reebee Garofalo: Wem gehört die Rockmusik? 1980, S. 73
1952 hatten die privaten Radiosender KOWH in Omaha, WTIX in New Orleans und andere damit begonnen, als spezifisches Programmformat die Top-40-Charts von Billboard anzubieten.Ben Fong-Torres: The Hits Just Keep on Coming, 2001, S. 23 Todd Storz, Inhaber einer Radiokette – zu der auch WTIX gehörte – hatte beobachtet, dass in Musikboxen nicht mehr als 40 Lieder ausgewählt wurden; Gäste tendierten dazu, von den meist 40 Platten immer dieselben abzuspielen. So entstand das auch heute noch bestehende „Top 40-Radio“.Mary Lou Widmer: New Orleans in The Sixties. 2008, S. 85 f. Das war der Kern der „Music rotation“, wonach die populärsten Songs auch mehr gespielt werden sollten als andere.
Ab Mai 1953 übernahmen auch andere Sender dieses Hitparadenkonzept, so dass der Ausdruck „Top40-Radio“ für ein Radioformat stand, bei dem die Hitparade im Countdown-Prinzip mit dem Nummer-eins-Hit am Schluss gespielt wird. Dieses Format wurde 24 Stunden lang gesendet und bestand lediglich aus kurzen neutralen Ansagen ohne Nennung des PlattenlabelsRussell & David Sanjek: American Popular Music Business in the 20th Century. 1991, S. 174 und Werbeunterbrechung. Sehr populäre Platten wurden zwischen 30 und 40 Mal täglich gespielt.Roland Gelatt: The Fabulous Phonograph 1877–1977. 1977, S. 306 f. Top40-Radio bot wenig Raum für andere Programminhalte als Hits, es war Spartenradio meist auf der Grundlage der Billboard-Hitparaden.R. Serge Denisoff, William L. Schurk: Tarnished Gold: The Record Industry Revisited. 1986, S. 240 Dieses Programmformat erforderte wenig Aufmerksamkeit vom Zuhörer, zumal etwa 50 % der Zuhörer Autoradio hörten.Michele Hilmes, Jason Loviglio: Radio Reader: Essays In The Cultural History of Radio. 2002, S. 381 ff. American Top 40 ist der am längsten laufende nationale Musikcountdown im US-Radio.Christopher H. Sterling, Encyclopedia of Radio, Band 1, 2004, S. 117
Vereinigtes Königreich Seit 7. März 1952 besteht das britische Musikmagazin Musical Express, das seit 14. November 1952 – seitdem als New Musical Express – regelmäßig Hitparaden (später „Top 30“) veröffentlicht. Seit der Übernahme des Melody Maker durch den New Musical Express im Jahre 2000 sind daneben noch der Record Retailer und Music Week als Fachzeitschriften mit eigenen Charts übrig geblieben.
Auch Radio- und Fernsehsender erstellen eigene Hitparaden. Die BBC begann ab 1965 mit der Präsentation einer eigenen Hitparade, die „Fab 40“ waren Radio Londons Hitparade ab 19. September 1965. Fast alle Piratensender hatten sich für das Programmformat des Hitparaden-Radios entschieden.
Deutschsprachiger Raum Auf dem lange Zeit drittgrößten Tonträgermarkt Deutschland wurden die ersten Single-Hitparaden ab März 1954 durch die Musikzeitschrift Der Automatenmarkt veröffentlicht. Erstmals wurden Statistiken von Einsätzen in Musikboxen geführt. Diese Hitlisten können als erste „offizielle“ Hitparade betrachtet werden. Die Zeitschrift Musikmarkt hat die Tradition weitergeführt und zunächst lokale Erhebungen und reine Verkaufslisten geführt, die wesentlich genauer als die von selben Verlag ab 1959 veröffentlichte Gesamtliste war. Mit Umstellung von monatlicher auf 14-tägliche Veröffentlichung ab 1965 wurde der Erhebungsmodus vereinheitlicht.
Es gibt immer wieder Verlage, die Chart-Statistiken herausbringen, die jedoch oft wenig objektiv sind; insbesondere dann, wenn sie sich als Quellen auf eigene Archive berufen. Die erste deutschsprachige Hitparade im Radio wurde am 6. April 1958 durch Radio Luxemburg (Camillo Felgen) ausgestrahlt. Erst 1967 wurde der Begriff Hitparade im Duden aufgeführt und bezeichnet ebenso entsprechende Darstellungsformen in Rundfunk- und Fernsehsendungen.Hitparade auf duden.de, abgerufen am 23. August 2011
Der Musikmarkt führte die Charts ab 1971 wöchentlich. Von 1976 an war Media Control für die Chartdatenermittlung verantwortlich. Der Übergang der vom Musikmarkt und Radio Luxemburg bis dahin geführten Charts war fließend. Seit 2013 erhebt das Marktforschungsunternehmen GfK Entertainment im Auftrag des Bundesverbandes der Phonographischen Wirtschaft wöchentlich die offiziellen deutschen Charts.
In Österreich gibt es seit 1965 die Ö3 Austria Top 40, in der Schweiz seit 1968 die Schweizer Hitparade.
Methoden der Erhebung